Zukunftsmarkt Pflegeheim

Die Verantwortung ist groß, wenn es um die Reinigung von Alten- und Pflege-heimen geht. Denn: Die Dienstleister treten nicht nach Büroschluss, wenn das Personal nicht mehr arbeitet, auf den Plan, sondern müssen im Beisein der Bewohner/innen ihre Reinigungsarbeiten durchführen.

Text: Erika Hofbauer

Beim Kuratorium Wiener Pensionisten-Wohnhäuser (KWP) hat man sich bereits vor Jahren entschieden: Die Reinigungsleistung wurde ausgelagert. Für die Dienstleister eine große Herausforderung, zählen doch die 30 KWP-Häuser mit knapp 9.000 Wohn- und Pflegeplätzen sowie den 4.000 Mitarbeiter/innen zu den größten Anbietern in Sachen Senior/innenbetreuung. KWP-Sprecherin Heike Warmuth erzählt vom Outsourcing-Procedere: „Es wurden sehr strenge Auswahlkriterien für die Anbieter angewandt. Insbesondere war es wichtig, dass die Reinigungsfirmen Erfahrung im Bereich der Alten- und Pflegeheime haben. Im Vergleich zu den klassischen Bürogebäudereinigungen, wo Reinigung in Abwesenheit der Personen stattfindet, erbringen die Reinigungskräfte ihre Leistung in Beisein der Bewohnerinnen und Bewohner.“ Aber nicht nur das unterscheidet die Reinigungsdienstleistung in einem Pensionisten-Wohnhaus von üblichen Bürogebäuden. Warmuth: „Die Aufgaben sind vielfältiger. Neben dem großen persönlichen Bewohner/innenbereich stellen stationäre Bereiche – vergleichbar mit Krankenhaus – mit besonders pflegebedürftigen Personen hohe Anforderungen an Reinigungsleistung dar.“ Gefragt sei da besondere Sensibilität, weiß Warmuth, damit es z.B. nicht zu einer Verschleppung der Infektionskeime komme: „Das dort eingesetzte Personal muss besonders geschult sein und verantwortungsbewusst handeln.“

Reinigungskräfte sind oft auch Bezugspersonen

Der Fokus bei der Personalauswahl liegt auf dem Umgang mit den betagten Personen: „Die Reinigungskräfte sind oft auch Bezugspersonen und müssen Beobachtungsgabe haben. So sollen sie etwa – falls notwendig – die Hausleitung auch auf mögliche Verschlechterungen im Gesundheitszustand informieren können“, so die KWP-Sprecherin weiter, weshalb es für das Kuratorium auch wichtig sei, „dass Deutschkenntnisse vorhanden sind.“ Bei der Entscheidung, die Reinigungsleistungen fremd zu vergeben, waren laut Warmuth diese Punkte insbesondere ausschlaggebend:

  • Die Reinigungsfirmen haben großes Know-how, das sofort einsetzbar ist.
  • Die Reinigungsfirmen übernehmen Recruiting- und Schulungsprozess. Hierzu stehen speziell ausgebildete Unterweiser in der Gebäudereinigung zur Verfügung.
  • Durch großen Personalpool können die Engpässe z. B. bei Grippewellen vermieden werden. Die Reinigung muss auch in diesen Zeiten erfolgen.
  • Aufgrund ihres Kerngeschäftes befinden sich die Reinigungsfirmen am Puls der Zeit. Sie bringen Innovationen mit, die sich das KWP mühsam erarbeiten müsste. Hier sind z.B. unterschiedliche Reinigungsautomaten, unterschiedliche Easy-Care-Systeme und vor allem die elektronische und stets nachvollziehbare Qualitätskontrolle aufzuzählen.
  • Auch das finanzielle Argument war wichtig. Es wird eine State-oft-the Art-Leistung günstiger erbracht und Steuergelder geschont.
  • Natürlich müssen alle gesetzlichen Bestimmungen und darüber hinaus geltende soziale Aspekte eingehalten werden. Daher werden in den Verträgen diese Punkte besonders geregelt. Es finden engmaschige Kontrollen statt.

Die Anforderungen werden oft unterschätzt

Für Reinigungsunternehmen zählen Arbeiten in Pflege- und Altenheimen dadurch zu recht herausfordernden Aufgaben. Thomas Dattenböck, Geschäftsführer des Mehrnbacher Reinigungsdienstleisters Duorein in Oberösterreich: „Natürlich gibt es einige Unterschiede im Vergleich zur Reinigung z.B. in Bürogebäuden, Schulen usw. Die Reinigung in  Alten- und Pflegeheimen ist sensibler im Hinblick auf Hygiene, Reinigungsmaterial, Maschinenausstattung oder Wäsche. Der wesentliche Unterschied liegt aber im Kontakt zu pflegebedürftigen Menschen, der in anderen Bereichen nicht vorhanden ist.“ Karl Dauerböck, Geschäftsführer der Rieder Schmidt Reinigung GmbH, geht noch mehr in Details: „Das Zusammenleben und die Zusammenarbeit einer Vielzahl von Menschen sind von besonderer hygienischer Bedeutung. Es bedarf deshalb großer Aufmerksamkeit, um das Wohlbefinden und die Gesundheit – besonders auch im Hinblick auf Infektionskrankheiten und nosokomiale Infektionen – zu sichern.“ Für ältere Menschen mit gemindertem Allgemeinzustand oder bei bestimmter medikamentöser Behandlung und Personen mit Vorerkrankungen oder Abwehr- und Immunschwäche besteht außerdem immer eine erhöhte Infektionsgefahr. Die Anforderungen an die Reinigung in Senioreneinrichtungen sowie Alten- und Pflegeheimen werden oftmals unterschätzt oder aufgrund von nicht vorhandenem Hygienemanagement falsch bewertet, weiß Dauerböck: „Grundsätzlich gilt: Für Seniorenheime gibt es andere gesetzliche Vorgaben als für Pflegeheime.“

Markt mit Potenzial

Dennoch sei dieser Markt interessant, weiß Duorein-Chef Dattenböck, es wäre hier auch noch einiges an Potenzial vorhanden. Ob es auch ökonomisch interessant ist, hängt von der Vergabeart ab: „Wird nach dem Billigstbieterprinzip vergeben, dann nein. Wird nach dem Bestbieterprinzip vergeben, dann ja. Leider gibt es auch hier immer noch Gebäudereiniger, die solche Leistungen mit Stundensätzen von € 17 oder € 18 anbieten, das kann dann nicht funktionieren.“ Was jedoch funktionieren muss, so Dattenböck, sei die richtige Erfahrung, wenn Dienstleister im Bereich der Altenpflegeheime tätig werden wollen. Wobei hier nicht nur fachlich gut geschultes Personal gemeint ist, betont Dattenböck: „Unsere Erfahrungen zeigen, dass Menschen in Pflege- und Altenheimen ihre Wünsche und Anliegen auch Reinigungskräften mitteilen. Diese müssen dann wissen, wie sie darauf reagieren müssen bzw. wie sie diese an die richtigen Stellen weiterleiten. Durch den täglichen Kontakt mit den Bewohnern entsteht auch eine gewisse persönliche Beziehung, also sollte man Fluktuation weitgehend vermeiden.“ Auch Schmidt Reinigung-Geschäftsführer Dauerböck sieht für seine Branche zuversichtlich in die Zukunft. Zwar befinde sich derzeit im Bereich Alten-/Pflegeheime und betreutes Wohnen nur ein sehr geringer Prozentsatz im Fremdreinigungsbereich, aber, so Dauerböck: „Hier liegt in den nächsten Jahren das wohl größte Potenzial, auch auf Grund der notwendigen Hygieneanforderungen bzw. des Drucks der immer kritischer werdenden Angehörigen.“ Die Gründe für den sehr geringen Fremdreinigungsanteil in diesen Bereichen sind darin zu sehen, dass der finanzielle Druck – etwa bei Gemeinden – noch zu gering ist sowie in der sozialen Komponente (Mitarbeiter), sprich: die Gemeinde als „Sozialhilfeverband“.

Gründe für Outsourcing gebe es dennoch viele, so Reinigungs-Experte Dauerböck:

  • Finanzielle Einsparungen
  • Architektonisch bzw. ausstattungsbedingte Reinigungsprobleme
  • Auslagerung der Personalproblematik (Organisation, Krankenstände, Fehlzeiten generell, …)
  • Billigerer Grundkollektivvertrag beim Fremdreinigungspersonal (gegenüber Land und Gemeinden)
  • Anhebung der hauseigenen Hygiene durch fachliches Know-how
  • Der Bedarf an Pflegebetten und betreuten Wohneinrichtungen steigt auf Grund der Überalterung der Bevölkerung, der aufgelösten Familienverbände u.ä.
  • Die von der Politik verordnete Zuweisungsregulierung in Form von benötigten Pflegestufen (mindestens 3, meist schon 4) führt jedoch zu einer Eindämmung der Pflegebettenanzahl bzw. zur Umschichtung von Alten- in reine Pflegeeinrichtungen mit erhöhtem Aufwand (auch aus der Sicht des qualitätsbewussten Gebäudereinigers).

Kosteneinsparung durch Outsourcing

Somit ist dieser Bereich für den Reinigungsdienstleister ein interessanter und ökonomisch wichtiger Zukunftsmarkt, folgert Dauerböck. Eine der Hauptaufgaben der Dienstleister ist es, der Öffentlichen Hand professionell und strukturiert aufzuzeigen, wie hoch die Kosteneinsparungspotenziale durch das Outsourcing von Gebäudereinigung sind. Parallel dazu muss aber auch in den bereits fremdgereinigten Objekten die Qualität der im Einklang mit dem bezahlten Preis stehenden abgelieferten Leistung stimmen, ist Dauerböck überzeugt, wobei auch er auch den Mitbewerb in die Pflicht nimmt: „Auf Grund von oft hausgemachten Preisdumpings bei Dienstleistern bleibt die Qualität ebenso oft auf der Strecke. Die stark differierenden Angebotssummen bei Ausschreibungen sprechen eine deutliche Sprache. Referenzen werden zwar vom Ausschreiber verlangt, aber nicht hinterfragt und spielen eigentlich keine Rolle. Generell gilt, dass die Branche selber für ihren Preis und die daraus resultierende Qualität verantwortlich ist.“

Welche Anforderungen stellen eigentlich Heime, damit man als externer Reinigungsdienstleister zum Zug kommt? „Meist wird von den Ausschreibungen mindestens eine gleichwertige Referenz gefordert. Auch eine Darstellung einer gewissen Unternehmensgröße und Nachhaltigkeit wird gefordert“, berichtet Duorein-Geschäftsführer Dattenböck. Wichtig sei auch ein, zumindest intern geregeltes, QS-System: „Mittlerweile wird bei Vergaben nach dem Bestbieterprinzip eine offene Zeitkalkulation verlangt.“ Das bestätigt auch Schmidt Reinigungs-Geschäftsführer Dauerböck: „Die Offenlegung der Kalkulation und somit der Reinigungsleistung – das ist die zu reinigende Fläche pro Stunde und Arbeitskraft – ist realistisch, in der Praxis umsetzbar und angemessen zu kalkulieren.“

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