Wohldosiert

In Betreuungseinrichtungen wie Alten- und Pflegeheimen oder auch Spitälern muss auf Wäschehygiene ganz besonders viel Wert gelegt werden. Spezial-Waschmaschinen tragen diesen hohen Anforderungen Rechnung.

Text Erika Hofbauer

Täglich gibt es in den Wäschereien von Heimen oder Spitälern viel zu tun: die Menge an Bettbezügen, Handtüchern und Reinigungstextilien gilt es, sauber und hygienisch zu bewältigen. Vor allem die Desinfektion kontaminierter Textilien muss einwandfrei funktionieren. Diesen Herausforderungen stellen sich Spezialwaschmaschinen-
Hersteller. Denn die Waschprogramme sollen derart für Desinfektion sorgen, damit die Vorgaben des Verbunds für Angewandte Hygiene (VAH) und des Robert-Koch-Instituts (RKI) erreicht werden.

Einfache Bedienung

Bei Hersteller Miele setzt man in der Baureihe Performance Plus („Kleine Riesen“) auf einfache Bedienung. Mit einem Touch-Display soll einerseits die Bedienung einfacher und damit – auch bei Nutzung der Hygieneprogramme –
sicherer werden, damit die Bewohner und Mitarbeiter vor Keimübertragung durch Wäsche geschützt werden können. So erfüllen zum Beispiel Einbadverfahren mit drei Spülgängen bei bis zu 85°C die RKI-Vorgaben aus dem Bereich der Infektions- und Krankenhaushygiene. Bei Bedarf kann die Waschzeit schon zu Beginn der Hauptwäsche durch ein Einweichen verlängert werden, so dass sich selbst Blut leicht entfernen lässt. Eine zeitgesteuerte Trocknung sorgt später dafür, dass es in der feuchten Wäsche zu keiner erneuten Verkeimung kommt. In den Waschmaschinen, die schwerpunktmäßig für Mopps, Pads und Wischtücher Einsatz finden, sind neue Spezialprogramme verfügbar. Sie ermöglichen eine thermische und chemothermische Desinfektion mit anschließender Präparation durch flüssige Reinigungs- und Desinfektionsmittel. Die Restfeuchte ist einstellbar. So lassen sich die Reinigungstextilien sofort wiederverwenden. Die „großen Brüder“ der Kleinen Riesen sind die Waschmaschinen in Trennwandausführung (16, 24, 32 kg). Sie arbeiten nach dem Prinzip Unrein-Rein: Das Beladen von der unreinen und das Entladen von der reinen Seite erfüllen zusammen mit dem Desinfektionsprogramm die Hygienestandards VAH und RKI. Für eine sichere Prozessüberwachung aus hygienischer Sicht (aber auch zur Überprüfung des tatsächlichen Energieverbrauchs) können sämtliche Daten des Waschprozesses ausgelesen und mittels entsprechender Software dokumentiert werden. Standard ist das Programmpaket „Hygiene“ für den Bereich Pflegeheim und Krankenhaus mit Programmen für Inkontinenzunterlagen und Krankenhaus-Textilien. Alle Waschmaschinen sind serienmäßig mit Spezialprogrammen ausgestattet. Die Kleinen Riesen der Variante Hygiene verfügen z.B. über eine Steuerung mit mehrsprachigen Klartextanzeigen. Der Drehwahlschalter sorgt für Bediensicherheit und ermöglicht es sogar, die Bewohner selbst in die Wäschepflege miteinzubeziehen. Die Geräte verfügen aber auch über digitale Schnittstellen und lassen sich mit Smartphone oder Tablet vernetzen. Somit können Vorgänge über Smartphone-Apps kontrolliert und archiviert werden.

Ohne Unterbrechung

Auch bei Schulthess Maschinen ist die optimale Desinfektion kontaminierter Wäsche fixer Bestandteil der Geräteprogrammierung, betont Geschäftsführer Christian Zlabinger: „Alle unsere gewerblichen Waschmaschinen sind mit fest programmierten Desinfektionsprogrammen ausgestattet. Die Desinfektion erfolgt mittels einem fixen Programm, welches nicht abgeändert werden kann.“ Dieses Desinfektionsprogramm definiert sich über die „thermische Desinfektion“ (Temperatur und Haltezeit). In der Praxis erfolgt in vielen Fällen aber aus Zeitgründen eine „chemische Desinfektion“, so Zlabinger weiter: „Diese muss vom Anwendungstechniker des Waschmittel-Herstellers definiert und das entsprechende Wasch-Programm erstellt werden.“ Alle gewerblichen Schulthess-Waschmaschinen verfügen (optional) über sogenannte „Flüssigwaschmittel-module“, die die Waschmitteldosieranlagen der unterschiedlichen Hersteller ansteuern. Waschmittelmenge, Einspülzeit, etc. werden nicht von Schulthess, sondern vom Waschmittel-Hersteller vorgegeben bzw. programmiert. „Eine ‚Sicherstellung‘ der richtigen Dosierung ist aus Sicht des Maschinenherstellers daher gar nicht möglich.“ Was noch wichtig ist, so Zlabinger: „Das Programm bricht während der Desinfektion nicht ab, somit ist dieser Vorgang sichergestellt.“

Kontinuität sicherstellen

Bei Spezialmaschinen-Hersteller W. Jessernigg ist die Steuersoftware Trace-tech im Einsatz. Sie ermöglicht es, jeden Waschzyklus aufzuzeichnen und dadurch eine vollständige Konformität mit sämtlichen Hygienestandards sicherzustellen. Diese Software kontrolliert die Temperatur, Waschmechanik, Zeit und Dosierung der chemischen Mittel und sichert dadurch Waschqualität. Diese Aufzeichnungen können gespeichert und im Bedarfsfall jederzeit aufgerufen werden. Die Waschzyklus-Parameter werden kontinuierlich überwacht und in ausführlichen Waschprozessreports festgehalten. Das System macht auch dann aufmerksam, wenn das Waschprogramm nicht einwandfrei beendet wurde. Auch bei den Jessernigg-Geräten erfolgt eine physische Trennung der Wäscherei in zwei Teile (reine und unreine Seite), um kein Risiko eines Kontaktes bzw. Vermischung zwischen der reinen und unreinen Wäsche einzugehen.

Geeichte Überprüfung

Bei den Maschinen von Hersteller Emesa können als Standard sechs Pumpensignale programmiert und gesteuert werden. Dadurch kann während des Waschprogramms ein Wasch- oder Desinfektionsmittel in der festgelegten Menge zugeführt werden. Weiters sind bei allen Waschmaschinen elektronische Temperaturfühler verbaut, die auf  (plus/minus) ein Grad genau reagieren. Zusätzlich kann die Waschzeit in der Temperatur individuell eingestellt werden. Dadurch ist auch eine thermische Desinfektion problemlos möglich. Angeboten werden von Emesa auch geeichte Überprüfungen mit Zertifikat für die Thermodesinfektion. Bei den Hygienemaschinen ist eine räumliche Trennung in rein bzw. unrein ebenfalls Hygienestandard.

Hygienische Reinigungs­textilien

Der deutsche Hersteller Schneidereit bietet das Desinfektionsprogramm MEDIC an. Damit soll das richtige Flottenverhältnis, die richtige Waschtemperatur und die optimale Haltezeit garantiert werden. Falls einer der Parameter nicht eingehalten wird, erscheint direkt eine Fehlermeldung. Die richtige Dosierung wird über die Membratec sichergestellt. Hier handelt es sich um Membranpumpen, die verschleiß- und wartungsfrei sind. Auch hier gibt es eine Fehlermeldung, wenn nicht nach den richtigen Einstellungen dosiert wird. Bei Funktionsstörungen können die Waschmaschinen nicht mehr geöffnet werden. Damit ist gewährleistet, dass die Maschinenbediener nicht unwissentlich mit kontaminierten Reinigungstextilien in Kontakt treten. Darüber hinaus können alle desinfektions- bzw. hygienerelevanten Parameter per USB-Stick oder Internetanschluss ausgelesen werden. Damit 100 % Desinfektion gewährleistet wird, hat Schneidereit das Maschinenkonzept EasyMopp entwickelt, das den Desinfektionsprozess von Moppwäsche kontrolliert und dokumentiert. Während dieses Prozesses werden die vorgeschriebene Temperatur und ihre Haltezeit nicht unterschritten. Eine Manipulation von außen ist nicht möglich. Das Mopp-Aufbereitungs-System SMAS soll zeit- und kostensparende Mopp- und Tuch-Aufbereitung sicherstellen. Dazu werden Wassermenge, Dosierung der Wasch- und Reinigungschemie sowie Waschlaufzeit programmiert. Elektronisch gesteuerte Dosierpumpen garantieren das gleichbleibend exakte Mischverhältnis. Wäsche und Aufbereitung der Mopps erfolgen somit in einem durchgängigen Prozess.

Keine unbemerkte Störung

Bei Electrolux Professional wird noch in diesem Jahr eine neue Barriere-Waschmaschine (oder auch Rein/Unrein bzw. Trennwand-Waschmaschine) auf den Markt gebracht. Die Maschinen sind mit dem Software-gestützten Programm CMIS ausgestattet, das übergeordnet die Funktion der Prozessüberwachung aller installierten Wäschereimaschinen übernimmt. Dadurch wird vermieden, dass Störungen oder Ausfälle unbemerkt bleiben und zum Beispiel die notwendige Temperatur für hygienisches Waschen nicht lange genug gehalten wird. Oft entpuppt sich auch der Waschmittelkasten als Verursacher von Verunreinigungen: Das Spülwasser kommt so mit Keimen in Berührung, die das desinfizierte Waschgut wieder kontaminieren. Das 4-Wege-Ventil der Electrolux-Geräte bringt das Spülwasser direkt in die Waschtrommel. Dem Problem der Überdosierung hilft man mit einem speziellen Dosiersystem, das dem Waschprozess nur so viel Chemie zuschießt, wie das abgewogene Wäschegut benötigt. Gewährleistet wird diese mit dem eigens entwickelten ED-System (Effizientes Dosier-System), das hilft, die Chemie optimal zu dosieren.

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