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Wie wir noch besser werden können

Eines gleich vorweg: Wenn an dieser Stelle zum Thema gemacht wird, was die österreichische Reinigungsbranche noch besser machen könnte, dann NICHT, weil wir sie für nicht gut halten. Es soll vielmehr das Motto gelten: Wer nicht noch besser werden will, hört auf gut zu sein. Wir haben Branchenvertreter nach Ideen und möglichen Ansätzen gefragt – und ob ein Blick nach Skandinavien dabei hilfreich sein könnte.

Text: Hansjörg Preims

Zahlen aus einer Studie des Europäischen Dachverbandes der Reinigungsbranche – EFCI (European Federation of Cleaning Industries) belegen: Österreich gehört zu den Ländern Europas, die sich in wesentlichen branchenbezogenen Parametern signifikant etwa von den skandinavischen Ländern unterscheiden. Besonders auffällig ist zum einen die Divergenz bezüglich Produktivität pro Reinigungsmitarbeiter: Diese ist in den skandinavischen Ländern viel höher, zum Beispiel in Schweden dreimal so hoch wie bei uns (s. Zahlentabelle S. 26) Österreich liegt hier aber auch noch unter dem EU-Schnitt. In Schweden mag das vermutlich auch damit zusammenhängen, dass  es weniger Unternehmen gibt, aber Beispiel Finnland: weniger Einwohner als Österreich, mehr Firmen und trotzdem ist die Produktivität pro Beschäftigten mehr als doppelt so hoch. Woher kommt das? Zum anderen besteht auch ein eklatanter Unterschied beim Prozentanteil der Tagreinigung: in den skandinavischen Ländern zwischen 46 und 85 Prozent, im EU-Schnitt 32 Prozent, in Österreich nur 8 Prozent. Könnte man daraus ableiten, dass mehr Tagreinigung ein Schlüssel zu höherer Produktivität wäre, ein Ansatz, noch besser zu werden? Und/oder mehr Technik-Einsatz? Mehr spezielle Dienstleistungen? Kurzum: Was könnte die Branche weiter verbessern, um nicht aufzuhören, gut zu sein? Sich von den skandinavischen Ländern etwas abschauen?

Anderer Umgang zwischen Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Endkunden

Andreas Lill ist Direktor des EFCI in Brüssel. Er möchte zunächst einmal festhalten, „dass Österreich ganz sicher im oberen Drittel der Länder liegt, was Fortschrittlichkeit und Produktivität angeht.“ Aber vielleicht könne es doch von den skandinavischen Ländern etwas lernen: „Dass diese punkto Produktivität etwas höher einzuschätzen sind, liegt sicherlich auch daran, dass der Umgang zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, aber auch demjenigen, der das zu reinigende Büro belegt, in Skandinavien kollegialer ist als in den anderen Ländern, wobei auch oftmals ein freundschaftliches Verhältnis zwischen Arbeitnehmer und Büronutzer besteht.“ Sofern es nicht an der Anzahl der Firmen liege, beruhe diese höhere Produktivität also sicherlich auch darauf, dass es eine andere Kultur sei, eine andere Mentalität, sagt Lill.

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Andreas Lill, des Europäischen Dachverbandes der Reinigungsbranche – EFCI: „Wenn man die modernen Geräte benutzt, ist der Staubsauger in Wien ja nicht lauter als in Stockholm.“

Vor allen Dingen ein anderer Umgang zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer sowie dem Endkunden, ein mehr freundschaftlicher, kollegialerer Umgang – hier liege der Unterschied. Der skandinavische Arbeitgeber gebe dem Arbeitnehmer eher zu verstehen, dass er ihn brauche, um die Kundenwünsche zu befriedigen. Anderswo – teilweise auch in Österreich – habe er, Lill, oft den Eindruck, dass der Arbeitgeber dem Mitarbeiter eher von oben herab begegne und ihm vermittle, „DU brauchst MICH und deshalb musst du das jetzt tun“. Das sei aus seiner Sicht der Unterschied. Kurzum: „Man geht anders miteinander um, der Arbeitnehmer fühlt sich mehr wertgeschätzt und ist von daher auch produktiver.“

Lill glaubt, die Zahlen würden auch belegen, dass die Krankenstände, die Abwesenheitstage geringer seien: „Krankenstände sind zwar nicht Studiengegenstand, und es gibt diesbezüglich, soviel ich weiß, auch keine speziellen Zahlen für unsere Branche, aber das ist das, was ich zumindest immer höre von den unterschiedlichen Mitgliedsländern aus der EU – und ich glaube, das ist auch ein Grund für die höhere Produktivität.“ Es gebe in Skandinavien offensichtlich weniger Abwesenheitstage, weil die Menschen sich im wahrsten Sinne des Wortes wohler fühlten bei der Arbeit als in manchen anderen Ländern. Und das habe eben auch wieder damit zu tun, dass zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer – aber auch mit dem Endkunden – ein anderer Umgang gepflegt werde, als das vielleicht in Österreich oder in anderen Ländern der Fall sei.

Daher ist es – um zum zweiten großen Unterschied zu kommen –  für Lill auch kein Zufall, dass gerade in den skandinavischen Ländern der Anteil der Tagreinigung so hoch ist: „Es wird eben viel mehr anerkannt, dass der Arbeitnehmer tagsüber in den Büros anwesend ist, und dieser sieht sich dementsprechend nicht als Mitarbeiter der Reinigungsfirma, sondern als Mitarbeiter des Unternehmens, in dem er reinigt. Ich glaube, das ist ein wesentlicher Grund für eine bessere Arbeitsqualität wie auch für eine erhöhte Produktivität.“

Ist der Staubsauger denn nicht überall gleich störend? „… oder auch überall gleich NICHT störend, wenn man ihn richtig einsetzt“, wendet Lill ein, „wenn man die modernen Geräte benutzt, ist der Staubsauger in Wien ja nicht lauter als in Stockholm.“ Aber um ihn einzusetzen, müsse zunächst einmal die erste psychologische Hürde genommen werden, die, die auch die schwerste sei, „nämlich dass man überhaupt den Leuten die Möglichkeit gibt, tagsüber mit den leisen Geräten zu erscheinen und zu reinigen. Ich glaube, dass dieses Herausholen aus dem Verstecktsein zur Qualität und zur Förderung der Mitarbeiter und deren Motivation erheblich beiträgt“, so Lill.

Was sagen Österreichs Dienstleistungsprofis dazu?

KR Viktor Wagner, Geschäftsführer der REIWAG Facility Services GmbH: „Bezüglich Tagreinigung sind wir sehr interessiert, dies zu ermöglichen, jedoch ist hier auch ein Umdenkprozess unserer Auftraggeber von Nöten, welche den ,Nicht stören’-Faktor neu überdenken müssten. In Skandinavien ist es bereits in einem wesentlich höheren Maß als in allen anderen Ländern üblich, den Reinigungsmitarbeitern die Gelegenheit zu geben, tagsüber zu reinigen, und der Störeffekt ist nahezu nirgendwo gegeben. Die dadurch erzielten, wesentlich besseren Sozialbedingungen, dass Reinigungsmitarbeiter nämlich auch familienfreundlichere Arbeitszeiten bekommen und den Abend zuhause verbringen können, fördert die Zufriedenheit der Mitarbeiter und reduziert die Fluktuation. Wir stehen mit Sicherheit vor einer entsprechenden Aufklärungsarbeit in Deutschland, Österreich und vor allem in Südeuropa.“

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REIWAG-Chef KR Viktor Wagner: „Bessere Sozialbedingungen für die Reinigungsmitarbeiter, nämlich auch familienfreundlichere Arbeitszeiten, sodass sie den Abend zu Hause verbringen können, fördern die Zufriedenheit der Mitarbeiter und reduziert die Fluktuation.“

Zur Produktivität sei zu bemerken, dass diese sehr wesentlich von den Schulungserfolgen der Mitarbeiter abhänge und auch mit der Relation zum Leistungsverzeichnis, welches mit dem Auftraggeber abgestimmt werden könne und müsse, zusammenhänge, so Wagner.

Bei mehr Einsatz für Technik lasse der nächste große Sprung noch auf sich warten: „Dieser wird erst eintreten, wenn es gelingt, sinnvoll Trockensaugroboter mit entsprechenden Kraftzellen einzusetzen“, meint Wagner. „Solange Staubsauger stromabhängig sind und die Benutzung mit Kabel unausweichlich ist, ist ein Einsatz ohne lenkende Arbeitskraft nicht wirtschaftlich.“ Er, Wagner, habe selbst vor einigen Jahren im Fraunhofer-Institut gemeinsam mit einer Produktionsfirma an einem Forschungsprojekt dieser Art gearbeitet – und: „Wir mussten dies auf mein Verlangen hin abbrechen, da ich die Meinung vertrete, erst ab einer Kraftstoffzelle, die unabhängig vom Kabel arbeitet und auch wirtschaftlich sein muss, hat es Sinn, über einen Roboter nachzudenken.“ Es gebe bereits eine Reihe von Nassrobotern, welche vor allem in Supermärkten eingesetzt werden könnten. Der Durchbruch sei hier bis jetzt noch nicht in dem Maß gelungen, wie man das gerne hätte, sagt Wagner.

„Wenn die Leistung gerechter entlohnt wird, steigt die Qualität“

Gerhard Wildner, Geschäftsführer WISAG Gebäudereinigung GmbH: „Die besseren Umsätze pro Beschäftigtem im skandinavischen Raum lassen sich am ehesten mit der besseren wirtschaftlichen Situation der dortigen Unternehmen erklären. Ein verlässlicher Vergleich fällt aber schwer, weil die Marktsituation der verschiedenen Länder sich stark von Österreich unterscheidet. Viele österreichische Firmen fahren einen Sparkurs, der sich auch bei der Vergabe der Reinigungsaufträge bemerkbar macht. Die heimische Branche ist von hohem Preis- und Konkurrenzdruck geprägt.“

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Gerhard Wildner, Geschäftsführer der WISAG Gebäudereinigung GmbH: „Auch beim Auftraggeber muss die Bereitschaft vorhanden sein, Tagreinigung einzusetzen. Diese ist oft nicht gegeben.“

Mehr Tagreinigung könnte aber auch für Wildner einer der Schlüssel zu mehr Produktivität sein. Das sei aber nur möglich, wenn die Objekte eine Reinigung während des Betriebs erlauben. Büroräume würden sich dafür sehr gut eignen, Filialgeschäfte hingegen eher weniger. Gleichzeitig müsse auch die Bereitschaft beim Auftraggeber vorhanden sein, Tagreinigung einzusetzen. Diese sei oft nicht gegeben, sagt Wildner.

Bezüglich verstärktem Geräteeinsatz wendet Wildner ein, dass dies speziell bei der Tagreinigung in den meisten Fällen nicht möglich sei. Bei Objekten wie Büros führe der Einsatz von Geräten zu keiner Steigerung der Produktivität.

„Je größer ein Reinigungsunternehmen ist, desto effizienter können Reinigungsleistungen angeboten werden. Durch Synergien kann man den Verwaltungsaufwand minimieren, was zu mehr Produktivität führt. In Österreich gibt es sehr viele Kleinstunternehmen, die durch ihre geringe Größe einen Nachteil haben“, so der WISAG-Geschäftsführer. Aber: „Was die Branche insgesamt weiterbringen könnte, wäre ein geschlossenes Auftreten gegenüber Dumpingpreisen in der Reinigung. Wenn die Leistung gerechter entlohnt wird, steigt die Qualität.“

„Mehr Vollzeitbeschäftigung motiviert die Mitarbeiter sicher mehr“

Michael Freitag, Geschäftsführer der Sodexo Service Solutions Austria GmbH: „In Skandinavien haben wir im Vergleich zu Deutschland und Österreich eine höhere Vollzeitbeschäftigtenquote, die bei ca. 54 Prozent gegenüber 10 – 20 Prozent in Österreich und Deutschland liegt. Dies motiviert die Mitarbeiter sicherlich mehr als in Österreich und spielt ebenso eine Rolle bei Arbeitsvorbereitungszeiten und Nachbereitungszeiten. Die Schweden waren zum Beispiel auch bei der Integration und Förderung der Sprachkenntnisse von Mitbürgern mit Migrationshintergrund immer sehr fortschrittlich, woraus Vorteile in der innerbetrieblichen Kommunikation generiert werden können. Weiters wurde die Imageförderung des Reinigungsgewerbes schon sehr früh als Erfolgsfaktor zur Attraktivitätssteigerung erkannt und erfolgreich komplettiert.“

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Michael Freitag, Geschäftsführer der Sodexo Service Solutions Austria GmbH: „In wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten stehen wir gegenüber unseren Kunden in der Pflicht, uns auch anhand von Best Practice Modellen sowie Benchmarks Anregungen zu holen und daraus zu definierende Vorteile in unser Angebot aufzunehmen.“

Büroreinigungen würden in Skandinavien oft anders organisiert. So finde die Reinigung der Bodenbeläge häufig in den frühen Morgenstunden statt, die Reinigung der Oberflächen sowie die Müllentsorgung während des Tages. Dies erkläre auch die höhere Anzahl der Vollzeitbeschäftigten, sagt Freitag. „Verstärkt ist ebenso die ergebnisorientiertere Reinigung festzustellen, die im Insta 800 Standard definiert ist.“

Zusammenfassend sind es für Freitag folgende Faktoren, die zu Verbesserungen der jetzigen Situation führen können:

  • Steigerung der Vollzeitquote
  • Steigerung der Tagesreinigung
    > Führt zu einem besseren Verständnis zwischen Endnutzer und Reinigungskraft
    > Leichter für  das Familienleben der Reinigungskräfte, bei vorhandener Kinderbetreuung
  • Verbesserung der Arbeitsbedingungen
  • Verstärkte Durchführung von Mitarbeiterschulungen und Verbesserung von Qualifikationen
  • Verbesserung der Integration und Sprachenförderung

Die Entlohnung durch Vollzeitarbeitsmodelle, so Freitag weiter, sei für den Mitarbeiter attraktiver; diese liege bei höheren Lebenserhaltungskosten in Skandinavien aber immer noch über dem mitteleuropäischen Schnitt.

„In vielen Staaten ist auch frühzeitig der Zusammenhang zwischen Architekten, Planern und Gebäudeausstattern erkannt worden, erweitert Freitag in punkto Verbesserungspotenzial den Rahmen. Wer Reinigungsprofis und FM-Fachleute frühzeitig einbinde, könne hier bei den Lebenszykluskosten massiv langfristig Einsparungen erreichen.

Ebenso sei der Leistungsumfang der Unterhaltsreinigung bei Benchmarks immer sensibel zu betrachten, da es natürlich weitere kostenrelevante Faktoren gebe, die zu unterschiedlichen Darstellungen führen könnten.

„Der Faktor Qualität ist in Österreich ein sehr wichtiger“, betont Freitag. „In wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten stehen wir gegenüber unseren Kunden in der Pflicht, uns auch anhand von Best Practice Modellen sowie Benchmarks Anregungen zu holen und daraus zu definierende Vorteile in unser Angebot aufzunehmen.“

Die Mitarbeiter müssen ans Tageslicht geholt werden

Doch wie kommt man weg von der Randzeitenreinigung hin zur Tagreinigung? Wie hat sich das in Skandinavien entwickelt? EFCI-Direktor Andreas Lill: „Einerseits liegt es sicher auch an den rechtlichen Rahmenbedingungen. Es ist bekannt, dass die Nachtarbeitszeit, die höhere Zuschläge erfordert, in skandinavischen Ländern viel früher beginnt als hier. Das heißt, nicht um 21 oder 22 Uhr, sondern zwischen 18 und 19 Uhr. Das ist natürlich schon einmal ein ganz großer Anreiz, die Leute früher am Tag arbeiten zu lassen, weil es sonst teurer wird. Das weiß auch jeder Kunde.“ Aber das sei nur der Ausgangspunkt, denn: „Diese rechtlichen Rahmenbedingungen in Skandinavien haben dazu geführt bzw. waren mit die Ursache dafür, dass man sich das komplette Arbeitsmodell neu überlegt hat und eben zu einer fast kompletten Andersartigkeit der Organisationsabläufe gekommen ist. Wenn es in Schweden bis zu 70% Tagreinigung gibt – auch in Ministerien, wo man vielleicht erst recht denken würde,  da soll tagsüber keiner hinein –, dann hat das nicht nur mit den rechtlichen Tag- und Nachtzeiten zu tun, sondern eben auch mit der Tendenz, die Leute mehr ans Licht zu holen und ihnen mehr das Gefühl zu geben, dass sie für den Kunden etwas Wichtiges beitragen und nicht nur eine Arbeit tun, die eigentlich keiner sehen will.“

Öffentliche Auftraggeber müssten vorangehen

Es habe also unterschiedliche Gründe, so Lill, aber die Umsetzung in Skandinavien sei „schon so erfolgt, dass es eben auch in Punkto Produktivität und Mitarbeiterzufriedenheit deutlich positive Unterschiede gibt.“ Dabei sei die Öffentliche Hand in mehreren Ländern durchaus ein Vorbild und verlange, dass öffentliche Aufträge in der Reinigungsbranche zu einem höheren Prozentsatz tagsüber abgewickelt werden müssten. Es gebe ein gutes Beispiel aus Frankreich: „Dort ist vorgesehen, dass im Jahr 2015 20 Prozent und im Jahr 2017 30 Prozent aller öffentlichen Reinigungsaufträge tagsüber erfolgen sollen. Das sogenannte daytime cleaning wird dort also gepuscht von der Öffentlichen Hand, und das macht es natürlich leichter für Privatunternehmen und für private Kunden, dem auch zu folgen.“ Der französische Verband arbeite an dieser Umstellung bereits seit geraumer Zeit mit seinen Mitgliedsunternehmen zusammen, da ein solches Modell natürlich eine Umorganisation der seit langem eingespielten Arbeitsabläufe erfordere. Lill führt das Beispiel der Firma Danone an: „Diese testet mit dem dortigen Reinigungsunternehmen seit zwei Jahren die Umstellung auf Tagarbeit bei der Büroreinigung.“ Darüber hinaus müssten auch interne Widerstände auf Unternehmens- und Mitarbeiterebene berücksichtigt werden, die sich vor allem daraus ergäben, „dass die Reinigung am frühen morgen bzw. späten Nachmittag und frühen Abend seit Jahrzehnten eingeübt ist und sich alle Beteiligten darauf eingestellt haben.“

In Österreich dagegen scheine weder auf öffentlicher noch privater Kunden­ebene eine Tendenz in diese Richtung zu bestehen. „Dabei weiß man ja aus den nördlichen Ländern, dass es sehr positive Effekte haben kann. Es ist also nicht so, dass es nicht schon ein positives Beispiel dafür gäbe. Man muss es nur wollen, und es ist eine konzentrierte Aktion aller Beteiligten erforderlich“, betont Lill. Der österreichische Verband mache da seit zwei, drei Jahren auch schon gute Arbeit. Auch die Imagekampagne der Bundesinnung halte er für vorbildlich. Es gebe aber auch interne Widerstände. Die Unternehmen und auch die Beschäftigten müssten sozusagen mitgenommen werden und sich auch überzeugen lassen von der neuen Ausrichtung. „Das braucht Zeit und Geduld – und das Durchstehen interner Kämpfe.“

„Die Integrationsleistung der Branche verdient politische Unterstützung“

Wie ist es in Skandinavien mit den Migranten? Ist deren Anteil am Personal dort vergleichbar mit dem bei uns? Gibt es vielleicht weniger Sprachprobleme zwischen Reinigungskraft und Kunde? Andreas Lill: „Der Migrantenanteil ist auf jeden Fall genauso hoch. Schweden ist neben Deutschland, Frankreich und England ja das Land, das die meisten Flüchtlinge aufnimmt in Europa und es auch immer noch relativ gut schafft, sie in den Arbeitsprozess zu integrieren. Man muss auch mal deutlich hervorheben, welche Integrationsleistung unsere Unternehmen leisten durch die Integration gerade ausländischer Migranten in den nationalen Arbeitsmarkt. Ich glaube, dass das eine Karte ist, mit der wir in Brüssel, aber auch auf der nationalen Ebene noch viel stärker spielen müssen. Wir müssen der Politik klar machen, dass sie uns im Grunde braucht und auch etwas dankbar sein muss, dass es unsere Tätigkeiten hier gibt, wegen der Integrationsleistung, und dass sie deshalb auch in der Verpflichtung steht, diese Tätigkeiten zu fördern und zu unterstützen.“

Dem Thema „Verbesserungen“ ist auch unser „Schlusspunkt“  gewidmet – und zwar aus Schweizer Sicht (Anm. d. Red.)

kommentare

Eine Antwort

  1. Die Zukunft gehört der Tagreinigung, gleich wie man dazu steht. In den vergangenen aus mehr als langjähriger Erfahrung bin ich der Meinung: In den letzten Jahren zählten nur Sachlichkeit und der Preis. Die Kunden erwarteten einen „unsichtbaren Arbeitsablauf“. Die Angestellten waren von der alten Eigenreinigung gewohnt die „Bedienerin“ als „Leibeigene“ zu betrachten und mit Sonderwünschen zu belasten. Da war Reinigung ausserhalb der Betriebszeiten angebracht. Das ist zum Glück Vergangenheit. Reinigung wird vorwiegend für die Menschen in den Kundenräumen geleistet. Und von Menschen! Sichtbare Tagreinigung mit durchgehend längerer Arbeitszeit bringt von beiden Seiten eine bessere Bindung und mehr gegenseitiges Verständnis. Und durch die bessere persönliche Bindung weniger Personalfluktuation und bessere Reinigungsqualität und Anerkennung. Das wirkt sich positiv auf die Preis-Akzeptanz aus. Die niedrigeren erzielbaren m²-Leistungen werden teilweise kompensiert, da wenigher Personen im Einsatz sind und damit weniger Equipment notwendig ist. Leidtragende sind primär die wenigen schwarzen Schafe der Branche mit dubiosen Reinigungskräften die man nicht herzeigen will/kann.

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