Verzicht auf’s Auto?

Die zunehmende Elektrifizierung der Fahrzeugflotten der Betriebe bedeuten für die Fuhrparkmanager neue Herausforderungen. Aber auch abseits von dieser Entwicklung gibt es ständige Neuerungen, die im Auge zu behalten sind.

Text: Erika Hofbauer

Henning Heise, Geschäftsführer Heise Fleet Consulting

Henning Heise, Geschäftsführer Heise Fleet Consulting

Neben der Thematik der stetig zunehmenden Elektrifizierung des Fuhrparks sollten die Entscheidungsträger auch ein anderes, wichtiges Thema nicht vernachlässigen: Halterhaftung und Führerscheinkontrolle. Henning Heise, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Heise Fleet Consulting, erläutert, was es damit auf sich hat: „Die Halterhaftung nach §9 Abs. 1 Verwaltungsstrafrecht bedeutet, dass der Vorstand oder der Geschäftsführer haftbar ist, dass die Fahrzeuge, die den Mitarbeitern überlassen werden, in technisch ordnungsgemäßen Zustand sind, über die richtige saisonale Bereifung verfügen und der Lenker im Besitz der notwendigen Fahrerlaubnis für das Fahrzeug ist. Die Führerscheine sind auch regelmäßig zu überprüfen. Hierbei handelt es sich um eine persönliche Haftung!“, rät Heise zur Aufmerksamkeit, da Behörden dies zusehends kontrollierten. 

Umrüstung

Welche Bedeutung fürs Fuhrparkmanagement hat nun aber die Entwicklung, dass immer mehr auf E-Autos umgerüstet wird? „Internationale Konzerne haben alle ihre Ziele und Vorgaben in punkto Nachhaltigkeit bzw. nachhaltige Mobilität“, erläutert Heise. Diese sind entweder definiert durch die Reduktion des Ausstoßes von Treibhausgasen in % oder in Vorgaben, wann der Fuhrpark rein elektrisch sein muss. Heise: „In Österreich sind ca. 80% der neuzugelassenen Elektrofahrzeuge Firmenfahrzeuge. Die Maßnahme, dass die Verrechnung von Strom, der zu Hause geladen wird, vereinfacht wurde, ist sehr positiv aufgenommen worden.“ Der Wegfall der staatlichen Förderung bei der Anschaffung sei hingegen ganz schlecht angekommen. Auch die hohen Preise für Strom hemmten die Elektromobilität, ist der Experte überzeugt. Darüber hinaus sei die Ladeinfrastruktur immer noch ein Hindernis für so manchen und auch die undurchsichtigen Kosten, wenn man bei einem fremden Netzbetreiber Strom lade (siehe Tabellen).

Ladeinfrastruktur bleibt Thema

Lorenz Loidl, Commercial Director bei LeasePlan Österreich

Lorenz Loidl, Commercial Director bei LeasePlan Österreich

Viele Unternehmen haben mittlerweile Nachhaltigkeitsziele implementiert, und der Fuhrpark trägt wesentlich zu deren Erreichung bei. Die große Herausforderung bei E-Fahrzeugen liege nach wie vor in der Ladeinfrastruktur, bestätigt auch Lorenz Loidl, Commercial Director bei LeasePlan Österreich: „Österreich hat zwar ein gut ausgebautes Ladenetz, dieses deckt aber gerade einmal die aktuelle Zahl an zugelassenen E-Fahrzeugen ab. Es ist daher wichtig, dass weiterhin stark in den Ausbau der Lade­infrastruktur investiert wird, um mit der steigenden Zahl an E-Fahrzeugen mitzuhalten.“ Was die Fahrzeuge selbst betrifft, müsse man zwischen KFZ und NFZ unterscheiden: „Die meisten KFZ verfügen bereits über gute Reichweiten, mit denen die Fahrzeuge ohne große Einschränkungen im Daily Business eingesetzt werden können. NFZ hinken da noch ein wenig hinterher.“ Ob ein Umstieg auf Elektro sinnvoll sei, hänge in erster Linie vom Einsatzzweck und der Fahrzeugnutzung ab, so Loidl. Steuerlich sei ein Umstieg auf E-Fahrzeuge trotz Entfall des E-Mobilitätsbonus für Unternehmen nach wie vor u.a. durch den Entfall des Sachbezugs und Vorteile bei der NoVA und der motorbezogenen Versicherungssteuer attraktiv. Ein weiteres großes Thema ist für ihn die Verfügbarkeit der Fahrzeuge: „Viele Fahrzeugmodelle haben immer noch Lieferzeiten von einem Jahr und mehr. Wir sehen hier zwar eine erste Entspannung, es wird aber noch eine Zeitlang dauern, bis die Lieferzeiten wieder auf ein normales Niveau kommen.“ Dazu komme, dass immer mehr chinesische Hersteller (BYD, NIO, Aiways) auf den europäischen Markt drängten und Hersteller wie Tesla oder Polestar mittlerweile zu festen Größen im Markt avanciert seien, so Loidl: „Wir gehen davon aus, dass es in den kommenden Jahren zu Verwerfungen im Automobilsektor kommen wird und sich die Geschäftsmodelle der Hersteller deutlich ändern werden.“

Stimmen aus der Branche:

Bei Simacek sind einige E-Fahrzeuge im Einsatz und man arbeite stetig am Ausbau der Flotte, heißt es dort. Der Anspruch an Fahrzeugtypen sei vielfältig und man könne ihn derzeit noch über keinen Lieferanten vollständig abdecken; zudem arbeite man an Möglichkeiten, wie man an den Standorten die notwendige Infrastruktur schaffen und auch entsprechende Logistikkonzepte implementieren könne, die beispielsweise Betankungsspitzen an einem Montagmorgen vermeiden.

Bei ISS Österreich ist man gerade dabei, die derzeitige Firmenfahrzeugflotte bis Ende 2025 um ca. 20 % zu reduzieren, sagt CEO Erich Steinreiber: „Diese Einsparung entspricht einer jährlichen CO² Reduktion von rund 275 t, was in etwa 500 zu pflanzenden Bäumen entspricht. Ein wesentlicher Teil dieser Neuausrichtung ist eine sinnvolle Elektrifizierung des Fuhrparks bis 2030, abhängig von der Verfügbarkeit der Fahrzeuge und der Lade-Infrastruktur.“ Zudem wolle man sämtliche Pool- bzw. nicht-personenbezogenen Fahrzeuge künftig über die Plattform sharetoo abwickeln. Steinreiber: „Derzeit sind bereits drei CarSharing Fahrzeuge im Einsatz, die demnächst um ein Nutzfahrzeug MAN TGE ergänzt werden. Dabei handelt es sich ausschließlich um E-Fahrzeuge.“ Derzeit, so Steinreiber, können rund 50 % der benötigten Fahrzeugtypen abgedeckt werden. „Herausforderungen sind zudem Fahrzeug-Verfügbarkeit, Reichweite, Ladegeschwindigkeit und infrastruktur sowie Erfahrungswerte in Nutzungsdauern und Wiederverwertung.“

Peter Schrattenholzer, Geschäftsführung Attensam Wien

Peter Schrattenholzer, Geschäftsführung Attensam Wien

Peter Schrattenholzer, Geschäftsführung Attensam Wien, sieht im Verzicht auf das Auto den sicherlich besten Ansatz, um Mobilität umweltfreundlicher zu gestalten. „Im urbanen Raum funktioniert das natürlich leichter. So werden bei uns in Wien beispielsweise schon fast die Hälfte der Kundenaufträge in der Hausbetreuung autofrei erledigt. Das geht dort, wo der öffentliche Verkehr gut ausgebaut ist, aber in dezentralen Lagen sind unsere Teams weiterhin auf eigene Fahrzeuge angewiesen.“ Um den ökologischen Fußabdruck hier etwas zu minimieren, setze man seit 2019 auf klimaneutrales Tanken, bei dem Treibhausgasemissionen durch Klimaschutzprojekte kompensiert werden, so Schrattenholzer. Selbstverständlich sei auch E-Mobilität ein Thema: „Österreichweit sind bei uns schon einige Elektrofahrzeuge – darunter E-Kleintransporter – im Einsatz. Das funktioniert bislang ganz gut, aber wir müssen noch weitere Erfahrungen sammeln. Dazu wollen wir die Bewegungsprofile unserer Teams noch genauer analysieren.“

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