Taubenabwehr: Gut & schön

Die einen füttern sie, die anderen trachten ihnen nach dem Leben. Die einen sehen sie als Symbol des Friedens, die anderen bezeichnen sie als „Ratten der Lüfte“. Selten hat ein Tier so stark polarisiert, wie es bei Tauben der Fall ist. Doch egal, wie man zu ihnen steht: Keiner möchte sie vor der eigenen Haustüre haben. Methoden, die verwilderte Haustaube loszuwerden, gibt es viele. Nicht alle führen zum Erfolg.

Text: Gabi Weiss

Sie lieben Nischen und kleine Höhlen, Simse und Fensterbretter, Blechdächer in der Sonne,  Mauervorsprünge, die einen guten Überblick gewähren und gleichzeitig vor Wind und Wetter schützen. Die Rede ist von jenen Vögeln, welche die Städte besiedeln, als wären sie ihre: Tauben. Genauer gesagt: Verwilderte Haustauben. Ihre Vorfahren: Felsentauben. Und die fühlen sich besonders in Höhlen und Felsnischen wohl. Kein Wunder also, wenn sie sich in der Architektur der Städte genau dort ansiedeln, wo es heimelig und gut geschützt ist, um ihre Nester zu errichten und ihre Brut aufzuziehen. Tauben – ob man sie nun mag oder nicht – haben einen ausgeprägten Orientierungssinn und starke „Heimatgefühle“ – bis zu drei Jahre lang kehren sie immer wieder an den Ort ihrer Geburt zurück. Wer also den Plan hegt, sie zu fangen, um sie dann an einer anderen Stelle auszusetzen, muss eine große Strecke zurücklegen. Tauben fallen nicht auf Attrappen herein, die wie Raben aussehen, sich aber nicht bewegen. Tauben sind argwöhnisch, wenn man ihnen Taubenfallen aufstellt, und lassen sich Zeit, diese genau unter die Lupe zu nehmen. Tauben nehmen das Angebot eines „Taubenhotels“ gerne an, schließlich gibt es dort ausgezeichnete Verpflegung. Doch wenn man ihre Brut durch Gipseier ersetzt, spricht sich schnell herum, dass dies kein guter Platz zum Brüten ist. Ist das wichtig zu wissen? Ja. Denn wer die Vögel von Gebäuden, Straßen, Denkmälern und Plätzen vertreiben möchte, sollte sich auch mit ihrem Brut-, Nist und Fressverhalten auseinandersetzen.

Fragwürdige Methoden

„Tauben sind nicht als Schädlinge eingestuft“, sagt Reinhard Hell, Branch Manager von der Rentokil Schädlingsbekämpfung. Man darf sie nicht verletzten, nicht quälen und schon gar nicht töten. Doch in der Taubenabwehr ist man erfinderisch – das scheint zumindest die Devise zu sein, wenn man sich die Methoden ansieht, die am Markt angeboten werden. Angefangen von Abwehrsprays bis zum Versuch, den Tauben die Taubenpille zu verabreichen – ein Verhütungsmittel, das sie für einige Wochen unfruchtbar machen soll. Raben, die sie eschrecken, Falken, die sie verscheuchen sollen. „So ein Falke ist ja auch bald satt“, meint Hell und erzählt von einem Möbelhaus, wo Falke und Tauben nach einiger Zeit Frieden geschlossen haben. Viel Lärm um nichts verbreiten auch Ultraschallgeräte. „Die Methode hilft nur mit einem entsprechendem Schalldruck“, erklärt Hell und siedelt sie noch am ehesten im Industriebereich an. Leider tauchen auch immer wieder Taubenabwehrmaßnahmen auf, die den Vögeln Leid und Qualen zufügen. Taubenpaste ist so eine. Die feurige Chilipaste wird aufs Fensterbrett gestrichen, die Paste haftet zwischen den Krallen und beim Abflug berühren die Tauben damit ihren After. Diese Methode ist zum Glück verboten. Noch so ein Wunderwerk ist das Eagle-Eye: Ein rotierender Spiegel reflektiert die Strahlen der Sonne, die Vögel nehmen das als Bedrohung wahr und treten meist die Flucht an. Magnetpulssysteme, Vogelpasten, visuelle Attrappen, Ultraschall – auch Peter Fiedler, Geschäftsführer der ASSA Schädlingsbekämpfung steht diesen Methoden kritisch gegenüber.
Doch die Spuren, die Tauben hinterlassen – das sind immerhin an die 12 Kilo Kot pro Jahr und Taube – sorgen bei großen Beständen für massive Verschmutzung und Schäden an Gebäuden, Denkmälern, Plätzen und Straßen. Eine direkte Schädigung von Stein und Beton durch Taubenkot entsteht durch den Abbau von organischen Säuren und Proteinen durch Bakterien zu salpetriger Säure und Salpetersäure, die mit Kalziumkarbonat zu Kalziumnitrat (Mauersalpeter) reagiert, und so kalkhaltiges Gestein zerstört. Taubenkot ist aber vor allem ein idealer Nährboden für eine ganze Reihe von Mikropilzen wie z.B. Aspergillus. Die Fadengeflechte dieser Schimmelpilze können in kalkhaltiges Gestein eindringen und dieses durch die Ausscheidung von Säuren auflösen. Im Winter kann Wasser in diesen kleinen Hohlräumen gefrieren und zu Frostsprengungen führen.

Methoden, die Wirkung zeigen

So unterschiedlich die örtlichen und räumlichen Gegebenheiten sind, so unterschiedlich sind auch die verschiedenen Systeme zur Taubenabwehr. Ausgangspunkt ist immer eine fundierte objektbezogene Planung. Dabei berücksichtigen Taubenabwehr-Experten bei einer Vor-Ort-Besichtigung alle entscheidungsrelevanten Faktoren wie z.B. die individuelle Gebäudecharakteristik, Fassadenbeschaffenheit des Objekts und etwaige denkmalpflegerische Aspekte, mit dem Ziel, optisch unauffällige Lösungen zum Taubenschutz zu realisieren, um die Akzeptanz bei Kunden, Passanten, Mitarbeitern, Anwohnern und Behörden sicherzustellen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Kenntnis über konditionierte Lebens- und Verhaltensgewohnheiten der Tiere. So unterscheidet man zwischen Brut- und Schlafplätzen, Anflug- und Tagesruheplätzen sowie dem jeweiligen Besiedlungsdruck der Tauben.
„Ist der Besiedlungsdruck niedrig, dann hat der Platz für die Tauben keine große Bedeutung, wird eher zufällig gewählt und bietet meist einen kurzen Witterungsschutz. Hier können Netze, Spikes und Stromsysteme angewendet werden“, sagt Fiedler. Genauso wie bei Futter- und Trinkstellen, die einen mittleren Befallsdruck aufweisen. An diesen Plätzen geht es den Tauben darum, einen guten Überblick zu haben oder einen Platz an der Sonne zu erwischen. Kein Wunder, dass sie in der kalten Jahreszeit Blechdächer bevorzugen, die sich in der Sonne aufgewärmt haben. Ein hoher Befallsdruck besteht dann, wenn die Vögel hochmotiviert sind, genau diesen Platz aufzusuchen. Meist handelt es sich dabei um Nist- oder Brutplätze, von denen sich die Vögel kaum verscheuchen lassen.

Abschirmen

Netze sind das am besten geeignete System zur Taubenabwehr. Damit können Objekte hermetisch abgeschlossen werden und Liegenschaften verknüpft werden. Die Maschenweite der Taubennetze ist so ausgelegt, dass die Tauben praktisch „ausgesperrt“ werden und sich gleichzeitig nicht im Tauben-Netz verfangen können. Und die Bahnen der Taubennetze können so verlegt werden, dass sie sich exakt an Vordächer, Nischen, Beschilderungen oder Brücken anpassen. Auch wenn die Netze zu Beginn das Augenmerk auf sich ziehen, mit der Zeit „sieht man durch sie hindurch“.

Abhalten

Spikes – je länger und dicker, desto schwieriger ist es für die Tauben, sich zwischen ihnen aufzuhalten. Ist der Taubendruck sehr hoch, lassen sich die Tauben auch nicht von Spikes abschrecken. Sie verbessern die Lage mit Ästen und Blättern, solange, bis sie sich auf den Drähten niederlassen können oder diese auseinander drücken. Spikes kommen daher bei Brutplätzen nicht in Frage. Verboten sind geschliffene Drahtelemente oder angespitze Dolche – all jene Ausformungen, die die Tiere verletzen könnten.

Vergraulen

Bei den Stromsystemen erhalten die Tauben einen unangenehmen, aber gesundheitlich harmlosen Stromimpuls. Dieser Schreck führt zum Wegflug der Tauben und in der Folge zu einer Meidung des Areals. Ein Gewöhnungseffekt ist dabei ausgeschlossen. Dieses „Weidezaunprinzip“ ist eine recht effektive Taubenvergrämung, ist optisch ansprechender als Spikes und wird bei denkmalgeschützen Objekten eher genehmigt. Der Nachteil: Stromsysteme müssen 2-3 Mal im Jahr gewartet werden, ein Stromausfall oder Kurzschluss kann ihren Einsatz unterbrechen. „Alle Methoden haben Vor- und Nachteile“, sagt Fiedler. Wichtig dabei ist immer, den Menschen zu schützen und den Vögeln keinen Schaden und kein Leid zukommen zu lassen.

Profis am Werk

Rentokil Schädlingsbekämpfung
www.rentokil.at

ASSA Schädlingsbekämpfungs GmbH
www.assa.at

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One Response to "Taubenabwehr: Gut & schön"

  1. Lena Moosfeld says:

    Interessant, dass es so etwas wie Taubenpillen gibt. Ich habe nichts gegen die Tiere, aber der Kot auf unserem Balkon stört mich schon. Vielleicht werden wir Drähte als Taubenschutz anbringen.

    Antworten

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