Der Grüne Dienstleister

1935, also vor 80 Jahren, wurde das Unternehmen Blitz Blank gegründet. Mario Reichel, Eigentümervertreter der Blitz Blank, im Gespräch über eine neue Aufbruchsstimmung im Unternehmen.

Text: Christian Wolfsberg

Herr Reichel, wie ist Blitz Blank zum 80er aufgestellt? Es gibt ja Veränderungen in der Geschäftsführung…

Dr. Alexander Billasch, ein langjähriger Freund von mir, wird gemeinsam mit unserem Herrn Ing. Franz Schröpfer die Geschäftsführung übernehmen. Herr Schröpfer war anfangs bei uns für Umwelt- und Qualitätsmanagement zuständig, bekam das gesamte Thema Anwendungstechnik dazu, wurde kürzlich zum Prokuristen ernannt und in weiterer Folge zum Geschäftsführer. Er wird für das Operative zuständig sein und sich mehr und mehr auch mit der Durchführung und der Organisation befassen. Dr. Billasch wird der vertriebsorientierte Part sein. Er war Vertriebsleiter der Philipps-Medizintechnik, zuständig für Asien, und die letzten Jahre als selbstständiger Berater tätig.

Dieses Konzept hat intern großen Anklang gefunden, und wir haben das Gefühl, dass wir jetzt zum 80-Jahre-Jubiläum eine neue Aufbruchsstimmung erzeugen können.

Und welche Funktion haben Sie?

Ich bin Eigentümervertreter, werde aber weiterhin auch ins Tagesgeschäft involviert sein. Meine Aufgabe ist in erster Linie die Geschäftsführung der Holding und auf die Entwicklung der Beteiligungen und der Töchter zu achten. Aber der Großteil meiner Arbeitszeit fließt nach wie vor in die Blitz Blank, die Mutter unserer Unternehmensgruppe, ein.

Welchen Anteil macht Blitz Blank Reinigung an der Unternehmensgruppe aus und wer gehört sonst noch zu dieser?

Blitz Blank Reinigung macht knapp Hälfte des gesamten Gruppenumsatzes aus. Weiter gehören dazu die Adcura, die in der Steiermark 6 Seniorenpflegeheime betreibt, die Firma AFS – Allround Facility Services, die technische Dienstleistungen erbringt, die Gaumenglück Restaurantbetriebs & Catering GmbH und es zählen die Blitz Blank Auslandstöchter dazu – in der Slowakei, in Kroatien und in Tschechien.

Wohin geht die Reise des Unternehmens?

Wir haben uns überlegt, welche Innovation wir zum 80-Jahre-Jubiläum setzen können, und sind zu dem Schluss gekommen, dass speziell in unserer Branche, im Gegensatz zu vielen anderen, der Umweltgedanke meiner Ansicht nach noch nicht ausreichend angekommen ist. Es ist mir kein Dienstleistungsunternehmen bekannt, das speziell auf ökologische Reinigung setzen würde. Wir hingegen erachten es als unsere Pflicht und Verantwortung der Umwelt gegenüber, stärker zu kommunizieren, welche Möglichkeiten es gibt, umweltfreundlich zu agieren. Ich bin überzeugt, dass auch viele unserer Kunden sich noch nicht sehr viele Gedanken dazu gemacht haben. Deshalb möchten wir hier vorangehen und bewusst machen, dass man mit relativ geringen Mehrkosten auch deutlich ökologischer arbeiten kann: beginnend bei den Reinigungsprodukten über den Einsatz entsprechender Müllsäcke, die nicht aus Kunststoff, sondern genauso aus Maisstärke bestehen können, die Arbeitsbekleidung, die auch aus Biobaumwolle sein kann, bis hin zu anderen Dingen, die man auch noch beachten kann. Diese drei Themen – Chemie, Müllsäcke und Bekleidung – haben wir uns jetzt einmal vorgenommen und werden sie verstärkt einsetzen. Abgesehen davon, waren wir ja einer der ersten großen Anbieter in Österreich, die das Umweltmanagementsystem ISO 140001 eingeführt und auch tatsächlich gelebt haben. Dadurch haben wir diesbezüglich ohnehin schon seit vielen Jahren laufend optimiert, sei es mit einem emissionsarmen Fuhrpark, Energiesparen in unserem Betriebsobjekt, mit dem Einsatz energieeffizienter Maschinen sowie effizienter Dosieranlagen, um unnötig viel Chemie zu vermeiden. Diesen Weg verfolgen wir also ohnehin schon seit vielen Jahren. Es ist jedoch noch mehr möglich – allerdings nicht, ohne Mehrkosten zu verursachen. Aber auch wenn es ein bisschen mehr kosten sollte, wollen wir dies den Kunden anbieten.

Spüren Sie, dass es bei den Kunden eine Akzeptanz für diese Argumentation gibt?

Wir haben durchaus Kunden, die uns schon in den letzten Jahren aufgefordert haben, ausschließlich Produkte mit dem Europäischen Umweltzeichen zu verwenden. Das Bewusstsein ist da, und wenn man es zusätzlich noch stärker kommuniziert, kann man noch viel mehr Bewusstsein schaffen. Wir erachten es als unsere Pflicht das zu tun. Ich bin überzeugt, dass man damit bei vielen Kunden punkten kann.

Es treffen sich also das Gewissen und das Geschäft?

Nun, unser Ziel ist es nicht, dadurch höhere Margen zu generieren. Wir möchten einfach nur die Mehrkosten weitergeben. Gegenüber Mitbewerbern, die das nicht anbieten, heben wir uns dann jedenfalls ab. Unser Ziel ist eine Positionierung als „Umweltbewusster Dienstleister“, nachdem wir, wie gesagt, den Weg in diese Richtung ohnehin schon vor vielen Jahren eingeschlagen haben. Nachdem wir in einer preisgetriebenen Branche sind, werden wir zwar weiterhin auch Standardprodukte einsetzen, aber für diejenigen, die bereit sind, für die Umwelt ein bisschen mehr zu zahlen, wollen wir das auch anbieten können.

Warum positioniert sich in dieser Branche kaum jemand mit etwas anderem als dem Preis? Oder anders: Warum lassen sich Kunden so gerne täuschen?

Zum einen gibt es in unserer Branche sehr viele Anbieter, und wo es viele Anbieter gibt, gibt es auch verhältnismäßig viele Schwarze Schafe. Und: Eine Dienstleitung ist im Gegensatz zu einem Produkt nicht so greifbar. Bei einem Autokauf zum Beispiel kann man die unterschiedlichen Qualitäten leicht voneinander unterscheiden. Bei einer Dienstleistung wie der Gebäudereinigung ist das natürlich ungleich schwieriger, somit lassen sich Kunden auch relativ leicht täuschen. Und das nutzen auch viele Dienstleister aus. Darum muss man hier vor allem Herrn Komarek Dank aussprechen, dass er als Innungsvorsitzender großen Anteil daran hatte, dass Standards eingeführt wurden. Die ÖNORM 2050 ist in diesem Zusammenhang ein sehr wertvolles Instrument, um für die Kunden die Angebote greifbarer und transparenter zu machen. Aber so schlecht ist unsere Branche auch wieder nicht, es gibt andere Branchen, wo es noch weit schlimmer ist als in der Gebäudereinigung. Ich sehe einen positiven Trend bei Einkäufern hin zur Qualität bzw. weg vom Billigstangebot. Man beschäftigt sich schon verstärkt mit dem Machbaren und nicht nur mit dem Preis. Mich freut in dem Zusammenhang auch, dass sich die Branche in den letzten Jahren zunehmend professionalisiert hat. Im Bereich Reinigungstechnik hat sich sehr viel getan, und damit einhergehend hat sich auch das Image der Branche verbessert, natürlich auch durch ganz gezielte Arbeit der Innung und Kommunikation nach außen. Deshalb ist es in der Verantwortung aller Branchenbetriebe, diesen Weg kontinuierlich weiterzuverfolgen – weg vom Dumpingkonzept und Nicht-Qualität, hin zu fairen, qualitativ hochwertigen Angeboten. Wir dürfen uns nicht unter unserem Wert verkaufen. Ich habe das Gefühl, dass vielen Marktbegleitern noch nicht ganz bewusst ist, welche Verantwortung sie in dem Zusammenhang haben – auch im sozialen Bereich. Den Reinigungskräften gegenüber haben wir genauso eine hohe soziale Verantwortung. Nur wenn sie die Arbeit gerne machen und Quadratmeterleistungen vorgegeben bekommen, die auch machbar sind, ist die Branche auch für Arbeitnehmer attraktiv. Wenn wir uns alle an diese Spielregeln halten, dann haben wir es alle wesentlich leichter, bestehen zu können.

Mehr Tagreinigung?

Ja, ich bin ein Verfechter der Tagreinigung. Und ich erwähne dies sehr oft bei Verkaufsgesprächen, dass es wichtig ist, möglichst lange Zeitfenster zu gewähren. Reinigungszeitfenster von 6 bis 8 Uhr sind ein Unding, für dieses Zeitfenster bekommt man auch kaum vernünftiges Personal, und das sehen die Kunden auch immer sofort ein. Ich hinterfrage auch, ob es nicht möglich wäre, vormittags oder überhaupt tagsüber zu reinigen, aber da wird es dann schon etwas schwieriger. Das ist ein Umdenkprozess, der nicht von heute auf morgen vonstatten geht. Werbespots, die ein positives Image vermitteln, erzeugen bei unseren Kunden eine gewisse Erwartungshaltung, wodurch die Betriebe wiederum unter Zugzwang sind, diese Erwartungen auch zu erfüllen – darauf zu achten, dass die Mitarbeiter ein ordentliches Auftreten haben, eine gepflegte Arbeitsbekleidung, und dass man sich mit ihnen verständigen kann. Wir haben seit Jahren eine Kooperation mit dem BFI, wo wir unseren Mitarbeitern Deutschkurse anbieten, und zwar möglichst nah am Arbeitsplatz, damit es auch familienverträglich ist. Es liegt letztlich in der Hand jedes einzelnen Betriebes, hier im positiven Sinne mitzuwirken. Diejenigen, die engagierter auf diesen Zug aufspringen, werden langfristig auch mehr Erfolg haben. Weil sich die Erwartungshaltung ändert und ich doch das Gefühl habe, dass unsere Branche an Ansehen gewonnen hat.

Lässt sich das Problem Preisdumping
lösen?

Ich bin sehr froh, dass das jetzt verstärkt kontrolliert und der Wettbewerb fairer wird. Und ich erachte es als sehr positiv, dass Arbeitszeitaufzeichnungen genau unter die Lupe genommen werden. Nur wenn sich alle an die Regeln halten, macht es gleichsam Sinn zu spielen. Und wer weiß, vielleicht kommt im nächsten Jahr eine Wettbewerbsbereinigung. Das würde zu einer faireren Marktsituation für alle Beteiligten führen. Denn diejenigen, die Preisdumping betreiben und tricksen, schaden dem Ansehen der Branche und verhindern, dass man mit fairen, ehrlichen Angeboten zum Zug kommt.          j

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