Hoch-Zeit für KMU-Firmenportale

Wer heute noch ein hässliches oder überhaupt kein Firmenportal hat, ist selber schuld. Noch nie war eigene Präsentation im Netz so schmerzfrei und günstig wie heute. Was man wissen muss, was es bringt, was es kostet.

Text: Heinz van Saanen

1&1-Vorstand Robert Hoffmann. Der deutsche Internetriese will bei den heimischen KMU mit einem einfachen Baukastensystem für Firmen-Websites punkten.

Der Weg zum eigenen Firmenportal ist bequem und preiswert wie nie zuvor. Auch die Erkenntnis, dass ein eigener Webauftritt mittlerweile selbst für Kleinstunternehmen unverzichtbar ist, dürfte sich schon durchgesetzt haben. Selbstverständlich ist das nicht. Um 2000 herum haben selbst einschlägige Medienverlage daran gezweifelt, ob ein Netzauftritt auch wirklich etwas bringt und nicht nur etwas kostet. Was ein Firmenportal tatsächlich bringt, lässt sich nicht einfach über einen Kamm scheren. Zu unterschiedlich funktionieren die verschiedenen Branchen. Die Hotellerie etwa dürfte beim Marschtempo selbst manchen Medienmanager überrundet haben. Die Vorteile sind für die Touristiker seit einer kleinen Ewigkeit klar. Die Zahl der potentiellen neuen Gäste steigt ins Unermessliche, gleichzeitig sinken Direktmarketingkosten weil dicke Kataloge oder Postwurfsendungen out sind. Dazu lassen sich gleich noch Reservierungen, Kundenerstkontakte oder Pflege abwickeln.  Was ein Webportal einer speziellen Branche wie Gebäudereinigung oder Facility oder einzelnen Anbietern tatsächlich bringt, lässt sich nicht genau beziffern, aber umreißen. Einen Anhaltspunkt liefert etwa der „Austrian Internet Monitor“ (AIM), der vom Marktforscher Integral seit Jahren veröffentlicht wird.

Warum B2B-Portale für „kleine Österreich-KMU“ boomen

Herold-Chef Thomas Friess. Ebnet KMU den schmerzfreien Weg zum eigenen Firmenportal. Unter der eigenen Marke wird das Basisprodukt vermarktet.

Seit Windows 98 hat sich die Zahl der Internetnutzer auf heute 80 Prozent der Bevölkerung vervierfacht. Wichtiger als diese Maßzahl ist für B2B-Anbieter im Facility Bereich freilich das typische Nutzungsverhalten. Etwa 68 Prozent der Bevölkerung nützen das Netz für die Suche nach Telefonnummern oder Adressen. Und nur knapp dahinter, und von der Motivation her artverwandt, gleich 64 Prozent zur Suche nach lokalen Anbietern und Dienstleistern. Ein Gebäudereiniger der nicht präsent ist, fällt durch den Rost und verpasst einen Kundenkontakt. Wie viele Branchenmitglieder via Portal am Netz sind, lässt sich nur erahnen. Aber auch hier ergeben diverse Studien einen Anhaltspunkt. Relativ gut untersucht ist der B2C Einzelhandel, der im Vergleich zur Facility-Branche wahrscheinlich noch überproportional von einem Webauftritt profitieren würde. Laut aktuellen Sonderauswertungen von Statistik Austria oder der KMU Forschung Austria haben aktuell nur rund 50 Prozent der Einzelhändler ein Firmenportal, gar nur 15 Prozent nutzen dieses auch interaktiv für Verkäufe. Dass der prozentuale Anteil von B2B-Branchen wie etwa Facility noch deutlich darunter liegen wird, dürfte keine allzu gewagte Prognose sein. Dass die österreichischen Marktforscher nicht träumen, dokumentiert etwa die Deutsche GfK. Auch beim großen Nachbarn zeigen die wichtigsten Zahlen, wenig überraschend, ein ähnliches Gesamtbild wie in Österreich.
Dass es bei Firmenportalen noch lukrative Wachstumspotenziale gibt, zeigen auch jüngste Marketing-Aktionen. 1&1-Boss Robert Hoffmann ist weltweit in 17 Ländern tätig. Seit 2004 ist der deutsche Internetriese auch in Österreich präsent. Bei den heimischen KMU will 1&1 mit einem einfachen Baukastensystem für Firmen-Webseiten punkten. „Wir vermarkten diese Lösungen, da für eine konventionelle Homepage-Lösung der Zeitaufwand einfach zu groß wäre und die Umsetzung über eine Agentur oft das Budget sprengen würde“, so 1&1-Mann Thomas Plünnecke. Detailliert in die Karten schauen lässt sich 1&1 nicht. Über Kundenzahlen oder Prognosen schweigt Plünnecke mit Verweis auf die Börsennotierung der Mutter. Den heimischen Markt für „Sorglos“-Firmenportale kleiner heimischer KMU hat offensichtlich auch Herold entdeckt. Herold-Chef Thomas Friess ebnet kleinen KMU den möglichst schmerzfreien Weg zum eigenen Firmenportal. Unter der eigenen Marke wird das Basisprodukt vermarktet. Die Botschaft: ein paar Klicks und ich bin Online. Die Mödlinger ClearSense, ein Unternehmen der Herold-Gruppe, kümmert sich darüber hinaus um spezialisierte Zusatzservices. Herold hat darüber hinaus in der Vergangenheit auch schon einmal Zahlen veröffentlicht. Heute dürften weit mehr als 1000 KMU auf die Dienste von Herold/ClearSense zurückgreifen.

Stolperfallen – trotz Service und Niedrigpreisen

Christoph Pichler von CPC-Consulting. „Bei den Unternehmens-Websites ist in punkto Google-Fitness noch großer Aufholbedarf gegeben“.

Wer heute ein paar „Goldene Regeln“ befolgt (siehe Kasten), kommt preiswert und auch ohne IT-Know-how zu einem ansehnlichen Firmenportal. Die Kosten dürften selbst für Mini-Unternehmen überschaubar sein. Wer sucht schon tagelang den „günstigsten“ Domain-Anbieter, wenn die Jahresrechnung dann statt 15 Euro nur 12 ausmacht – und dann noch einen Webdesigner, Datenbank- oder Linux-Profi braucht? Ein Gutteil der kleineren KMU dürfte auch gut auf etwaige Spezialdienstleistungen verzichten können. Ein Preisvergleich der Basisdienstleistungen lohnt sich immer, aber hier nur bedingt. Ob das Firmenportal 10 oder 15 Euro im Monat kostet, dürfte selbst für Kleinstunternehmer nebensächlich sein. Wichtiger sind schon Kosten für Support, Einrichtung, Beratung oder Betrieb. Schwere „Unfälle“ dürften kaum zu erwarten sein. Die Baukasten-Anbieter konkurrieren momentan darum, ob sie ein Minimal-Portal schon mit drei oder „erst“ mit vier Klicks ans Netz bringen. Wer mehr IT- oder Marketingbudget hat, hat die Qual der Wahl. Eine Hoster-Lösung in Kombination mit spezialisierten und vielleicht genialen Web-Designer rechnet sich im Regelfall nur für größere Unternehmen. Ein paar Regeln gelten auch für B2B-Klein- und Kleinstkunden. So sollte man etwa darauf achten, dass der „Baukasten-Anbieter“ schon mobile Systeme unterstützt – oder das in näherer Zukunft tut.
Alle aktuellen Studien zeigen, dass die Smartphones das Nutzerverhalten mittlerweile deutlich verschieben. Bei der Anbieterauswahl sollte man auch eine Suchmaschinenoptimierung berücksichtigen. „Bei den Unternehmens-Websites ist in punkto Google-Fitness noch großer Aufholbedarf gegeben“ so Christoph Pichler von CPC-Consulting. Laut einer CPC-Studie haben selbst die heimischen Top 500 Firmen noch massiven Aufholbedarf. Ein schwarzes Loch herrscht bei rechtlichen Risiken. Selbst Rechtsexperten tun sich mit der verzwickten Querschnittmaterie nicht leicht. Für das typische KMU ist das aber kein Grund zum Verzagen. Am ein gängigsten hat das vielleicht der Rechtsanwalt Andreas Zellhofer am E-Day 2011 der WKO beschrieben: „Alles was in der Offline-Welt verboten ist, ist auch in der Online-Welt verboten“. Das ist auch für Nicht-Jus-Professoren schon sehr brauchbar. Eine beliebte Falle, über die selbst Großunternehmen mit eigenen Rechtsbateilungen stolpern, sind die Offenlegungspflicht via Impressum. Eine neuere Opt-In-Regelung für E-Mailversand hat sich wiederum oft nicht bis in KMU durchgesprochen. Das hat aber nur Formalcharakter. Wer googelt oder seine Kammer kontaktiert, bekommt auch hier die Blaupause, bei der nicht viel schief gehen kann.

Goldene Regeln für das eigene Firmenportal

Je weniger, desto besser, gilt für die Zahl der involvierten Dienstleister. Spezialisten wie 1&1 oder Herold bieten „Sorglospakete“, die alle Services und Fragen rund um die Firmenwebseite abdecken. Eventuell empfiehlt sich auch ein Check beim eigenen Provider. A1-Telekom oder UPC bieten, Zusatzdienstleistungen an.
Je klarer und übersichtlicher das Firmenportal gestaltet ist, desto besser. Ein Rat, den vor allem Do-it-yourself -Gestalter verinnerlichen müssen. Flash-Filmchen und blinkende Graphiken fördern das Image genauso wenig wie der opulente Umgang mit Schriftstilen oder Farben.
Rund um das Firmenportal lauert ein Dschungel von Rechtsvorschriften, den selbst Spezialisten nur schwer überblicken. Mit wenigen goldenen Regeln lassen sich die Risiken minimieren. Was im „echten Leben“ verboten ist, ist auch im Netz verboten. Damit lassen sich etwa schon Stolperfallen bei Urheber- oder Wettbewerbsrecht umgehen. Ein beliebter Formfehler: ein Impressum ist Pflicht und keine Kür.
Suchmaschinenoptimierung (SEO) ist ein Feld, bei dem selbst Top-Unternehmen oft patzen. Wer Firmenportal-Baukästen einsetzt, sollte prüfen, ob SEO in seinem Paket bereits enthalten ist – oder gegebenenfalls extra buchen.
Wie einschlägige Studien zeigen, wirkt sich der Smartphone-Boom langsam aber sicher auch auf das Zugriffsverhalten im Netz aus. Firmenportal-Dienstleister die ihre Webseite schon heute oder in näherer Zukunft ohne Zusatzaufwand auf Smartphones oder Tablets bringen, haben ein Plus.

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