„Wer hat schon flammfestes Garn zuhause?“

Die unprofessionelle Pflege von Schutzkleidung (PSA) könne sogar das Leben des Trägers gefährden, sagt PSA-Experte Werner Münnich und rät daher, die regelmäßige Pflege und Instandhaltung der Schutzkleidung in die professionellen Hände eines Mietservice-Anbieters zu geben.

Text Hansjörg Preims

Werner Münnich

PSA-Experte Werner Münnich:„Am Ursprungszustand der Kleidung darf nichts
verändert werden“ ©CWS-boco

Von Unternehmen zu Unter­nehmen ist die Wäsche der Berufskleidung für Mitarbeiter unterschiedlich geregelt. Einige Betriebe waschen die Kleidung vor Ort, andere beauftragen einen Mietservice-Anbieter und viele überlassen das Aufbereiten der Kleidung den Beschäftigten selbst. Von Experten wird das private Waschen von Berufskleidung aus hygienischen Gründen nicht empfohlen. Die unprofessionelle Pflege von Schutzkleidung (PSA) könne sogar das Leben des Trägers gefährden, heißt es. PSA-Experte Werner Münnich vom Mietservice-Anbieter CWS-boco erklärt, welche Faktoren ein Risiko darstellen.

Rechtliche Vorgaben

Die gesetzlichen Regelungen bei der Be­schaf­fung von PSA nehmen zu. Im April 2018 wurde die neue PSA Ver­ordnung 2016/425 eingeführt, die Unter­­nehmen und Hersteller mit mehr Verantwortung belegt. So muss PSA Klei­dung (Persönliche Schutz­aus­rüstung) zukünftig alle fünf Jahre neu überprüft und zertifiziert werden. Darüber hinaus bekommen Kunden alle wichtigen Auskünfte zur Kleidung in der Herstellerinformation mitgeliefert. Dazu gehört auch eine Wasch­­empfehlung, mit wichtigen Hinweisen zur richtigen Wiederaufbereitung der Kleidung. Laut PSA Benutzerverordnung trägt der Arbeitgeber Sorge dafür, dass sich die Schutzkleidung der Mitarbeiter während der gesamten Nutzungsdauer in einem einwandfreien Zustand befindet. „PSA ist ein komplexes Thema, bei dem sich Entscheider in Unternehmen ein Grundwissen aneignen sollten. Nicht nur die Beschaffung erfordert Fachwissen, auch die regelmäßige Pflege und Instandhaltung der Schutzkleidung sollte in die professionellen Hände eines Mietservice-Anbieters gegeben werden“, findet PSA Experte Werner Münnich.

Falsche Temperaturen

Wenn Schutzkleidung getragen wird, muss sie auch irgendwann gewaschen werden. Eine Waschmaschine für den Haus­gebrauch bietet jedoch begrenzte Möglichkeiten, was präzise Einstellungen betrifft. In einer professionellen Industriewäscherei hingegen gibt es spezialisierte Waschprogramme, die auf die jeweilige Kleidung und deren Verschmutzungsgrad abgestimmt sind. So werden genaue Temperaturen eingestellt, was in der Hauswäsche so nicht möglich ist. „Zu hohe Temperaturen können auf das Gewebe der Kleidung einwirken und diese schrumpfen lassen. Wenn beispielsweise eine Schweißerkleidung an den Beinen zu kurz wird, besteht die Gefahr, dass heiße Schweißperlen in die Schuhe des Mitarbeiters tropfen“, erklärt Münnich.
Auch Warnschutzkleidung darf nur bestimmten Temperaturen ausgesetzt werden, ansonsten verlieren die Reflexstreifen ihre Leuchtkraft. Die Folge: Der Träger ist nicht ausreichend sichtbar, die Schutzfunktion der Berufskleidung ist nicht mehr gegeben. Um Schutzfunktionen langfristig aufrecht zu erhalten, wird von Serviceanbietern für Berufskleidung wie CWS-boco spezielle Schutzkleidung regelmäßig imprägniert. Die sogenannte Hydrophobisierung, mit der beispielsweise Wetterschutz- oder Chemikalienschutzkleidung behandelt wird, muss ebenso bei einer bestimmten Temperatur flächendeckend angewandt werden. „Eine gute Schutzkleidung für seine Mitarbeiter zu beschaffen ist nicht genug. Sie muss auch regelmäßig fachgerecht aufbereitet und kontrolliert werden, damit sie ihren Träger langfristig schützt“, so Textilexperte Münnich.

Gefährlicher Schmutz

Nicht nur von der falschen Anwendung beim Waschen geht Gefahr aus. Auch Schmutz auf der getragenen Kleidung kann ein Risiko für seinen Träger darstellen. Werden Rückstände wie Öl oder Fette in der Waschmaschine nicht richtig entfernt, kann die Berufskleidung entflammbar sein. Weichspüler kann Kleidung ebenfalls entzündbar machen, denn Schutzkleidung mit Hitze- und Flammschutz, Schweißer- oder Stör­lichtbogenschutz ist entflammbar, wird dieser verwendet. Aber auch die Umwelt ist durch laienhaftes Waschen
gefährdet. Schwermetalle und andere Stoffe, die auf der Kleidung haften, gelangen bei der privaten Wäsche über die Waschmaschine ins Abwasser. In modernen Hightech-Wäschereien werden Gefahrenstoffe von Filteranlagen abgefangen und dann professionell entsorgt.

Sichere Aufbereitung

Die Abnutzung der Berufsbekleidung bleibt in kaum einer Branche aus und die Kleidung muss irgendwann repariert werden. Bei Schutzkleidung gibt es dafür strenge Vorschriften. So muss jeweils mit den Originalmaterialien gearbeitet werden, um beispielsweise Risse zu stopfen. Auch die Anbringung von Logos und Mitarbeiternamen darf streng nach Herstellervorgabe nur an gewissen Stellen erfolgen. „Am Ursprungszustand der Kleidung darf nichts verändert werden. Und wer hat schon flammfestes Garn zuhause oder kann dieses als Privatperson so einfach besorgen? Da merkt man, wie problematisch das Thema wirklich ist“, meint Münnich. Der einfachste und sicherste Weg für Unternehmen, PSA zu beziehen, sei daher durch einen professionellen Serviceanbieter für Berufskleidung. „Dieser übernimmt nicht nur rechtlich die Verantwortung, sondern sorgt auch für die fachgerechte Wäsche und Instandhaltung der Schutzkleidung durch geschultes Personal“, so Münnich. Bei CWS-boco habe man einen offiziell zertifizierten Aufbereitungsprozess für PSA, jeder Schritt sei genau vorgegeben. „Stellen wir in der Qualitätskontrolle fest, dass die Kleidung nicht mehr sicher für den Träger ist, tauschen wir sie umgehend gegen neue Kleidung aus“, erklärt Münnich die Vorteile des Mietservice.

Reinigungstextilien und die Effizienz der Waschtechnik

Die Thematik „Wirksamkeit und Lebensdauer von Reinigungstextilien“ sei in vielen Betrieben leider noch kein zentrales Thema, sagt der Experte. Aber die Sensibilität wachse kontinuierlich an.

Text Hansjörg Preims

Es sei noch einmal daran erinnert (Reinigung aktuell berichtete): Das Laboratorium Weber & Leucht aus Fulda (D) hat im Auftrag von Electrolux Professional das Waschergebnis von Reinigungstextilien aus Mikrofasern von vier verschiedenen Waschgeräten verglichen: Die Wischbezüge unterschiedlicher Hersteller wurden in einer Haushaltswaschmaschine, einer semiprofessionellen und einer Profi-Waschmaschine sowie in verschiedenen Tunnelwaschverfahren gewaschen und getestet. Das eklatanteste Ergebnis der Studie zur „Effizienz der Waschtechnik in Bezug auf Reinigungstextilien“ war, dass ein ungeeignetes Waschverfahren sowohl die Lebensdauer als auch die Reinigungsleistung eines Wischbezugs extrem heruntersetzt. So hatte der Wischbezug – egal von welchem Hersteller – in der Haushaltswaschmaschine bereits nach 172 Waschgängen nur noch eine „Cleaning Performance“ unter 30 Prozent, kann seine Aufgabe der Reinigung also nicht mehr erfüllen. In der professionellen Waschmaschine dagegen, standardmäßig mit einem Wiegesystem ausgestattet und für eine Flüssigdosierung vorbereitet, hielten die Wischbezüge mindestens 455 Waschgänge durch, bevor sie keine Reinigungsleistung mehr erbringen konnten. Das ist gut das 2,6 fache gegenüber dem Textil, das in der Haushaltswaschmaschine gewaschen wurde.
Der zweite Faktor, der ebenfalls vom Waschprozess abhängt, ist die Flächenleistung – also wie viel Quadratmeter ein Wischbezug reinigen kann, bevor er wiederaufbereitet werden muss. So kann der Wischmopp aus der Profimaschine nach dieser Studie mehr als doppelt so viele Quadratmeter reinigen als der aus dem Haushaltsgerät.

Nachholbedarf

Thomas Leucht

Thomas Leucht, Geschäftsführer des Laboratoriums Weber & Leucht

Thomas Leucht, Geschäftsführer der Weber & Leucht GmbH, rückblickend auf diese Studienergebnisse im Kurzinterview:

Herr Leucht, haben Sie, diese Studie betreffend, Rückmeldungen aus der Reinigungsbranche und/oder auch von Seiten der Waschmaschinenhersteller bekommen? Wenn ja welche?
Thomas Leucht: Die Thematik „Wirksamkeit und Lebensdauer von Reinigungstextilien“ ist in vielen Betrieben leider noch kein zentrales Thema. Hier sind die Zusammenhänge sehr speziell und komplex. Wir haben jedoch einige Rückmeldungen der Branche erhalten, die überwiegend aus Rückfragen zu geeigneten bzw. den in der Studie geprüften Textilien bestanden. Die Textilien unterscheiden sich hinsichtlich Qualität, Wirtschaftlichkeit und Hygiene-Eignung sehr stark. Hier gibt es aus meiner Sicht definitiv den meisten Nachholbedarf. Dies hat anscheinend auch die Branche erkannt.
Weitere Rückfragen wurden zu den Maschinen selbst gestellt: Welche Konstruktionsmerkmale müssen erfüllt sein, damit Maschinenkonzepte einen dauerhaften Beitrag zur Hygiene leisten können? Diese Fragen haben wir an den Maschinenhersteller weitergeleitet.

Angeblich werden im gewerblichen Reinigungsbereich nach wie vor zum Teil noch gewöhnliche Haushaltswaschmaschinen zum Waschen der Reinigungstextilien eingesetzt. Können Sie bestätigen, dass das in der Praxis häufig noch so ist? Und wenn ja, welche Folgen kann das aus hygienischer Sicht haben?
Die Studie liegt nun schon wieder einige Zeit zurück und die Sensibilität in der Branche wächst kontinuierlich an. Nicht zuletzt tragen dazu auch strengere Regulierungen bei, die im gewerblichen Bereich auch mit mehr Kontrollen durch Behörden und Zertifizierungsgesellschaften verbunden sind. Dennoch fällt es vor allem Kleinstbetrieben oftmals schwer, eine wirtschaftliche Eigenversorgung der Wäsche darzustellen und hierfür Profigeräte zu verwenden – trotz Maschinenrichtlinie 2006/42/EG werden auch heute noch Haushaltswaschmaschinen im gewerblichen Bereich eingesetzt. Dabei besitzen professionelle Geräte deutliche Vorteile: Lebensdauer und Reinigungsleistung von Reinigungstextilien werden weitaus besser erhalten; hygienischen Anforderungen wird kompromisslos entsprochen.
Oftmals scheitert es einfach auch an infrastrukturellen Voraussetzungen wie einer ausreichenden Wasser- und Stromversorgung sowie einer ausreichenden Aufstellfläche in einem geeigneten Raum. Die Hersteller haben das erkannt und bieten mittlerweile auch wirtschaftliche Konzepte für geringe Waschgutmengen an. Betriebe, die sich die Erstinvestitionen in Profimaschinen aus wirtschaftlicher Sicht nicht leisten können, haben die Möglichkeit, auf Finanzierungsmodelle auszuweichen – oder sollten bzw. müssen aus Sicherheitsgründen auf Wäschereiversorgungskonzepte umsteigen. Dies gilt zum Beispiel auch für Arztpraxen in Deutschland.

Wie schätzen Sie das Bewusstsein in der Reinigungsbranche hinsichtlich Hygieneanforderungen bei der Wäsche und Aufbereitung von Reinigungstextilien ein? Hoch? „Ausbaubedürftig“?
Die meisten Reinigungsbetriebe wissen um den hohen Stellenwert der Hygiene – und letztendlich wird ja auch gerade deshalb ein Fachbetrieb beauftragt. Die Kunden merken meist, wenn ein Betrieb in diesem Punkt nicht fachgerecht arbeitet und dreckige, riechende oder schmierige Textilien zum Einsatz kommen. Wer dies heutzutage nicht verstanden hat, wird ohnehin Probleme haben oder bekommen.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist der wirtschaftliche Arbeitsprozess an sich. Wer auf unzureichende Ausrüstung und Aufbereitung setzt, verschenkt viel Geld. Dies gilt zum Beispiel, wenn Reinigungstextilien einen hohen Schiebewiderstand aufweisen, Rückstände am Boden hinterlassen oder den Schmutz nicht richtig abtransportieren. Die so verursachte Nacharbeit kostet letztendlich die wertvolle Zeit des pflichtbewussten Reinigungspersonals.
Die genannten Punkte können letztendlich als Endergebnis der mit Electrolux durchgeführten, sehr technisch orientierten Studie zusammengefasst werden.

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