Was tun gegen die Teuerung?

Stephan Schulmeister

Stephan
Schulmeister

Der jüngste Preisauftrieb hat drei Hauptursachen: Der Anstieg der Energie- und Nahrungsmittelpreise, das Ausnützen der Versorgungsängste durch Energiekonzerne in Form höherer Gewinnspannen und die seit langem steigenden Mieten und Immobilienpreise.

Die erste Ursache kann ein kleines Land wie Österreich nicht bekämpfen. Die EU könnte jedoch die jüngste Entwicklung zum Anlass nehmen, Vorschläge zur Stabilisierung der Rohstoffpreise zu erarbeiten. Diese bilden sich auf den Derivatmärkten, wo (Finanz)Spekulation die Preise destabilisiert. Zumindest das Ausmaß der Schwankungen ließe sich durch eine Transaktionssteuer sowie durch Limits für die täglichen Preisänderungen und die „Wetteinsätze“ begrenzen. In jedem Fall braucht es einen massiven Ausbau der Reservelager (sie reichen bei Erdöl und Erdgas nur für ein bis zwei Monate!).

In Österreich sind die Treibstoffpreise viel stärker gestiegen, als durch die höheren Ölpreise gerechtfertigt wäre. Denn es gibt keinen Wettbewerb: Produktion und Vertrieb wird von der OMV dominiert, und diese besitzt zusammen mit Shell, BP, ENI und JET auch die Hälfte aller Tankstellen. Diskonter können deren Preise nur in eingeschränktem Maß unterbieten, schließlich sind sie ja auch von der Versorgung durch die OMV abhängig.

Unter diesen Bedingungen können faire Preise und damit eine Inflationsdämpfung nur durch mehr Transparenz erreicht werden: Auf Basis der OMV-Einkaufspreise von Erdöl, der – gut dokumentierten – Produktionskosten und „normaler“ Handelsspannen ermittelt und publiziert die Bundeswettbewerbsbehörde „faire“ Treibstoffpreise (tatsächlich lagen die Preise in den letzten Wochen um bis zu 40 Cent je Liter darüber). Reicht das nicht aus, verbleibt die Möglichkeit von Kartellverfahren.

Auch im Lebensmittelhandel würde mehr Markttransparenz den Wettbewerb beleben und die Preise senken: Die großen Handelsketten (REWE, SPAR, dm, etc.) werden verpflichtet, die Daten über alle angebotenen Waren samt Preisen täglich online zu stellen. In kurzer Zeit werden sich Apps entwickeln, welche jedem/r die Ermittlung optimaler „Einkaufskörbe“ ermöglichen und durch verstärkte Konkurrenz die Preise drücken.

Ähnliches gilt für Immobilien sowie Eigentums- und Mietwohnungen: Wenn alle Anbieter ihr Objekt nach vielerlei Kriterien klassifiziert einer zentralen Datenbank melden, könnten sich die Nachfrager einen optimalen Überblick verschaffen. Erst dann kann man von einem Markt sprechen.

Die hohen Gewinne der Energiekonzerne, der Einzelhandelsketten und der Immobilienwirtschaft deuten darauf hin: Bei den Preisen gibt es „viel Luft nach unten“.

Stephan Schulmeister ist Wirtschaftsforscher und Universitätslektor in Wien

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