Digitalisierung muss betriebswirtschaftlich sinnvoll sein

Alexander Manafi

Alexander Manafi

Die Digitalisierung ist in der Reinigungsbranche derzeit allgegenwärtig. Es kursieren viele Themen: sei es ‘Augmented Reality’, das ‘Internet der Dinge’, ‘Künstliche Intelligenz’, ‘Digitale Zwillinge, ‘Big Data’, ‘Sensorik’ oder ‘Robotik’. Aber: Inwiefern ist die Digitalisierung überhaupt betriebswirtschaftlich sinnvoll? Oder handelt es sich in Wahrheit nur um Buzzwords, die gerade modern sind? Wo steht die Digitalisierung heute in der Praxis? Und wo wird sie in ein paar Jahren stehen?

Vorab: Digitalisierung per se ist kein Ziel – sie ist lediglich ein Weg zum Ziel. Und das Ziel muss in jedem Fall betriebswirtschaftlich sinnvoll sein, also die Kosten senken oder den Umsatz steigern. Können das also digitale Technologien in der Reinigungsbranche bewerkstelligen? Die Kostenstruktur von Reinigungsunternehmen zeigt auf, dass 80 Prozent der Kosten Personalkosten sind – also Prozesskosten. Und genau das spielt in die Stärken digitaler Technologien, weil sie genützt werden können, um Verbesserungspotenziale aufzuzeigen und bisher manuelle Prozesse zu automatisieren.

So kann zum Beispiel automatisch erkannt werden, wenn man mit einer größeren Maschine die eingesetzte Zeit reduzieren könnte. Oder wen man nachschulen könnte, um ein optimales Ladeverhalten zu gewährleisten und so Kosten zu sparen. Oder auch, wenn man die Auslastung der Maschinen erhöhen könnte und so (ansonsten gebundenes) Kapital freigesetzt würde.

Andererseits unterstützt die Digitalisierung auch dabei, bisher manuelle Tätigkeiten zu automatisieren: zum Beispiel die Dokumentation der Arbeitsleistung, die automatische Erinnerung, falls Reinigungspläne oder Prüfungen (DGUV V3) nicht eingehalten werden, oder eine Vereinfachung der Maschinendisposition und Inventarisierung.

Der Einsatz digitaler Technologien erhöht also den Automatisierungsgrad bisher manueller Prozesse. Das spart Zeit und Geld, reduziert das unternehmerische Risiko und erhöht die Profitabilität. Aber: Wo steht die Digitalisierung in der Reinigungsbranche heute? 

Grundsätzlich ist das Thema in der Reinigungsbranche noch sehr jung, erkennbar zum Beispiel beim Thema ‘Internet der Dinge’. Während heute in der Bauwirtschaft bereits 20 – 30 Prozent aller Maschinen im Feld mit Telematik vernetzt sind, gehen optimistische Schätzungen davon aus, dass in der Reinigungsbranche heute < 0,5% aller Maschinen vernetzt sind. Wir stehen also noch völlig am Anfang. 

Das ist einerseits ernüchternd – andererseits ist es aber auch eine unglaublich große Chance, von anderen Industrien zu lernen, Fehler nicht machen zu müssen und Erfolgsmodelle zu übernehmen. 

Außerdem gibt es heute viele junge Unternehmen, die sich mit Themen, wie “Connected Cleaning” oder “Cleaning-on-Demand” beschäftigen. Der Vorteil in der Zusammenarbeit mit solchen Unternehmen ist, sich ihre Geschwindigkeit, Agilität und Technologie-Fokus zu Nutze zu machen – während man sich selber auf die wertschaffende kommerzielle Nutzung der Technologie im eigenen Unternehmen konzentrieren kann.

Abschließend: Wo werden wir bei der Digitalisierung in den nächsten Jahren stehen? Das ist noch schwierig zu sagen, aber wir sehen aktuell bei Reinigungsfirmen und Maschinenherstellern einen großen Tatendrang und eine hohe Urgenz – welche durch die Veränderungen von COVID-19 nochmals deutlich gestärkt wurde. Das stimmt zuversichtlich und wir freuen uns, Teil dieser Entwicklung sein zu dürfen.

Alexander Manafi ist CEO & Co-Founder der ToolSense GmbH

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