„Werden gestärkt aus der Krise herauskommen“

Wie die Branche durch die Corona-Krise gekommen ist, wer profitiert hat, wer es schwer hatte und welche Auswirkungen Covid-19 noch haben wird.

Gerhard Komarek

Gerhard Komarek

Global gesehen war es für die Branche ein Vorteil, als systemrelevant nicht von den Betretungsverboten der Covid-Verordnungen erfasst zu sein und grundsätzlich uneingeschränkt die Dienstleistungen durchführen zu können. Dies konnte durch intensives Lobbying erreicht werden. Indirekt war die Branche natürlich durch die Schließungen in vielen Bereichen wie Handel, Hotels, Schulen, öffentliche Verwaltung, Flughäfen usw. stark betroffen.

Hier war es wichtig, dass wir sehr rasch durch ein Rechtsgutachten einer renommierten Rechtsanwaltskanzlei klarstellen konnten, dass Verträge auch in Zeiten von Corona beidseitig zu erfüllen sind, was in vielen Fällen geholfen hat, für beide Seiten wirtschaftlich tragbare Vergleiche zu schließen.

Die Betroffenheit der Betriebe hängt extrem vom Auftragsportfolio ab. Jene, deren Schwerpunkt in Bereichen kritischer Infrastruktur wie Spital, Pflegeheime, Krankenhäuser, Supermärkte usw. liegt, haben Hochkonjunktur und zeichneten sich durch Expertise und Kompetenz in Sachen Hygiene aus. Ähnliches gilt für die Hausbetreuung, wo es vermehrt zu Ausweitungen von Aufträgen kam, da viele Hausverwaltungen öfter als einmal wöchentlich stark frequentierte Oberflächen wie Handläufe, Türschnallen und Aufzugsknöpfe etc. reinigen bzw. desinfizieren ließen. Ganz anders sieht die Situation für Betriebe aus, die spezialisiert sind auf die Reinigung von Einkaufszentren, Schulen, Hotels, Bürogebäuden – diese hatten von einem Tag auf den nächsten einen hundertprozentigen Ausfall.

Im Durchschnitt verzeichnen über 80 % der Gebäudereinigungsbetriebe einen Umsatzrückgang und mussten das Kurzarbeitszeitmodell in Anspruch nehmen. Anfangs gab es Probleme mit den mehrfach sich ändernden Formularen für die Anmeldung zur Kurzarbeit und mit den Formalitäten, aber auch das haben die Betriebe vorbildlich gemeistert. Funktionäre und die Geschäftsführer der Landesinnungen und der Bundesinnung haben mit viel Engagement versucht, alle Anfragen – und das waren wirklich sehr viele – zu bearbeiten und zu beantworten. Auch ist es oft gelungen, kurzfristig Lösungen umzusetzen, z.B. Zustimmung zur Kurzarbeit mittels SMS oder WhatsApp.  

Die Unternehmen der Reinigungsbranche und ihre Fachkräfte sind seit der Covid-Krise teils gefragter denn je. Denn sie sind es, die kritische Infrastruktur aufrechterhalten. Sie waren es, die in dieser Zeit die Supermärkte, die Krankenhäuser, die Pflegeheime und die öffentlichen Verkehrsmittel gereinigt und desinfiziert haben.

Man kann sicherlich getrost sagen, dass die Reinigungsbetriebe mit ihren Fachkräften zu den Helden dieser Wochen und Monate zählen. Wir haben ja auch durch unzählige Pressemeldungen in fast allen namhaften Tageszeitungen und durch TV-Interviews unterstrichen, dass die Tätigkeit der Reinigungsbranche ein Garant für Sauberkeit und Hygiene in Pandemiezeiten ist.

Besonders jetzt wurde augenscheinlich, wie wichtig und richtig es ist, dass die Branche massiv auf Aus- und Weiterbildung setzt und somit ein kompetenter Partner in allen Bereichen für Hygiene und Sauberkeit ist. Außerdem waren für viele Betriebe Herausforderungen wie das Zurverfügungstellen von Schutzausrüstungen zu bewältigen, das Schließen der Grenzen unserer Nachbarländer und das Exportverbot von Masken, Einweghandschuhen und Desinfektionsprodukten hat die Zulieferindustrie und in weiterer Folge die Reinigungsbetriebe massiv belastet. Hier haben wir durch die Erstellung eines Merkblatts für die Reinigung und PSA bei Covid-19 unterstützt.

Für die Zukunft wird auch das Thema Home-Office die Gebäudereinigung beschäftigen, denn jeder Mitarbeiter, der zu Hause arbeitet, braucht kein Büro, somit wird dieses auch nicht mehr zu reinigen sein, bei geschätzten 15 % Home-Office-Anteil bedeutet das aber auch, dass wir zukünftig um 15 % weniger Büros reinigen dürfen und die Unternehmer wieder neue Geschäftsfelder für die Betriebe und ihre MitarbeiterInnen finden müssen.

Wir sind überzeugt, dass die Branche gestärkt aus der Covid-Krise herauskommen wird, haben doch die Menschen, die Öffentlichkeit und die Politik erkannt, wie wichtig hochqualitative Reinigung ist – dies war auch das Ergebnis einer erst kürzlich von uns in Auftrag gegebenen Umfrage.

KR Gerhard Komarek ist Bundesberufszweigobmann der Gebäudereiniger und Landesinnungsmeister Wien.

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