Ich glaube an die regionale Stärke

Im Geschäftsjahr 2015/2016 stieg der Umsatz der Attensam-Unternehmensgruppe auf 58,2 Mio. Euro – ein sattes Plus von 12,4 Prozent. Damit hat sich Oliver Attensam eindrucksvoll für die „Person des Jahres 2016“ empfohlen.

Text Hansjörg Preims

Für Oliver Attensam, den Geschäftsführer der Attensam-Unternehmensgruppe, ist dieses doch erstaunliche zweistellige Wachstum gar nicht so überraschend: „Weil wir auch in den Jahren zuvor vor allem in den Bundesländern schon ein wirklich gutes Wachstum hatten. Wir haben uns in den vergangenen Jahren in den Bundesländern zunehmend etabliert, wir haben daran geglaubt, dass das, was wir in Wien gut machen,  in Gesamtösterreich gut  funktioniert, und das  klappt in der Tat bis heute gut. Früher waren wir ein reines Wiener Unternehmen, jetzt sind wir ein österreichisches Unternehmen. Die Strategie, unsere Services flächendeckend in Österreich anzubieten, hat sich jedenfalls gelohnt.“
Attensam hat in den Bundesländern überwiegend ein Wachstum von 30 Prozent, und 33 Prozent des gesamten Gruppenumsatzes kommen mittlerweile nicht mehr aus Wien. „Aber erfreulicherweise haben wir auch in Wien nach ein paar Jahren, in denen wir knapp über der Inflationsabgeltung mit dieser quasi nur mitgewachsen sind, jetzt mit rund sieben Prozent Wachstum wieder ein kräftiges Lebenszeichen geben können“, so Attensam. „Und voraussichtlich werden wir auch im kommenden Jahr wieder wachsen – organisch, und das ist uns auch wichtig. Wir haben keine Umsätze bzw. Firmen dazugekauft, sondern dieses Wachstum ist wirklich aus dem Markt gekommen, und das freut uns umso mehr.“

Wachsender Markt in den Bundesländern

Langfristig will Attensam den Anteil des Umsatzes in den Bundesländern außerhalb von Wien auf 50 Prozent erhöhen. Der Gesamtumsatz soll im aktuellen Geschäftsjahr nochmals um rund 10 Prozent gesteigert werden – „und in der gleichen Größenordnung wollen wir auch unseren Mitarbeiterstand erhöhen“, sagt Attensam. Um dieses Ziel zu erreichen, werde weiter in die regionale Expansion investiert.
Zukunftspläne auch im Ausland? Oliver Attensam: „Wir gehen mit den Kunden mit. Das heißt, wenn sich eine Gelegenheit im Ausland ergibt und es für uns passt, dann probieren wir das gerne aus.“ Es sei derzeit aber nichts geplant in diese Richtung. Er glaube vielmehr an die regionale Stärke: „Die Bundeshauptstädte sind zwar alle schon stark besetzt, auch von uns, wir wollen aber auch auf die Ballungszentren der kleineren Städte in Österreich hinschauen. Und wenn es da ein gewisses Potenzial gibt, werden wir versuchen, es zu nützen, sprich: wenn man dort wieder Einheiten schafft, die sich selbstständig weiterentwickeln können, dann fördern wir das gerne. Wir haben jetzt in Wiener Neustadt ein Büro aufgemacht, in Stockerau nördlich von Wien vor zwei Jahren einen Stützpunkt eröffnet, der sich sehr gut entwickelt, im Pinzgau, in Wolfurt in Vorarlberg, in Leoben und in Villach eine Niederlassung – wir schauen uns also immer genau an, wo wir Kunden für uns gewinnen können.“ Vom neuen Standort in Wiener Neustadt aus wird ebenfalls das Burgenland betreut. Eine größere Niederlassung in Kalsdorf bei Graz wurde gerade eröffnet, und bis zum Frühjahr 2017 wird der Standort Sankt Pölten ausgebaut.
Jedenfalls setzt Attensam in den Bundesländern auf einen „weiter wachsenden Markt“, im Gegensatz zu Wien, wo ein Verdrängungsmarkt stattfinde. „Aus der Zeit, als der Wiener Markt noch ein wachsender war – in den 80er, vor allem aber in den 90er Jahren bis Mitte 2000 –, haben wir sehr viel gelernt“, sagt Attensam, „sprich: wie man sich entwickelt, wie man den Vertrieb aufbaut, mit welchen Argumenten man arbeitet. Und das entsprechende Wissen haben wir für die Bundesländer übernommen, wo es unsere Dienstleistungen teilweise noch nicht gab.“ Das sei am Anfang sehr hart gewesen, „wir mussten erst erklären, was überhaupt unsere Leistung ist und welche Vorteile es bringt, wenn man an uns auslagert.“ Das habe sich in den letzten Jahren auch immer mehr herumgesprochen und trage jetzt entsprechend Früchte. Deswegen auch das Wachstum.

Spezialist und gleichzeitig Multidienstleister

Nun streben viele Facility Services Unternehmen danach, sich als Multidienstleister anzubieten – mit möglichst verschiedenen Diensten bis hin zum Catering. Sieht sich Attensam zum Unterschied von diesen Unternehmen als Spezialist? Oliver Attensam: „Wir waren ursprünglich keine klassische Gebäudereinigungsfirma, sondern kamen mehr von der Schneeräumung. Meine Eltern arbeiteten zuerst bei der Firma Austroschnee und hatten dort gelernt, wie man die Schneeräumung organisiert. Was vor allem eine logistische Herausforderung ist, weil es viele kleine Aufträge sind, während der klassische Büroreinigungsanbieter möglichst schaut, große Unternehmen zu bekommen, für die der Logistikaufwand nicht so groß ist bzw. nicht so viele Strecken zurückgelegt werden müssen. Wir kamen also von daher, ganz viele kleine Adressen anzufahren, und haben deshalb damit begonnen, uns auf die Betreuung von Wohnhäusern zu spezialisieren.“ Und das Schöne sei gewesen, „dass damals der Preis sich noch am Hausbesorgerentgelt orientiert hat, der ja eine gesetzliche Grundlage hatte, und wir als externer Dienstleister hatten uns nicht daran zu richten.“ Das sei dann eben ein relativ hoher Preis gewesen, sodass man zu guten Stundensätzen habe verkaufen können. „Das hat sich in den letzten Jahren aufgrund des Mitbewerbs natürlich eingependelt“, so Attensam, „heute sind wir preislich nicht mehr weit von einem klassischen Gebäudereiniger entfernt. Aber wir haben uns zu einem richtigen Spezialisten für die Betreuung einer Wohnimmobilie entwickelt. Andererseits sind wir innerhalb dieses Bereiches „Wohnhaus“ auch wieder Multidienstleister, denn wir bieten heute an die 45 verschiedene Services in diesem Bereich an.“
Vor einigen Jahren hat Attensam auch versucht, ein Franchise-System in Österreich aufzubauen. Was aber nicht so geklappt hat, wie man es sich vorgestellt hatte, denn: „Die Idee des Franchising war, kleine Firmen in den Bundesländern dazu zu motivieren, mit uns gemeinsam zu arbeiten, mit unserem Vertriebsnetz, mit unserem Erfolgsrezept. Grundsätzlich eine gute Idee, die aber in der Praxis insofern nicht funktioniert hat, als die Unternehmen nicht nach unseren Vorgaben arbeiteten und sie es allein nicht schafften, sodass wir sie finanziell und auch mit Spezialisten von Wien unterstützen mussten“, erklärt Oliver Attensam diesen unternehmensstrategischen Versuch. Irgendwann seien nur noch Attensam-Mitarbeiter vor Ort gewesen, „und wir haben diese kleinen Unternehmen eigentlich durchs Jahr getragen.“ Deshalb habe man diese Franchise-Betriebe dann als Tochtergesellschaften übernommen, mit eigenen Geschäftsführern, bei denen auch die Haftung liege und die ziemlich selbstständig agieren könnten. „Und sie legen sich wirklich ins Zeug, egal wo in Österreich.“ Die Firmenzentrale in Wien liefere die Personalverrechnung, die Buchhaltung, das Marketing, und man tausche sich permanent aus.

Berufliches Zuhause für Mitarbeiter

Die Basis des Erfolges bildet für Oliver Attensam die gute Arbeit motivierter Mitarbeiter. Attensam hat dieses Jahr auch einen Preis gewonnen – Platz 1 als bester Arbeitgeber in Österreich in der Kategorie „X-Large“ (über 500 Mitarbeiter) –, der vom Forschungs- und Beratungsinstitut „Great Place to Work“ verliehen wurde. Ein eigenes Team macht nichts anderes als sich zu überlegen, wie gute Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter geschaffen werden können: durch Aus- und Weiterbildung, im sprachlichen Bereich, in einer eigenen Kulturgruppe wird das Wir-Gefühl gestärkt, durch österreichweite Veranstaltungen fördert Attensam den Austausch und die Vernetzung untereinander, und es gibt eine eigene Zeitung für die Mitarbeiter. „Das Unternehmen soll sich selber dorthin entwickeln, wo es hin will, und die Aufgabe der Geschäftsführung ist es in erster Linie, die passenden Rahmenbedingungen dafür zu schaffen“, skizziert Attensam den Erfolgsweg. „Und wenn das gelingt, ist nicht mehr allein das Geld entscheidend für die Motivation der Mitarbeiter.“ Natürlich sei Geld eine wichtige Grundlage, aber wenn alles rund herum passe, wenn die Rahmenbedingungen gut seien, dann schaffe man es, trotz Kollektivvertragslohn Mitarbeiter zu motivieren und Sinn für ihre Arbeit zu stiften. „Darauf legen wir großen Wert“, betont der Firmen-Chef, „wir haben eine Fünf-Sterne-Schulung und investieren mehrere Hunderttausend Euro im Jahr nur darin, dass es den Mitarbeitern gut geht, dass sie sich sicher und wohl fühlen bei uns.“ Dadurch könne man auch problemlos den Nachschub an neuen Mitarbeitern gewährleisten, „aber auch, dass Mitarbeiter, die schon mehrere Jahre bei uns sind, Aufstiegschancen haben. Sehr viele Mitarbeiter im mittleren Management haben als Reinigungskräfte im Unternehmen angefangen, Attensam beschäftigt aktuell österreichweit knapp 30 Gebäudereinigungsmeister, aber auch Meister und Spezialisten in anderen Bereichen, wie Installateure, Elektriker, Maler- und Baumeister, die Renovierungs- und notwendige Wartungsarbeiten in der Haustechnik kompetent und schnell erledigen können. „Das Schöne ist“, so Attensam, „dass ganze Familien bei uns ein berufliches Zuhause gefunden haben.“

Innovationen für noch mehr Effizienz

Innovationen stehen ebenfalls ganz oben auf der Prioritätenliste bei Attensam. Erst im vergangenen Jahr wurden zwei Innovationen gestartet, die den Kunden noch mehr Effizienz und Flexibilität versprechen:
Für schnelle Handwerkerarbeiten wurde das Universalservice „Handyman“ ins Leben gerufen. Spezialisten montieren Möbel und Lampen, schließen Waschmaschinen an, reparieren tropfende Wasserhähne oder erledigen Malerarbeiten – „im Handumdrehen und preiswert“, wie Attensam betont. Ab 29 Euro für die erste halbe Stunde und 19 Euro für jede weitere halbe Stunde, Anfahrtszeiten werden nicht verrechnet. Derzeit ist der „Handyman“ in Wien und Umgebung im Einsatz, zukünftig soll das Service auf alle großen Ballungsräume in Österreich ausgeweitet werden.
Weiters können Privatkunden über den kürzlich gestarteten Webshop Aufträge für einen Großteil der Attensam-Dienstleistungen online in wenigen Minuten buchen – beispielsweise Grünflächenbetreuung, Winterservice, Handyman, Wohnungsreinigung oder Schädlingsbekämpfung. Der Kunde gibt nur wenige Parameter ein – wie zum Beispiel die Länge des Gehsteigs oder die Größe der Rasenfläche – und erhält sofort einen Preis. Derzeit ist der Dienst für Kunden aus Wien und Umgebung verfügbar – die bundesweite Expansion ist für das Frühjahr 2017 geplant.
Auch das „Winterservice“ von Attensam soll durch weitere Innovationen noch effizienter und schneller gemacht werden. So wird derzeit eine Winterplanungssoftware entwickelt, welche die Schneeräumung noch reibungsloser gestalten soll und die dafür relevanten Daten digital abgleicht. Die Investition in die Routenplanungs-Software beträgt rund 500.000 Euro, um die Qualitätskontrolle noch effizienter über GPS und NFC zu gestalten. Und es wird gerade eine neuartige Schaufel getestet, welche die Flächen bei Schneemengen bis zu 5 cm in kürzester Zeit säubert. Prototypen dieses patentierten Geräts sind bereits im Einsatz.

zur Person

Oliver Attensam ist Jahrgang 1967, verheiratet und Vater von vier Kindern von 7 bis 14 Jahren – zwei Mädchen und zwei Buben. Er ist leidenschaftlicher Wasserskifahrer, auch wettkampfmäßig. Seine Frau Caroline brachte das Golfspielen in die Familienfreizeit ein.

zum Unternehmen

Attensam bietet seit 1980 professionelle ganzheitliche Hausbetreuung, von der Hausreinigung über die technische Hausbetreuung bis hin zur Winter- und Grünflächenbetreuung. Das breite Leistungsspektrum des österreichischen Marktführers umfasst weiters Büro- und Industriereinigungen sowie Schädlingsbekämpfung und Regiereinigungen. Das Unternehmen ist zertifiziert in den Bereichen ISO 9001, ISO 14001 und OHSAS 18001. Zu den Kunden von Attensam zählen neben Hausverwaltungen auch private wie geschäftliche Haus- und Liegenschaftseigentümer, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen. Attensam verfügt österreichweit über 21 Standorte.

Den höchsten Beitrag zur Attensam-Jahresbilanz steuerte zuletzt mit 21,8 Mio. Euro die traditionell wichtige „Hausbetreuung“ bei. An zweiter Stelle folgt mit 17,9 Mio. Euro der Bereich „Winterservice“. Den drittgrößten Anteil hat die „Bürobetreuung“ mit 8,4 Mio. Euro. Hier bietet Attensam ein Komplettservice an, das die Reinigung der Arbeitsplätze, der Büroräumlichkeiten, sanitären Anlagen und Teeküchen umfasst.  Bei der Kundenstruktur dominierten die Hausverwaltungen (65 Prozent), gefolgt von Gewerbekunden (23 Prozent), öffentlichen Stellen (8 Prozent) und Privaten (4 Prozent).

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One Response to "Ich glaube an die regionale Stärke"

  1. 14. Februar 2017 | Saubere Sache Heute says:

    […] Attensam: Umsatzplus 2016. Die österreichische Dienstleistungsgruppe Attensam verzeichnet für das Geschäftsjahr 2015/2016 einen Umsatz von 58,2 Millionen Euro. Das entspricht einem Wachstum von 12,4 Prozent. http://www.reinigung-aktuell.at […]

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