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Online-Shopping bei Berufskleidung

Digitalisierungsbestrebungen auch im Vertrieb und der Vermarktung von Berufskleidung. In der Branche betrachtet man die Möglichkeiten differenziert.

Petra Gerl
Petra Gerl

Petra Gerl, Marketing- und Produktmanagement-Verantwortliche beim textilen Mietservice-Anbieter CWS-boco Österreich, springt auf jeden Fall auf den Digitalisierungszug auf: „In allen Bereichen wird digitalisiert. Dies betrifft auch die Entwicklung und Bereitstellung von Berufsbekleidung.“ Die Nutzung digitaler Möglichkeiten sei hier zunächst in der Vermarktung und im Vertrieb essentiell, bezieht Gerl sich vor allem auf Online-Shops sowie auf die Bereitstellung digitaler Broschüren und Informationsmaterial für den Kunden. Aber auch in anderen Bereichen setze man auf Lösungen 4.0, nämlich als Dienstleister und Vermieter von Berufsbekleidung: „Hier“, so Gerl „liegt unsere Kompetenz in der Versorgung und Betreuung über einen längeren Zeitraum. Durch die eingesetzten digitalen Möglichkeiten wie zum Beispiel Barcodes oder RFID-Chips wird jedes Bekleidungsteil für seinen Träger individualisiert – der Mitarbeiter erhält nach der Reinigung durch CWS-boco immer die genau ihm zugeordnete Kleidung wieder zurück.“ Gleichzeitig werde der Lebenszyklus jedes Teiles durch den gesamten Bereitstellungs- und Bearbeitungsprozess für Kunden und Dienstleister transparent und nachverfolgbar, Inventuren seien damit genauer, da manuelle Fehler drastisch verringert würden. Die Dokumentation sämtlicher Vorfälle während des Lebenszyklus sei lückenlos gegeben. „So sind Reklamationsmeldungen ,im System‘, bevor der Teil in der Wäscherei ist, somit muss der Fehler nicht erst nochmals gefunden werden. Alle diese Möglichkeiten erhöhen die Dienstleistungsqualität und somit die Kundenbindung“, ist die boco-Marketingexpertin überzeugt.

Spezialisierte Software

Aber nicht nur das: „Auf eine zuverlässige Belieferung kann sich der Kunde aufgrund der für diesen Bereich spezialisierten Software OMD verlassen, die die komplette Logistik für den Umlauf der gemieteten Bekleidung optimiert und in Echtzeit abbildet“, führt Gerl weiter aus. Für die Administration und Dokumentation der Mietkleidung stehe dem Kunden darüber hinaus ein 24h-Online Portal zur Verfügung. In diesem könnten sämtliche Informationen zu den im Einsatz befindlichen Teilen und Trägerdaten abgerufen und gegebenenfalls geändert werden. „Neue Anmeldungen, Abmeldungen, Reparaturwünsche und dergleichen können so vom Kunden selbstständig und unabhängig von der Uhrzeit verwaltet und eingesehen werden“, betont Gerl, womit für Kunde und Lieferant die Win-Win-Situation der permanenten Einsicht in die Ist-Situation bestehe.
Bei CWS-boco sei man jedenfalls „auf allen Ebenen bestrebt, unternehmensbezogene Prozesse digital zu optimieren.“ So auch in der Lieferkette: Bei den boco Fairtrade Workwear-Kollektionen haben Kunden bzw. Träger die Möglichkeit, online mehr über die Herkunft der Kleidung bzw. der verarbeiteten Baumwolle zu erfahren. Denn an jedem Kleidungsstück befindet sich ein Etikett mit einem Fairtrade-Code. Wird dieser online eingegeben, so erfährt der Nutzer Hintergründe zu der Bauernkooperative, wo diese Baumwolle ihren Ursprung hat. Gerl: „Besonders bei Großkunden und bei internationalen Ausschreibungen sind die Anforderungen betreffend Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema, dem auch auf diese Weise Rechnung getragen wird.“
Mit diesen Digitalisierungsvarianten will man sich bei CWS boco aber nicht zufrieden geben, wie Gerl weiter erzählt: „Die Zukunft ist definitiv digital. An Möglichkeiten, unsere Produkte und Dienstleistungen digital und innovativ zu optimieren, wird stetig gearbeitet. Unser Fokus richtet sich auf effiziente Mietlösungen, individuelle Anforderungen des Kunden, benutzerfreundliche Portale sowie die Vereinfachung der administrativen Belange.“

Virtuelle Umkleidekabine?

Für Reinhard Idl, Marketingleiter bei Salesianer Miettex, sind Digitalisierungsmöglichkeiten im Bereich Miet-Berufskleidung durchaus möglich, aber eher im „klassischen“ Sinne: „Größere Kunden haben ein Webportal, dort können Bestellungen definiert werden. Es gibt automatische Bestellsysteme und Aufzeichnungen über Bestandsänderungen und ähnliche Auswertungen.“ Beim Thema virtueller Kleiderschrank gibt er sich eher skeptisch: „Gerade bei professioneller Berufskleidung für Firmen braucht man ja individuelle Beratung, welche Kleidung die richtige ist, und bei Schutzkleidung, welchen Normen diese zu entsprechen haben.“ Er erkennt mehr Service darin, dass es nach Abschluss eines Vertrags bei den Mitarbeiter/innen Anproben gibt, damit die Kleidung auch richtig passt: „Schließlich handelt es sich ja um keine Modekleidung, die man zum Ausgehen anzieht, sondern es wird darin ja gearbeitet.“

Onlineshops Standard

Marion Arnold
Marion Arnold

Ähnlich argumentiert auch Marion Arnold, Marketingleiterin des oberösterreichischen Schutzbekleidungsherstellers Reindl: „Die Digitalisierungsentwicklung erfolgt ähnlich wie in anderen Branchen, vielleicht sogar etwas langsamer. Unsere Kunden setzen auf den direkten Kontakt mit dem Vertrieb oder dem Außendienst, um ihre Anliegen zu besprechen.“ Freilich seien Blätterkataloge, ein Onlineshop oder eine teilweise papierlose Auftragsabwicklung unverzichtbar, aber: „Wir sind von den Mengen, die privat online bestellt werden, weit entfernt. Es bedarf oft einer individuellen Beratung und nicht nur einer Bestellung.“ Darüber hinaus gebe es selbstverständlich eine Konkurrenz, die verstärkt auf den Online-Handel setze. „Doch in diesem Bereich handelt es sich eher um B2C-Verkauf, wir sind aber nur im B2B-Geschäft tätig“, so Arnold.
In welcher Form profitiert man bei Reindl von Digitalisierungsmöglichkeiten? Arnold:„Natürlich ist es einfacher geworden, dem Kunden das gewünschte Modell in seiner Individualfarbe einzufärben oder sein Logo an der gewünschten Stelle zu positionieren. Es ist viel einfacher geworden, die Kundenwünsche zu visualisieren und Möglichkeiten aufzuzeigen.“ Aber: Alles in einem Rahmen, der das persönliche Gespräch noch in den Vordergrund stelle. Natürlich sei es für ein Unternehmen kein Problem, einen Barcode oder Chip an der Wäsche anzubringen (um sie den jeweiligen Trägern zuordnen zu können), oder dass einzelne Niederlassungen von Großkonzernen online aus den vordefinierten Produktsortiment bestellen könnten. Jedoch wolle man mit Bedacht vorgehen, so Arnold: „Wir sind alle mitten drin in der Digitalisierungswelt, und werden uns auch darin weiter bewegen und uns Neuerungen nicht verschließen. Wie schnell es geht, weiß aber niemand.“

Digitalisierung gewinnt

Auch beim deutschen Versand-Profi engelbert strauss mit Handelsniederlassung in Linz ist ohne Digitalisierung kaum etwas möglich. So gewinnt laut dem Familienunternehmen das vernetzte Agieren bzw. Denken immer mehr an Bedeutung – und das in allen Bereichen. „Bei allem Engagement in der Digitalisierung wird darauf geachtet, dass Kundinnen und Kunden mit einem Blick sehen, wie sie mit der angebotenen Online-Technik im Shop umgehen können“, heißt es bei engelbert strauss: Der Online-Service müsse spielend leicht fallen, ähnlich wie beim Blättern im Katalog, wird argumentiert. Denn die Hauptkataloge, die mehrmals im Jahr erscheinen, haben rund 1000 Seiten. Usability und Service im Bestellwesen ist für den deutschen Bekleidungs-Riesen wichtig, das beginnt beim Einstieg in die Website und reicht hin bis zu den Extra-Dienstleistungen für Bestandskunden, wenn sie im System eingeloggt sind. Eine virtuelle Umkleidekabine gibt es bei engelbert strauss nicht, ein ähnliches Online-Tool für Kunden für eine spezielle Workwear-Kollektion war jedoch bereits einmal im Einsatz. „Die Erfahrungen daraus zeigen, dass andere Services Kunden wichtiger sind“, argumentiert man bei engelbert strauss. So möchten Kunden vielmehr anhand ihrer persönlichen Anforderungen, individueller Gegebenheiten, etwa bei Material-Eigenschaften, Funktion oder zum Beispiel Sicherheitsvorschriften, wissen, welche Produkte zu ihnen passen, und in weiterer Folge, mit welchen sich diese am besten kombinieren lassen. In diese Richtung habe engelbert strauss unter anderem die Tools bzw. Informations- und Nutzungsmöglichkeiten für Kunden im Onlineshop adaptiert, heißt es. Eines der Tools ist die Filterfunktion, die bei den jeweiligen Produktgruppen bzw. einzelnen Produkten eingesetzt werden kann – etwa Schuhen. Hier werden die wichtigsten Daten eingegeben bzw. per Klick ausgewählt: Größe, Farbe, Eigenschaften bis hin zu Sicherheitsklassen. Produkte mit diesen Eigenschaften werden angezeigt. Des Weiteren erkennt man bei angezeigten Produkten zusätzliche Informationen – zum Beispiel anhand einer Balken-Grafik, ob die gewählte Damen-Arbeitshose genau Größe 42 hat oder ob sie eventuell etwas kleiner oder größer ausfällt. Vor allem bei Arbeitsschuhen biete die Filter-Funktion extrem viele Vorteile, betont man bei engelbert strauss: „Fehlkäufe werden bestmöglich vermieden. Kunden sind oft überrascht, welche und wie viele Möglichkeiten beim qualitativen Schuheinkauf berücksichtigt werden können – von der Sohle, der Höhe, dem Design, dem Verschlusssystem, den Normen bis hin zu orthopädischen Aspekten.“

Neue Technologien

Aber auch in anderer Form setzt man bei engelbert strauss auf neue Technologien. So kommen beispielsweise – allerdings nur in Deutschland – Roboter im zentralen Retourenlager zum Einsatz – dafür gab’s auch 2016 den Europäischen Logistikpreis. Konkret werden dabei Roboter zur Kommissionierung eingesetzt, was es erlaubt, Waren noch schneller und effizienter zwischen den weltweiten Standorten zu bewegen. Ein weiteres Hightech-Projekt ist die CI-Factory: Kunden können künftig individuell Arbeitsschuhe in ihrem jeweiligen Firmenlook fertigen lassen.

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