Integrierte Services: „Wunderbar, aber es muss auch gelebt werden“

Markus Breithaupt, Vorstandsvorsitzender von HECTAS Facility Services, im Gespräch.

Text: Hansjörg Preims

Reinigung aktuell: Seit Jahren wird prognostiziert, dass integrierte Services das System die Zukunft sei. Wir merken aber zumindest in Österreich, dass viele sich „Facility Services“ nennen, in Wahrheit steckt aber Reinigung dahinter. Das Wesentliche an Multi-Dienstleistung ist doch, dass es mit eigenen Leuten gemacht wird, oder? Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Breithaupt: Der größte Leistungsanteil im Facility Management liegt in den infrastrukturellen Facility Services. Innerhalb der Facility Services liegt er in der Reinigung. Ein Facility Services Anbieter kann somit auch ein Reinigungsunternehmen sein. HECTAS hat sich als Facility Services Anbieter mit klarem Leistungsschwerpunkt in der Reinigung positioniert.

Der Großteil der Anbieter ist aus meiner Sicht ebenfalls den Facility Services zuzuordnen. Sie bieten bestimmte Leistungsbereiche an, die dann in der Regel von eigenen Mitarbeitern geleistet werden. Daneben gibt es Generalisten, die versuchen, eine maximale Anzahl von Dienstleistungen zu bündeln. Sie analysieren jedes Leistungselement, ob sie es mit eigenen oder mit externen Mitarbeitern abbilden. Meiner Meinung nach ist bei integrierten Services nicht entscheidend, ob eigene oder externe Mitarbeiter eingesetzt werden, sondern, ob die Vergabemotivation des Kunden erfüllt wird. Wenn er einen Ansprechpartner idealerweise für alles haben will, ist zunächst überhaupt nichts gegen einen Ansatz mit Externen einzuwenden. Die große Herausforderung ist die Umsetzung. Das heißt, ist es wirklich weitestgehend eine Lösung aus einem Guss? Oder wird es zu einer Konstellation der „Versubung“, häufig auch der „Mehrfach-Versubung“? Denn dann kann der dem Kunden versprochene Mehrwert nicht mehr erzielt werden. Die Grundidee der integrierten Services ist also in der Theorie erst mal wunderbar, sie muss dann nur genauso gelebt und beherrscht werden.

Hectas hat sich vor drei Jahren von „Gebäudedienste“ in „Facility Services“ umbenannt. Warum?

Wir wollten einen einheitlichen internationalen Auftritt haben. Mit „Facility Services“ drücken wir aus, dass wir Einzel-Services anbieten. Wir sehen uns nicht als der große integrierte Anbieter, sondern bekennen uns zur Reinigung, dort liegt auch unser Umsatzschwerpunkt. Und das wollen wir auch nach außen klar vertreten.

Wir bieten zwar ergänzend Lösungen um unser Kerngeschäft der Reinigungsservices an, diese sind aber aus individuellen Wünschen/Bedarfen der Kunden entstanden. So sind wir mit den Kunden weitergewachsen und haben diese zusätzlichen Services ins Angebot aufgenommen, seien es die Hausmeister-Services oder Sicherheitsdienste, teilweise auch bestimmte technische Services oder in manchen Ländergesellschaften vereinzelt auch Catering.

Wenn zum Beispiel ein großer Caterer oder ein auf Security spezialisiertes Unternehmen immer mehr auch in die Reinigungsdienstleistung drängt – sind das nur punktuelle Entwicklungen oder lässt sich daraus ein Trend ableiten?

Die Idee liegt häufig darin, ein größeres Massenvolumen zu erreichen. Wir haben das bei internationalen Unternehmen am Markt gesehen, und deren Hauptziel lag darin, komplexer anzubieten, damit zu wachsen und eine andere Präsenz am Markt zu erreichen. Am Ende reden wir hier über Skaleneffekte. Wir bei HECTAS haben für uns entschieden, diese Skaleneffekte auf anderem Wege zu erreichen.

Hectas hat in Deutschland vor einiger Zeit begonnen, Spanier einzustellen. Erwarten Sie einen Personal-Engpass in den nächsten Jahren? 

Wir sind immer auf der Suche nach guten Mitarbeitern. Leider gibt es auch Regionen, wo es immer schwieriger wird, Reinigungspersonal zu rekrutieren. Deswegen müssen wir uns manchmal auch im Ausland nach Arbeitskräften umschauen.

Trotz hoher Arbeitslosenzahlen?

Die Arbeitsmarktsituation ist von Region zu Region sehr unterschiedlich. Zum Beispiel wird rund um die Standorte der Autofertigung, wie Wolfsburg oder Ingolstadt, bereits ein Großteil der Personalressourcen durch die Automobilhersteller vom Markt absorbiert. Hier ist es für uns als nachgelagerte Branche viel schwieriger, Mitarbeiter zu rekrutieren als anderswo. Daher müssen wir in solchen Regionen Personal von weiter weg rekrutieren. Wir stellen sie dann vor Ort ein und helfen ihnen auch bei der Wohnungssuche. Aktuell haben wir in der Gesamtgruppe 123 verschiedene Nationalitäten. Das Reinigungsgewerbe ist also insgesamt sehr international, betrachten wir aber die einzelnen Länder, so kommt die Mehrheit unserer Mitarbeiter noch immer aus dem jeweiligen Land.

Erwarten Sie generell ein Personalproblem in der Branche?

Ich denke, wir werden auch in Zukunft genügend Personal finden. Das hängt aber auch von ein paar ganz einfachen Grundsachverhalten ab, zum Beispiel ob pünktlich und ordnungsgemäß nach Tarif bezahlt wird – das ist ganz wichtig. HECTAS investiert außerdem seit einiger Zeit sehr viel in die Qualifikation unserer Mitarbeiter.

Wird wie in Österreich auch in Deutschland die Reinigungsleistung vielfach zu einem Stundensatz angeboten, der unter einer realistischen Kalkulation liegt? 

Für die Reinigungsbranche gibt es in Deutschland einen tarifvertraglich festgelegten Lohn mit unterschiedlichen Lohngruppen. Die Lohngruppe eins ist für allgemeinverbindlich erklärt worden, das heißt, sobald einer Reinigungstätigkeit nachgegangen wird, muss auch mindestens nach dieser Lohngruppe gezahlt werden. Und es gibt die Empfehlung vom Innungsverband und dem Zoll, dass auf den Lohn ein Zuschlag in der Größenordnung von 70 Prozent gerechnet werden muss. Wenn man aber in der Praxis analysiert, welche Stundenlöhne vereinbart werden, gibt es durchaus auch Projekte, die darunter liegen. Werden die 70 Prozent Zuschlag unterschritten, sollte der Zoll eigentlich kontrollieren, nur leider kann er aufgrund der zur Verfügung stehenden Kapazitäten nicht jeden Tag und allerorts kontrollieren. Wir würden uns wünschen, dass noch intensiver geprüft wird.

Thema Outsourcing: Ist der Zenit erreicht? Und wenn ja, in welchen Segmenten?

Wir haben in Deutschland einen Grad erreicht, der in den letzten Jahren nicht mehr groß gewachsen ist. Und ich glaube auch nicht, dass er in Zukunft noch nennenswert wachsen wird. Etwas mehr Potenzial sehe ich in Österreich, auch in der Unterhaltsreinigung oder im Gesundheitsbereich. In den osteuropäischen Ländern dagegen ist noch nennenswertes Potenzial im zweistelligen Bereich vorhanden.

Wo sehen Sie die Chancen und Probleme der Branche in den nächsten Jahren?

Eine große Herausforderung sehe ich nach wie vor im Image der Gesamtbranche. Das spielt auch eine wichtige Rolle bei der Rekrutierung der Mitarbeiter. In Deutschland zum Beispiel haben wir in Westdeutschland Löhne, die schon seit Jahren nennenswert über dem heute festgelegten Mindestlohn liegen. Dennoch wird die Reinigung immer noch als erste Branche mit dem Mindestlohn in Verbindung gebracht. So viel zum Image. In Österreich dagegen sehe ich, dass doch schon einiges in dem Bereich unternommen wurde.

Ich finde es immer sehr schade, wenn man den Einsatz der Mitarbeiter in der Reinigungsbranche, auch den Enthusiasmus, mit dem sie dabei sind, der Wahrnehmung draußen am Markt gegenüberstellt und sieht, welches Missverhältnis besteht. Das hängt übrigens auch damit zusammen, dass wir in der Regel unsere Leistung erbringen, wenn uns keiner sieht. Jeder Switch in Richtung Tagreinigung, den wir natürlich anbieten, hilft, ein besseres Verständnis für unsere Leistung zu generieren. Das sorgt für mehr Akzeptanz und verbessert so das Image der Branche.

Das heißt, Sie sind für mehr Tagreinigung?

Ja, Tagreinigung ist wichtig für die Branche — auch deshalb, weil wir auf diesem Wege eine noch höhere Identifikation der Mitarbeiter mit dem Kunden bzw. mit ihrer Arbeit für den Kunden erreichen. Aber noch fehlt in der Regel die Akzeptanz beim Kunden. Im Endeffekt geht es darum, dass wir sie dafür sensibilisieren müssen. Wir müssen ihnen diesen Sachverhalt verdeutlichen und vor allem Vorbehalte wie Reinigung wäre grundsätzlich laut und störend überwinden. Wenn wir diese alten Zöpfe abgeschnitten und die Kunden ausreichend informiert haben, dann wird sich hier in Zukunft auch etwas ändern, davon bin ich überzeugt.

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