Tagreinigung

Warum wir auf diesen Zug aufspringen sollten

Christian Wolfsberg

Christian Wolfsberg

Daytime Cleaning (Tagreinigung) war schon vor vielen Jahren ein Thema. Es war aber ein Thema, mit dem wir uns als Redaktion bis dato nicht wirklich beschäftigt haben – wie ganz offensichtlich auch alle anderen in und um die Branche. Wir hatten auch gar nicht vor, es in unseren Jahresplan 2014 aufzunehmen … bis zur AK- und VIDA-Veranstaltung „Das Ende der Unsichtbarkeit“ Ende Oktober letzten Jahres. Eine Gewerkschaftsveranstaltung als Erleuchtung! Seitdem durchzieht die Tagreinigung unser Denken und wird 2014 quasi zum Metathema. Es erscheint uns wie die perfekte Win-win-win Situation und scheint viele Probleme der Branche zu lösen.

Die Tagreinigung bringt Vorteile für den Unternehmer: Der Gebäudereiniger kann seine Mitarbeiter besser auslasten und weniger Mitarbeiter länger beschäftigen. Er muss seinen Kunden keine Zuschläge mühsam erklären und aufbürden. Eine Studie der University of Washington aus 2012 zeigt recht eindeutig, dass die Produktivität der Reinigungskräfte untertags deutlich höher ist, die Müdigkeit am Job geringer und die durchschnittlichen Krankenstandstage weniger als zu Randzeiten bzw. nachts. Das Ergebnis dieser Studie ist, dass statt 315 Vollzeitkräften bei der Tagreinigung nur 282 benötigt werden.

Die Tagreinigung bringt Vorteile für die Mitarbeiter: Selbst eine unzureichende IFES-Studie hat einmal mehr bewiesen, dass zwar der überwiegende Teil der Reinigungskräfte Teilzeit arbeiten wollen, aber nicht in der Früh und dann wieder am Abend, sondern in einem Stück. Tendenziell wollen sie dann gleich auch insgesamt mehr Stunden arbeiten als bisher an den Randzeiten. Und durch die größere Arbeitszufriedenheit, resultierend aus der besseren Work-Life-Balance der Mitarbeiter, steigt auch die Leistung.
Die Tagreinigung bringt aber nicht nur Vorteile für die Unternehmer und deren Mitarbeiter, die Tagreinigung steigert auch nachweislich die Qualität (in besagter US-Studie von 3 auf 2 nach Schulnoten) und spart auch noch Energie. In Skandinavien liegt der Anteil der Tagreinigung jenseits der 70 %-Marke. Österreich unterschreitet aber sogar das geringe durchschnittliche EU-Niveau von 32 % mit nur 8 % Tagreinigung deutlich. Sind wir der Geisterfahrer, der alles richtig macht? Machen die Staubsauger in Stockholm keinen Lärm?

Ich glaube, die Antwort ist, dass bislang niemand diese Überlegungen ernsthaft angestellt hat. Die Reinigung wollte niemand sehen, und so haben wir es uns einfach angewöhnt: Büros werden nun mal nachts gereinigt! Die Sichtbarmachung der Reinigung ist aber die einmalige Chance, die Reinigungskräfte als Teil unseres Alltags zu erleben – in jeder US TV Serie kommt der Janitor (Reiniger) selbstverständlich vor – und das vielbeklagte Image (plus die Entlohnung, die Qualität etc.) zu steigern. Ist doch ein echter Ansatz, oder?

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