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Der Muster-Import

Mag. (FH) Duško Stojaković, 38, seit Februar 2014 neuer Geschäftsführer von Werner & Mertz Professional (Tana) wanderte als 15-jähriger Flüchtling mit seinen Eltern aus Bosnien und Herzegowina (damals noch Jugoslawien) in den Pinzgau aus. Eine tolle Geschichte, wie sie das Leben auch schreiben kann.

Interview: Christian Wolfsberg

Reinigung Aktuell: Wie war das 1991 infolge des Bosnienkriegs?

Stojaković: Wir kamen zuerst nach Salzburg, weil meine Eltern hier Bekannte hatten, und später nach Saalfelden. Meine Eltern waren in Bosnien Lehrer (Deutsch und Mathe) und durften zuerst im Flüchtlingslager die Kinder unterrichten. Später haben sie in der Volksschule in Saalfelden unterrichtet und bekamen dann (und ich natürlich auch) die österreichische Staatsbürgerschaft. Ich selbst bin in die Handelsakademie in Zell am See gegangen und habe in Zell am See begonnen Basketball (meine großes Hobby) zu spielen –später durfte ich auch für BBU Salzburg in der Bundesliga spielen.

Ihr Berufsweg war dann schon klassischer?

Ja. Nach Handelsakademie und Bundesheer in Saalfelden begann ich bei der SIG Combibloc zu arbeiten und besuchte berufsbegleitend die Fachhochschule in Salzburg – Betriebswirtschaft und Informationsmanagement, spezialisiert auf Finance und Controlling. Meine Diplom­arbeit habe ich 2004 im Supply Chain Management gemacht, um zusätzliche Wirtschaftsbereiche zu erörtern. Ich war immer im Vertrieb und Marketing, zuerst bei SIG (ein Schweizer Konzern, der Abfüllanlagen und Verpackungen für Molkereien, Fruchtsaftbetriebe etc. herstellt) als Sacharbeiter, dann als Assistent, später Key-Account Manager, bis zuletzt dann Area Sales Manager für den Balkan. In der Zeit habe ich meine Frau (gebürtige Norwegerin) kennengelernt und wechselte zu WIBERG (Salzburger Gewürzhersteller für Industrie und HoReCa). 2006-2012 war ich Country Manager für Südosteuropa. WIBERG ist wie Werner & Merz ebenfalls ein Familienbetrieb, im Business-to-Business Bereich, wo eben langfristige Zusammenarbeit, Vertrauen, Beziehungen und individuelle Lösungun die wichtigsten Parameter sind – es war eine spannende Aufgabe und eine tolle Zeit. Dann wollte ich mich weiterentwickeln und ging zu Habasit (Weltmarktführer bei Antriebsriemen, Transport- und Prozessbändern) nach Wien. Dort war ich Sales und Marketingdirektor für Österreich und Osteu­ropa. Da war das Pendeln zur Familie schon etwas weiter!

Wie kam es zu Werner & Mertz (Tana)?

Ich wurde über einen Headhunter angefragt, der jemanden suchte mit langjähriger B2B Erfahrung, der sowohl den österreichischen als auch die osteuropäischen Märkte kannte. Bei Werner & Mertz waren auch einige frühere Kollegen, daher wusste ich, dass es ein innovativer Familienbetrieb ist, lernte Reinhard Schneider, den Inhaber in Mainz, kennen und  tja … ‚the rest, as they say, is history‘. Mir gefiel die Sichtweise von Herrn Schneider, der in Generationen denkt und sehr viel von Innovationen hält. Für die Marke Frosch sagt er z. B., es soll keine Marke geben, die ökologischer ist als wir. Das gilt jetzt auch für green care PROFESSIONAL. Ich schätze sehr diese langfristige Sichtweise, bei der auch in Ideen investiert wird, die nicht sofort Profit bringen (wie eben ‚cradle to cradle‘), wo die Wirtschaft in Kreisläufen gesehen wird und dadurch die Nachhaltigkeit an erster Stelle steht. Das sieht man auch bei den Mitarbeitern: Wir haben eine lange durchschnittliche Firmenzugehörigeit von 18 Jahren; unsere Verkaufsleiter, die Herren Kogler und Roscher – die viele im Markt sehr gut kennen – sind schon 34 bzw. 25 Jahre dabei. Diese Dinge haben mich sehr beeindruckt.

Was ist Ihre exakte Rolle?

Ich bin Geschäftsführer von Werner & Merz Professional in Österreich. In diese Aufgabe fallen aber noch dazu Osteuropa und Russland und der Job hat damit eine ganz tolle Bandbreite. Der österreichische Markt ist schon sehr weit entwickelt, aber zB der Markt in Rumänien und Russland ist schon anders, da sind Bereiche wie die Gebäudereinigung noch lang nicht so weit fortgeschritten – trotz Anwesenheit internationaler Kunden und Dienstleister. Wir bei Werner & Merz wollen diesen sehr notwendigen Weg der Veränderung der Wirtschaftsparadigmen gehen. Wir verbrauchen derzeit ja weit mehr Rohstoffe, als die Erde jährlich regenerieren kann, und da müssen wir – auch die Unternehmen – heftig dagegensteuern. Das hat mich vom ersten Gespräch an bei Werner & Merz beeindruckt: interessante Aufgabe und tolles zukunftsdenkendes Unternehmen.

Ein Unternehmen der Prinzipien?

Absolut! Am 30. September, am Österreichischen Nachhaltigkeitstag in Wien, war auch der Präsident des World Business Council for Sustainable Development, der eine Woche zuvor auch beim UN Meeting in New York referierte, da: Allen ist klar, wir müssen etwas ändern an der Art, wie wir wirtschaften, ansonsten können wir den Schwelländern nicht helfen und auch unser Lebensstandard wird nicht aufrecht zu erhalten sein. Bei Werner & Merz werden wir angehalten, an und in die Zukunft zu denken. Ja, wir sind ein Unternehmen mit Prinzipien. Dr. Brakemaier, der Leiter unserer Forschung in Mainz, ist schon seit vielen Jahren dahinter: Wir sind schon seit 11 Jahren EMAS, ISO 14001 zertifiziert, viele unserer Produkte haben das  EU Ecolabel, das Österreichische Umweltzeichen und viele mehr. Wir haben ja schon 2009 den Deutschen Nachhaltigkeitspreis gewonnen. Es genügt nicht der Level „weniger schlecht“. Mit ‚cradle to cradle‘ wollen wir die Dinge nicht weniger schlecht, sondern gut machen, nicht nur beim Inhalt, auch bei der Verpackung. Je mehr Unternehmen diesen Weg gehen, desto besser. Das ist ja keine Konkurrenz, sondern insgesamt wünschenswert und gut für alle.

Folgen Ihnen die Anwender?

„green care PROFESSIONAL“ ist von Jänner bis Oktober 2014 stärker gewachsen als tana PROFESSIONAL. Letztlich müssen wir alle gewinnen; auch die Kunden unserer Kunden müssen so denken, nicht nur der Dienstleister, auch der Endkunde. Die Entwicklung geht aber eindeutig in diese richtige Richtung: Bei den Nachhaltigkeitstagen waren schon 380 Teilnehmer dabei und immer mehr Unternehmen veröffentlichen einen Nachhaltigkeitsbericht. Wir machen damit nicht nur PR, die Produkte müssen auch wirken, müssen professionell reinigen. Wir haben da das große Glück der langjährigen Erfahrung: Frosch war schon 1986 das erste grüne Consumer-Produkt, das hilft uns natürlich enorm.

In welchen Zeitabständen wird geplant?

Für mich ist 2014 noch ein Kennenlernjahr aber unsere Unternehmenspläne reichen bis 2020. Wir wollen im Professional Bereich in den nächsten Jahren auf ein 1:1 Verhältnis zwischen green care und tana PROFESSIONAL kommen. Also langfristige Pläne bis 2020, dazwischen Jahresziele.

Was ist in Österreich wichtig?

Wir setzen auf die Ausbildung unserer Mitarbeiter, auf langjähriges Fachwissen, auf viel Praxis im Markt und auf authentisches Auftreten und Verhalten. Wir sind bestrebt, für den Kunden die beste individuelle Lösung zu erarbeiten und zuverlässig für ihn da zu sein, seine Probleme und Wünsche zu kennen und zu lösen. Ich glaube sehr daran, dass unsere langjährige Konzentration auf die Nachhaltigkeit und die Umweltfreundlichkeit für uns extrem positiv ist. Der Frosch, ob der rote bei Tana PROFESSIONAL oder der grüne bei Frosch oder green care PROFESSIONAL, der Frosch ist schon ein kräftiges Symbol – seit vielen Jahren. Auf diese Erfahrung bauen wir, sie wollen wir nutzen.

Gibt es neue Geschäftsfelder für Sie?

In Österreich war und ist die Gebäude­reinigung für uns extrem wichtig. In der Werner & Mertz Familie gibt es aber noch weitere Schwerpunkte, in Frankreich z. B. in der Wäsche mit dem HoReCa Bereich (Hotel, Restaurant, Café). Das Know-how dieser lokalen Champions wollen wir uns auch für Österreich zu Nutze machen. Seit Juni dieses Jahres beginnen wir, unseren Kunden auch diese weiteren Produktgruppen vorzustellen und anzubieten. Wir gehen also vermehrt in Produkte für die Textilreinigung. Wir glauben schon, dass das Angebot von möglichst viel Produktgruppen beim Kunden immer wichtiger wird und daher sehen wir den Bereich Cross-Selling, also unseren bestehenden Kunden auch Produkte für die Reinigung von Wäsche und Küche anzubieten, als sehr wichtig. Unser Weg ist der des Beratungsverkaufs. Diesen werden wir auch in den Bereichen Wäsche und Küche weiter verfolgen.

Was hat Sie bisher am meisten fasziniert?

Ich bin ja ein Quereinsteiger in die professionelle Reinigung, aber ich sehe das schon als eine Branche mit enormem Potenzial nach oben. Die Reinigung ist etwas das vielfach einfach später kommt, etwas das oft keiner sieht. Letztlich sind aber die Wertigkeit der Reinigung, die Pflege guter Dinge, die  Werterhaltung, die Hygiene und Sauberkeit die Bereiche, die unsere Zivilisation auch ausmachen und auszeichnen.

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