Postpandemisches Hygienemanagement

Corona hat das Bewusstsein für professionelles Hygienemanagement in den Alten- und Pflegeheimen weiter geschärft. Was dazu noch fehlt, ist ein Bekenntnis der Politik zur entsprechenden Struktur und den dafür nötigen finanziellen Mitteln.

Markus Mattersberger

Markus Mattersberger

In den Pflegeeinrichtungen war die Hygiene natürlich schon vor Corona ein allgegenwärtiges Thema. Aber aufgrund der Corona-Situation hat man doch gemerkt, dass gerade in solchen Situationen nochmals ganz andere Erwartungen an Pflegeheime gestellt werden als zu „Normalzeiten“, wenn die Lebens- und Wohnqualität für die Heimbewohnerinnen und -bewohner im Vordergrund steht. Man hat in der Corona-Situation gemerkt, dass in solchen herausfordernden Situationen die Strukturen nicht so vorhanden sind, wie es erforderlich wäre. Wir haben zwar durchaus unterschiedliche Strukturen bei den Pflegeeinrichtungen, von teilweise großen Einrichtungen von sehr großen Trägern bis hin zu kleinen Einrichtungen, die mehr oder weniger Familienbetriebe sind. In der Regel verfügen Pflegeheime zwar über ausgebildetes Personal für Hygienefragen, doch das sind meistens Hygiene-Beauftragte, nicht ausgebildetes Hygiene-Fachpersonal wie in einem Klinikum. Und durch Corona bzw. durch die entsprechenden Vorgaben von Seiten des Ministeriums und der Rechtsträger in den Bundesländern ist man eben plötzlich vor der Herausforderung gestanden, Hygienekonzepte vorzusehen, und diese sehen in der Regel eben auch vor, eine entsprechend ausgebildete Person vorzuhalten, die verantwortlich ist, auch dass entsprechende Schulungen veranstaltet werden usw. Hier hat man also gemerkt, dass es stärker in Richtung Professionalisierung der Hygienesituation geht, entweder indem man intern die entsprechende Struktur schafft oder sich externer Berater und Unternehmen bedient. Immer im Bewusstsein, die Lebens- und Wohnqualität der Heimbewohnerinnen und -bewohner im Vordergrund zu halten – unterstützt eben von professionellem Hygienemanagement, das im Bedarfsfall auch nochmals höhergefahren werden kann, um zum Beispiel die Ausbreitung einer Infektion zu vermeiden bzw. die komplette Ablauforganisation zu überdenken, die Hygienemaßnahmen der Situation entsprechend schnell adaptieren zu können und die ganzen Verkehrswege in der Einrichtung so trennen zu können, dass „rein“ und „unrein“ getrennt sind. Und alles möglichst ohne Einschränkung des Normalbetriebes im Sinne der gewohnten Lebens- und Wohnqualität der Bewohner und Bewohnerinnen. 

Aus der Corona-Situation ist also doch auch ein Bewusstsein für noch professionelleres Hygienemanagement in den Alten- und Pflegeheimen hervorgegangen. Wobei für uns auch wichtig ist: Für ein solches Bewusstsein brauchen die Pflegeheime eben Struktur – die aber auch zur Verfügung gestellt werden muss. Bisher spiegeln sich solche Vorhalteleistungen in den Tarifen nicht wider. Daher braucht es von Seiten der Politik auch ein Bekenntnis dazu, welche Erwartungshaltung bzw. welche Leistungen zu erfüllen sind, und dem dann die Struktur anzupassen und die entsprechenden finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen.

Markus Mattersberger ist Präsident des „Bundesverbandes Lebenswelt Heim“

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