WIE GEHT’S EUCH?

Über den Zustand der IFM (Infrastrukturelles FM ) Branche 2019

Christian Wolfsberg

Christian Wolfsberg

Unser jährliches Ranking ist immer eine gute Gelegenheit, über die Branche nachzudenken. Dieses Nachdenken ist schon allein aus dem Grund notwendig, weil das Zahlenmaterial ungenau ist. Die Umsätze wie auch die Mitarbeiterzahl der gelisteten Unternehmen beruhen großteils auf Eigenangaben der Firmen und sind daher schon an sich ungenau. Es wird „gelogen“, aber das macht in Summe nichts, denn über die Masse und die Jahre wird gleichmäßig „gelogen“, womit sich ausreichend Ergebnisse ablesen lassen. Es ging vom ersten Ranking an letztlich nur darum, die wichtigsten 50 Unternehmen dieser Branche für die Einkäufer aufzulisten. Wie geht’s der Branche also?

Marktgröße

641 Millionen € setzten die Top 50 Dienstleister im Jahr 2003 bei unserem ersten Ranking um. Jetzt sind es mehr als das Dreifache, wir halten bei über 2 Milliarden und knapp 63.000 Beschäftigten. Eigenangaben der Top 50 Betriebe. Kann das stimmen? Nun, die Landesinnung Wien kam letztes Jahr auf eine Marktgröße von 1,8 Milliarden € (allerdings nur für die Gebäudereinigung) bei 53.000 Beschäftigten. Die Interconnection Consulting schätzte für 2019 den gesamten FM Markt (infrastrukturelles, technisches und kaufmännisches) auf knapp über 6 Milliarden €.

Wachstum

Aus unseren Rankingdaten ist diese Frage sehr schwer zu beantworten, da wir in den letzten Jahren viele neue Listungen hatten, und zwar von großen Unternehmen, die früher keine Angaben machen wollten. Der Versuch, diese Sprünge zu berücksichtigen, ist etwas gewagt. Die Studie der Interconnection Consulting aus 2017 errechnet ein jährliches Wachstum des gesamten FM Marktes von durchschnittlich circa 4 % pro anno. Eine Zahl, die auch unser „bereinigtes“ Ranking bestätigen könnte.

Produktivität

Diese Übung kann jeder selbst machen: Dividiert man den Umsatz der im Ranking gelisteten Unternehmen durch die angegebene Zahl der Mitarbeiter, kommt man auf den Umsatz/Mitarbeiter. Das Ergebnis ist ein Wert zwischen 18.500 und 83.000 €/Mitarbeiter, im Durchschnitt der Top 50 knapp 29.000 €/Mitarbeiter. Die zu erzielende Produktivität ist möglicherweise abhängig vom Kerngeschäft des jeweiligen Unternehmens; vielleicht ist Catering produktiver als Reinigung bzw. technisches FM?
Womit wir beim abschließenden Thema angelangt wären: Bundled Services bzw. Multidienstleistung. Mag. Smutny von Advicum Consulting formuliert es so: „Viele Unternehmen würden gerne aus unterschiedlichen Gründen Zukäufe tätigen – branchenseitig betrifft das vor allem den Bereich des technischen FM; regional hauptsächlich Westösterreich. Das Ziel der Unternehmen ist es, ihren Betrieb zu einem One-Stop-Shop auszubauen (sprich: ein breiteres Dienstleistungspektrum anzubieten). Damit könnten sowohl personelle Engpässe als auch das limitierte organische Wachstum gelöst werden.“
In Anlehnung an den Psalm 23: „Die Branche ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Etc. etc.“ Das trifft die Situation recht passend; der Branche und den Unternehmen geht es gut. Es ist aber auch ein wenig Warnung angebracht: Die Umwälzungen der Technik werden auch diese Dienstleistungen in den kommenden Jahren treffen und tief verändern. Es wäre sinnvoll, sich schnellstens damit zu beschäftigen.

Kommentare: wolfsberg@reinigung-aktuell.at
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