Nachhaltigkeit in der professionellen Gebäudereinigung

Die Kundenwahrnehmung gegenüber nachhaltigen Gebäudereinigern ist positiv zu beurteilen. Dennoch zeichnet nach wie vor der Preis hauptverantwortlich für die Wahl der Reinigungsunternehmen, was dem Sinne der Nachhaltigkeit oft zuwiderläuft.

Text: Harald Lembacher (*)

Das Umwelt- und Konsumverhalten der Menschen haben sich in den letzten Jahren stark verändert, und das Thema „Nachhaltigkeit“ hat massiv an Bedeutung gewonnen. Es ist deutlich zu erkennen, dass immer mehr Werbekampagnen Umwelt- und Klimaschutz thematisieren. Laut einer Studie von Facit und Serviceplan achten Verbraucher vermehrt darauf, ob ein Unternehmen soziale Verantwortung übernimmt. Die Verbraucher gaben an, dass 69 Prozent von ihnen der Aspekt der Nachhaltigkeit die Kaufentscheidung beeinflusst [1]. Auch für Organisationen beeinflusst die Nachhaltigkeit der Lieferanten das Kaufverhalten, wie die Beispiele von Ökostrom und Elektromobilität zeigen. Sowohl Produkte, als auch Dienstleistungen können mehr oder weniger „nachhaltig“ angeboten werden. Unter „Nachhaltigkeit“ wird soziales, ökologisches und ökonomisches Handeln verstanden, sodass sich die Ressourcen nicht erschöpfen. Menschliche Bedarfe sind per se nicht nachhaltig, denn sie verbrauchen Energie und erzeugen Emissionen. „Nachhaltig“ bedeutet in diesem Kontext, eine Lösung mit möglichst wenig nachteiligen Auswirkungen auf die Umwelt anzubieten bzw. auszuwählen. 

Im Spannungsfeld der Nachhaltigkeit

Über den Lebenszyklus betrachtet verursacht die Reinigung eines Gebäudes ähnliche Kosten wie der Energiebedarf. Design und Funktion haben maßgeblichen Einfluss auf den nötigen Reinigungsaufwand. Dieser wird von „Eigenreinigern“ selbst getragen, indem eigenes Personal die Aufgaben wahrnimmt. Auf der anderen Seite bieten Dienstleister, vom Ein-Personen-Unternehmen bis hin zu multinationalen Organisationen, ihre Dienste zur Reinigung von öffentlichen Gebäuden, Praxen, Büros, etc., an. Die ausgelagerte Reinigung kann in vielen Bereichen Kosten gegenüber der Eigenreinigung sparen [2].

Neben den Fenstern kommt hier dem Boden eine besondere Bedeutung zu. Es ist vor allem die Unterhaltsreinigung, sprich die regelmäßige Pflege der genutzten Flächen, welche dafür sorgt, dass die Nutzer sich gerne und sicher dort aufhalten. Der kostenbestimmende Faktor in der Gebäudereinigung ist das Personal. Der Hebel, Kosten durch den Einkauf von Reinigungsmaterialien zu sparen, ist etwa 10x kleiner. Aus diesem Grund werden die Reinigungsmittel – darunter Chemikalien – häufig zu wenig beachtet. Auf dem Markt gibt es Produkte mit entsprechenden Kennzeichnungen wie dem blauen Engel, welche weniger umweltschädlich sind. Auch gibt es Verfahren, Böden rein mechanisch zu reinigen [3], was selbst gegen Keime hilft. Ob ein Unternehmen der Reinigung bei seiner Beschaffung auf ökologische Kriterien achtet, erschließt sich vielen Kunden nicht. Es zeigt sich auch, dass bei der Anwendung der Reinigungsmittel ein sehr großes Optimierungspotential besteht, indem die MitarbeiterInnen ensprechend geschult sind, etwa, was die korrekte Dosierung betrifft. Einige Reingungsbetriebe verfügen über Umweltmanagementsysteme, darunter EMAS, um ihre Umweltleistung zu verbessern und dies auch den Kunden kommunizieren zu können. Nachhaltige(re)s Agieren kostet jedoch Geld, und in einem Großteil der Ausschreibungen wird es schlichtweg nicht gefordert, oder es gibt dafür nur ein geringes Incentive. Daher haben zahlreiche Dienstleister der Reinigung das Gefühl, Investitionen in das Thema Nachhaltigkeit lassen sich nicht „rechnen“, da der Markt offenbar keine höheren Preise zu zahlen bereit ist, wie dies beispielsweise bei Bio-Lebensmitteln sehr gut umgesetzt werden konnte.

Die Kommunikation von Reinigung

Mithilfe eines Gütesiegels oder einer Zertifizierung kann ein Reinigungsdienstleister im Angebotsprozess auf sein Umweltbewusstsein hinweisen. Im Tagesgeschäft ist es jedoch das Reinigungspersonal vor Ort, welches als „Botschafter“ der Nachhaltigkeit agiert. Die Unternehmer müssen ihre Mannschaft sensibilisieren, damit die neuen Werte auch gelebt werden (können) [4]. Kunden auf die getroffenen Maßnahmen, die eigenen Umweltauswirkungen zu reduzieren, explizit hinzuweisen, erscheint sinnvoll und notwendig.

Die Kundensicht

Die Autoren haben 140 Personen befragt, und von diesen sind nur knapp die Hälfte der Meinung, dass eine nachhaltige Reinigungsdienstleistung 10% oder mehr über dem Preis einer „regulären“ Reinigungsarbeit sein darf, siehe Abb. 1.

Warum Kunden generell kein großes Interesse an Nachhaltigkeitsbestrebungen ihrer Reinigungsdienstleister haben ist unklar. Möglicherweise ist es eine zu starke, reine Kostenfokussierung, oder aber mangelndes Bewusstsein um die Einflussgrößen. Es existieren heute keine Benchmarks für den Stand der Technik bei der Gebäudereinigung, was deren Nachhaltigkeit betrifft. 

Zusammenfassung

Wiewohl die Kundenwahrnehmung gegenüber nachhaltigen Gebäudereinigern positiv zu beurteilen ist, zeichnet nach wie vor der Preis hauptverantwortlich für die Wahl der Reinigungsunternehmen, was dem Sinne der Nachhaltigkeit oft zuwiderläuft. 

Nachhaltigkeit bedeutet eine Reduktion des Einsatzes an Reinigungschemikalien, Wasser und Energieverbrauch. Nach dem Sinnerschen Kreis kann ein Gesamtoptimum gefunden werden. Zertifizierte Managementsysteme sind ein vertrauensstiftender Ansatz für Dienstleister der professionellen Gebäudereinigung. Die Schulung des Reinigungspersonals ist einer der größten Hebel, neben dem Einkauf der Reinigungsprodukte.

Die tatsächliche Umsetzung nachhaltigen Verhaltens im Sinne einer Selbstverpflichtung stellt deshalb eine wesentliche zukünftige Herausforderung dar, welche es zu überwinden gilt. Der Einsatz geprüfter Reiniger – abbaubar und nicht sensibilisierend – ebenso wie das Vermeiden von Überdosierung durch entsprechende Schulungen, oder das Verwenden neuer, ressourcenschonender Verfahren [3] lässt sich häufig nicht direkt rechnen, da ein Großteil der Kunden nachhaltiges Wirtschaften der Reinigungsdienstleister schlichtweg nicht würdigt, indem derartige Kriterien in Ausschreibungen nicht oder nur marginal erwähnt sind.

Ausblick

Wir erleben derzeit massive Veränderungen in der Arbeitswelt, hervorgerufen durch eine immer weiter voranschreitende Digitalisierung und durch die Auswirkungen der COVID19-Pandemie; Letzteres hat zur massiven Zunahme von Teleworking (Home-Office) geführt. Dies, ebenso wie flexible Arbeitszeitmodelle, werden die professionelle Gebäudereinigung langfristig beeinflussen. Es ergibt sich daraus eine Chance für nachhaltig agierende Dienstleister der Reinigungsbranche, Kunden auf ihren Ressourceneinsatz hinzuweisen. Kennzahlen, etwa zu spezifischen Verbräuchen pro Quadratmeter gereinigter Fläche, finden sich in einer Minderzahl der Umwelterklärungen EMAS-zertifizierter Betriebe – und die Mehrheit der Unternehmen zählt gar nicht zu dieser Gruppe. Die Nachhaltigkeit muss gemessen werden, um bewertbar zu sein. Nur dann können Kunden den Mehrwert erkennen und in der Kaufentscheidung berücksichtigen. Die Reinigungsbranche ist auf dem richtigen Weg, der neben dem Handeln auch das darüber Kommunizieren nicht aus den Augen lassen darf.    

Lembacher(*) Ing. Mag. Harald Lembacher MSc, MBA, Buls Chem & More Handels GmbH; Co-AutorInnen dieses Artikels: Yasmin Dag und Maximilian Lackner, FH Technikum Wien, Wien

Referenzen

[1] https://www.facit-group.com. [Online] 05. 04 2020. https://www.facit-group.com/de.html.

[2] Maximilian Lackner, Daniel Pingitzer, Harald Lembacher, Sabine Zangl, Carbon footprint reduction in households using professional services -example of laundry cleaning, Journal of Current Engineering and Technology, 2(1), 2020

[3] Alexander Knapp, Maximilian Lackner, Erich Markl, Abrasive pads for sustainable and cost-effective industrial and institutional floor cleaning, in: International Journal of Advance Engineering and Research Development, pp. 84-86 (2018)

[4] Sabine Zangl, Mirza Husetic, Maximilian Lackner, Harald Lembacher, Sustainability – bringing about a value changes amongst employees, Technium, Vol. 2 No. 5 (2020): Proceedings of the 5th Technium Conference 2020 (18.07.2020, Romania), DOI: https://doi.org/10.47577/technium.v2i5.1283

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