Nachhaltige Betreiberkonzepte rücken in den Mittelpunkt

Facility Services Österreich: Lünendonk-Studie zeigt robustes Wachstum und Marktkonsolidierung

Der Markt für Facility Services in Österreich zeigt sich robust. Schrumpfte der Umsatz der in die Lünendonk-Studie einbezogenen 27 Unternehmen im Krisenjahr 2020 pandemiebedingt um 1,3 Prozent, so war 2021 durch ein überdurchschnittliches Wachstum von 6,1 Prozent gekennzeichnet. Grundlage für diesen starken Erholungseffekt sind unter anderem die sukzessive Aufhebung der Beschränkungen in Nutzung und Betrieb von Immobilien und die starke Entwicklung des wirtschaftlichen Umfelds in Österreich mit einem Wachstum des BIP von 4,8 Prozent im Jahr 2021.

Das sind erste Ergebnisse der Analyse von 27 Unternehmen der Lünendonk-Studie 2022 zu Facility-Service-Unternehmen in Österreich. Sie ist unter www.luenendonk.de ab sofort zum Preis von 2.200 Euro zzgl. MwSt. als PDF-Datei mit Unternehmenslizenz verfügbar. Die korrespondierende Lünendonk-Liste steht dort dort zum kostenfreien Download bereit.

Das Ranking

  • Wie schon 2020 ist ISS Facility Service aus Wien Marktführer. Die österreichische Tochter des weltweit größten, aus Dänemark stammenden Facility-Management-Anbieters erzielte 2021 einen Inlandsumsatz von 272,3 Millionen Euro (im Vergleich zu 2020: +5,6 %).
  • Auf Rang zwei folgt die P. Dussmann GmbH mit 188,0 Millionen Euro Umsatz – ein Plus von über 50 Prozent, das wesentlich durch die Übernahme der Janus Gruppe im März 2021 beeinflusst ist. 
  • Mit einem konsolidierten Inlandsumsatz von geschätzt 150 Millionen Euro (+4,5 %) liegt die Simacek Facility Management Group auf dem dritten Platz.
  • Position vier hat Sodexo Service Solutions, Wien, mit 129,1 Millionen Euro Umsatz inne (+7,7 %). 
  • ÖWD aus Salzburg folgt auf Rang fünf (100,8 Mio. €; +6,3 %) und
  • die CKV Gruppe an sechster Stelle (100,0 Mio. €; +5,3 %).
  • Auf Rang sieben verbucht die Equans Gebäudetechnik GmbH (vormals Engie) mit ihren Service-Umsätzen 2021 97,4 Millionen Euro (+3,6 %).
  • Die Hausbetreuung Attensam kommt mit 87,7 Millionen Euro (+6,2 %) auf Platz acht, gefolgt von
  • Siemens Gebäudemanagement & -Services (SGS) mit 75,0 Millionen Euro (+7,1 %).
  • Neu im Ranking beschließt die CBRE-Gruppe die Top 10 mit einem Inlandsumsatz von 68,0 Millionen Euro (+9,7 %).

Marktkonsolidierung setzt sich fort

Im österreichischen Facility-Service-Markt sind derzeit zahlreiche Übernahmen zu beobachten, die sich auf das aktuelle Ranking sowie auf zukünftige Lünendonk-Listen auswirken werden: Dussmann erwarb im März 2021 die Janus Gruppe, und die PKE verstärkte sich, ebenfalls im Jahr 2021, durch die Akquisition der First Facility GmbH. 

Diese Marktkonsolidierung setzt sich auch 2022 fort: Durch die Fusion mit der Siemenstochter SGS wird Apleona in Zukunft vorbehaltlich weiterer Übernahmen anderer Dienstleister zu einem der Marktführer im technischen Gebäudemanagement (TGM) aufsteigen. Außerdem übernahm Caverion jüngst Porreal. Das finnische Unternehmen wird sich dadurch voraussichtlich auf dem TGM-Servicemarkt etablieren.

„Die Übernahmen im Markt sind ein Indiz für eine Marktkonsolidierung. Gleichzeitig sind immer mehr Dienstleister nicht nur in Österreich, sondern auch in der Schweiz und Deutschland sowie weiteren Ländern aktiv. Das begünstigt zukünftig die länderübergreifende Vergabe von Facility-Service-Mandaten“, kommentiert Lünendonk-Partner Thomas Ball die Marktentwicklung.

„ESG“ erlangt strategisch hoch relevante Bedeutung

Bestimmendes Thema im Markt sind neben der Entwicklung der führenden Unternehmen die Vorgaben der EU zur Nachhaltigkeit. Die EU-Taxonomie-Kriterien rücken nachhaltige Betreiberkonzepte von Immobilien in den Mittelpunkt. Die Facility-Service-Unternehmen sehen ihren Beitrag zu den Reporting- und Maßnahmenzielen in der Bereitstellung der Ist-Daten und in der Beratung zu beziehungsweise Umsetzung von Maßnahmen, die die Nachhaltigkeit steigern.

Für die Zukunft erwarten die Unternehmen, durch den Wertbeitrag zu ESG (Environmental, Social, Governance) ihre Positionierung hin zu strategischen Partnern ihrer Kunden weiterzuentwickeln. Vor dem Hintergrund der nun auch sicherheitspolitisch relevanten Umstellung der Energieversorgung und der Notwendigkeit, Energie wo irgend möglich zu sparen, erlangt der Bereich „ESG“ – insbesondere das „E“ darin – für viele Unternehmen eine strategisch hoch relevante Bedeutung.

„Der Ukraine-Krieg erweist sich als weiterer Treiber und Entwicklungsbeschleuniger ressourcenschonender Gebäudebewirtschaftung. Facility-Service-Unternehmen sind bei dieser Transformation zentrale Partner“, erklärt Dieter Jäckel, Senior Consultant bei Lünendonk & Hossenfelder. „Kunden werden unter Umständen vor dem Hintergrund des entstehenden Handlungsdrucks bereit sein, mehr in nachhaltiges Betreiben zu investieren, was für die Branche eine gute Nachricht wäre“.

Zusammenfassung

  • Der FM-Markt zeigt sich robust – ganz besonders in Österreich. Mit einem überdurchschnittlichen Wachstum von 6,1 Prozent erholte sich die Branche 2021 in Österreich stärker als in Deutschland.
  • Die Stimmung in der Branche ist gut und zeichnet sich durch Zuversicht aus. 83 Prozent der Befragten sehen die kommenden Jahre als herausfordernd an, sehen sich und das eigene Unternehmen aber „gut aufgestellt“. Die Umsatzprognosen der Dienstleister fallen mit durchschnittlich 7,0 Prozent pro Jahr bis 2026 sehr positiv aus. Die wirtschaftlichen Verwerfungen, besonders durch den Ukraine-Krieg, könnten dies aber dämpfen. 
  • Der akute Personalmangel gilt nicht mehr nur für die Gewinnung von Fachkräften, sondern auch für Servicemitarbeiter. Er stellt ein wesentliches Wachstumshindernis dar.
  • Der Wertbeitrag der Facility-Service-Unternehmen im Zuge der ESG-Transparenzanforderungen an Immobilienbetreiber und bei der Umsetzung der Maßnahmen zu umwelt- und klimafreundlicheren Immobilien ist ein wesentlicher Veränderungstreiber in der Branche. 
  • Im Vergleich mit anderen Ländern besteht in Österreich eine ungewöhnliche Aufteilung in FM-Anbieter mit klarem TGM- oder IGM-Fokus. Trotzdem erwarten die Anbieter, dass in Zukunft Multidienstleister den Markt dominieren werden, die integrierte Vergaben aus einer Hand bedienen können. Dahin scheint es aber ein noch recht langer Weg zu sein.
  • Die Ausgangslage ist für eine zukünftige Aufwertung des FM günstig. In der Pandemie haben die Facility Services ihre Unabdingbarkeit bewiesen und sich als verlässlicher Partner ihrer Kunden gezeigt. Die Dienstleister positionieren sich immer mehr als flexible Lösungsanbieter für die Herausforderungen einer sich schnell ändernden und unsicheren Welt.

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