Reinigung-1-c

Sanitärreinigung: Maschinell versus manuell

Sanitärreinigung betrifft einen der sensibelsten Reinigungsbereiche überhaupt. Woran es in der Praxis oft mangelt und worauf man am meisten achten sollte im Reinigungsprozess, erläutert Christian Höger, Sachverständiger für Gebäudereinigung, im Gespräch mit Reinigung aktuell.

Text: Erika Hofbauer

Christian Höger
Christian Höger

Reinigung aktuell: Was ist das Besondere am Bereich Sanitärreinigung im Vergleich zu anderen Reinigungsaufgaben?

Christian Höger: Die Gebäudereinigung und deren tägliche Reinigungsergebnisse sind wesentliche Faktoren für unser aller täglich Wohlbefinden. Die Sanitärbereiche sind die herausforderndsten, da es sich um Hygienebereiche handelt. Ich werde auch nicht müde, die Dienstleister zu ermutigen, die Reinigungskräfte zu schulen und zu fördern, um ein professionelles Reinigungsergebnis innerhalb von fairen und sozial Rahmenbedingungen zu erzielen.

Mit welchen „Reinigungsfehlern“ werden Sie im Rahmen Ihres beruflichen Alltags am häufigsten konfrontiert? Und was raten Sie hier?

Speziell nach Corona haben sich zwei wesentliche Entwicklungen herauskristallisiert: Erstens, dass für die Reinigungskräfte soziale und faire Rahmenbedingungen geschaffen werden mussten, um einen attraktiven Arbeitsplatz anbieten zu können. Und zweitens, dass das Thema Hygiene – zwar seit Corona wieder etwas abgeschwächt –, mehr ins Bewusstsein aller gerückt ist und auch auf höherem Niveau als noch vor Corona geblieben ist. Meiner Erfahrung nach ist dieses Bewusstsein zu schaffen in Form von Aufklärung das effektivste Werkzeug, um auch die Wertschätzung bzw. ein Arbeiten auf Augenhöhe zu erreichen. Diese Aufklärung bzw. dieses Bewusstsein muss jedoch auf beiden Seiten erfolgen.

Was meinen Sie damit konkret?

Zunächst muss Aufklärung und Bewusstsein schaffen sowohl bei der Reinigungskraft, die die tägliche Unterhaltsreinigung sach- und fachgerecht ausführt, erfolgen als auch beim Kunden und seinen Mitarbeitern. Denn ohne eine gemeinsame Zusammenarbeit werden die Maßnahmen einer grundlegenden Hygiene nicht erreichbar sein.

Was braucht es alles für eine optimale Sanitärreinigung?

Dafür sind sechs Anforderungen zu erfüllen. Es ist wichtig, dass diese Punkte konsequent und durchgehend umgesetzt werden, um eine effektive und hygienische Reinigung von Sanitärbereichen zu gewährleisten.

Genügend Zeit für die Reinigung einplanen, auch in den schwer zugänglichen Bereichen. Diese Zeiten müssen den jeweiligen objektspezifischen Rahmenbedingungen angepasst werden. Das bedeutet, dass bereits in der Kalkulation die maximal zulässigen m2-Leistungen nach ÖNORM D2050 reduziert werden müssen. Genügend Zeit bedeutet auch, eine dem Sanitärbereich entsprechende Reinigungs-Frequenz zuzuordnen.

Professionelles Reinigungsequipment: das richtige und saubere Reinigungsequipment schafft saubere Reinigungsergebnisse. Es muss aber auch richtig und durchgehend konsequent verwendet werden. Daher braucht es geschultes Reinigungspersonal und als Unterstützung fachgerechte Arbeitsanweisungen.

Arbeitsanweisungen als Checkliste für die richtige Anwendungstechnik. Diese Arbeitsanweisung sollte bei jeder Reinigungskraft am Reinigungswagen aufliegen, denn diese sollte die einzelnen Arbeitsschritte darstellen und als Unterstützung in der täglichen Umsetzung dienen.

Geschultes Reinigungspersonal. Es ist wichtig, dass das Reinigungspersonal über das richtige Fachwissen und die richtigen Techniken verfügt, um eine effektive und sichere Reinigung durchzuführen, um die persönliche Hygiene zu gewährleisten und Keimverschleppungen zu vermeiden. Zu einer Schulung gehört auch, empfindliche Oberflächen zu erkennen bzw. welche Verschmutzungsarten auf welchen Oberflächen mit welchem Reinigungsmittel sach- und fachgerecht entfernt werden können.

Die Reinigungskräfte regelmäßig nachschulen, um sicherzustellen, dass sie über das Wissen und die Fähigkeiten verfügen, eine effektive Reinigung durchzuführen.

Regelmäßige Qualitätskontrolle, um eine stabile Reinigungsqualität zu gewährleisten. Diese kann durch punktuelle externe Qualitätsaudits mit einem Sachverständigen der Gebäude­reinigung unterstützt werden.

Ein weiteres Spannungsfeld ist das zwischen maschineller und manueller Reinigung. Sie haben an einer entsprechenden Studie aus 2021 mitgearbeitet*. Welche Kernaussagen können hier extrahiert werden? Also: Was ist besser, effektiver oder wirtschaftlicher für den Kunden? 

Abhängig von den Rahmenbedingungen, hat die maschinelle Reinigung Vor-,
aber auch Nachteile. Sanitärbereiche umfassen im Regelfall automatengeeignete Oberflächen. Die Maschine muss dafür entsprechend aufgerüstet und abschließend gründlich gereinigt werden, um Keimverschleppungen zu vermeiden. Beim Einsatz einer Maschine muss sich der Zeitbedarf für die Reinigung der Bodenfläche durch den maschinellen Einsatz im Vergleich zur reinen manuellen Reinigung verkürzen, um mit einer höheren m2-Leistung kalkulieren zu dürfen. Die Vorgabe einer maschinellen Reinigung, um eine bessere Qualität im Reinigungsergebnis erzielen, ist möglich, jedoch nur unter den vorangenannten Vorgaben, und darf keine höhere m2-Leistung in der Kalkulation zulassen. Eine maschinelle Reinigung in der täglichen Sanitärreinigung macht in der Regel keinen Sinn, da die Flächen großteils zu klein und durch die WC-Keramik zu verwinkelt sind. Auch das Umrüsten würde zu viel Zeit für eine effiziente Reinigungsleistung beanspruchen.


Fallstudie zur maschinellen Reinigung mit kleinen handgeführten Scheuersaugautomaten

Im Jahr 2021 wurde unter Mitwirkung von Christian Höger eine Fallstudie zu dieser Fragestellung durchgeführt (Details dazu unter unten stehendem Link/QR Code). 

Die Fakten in Kürze und auszugsweise

Bei vielen Ausschreibungen für Reinigungsdienstleistungen, insbesondere im öffentlichen Sektor, geht aus den Ausschreibungsunterlagen nicht hervor, wie viele und welche Flächen als automatengeeignet eingestuft werden können. Somit wird versucht, die Flächenleistung mit modernen handgeführten Scheuersaugautomaten zu erhöhen, die Stundenanzahl damit zu verringern, um mit einem günstigen Angebot als potenzieller Zuschlagsempfänger in Frage zu kommen. Es ist zusätzlich zu beachten, dass die Bodenreinigung nur ein Teil der Leistungserbringung in der Unterhaltsreinigung ist und bei einer Voll- oder Teilreinigung immer separat zu bewerten ist. 

Aktuell werden bei Ausschreibungen die Reinigungsbereiche (z.B. Büros, Besprechungszimmer, Unterrichtsräume, Sanitäranlagen, Teeküchen) mit einem kleinen handgeführten Scheuersaugautomaten mit 750 m2 /Stunde bis 1.100 m2 /Stunde für die Teilreinigung kalkuliert, obwohl diese Flächen in der Interpretation der ÖNORM D2050 nicht als automatengeeignet definiert sind. Die in der Studie erwähnten Leistungswerte übersteigen die Werte der Teilreinigung um das 3- bis 4-fache (z.B. Büro 250 m2 /Stunde für die Teilreinigung nach ÖNORM D2050). Dabei ist zu beachten, dass die Leistungswerte in der ÖNORM D2050 die Bodenflächen und die Oberflächenreinigung beinhaltet.

Diese Fallstudie sollte aufklären, ob durch den Einsatz einer solchen Maschine 3- bis 4-mal schneller gereinigt werden kann. 

Es wurden vier unterschiedliche Standorte – 1. Bürohaus Produktion, 2. Bürohaus Verwaltung, 3. Museum 4. Universitätsgebäude mit Unterrichtsräumen – mit vier unterschiedlichen Reinigungsdienstleistungsbetrieben evaluiert und dokumentiert. Bei den Testreinigungen wurden die Raumgruppen „Büro, Besprechungszimmer, Schulklasse-Unterrichtsraum und Sanitär“ analysiert. In allen Raumgruppen wurden vorab mit einem iMop XL, welcher als Marktführer bei kleinen handgeführten Scheuersaugmaschinen gilt, die Bodenflächen gereinigt und anschließend dieselben Bodenflächen händisch durch eine Reinigungskraft des dort beauftragten Reinigungsdienstleistungsbetriebes manuell gewischt. Beide Arbeitszeiten wurden dokumentiert

Resümee

An 4 Standorten wurden insgesamt 131,15 m2 Bodenflächen in den Reinigungsbereichen Büro, Besprechungsraum, Unterrichtsraum und Teeküche gereinigt. Im Sanitärbereich wurden 59,70 m2 testgereinigt. Für alle Fläche mit insgesamt 190,85 m2 werden mit der handgeführten Schauersaugmaschine 32,72 Minuten Arbeitszeit benötigt. Für dieselbe Fläche wurden mittels manueller Reinigung 15,35 Minuten Arbeitszeit benötigt. Der Zeitbedarf für die maschinelle Reinigung war um 17,37 Minuten oder 53,09 % Arbeitszeit höher.

Anmerkungen

Es ist hinsichtlich der Durchführung der maschinellen Reinigung anzumerken, dass mit einer kleinen handgeführten Scheuersaugmaschine Eckbereiche sowie schwer zugängliche Bereiche nicht vollständig gereinigt werden können. Noch dazu ist die Handhabung beim Verstellen/Verschieben von beweglichem Inventar wie Sesseln und dergleichen als aufwendig anzusehen, da die Maschine immer zusätzlich außer Betrieb genommen und abgestellt werden muss. Dasselbe Prozedere gilt bei niedrigen und schmalen Bereichen, welche in den meisten Fällen gar nicht maschinell gereinigt werden können und eine manuelle Nachreinigung unabdingbar macht. Des Weiteren ist anzumerken, dass sich die Anschaffungskosten negativ auf die Reinigungszeit auswirken, da aufgrund der Kosten ein höherer Stundensatz gegenüber einer manuellen Reinigung anzusetzen wäre.

In allen getesteten Bereichen konnte eine kleine handgeführte Scheuersaugmaschine keine Vorteile hinsichtlich der Reinigungszeit erzielen. Positiv anzumerken ist jedoch, dass sich durch die höhere Mechanik, die permanente Zufuhr von frischer Reinigungslösung inkl. Absaugung eine höhere Reinigungsqualität erzielen lässt. 

Fazit

Durch eine maschinelle Reinigung „OHNE“ Nacharbeiten in Ecken oder schmalen/niedrigen Bereichen kann keine vollständige Bodenreinigung durchgeführt werden, somit muss bei der Erfüllung des Leistungsverzeichnisses immer zusätzlich händisch gewischt werden. Alle Ergebnisse der Testreinigung haben ergeben, dass eine maschinelle Reinigung in keiner Raumgruppe einen zeitlichen Vorteil gegenüber der manuellen Reinigung brachte. Wird die zusätzliche Nachreinigung mitbewertet ist die maschinelle Reinigung mit Abstand langsamer. In Bezug auf aktuelle Kalkulationen bei Ausschreibungen, die unter anderem von der vergebenden Stelle geprüft und als machbar eingestuft werden (750 m2 /Stunde bis 1.100 m2 /Std für die Teilreinigung), müsste theoretisch die maschinelle Reinigung 3- bis 4- mal schneller als die manuelle Reinigung sein. Aufgrund der getesteten Flächen und des ausgearbeiteten Ergebnisses dieser Fallstudie konnte der theoretische Zeitvorteil einer maschinellen Reinigung eindeutig nicht erreicht werden.

Hinweis: die gesamte Studie kann hier nachgelesen werden: www.wko.at

kommentare

Eine Antwort

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

neueste beiträge