Was wird bleiben?

Wie könnte sich die aktuelle Situation der Corona-Pandemie auf die Reinigungsbranche in Zukunft auswirken? Was wird sich vielleicht auf Dauer ändern, welche Konsequenzen, welche Entwicklungen werden ausgelöst? Was wird möglicherweise bleiben? Was wird die Branche möglicherweise mitnehmen? Reinigung aktuell fragte „in die Runde“.

Text: Hansjörg Preims

Gerhard Komarek: Eine überentwickelte Technik und eine entfesselte Wirtschaft stoßen immer öfter an ihre Grenzen.

Gerhard Komarek: Eine überentwickelte Technik und eine entfesselte Wirtschaft stoßen immer öfter an ihre Grenzen.

Gerhard Komarek, LIM Wien und DFG Bundesberufszweigobmann: „Alles, was wir an Einschränkungen erlebt haben und noch an Auswirkungen erleben werden, hat die Ursache, die der Autor Ernst Friedrich Schumacher in seinem Buch „Small is beautiful.  Die Rückkehr zum menschlichen Maß“ vorausgesagt. Schumacher schreibt, wir müssen zurückfinden zu einer „auf Permanenz ausgerichteten Lebensweise“, also zu dem, was wir heute unter dem Begriff „Nachhaltigkeit“ verstehen. Denn Gigantismus, das ständige Streben nach Output und unbegrenztes Wachstum sind keine menschlichen Grundbedürfnisse. Eine immer intensivere Vernetzung, immer bessere und schnellere Technik sowie eine immer stärkere Spezialisierung machen uns anfällig für Störungen aller Art und führen oftmals zu Entscheidungen, die von jeglicher Moral losgelöst sind. Das ausschließlich auf Wachstum ausgerichtete Wirtschaften moderner Industrienationen ist nicht vereinbar mit ökologischem und sozialem Denken.

Schumachers Alternativvorschlag – Rückkehr zu arbeitsintensiven Vorgängen, Miniaturisierung der Technik – sorgt nicht nur für mehr soziale Gleichheit und größere Überschaubarkeit, sondern auch für ein gutes Leben: In Freiheit, Sicherheit, Demokratie und einem gerechten Umfeld empfindet der Mensch seine Tätigkeit wieder als sinnstiftend. Die philosophische Basis seines Wirtschaftsentwurfs bildet dabei die „Buddhistische Ökonomie“. Sie lehnt die übertriebene Bindung an materielle Güter ab. Es geht schlicht darum, „mit einem Minimum an Konsum ein Maximum an Glück zu erreichen.“

Das Prinzip des „Größer, Schneller, Mehr“ ist am Ende. Die Natur ächzt unter der Ausbeutung ihrer Ressourcen. Eine überentwickelte Technik und eine entfesselte Wirtschaft stoßen immer öfter an ihre Grenzen. Zu einer Zeit, in der die Gesellschaft noch unreflektiert der Religion des „industriellen Gigantismus“ anhing, hat Ernst F. Schumacher die heutige Systemkrise bereits vorausgeahnt. Mit seiner Vision einer humanen Technologie, die einen geringeren Fußabdruck hinterlässt und den Menschen ein Höchstmaß an selbstbestimmten Tätigkeiten erlaubt, hat er viel von dem vorweggenommen, was wir heute unter nachhaltiger Entwicklung verstehen. „Small is beautiful“ ist daher aktueller denn je, ein perfekter Wegweiser in eine Welt, in der die Wirtschaft dem Menschen dient und nicht umgekehrt.

Die Auswirkungen von billig und noch billiger erleben wir aktuell, denn wenn kaum lebensnotwendige Artikel im eigenen Land produziert werden, sind wir von Lieferketten anderer Kontinente, Länder und Regierungen abhängig, auf die wir keinen Einfluss haben.

Wenn wir keine medizinisch notwendigen Produkte wie Mundschutzmasken, Einweghandschuhe und Schutzkleidung, vor allem aber Schnelltest-Kits, die wir bei Pandemien dringend benötigen, in Österreich produzieren und die Betriebe, die das tun könnten, nicht unterstützen, wird sich das erlebte Szenario auch nicht ändern.

Selbst die Solidarität der EU-Staaten untereinander ist in Frage zu stellen, die Exportstopps für solche Produkte haben teilweise Panik ausgelöst und konnten nur durch mühsame Gespräche der Regierungschefs erst nach Wochen gelockert werden. Die EU ist ein Schönwetterverein, jeder Mitgliedstaat ist sich selbst der Nächste und verfolgt nur nationale Strategien zum Ärger der Nachbarländer.

Arbeitgeber haben eine soziale Verantwortung, die natürlich immer im Einklang mit dem unternehmerischen Wagnis stehen sollte, auch hier haben wir erlebt, dass unterschiedliche Prioritäten gesetzt wurden. Wobei ich stolz bin auf die österreichischen Gebäudereiniger und Hausbetreuer, von denen der Großteil ihrer sozialen Verantwortung gerecht wurden und versucht haben, die MitarbeiterInnen zu halten, sowie auf die staatlichen Möglichkeiten wie die Kurzarbeitszeit zurückgegriffen haben.

Viele öffentliche und private Auftraggeber haben versucht, die Aufträge für Reinigungsleistungen zu reduzieren oder zu stornieren, um Kosten zu sparen, an die dadurch joblos gewordenen MitarbeiterInnen hat man dabei aber nicht gedacht.

Viel wurde über die Pandemie berichtet, stets haben sich Politiker bei allen Personen, die Schlüsseltätigkeiten betreuen, bedankt, kaum aber jemand hat die vielen Reinigungskräfte bedacht, die in den gleichen Einrichtungen, mit gleichem Risiko an Ansteckungsgefahr täglich für Sauberkeit und Hygiene sorgten. Vielleicht trägt die Pandemie auch dazu bei, die Wertschätzung unserer Reinigungskräfte zu steigern und die Wichtigkeit der Branche in der Gesellschaft zu betonen.“

Die Bedeutung der Reinigungsindustrie wird zunehmen

Viktor Wagner: Mit ihrem Beitrag zur Gesundheit wird auch ein längst fälliger Schritt zur höheren Wertschätzung unserer Mitarbeiter verbunden sein.

Viktor Wagner: Mit ihrem Beitrag zur Gesundheit wird auch ein längst fälliger Schritt zur höheren Wertschätzung unserer Mitarbeiter verbunden sein.

KR Viktor Wagner, Geschäftsführer REIWAG Facility Services GmbH: „Es steht außer Zweifel, dass uns die Corona-Krise weltweit erschüttert hat. Zum Zeitpunkt meines Beitrages sind Entwicklungen in Afrika noch unvorhersehbar.

Was wird bleiben? Die Bedeutung der Reinigungsindustrie wird zunehmen. Plötzlich war die richtige Reinigung von geschultem und bestausgebildetem Personal (Meister- und Gesellenprüfung!) mit den geeigneten Mitteln gefragt und begehrt als Beitrag nicht nur zur Sauberkeit, sondern vor allem zur Gesundheit. Damit wird auch ein längst fälliger Schritt zu höherer Wertschätzung der Mitarbeiter verbunden sein, welche teilweise besondere Verantwortung insbesondere bei der Betreuung in Spitälern und Pflegeheimen wahrnehmen.

Unmittelbar nach Bekanntwerden der Coronavirus-Krise habe ich einen Notfall-Fonds  für die REIWAG Mitarbeiter in Österreich und in den anderen Staaten, wo wir tätig sind (CZ, SK, HR. RO, SRB), eingerichtet, um plötzliche Not zu verhindern.

Sehr zu Hilfe kommt uns unsere Finanzpolitik, bei der wir seit vielen Jahren Gewinne in den Unternehmen beließen und nur dort einer Gewinnausschüttung zustimmten, wo wir Gesellschafter haben wie zum Beispiel die Stadt Prag bei der KOMWAG a.s. (Gesellschaft zur Stadt- und Straßenreinigung).

Ganz besonders stolz kann man auf die österreichische Bundesregierung sein, kein anderes Land hat so rasch und präzise mit der Corona-Kurzarbeit reagiert. Von ganz großer Bedeutung ist vor allem die Möglichkeit, auf sonst notwendige Kündigungen verzichten zu können. Der administrative Aufwand sowohl für Unternehmen als auch für die Behörden ist zwar groß, aber wir dürfen uns glücklich schätzen, diesen bewältigen zu dürfen.

Es ist zu hoffen, dass die Wirtschaft nach der Corona-Krise wieder an Fahrt gewinnen wird und unter Besinnung auf das Erlebte einiges vom Bisherigen in Frage gestellt wird.“

Harald Ertl: Hygiene und Desinfektion werden nicht mehr so auf die leichte Schulter genommen werden.

Harald Ertl: Hygiene und Desinfektion werden nicht mehr so auf die leichte Schulter genommen werden.

Harald Ertl, Geschäftsführer REKA Handelsgesellschaft m.b.H.: „Die letzten Wochen waren wirklich in jeder Hinsicht ein Ausnahmezustand, und alle Beteiligten, Mitarbeiter und Lieferanten sind gefordert gewesen wie noch nie zuvor. Was wir daraus lernen ist, dass die Hygiene und hier die Desinfektion nicht mehr so auf die leichte Schulter genommen werden wird, wie dies oft der Fall war, wenn man darauf hingewiesen hat.

Auch eine Lehre ist, dass es nicht nur auf die Desinfektion ankommt, sondern dass „richtiges Händewaschen“ am Beginn der Pandemie nicht wirklich publik gemacht wurde und daher auch für den dramatischen Engpass an Händedesinfektionsmitteln verantwortlich ist.

Meiner Meinung wird auch der Kunde die Lehren ziehen, welche Lieferanten seriös arbeiten und welche nicht. Hier gab und gibt es wirklich die abscheulichsten Beispiele, wo man nur auf Profit aus ist und mit der Not anderer Geld macht.

Aus unserer Sicht hat es sich sehr bewährt, dass wir so ein gutes Netzwerk an Lieferanten und Kollegen aus dem „Verein Hygiene Mensch Umwelt“ haben, wo wir unter diesen nicht wirklich einfachen Umständen viele Anforderungen sehr schnell im Sinne unserer Kunden kurzfristig lösen konnten. Hier zeigt es sich wieder, dass Firmen in unserer Größe viel flexibler sind und rascher in der Reaktion, als größere Unternehmen es sein können. Dieses schnelle lösungsorientierte Auftreten im Sinne des Kunden wird uns auch in Zukunft sicher zugute kommen.“

Noch nie dagewesener Zusammenhalt

Oliver Attensam: Jetzt wird sichtbar, wie wichtig das Know-how in Reinigung und Hygiene ist, um Pandemien etwas entgegenzustellen.

Oliver Attensam: Jetzt wird sichtbar, wie wichtig das Know-how in Reinigung und Hygiene ist, um Pandemien etwas entgegenzustellen.

Oliver Attensam, Geschäftsleitung der Attensam Unternehmensgruppe: „Gerade in der aktuellen Situation wird offensichtlich, welchen Stellenwert professionelle Reinigung, Desinfektion, Hygiene oder Gebäudeinstandhaltung einnehmen, um das öffentliche Leben aufrecht zu erhalten. Denn saubere Stiegenhäuser, desinfizierte Büro- und Ordinationsräume, sichere Haustechnik, geräumte Straßen und Schädlingsbekämpfung sorgen auch während der Corona-Krise für Sicherheit und Werterhalt. Man bräuchte eine Glaskugel, um vorherzusagen, welche Folgen die aktuelle Situation langfristig mit sich bringen wird. Wir schauen aber optimistisch in die Zukunft und spüren einen noch nie dagewesenen Zusammenhalt – im Team genauso wie mit unseren Kunden und Partnern. Ich bin überzeugt, dass wir viel Positives für die Zukunft mitnehmen können. 

Vielleicht trägt die Corona-Krise auch dazu bei, das Image unserer Branche noch stärker positiv zu beeinflussen? Jetzt wird sichtbar, wie wichtig das Know-how in Reinigung und Hygiene ist, um Pandemien etwas entgegenzustellen. Wir sind derzeit für unsere Kunden unermüdlich vor Ort – ein starkes Zeichen an unsere Auftraggeber und Auftraggeberinnen, dass auf uns selbst in schwierigen Zeiten Verlass ist und wir der richtige Partner sind. Eventuell ergeben sich auch neue Geschäftsfelder, aktuell erledigen unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ebenso Besorgungen für Risikogruppen. Angesichts der Situation natürlich kostenlos – aber wer weiß, ob dieser Service durch den demografischen Wandel nicht bald an Relevanz gewinnt und die Menschen so etwas in Zukunft verstärkt anfragen.“

Thomas Hell: In Krisenzeiten bedarf es möglichst vieler, gut ausgebildeter und verantwortungsbewusster Reinigungskräfte.

Thomas Hell: In Krisenzeiten bedarf es möglichst vieler, gut ausgebildeter und verantwortungsbewusster Reinigungskräfte.

Thomas Hell, Geschäftsführer WISAG Gebäudereinigung: „Die Leistungen der Gebäudereinigung passieren oft außerhalb der Geschäfts- und Öffnungszeiten und daher im Verborgenen. Gerade in der aktuellen Situation sind es aber die Reinigungskräfte, die durch eine gründliche Unterhaltsreinigung und korrekte Desinfektion verlässlich für ein sauberes Umfeld sorgen, die Verbreitung von Keimen reduzieren und so wesentlich zur Erhaltung der Gesundheit beitragen. In Krisenzeiten bedarf es möglichst vieler, gut ausgebildeter Reinigungskräfte, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind. Bei unseren Kunden, aber auch in der Gesellschaft bleibt dieses Bewusstsein hoffentlich bestehen, denn eine desinfizierende Reinigung ist immer und überall von hohem Wert. 

Die WISAG ist stolz auf ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die täglich vor Ort für die Kunden die Leistungen erbringen. Die psychische Belastung ist dabei speziell bei den Sonderreinigern und Kundenbetreuern enorm. Sie müssen etwa in Schutzanzügen Standorte nach Verdachtsfällen desinfizieren und sind der Sorge um die eigene Gesundheit sowie steigendem Druck ausgesetzt. Ihr Einsatz und ihr Engagement sind daher keinesfalls selbstverständlich. 

Momentan ist aber die gesamte Branche einem enormen Druck ausgesetzt: Die Unternehmen müssen mit massiv weniger Umsatz die Infrastruktur und Leistungen für das Gemeinwohl aufrechterhalten. Dem sollte – wie auch einer ausreichenden Versorgung bei Reinigungs- und Desinfektionsmitteln sowie Schutzausrüstung – in Krisenplänen Rechnung getragen werden.“

Martin Führer: Wir haben sehr schnell viele Funktionalitäten und Vorteile der digitalen Kommunikation schätzen gelernt.

Martin Führer: Wir haben sehr schnell viele Funktionalitäten und Vorteile der digitalen Kommunikation schätzen gelernt.

Martin Führer, Geschäftsführer Nilfisk GmbH Österreich: „Wie wird die Welt nach der Krise sein? Das ist die am häufigsten gestellte Frage in den letzten Tagen. Die Antwort lautet in den meisten Fällen: „Anders“. Wie konkret, wissen wir noch nicht, aber es ist ziemlich sicher, dass viele Dinge nachher anders sein werden als davor. Wir werden zwar in vielen Bereichen wieder sehr schnell zur Normalität zurückkehren, trotzdem wird die Krise ihre Spuren hinterlassen. Aus meiner Sicht werden auf jeden Fall zwei Dinge nach der Krise anders sein, als sie noch vor wenigen Wochen waren. Da wir gezwungen sind, unser Geschäft aus dem Home-Office ohne die gewohnten persönlichen Kontakte zu steuern, mussten wir uns sehr schnell an die Möglichkeiten der digitalen Kommunikation gewöhnen und haben, so denke ich, viele Funktionalitäten und Vorteile dieser Systeme zu schätzen gelernt. Ich denke, das wird sicher in der Zukunft ein Umdenken mit sich bringen, ob wirklich jede Geschäftsreise oder jedes persönliche Meeting so notwendig ist, als wir es vor ein paar Tagen noch glaubten.

Weiters sehe ich, besonders für unsere Branche, das erhöhte Bewusstsein für Reinigung und Hygiene als ein bleibender Vorteil aus dieser Krise. Oftmals wurde die Reinigung als Selbstverständlichkeit gesehen oder sogar als notwendiges Übel abqualifiziert. In den letzten Tagen ist es hier zu einem totalen Wandel gekommen und die Menschen, welche in diesem Bereich tätig sind, werden als „Helden des Alltags“ gefeiert und erfahren eine besondere – nie da gewesene – Wertschätzung. Ich würde mich freuen, wenn diese Einstellung auch zukünftig Bestand hätte.“

Das Hygienebewusstsein in der Bevölkerung steigt

Simon Meinschad: Möglicherweise muss Reinigung zukünftig sichtbarer und nachvollziehbarer sein, um Sicherheit für Kunden und Gäste zu schaffen.

Simon Meinschad: Möglicherweise muss Reinigung zukünftig sichtbarer und nachvollziehbarer sein, um Sicherheit für Kunden und Gäste zu schaffen.

Simon Meinschad, Geschäftsführer hollu: „Corona hat die globale Welt hart getroffen. Neben dem persönlichen Leid der Erkrankten trifft es auch die Wirtschaft – plötzlich heißt es: Vollbremsung! Viele unserer Selbstverständlichkeiten sind von heute auf morgen zusammengebrochen. Es herrscht zurecht große Unsicherheit, Existenzen sind bedroht. Gleichzeitig spüre ich aber auch den großen Zusammenhalt. Diese sichtbare Solidarität und der erkennbare Fokus, neue Wege und Lösungen zu finden, stimmen mich hoffnungsvoll.

Unser aller Auftrag ist es, aus dieser Extremsituation zu lernen, um uns besser auf solche Krisen vorzubereiten, neue strategische Partnerschaften auf nationaler und regionaler Ebene zu schließen oder über Beschaffung, Just-in-Time-Produktion und Lagerhaltung in Bezug auf Produktverfügbarkeit ganz neu zu diskutieren.

Für die Reinigungsbranche wird die Coronakrise auch eine Chance sein. Das Hygienebewusstsein in der Bevölkerung steigt. Möglicherweise muss Reinigung zukünftig sichtbarer und nachvollziehbarer sein, um Sicherheit für Kunden und Gäste zu schaffen. Vielleicht führt der erkennbare Beitrag der Reinigungskräfte zur Gesundheit auch zu mehr Wertschätzung und Steigerung der Stundensätze.

Corona macht uns allen deutlich: Nachhaltiges Wirtschaften, Verantwortungsbewusstsein und ein solidarisches Miteinander – was auch die Basis der 17 Sustainable Development Goals der UN sind –- haben mehr Bedeutung denn je! Sicher ist auch: Es geht nur gemeinsam. Wir brauchen nun den Mut, Entscheidungen zu treffen und proaktiv zu handeln!“

Thomas Schnell: Wir erfahren in diesen Wochen besonders eindringlich, dass Gesundheit das Wertvollste überhaupt ist.

Thomas Schnell: Wir erfahren in diesen Wochen besonders eindringlich, dass Gesundheit das Wertvollste überhaupt ist.

Dr. Thomas Schnell, DR.SCHNELL GmbH & Co. KGaA: „Der Corona-Virus fordert uns ganz: als Weltgemeinschaft, als Gesellschaft, als Unternehmen, jeden Einzelnen von uns. Wir sind noch mitten drin. Niemand vermag heute zu sagen, wie sich das weiterentwickelt.

Doch ich nehme aus den ersten Corona-Wochen bereits wichtige Erkenntnisse mit. So erlebe ich, dass Menschen erfindungsreich sind und nach Lösungen suchen, sich auch nach schweren Schlägen wieder aufrappeln und tägliche Solidarität leben. Industrieunternehmen haben vergleichsweise schnell Teile ihrer Produktion umgestellt auf die Herstellung von in der Krise benötigten Produkten. Auch der Wert regionaler und europäischer Warenbezugsquellen ist klar erkannt. Wir sehen, welch unersetzlich hohe Bedeutung Menschen haben, die in Kliniken, in der Pflege und der Betreuung, als Busfahrer, Polizist oder Sanitäter, als Kassiererin im Lebensmitteleinzelhandel, als Lkw-Fahrer oder als Techniker in Kraftwerken arbeiten.

Seitdem der Corona-Virus unser Leben prägt, nennen wir diese Branchen ja „systemrelevant“. Auch unsere Branche, die der professionellen Reinigung, gehört dazu. Hygiene ist ein entscheidend wichtiger Aspekt in unserer Gesellschaft und für jeden einzelnen – denn Hygiene schützt die Gesundheit von uns Menschen jeden Tag. Und dass Gesundheit das Wertvollste überhaupt ist, erfahren wir in diesen Wochen, da sie bedroht ist, in besonders eindringlicher Weise. Hygiene ist und bleibt daher eine tägliche Aufgabe, wir müssen sie verlässlich gewährleisten – die dafür anfallenden Kosten sind ein Aspekt, aber sicher nicht der wichtigste.“

Mario Reichel: Was ich als großen Gewinn für unsere Branche betrachte, ist unser Standing und unsere Reputation in der Gesellschaft.

Mario Reichel: Was ich als großen Gewinn für unsere Branche betrachte, ist unser Standing und unsere Reputation in der Gesellschaft.

Mario Reichel, Geschäftsführer Blitz Blank: „Unser Unternehmen Blitz Blank ist 85 Jahre alt, und wir haben schon einige globale Krisen gemeinsam mit unserem Team gemeistert und überstanden. Ich glaube, dass wir uns in der Reinigungsbranche in Demut und Dankbarkeit üben sollten. Betrachtet man Branchen wie den Tourismus oder die Gastronomie, uvm. befinden wir uns in der „Systemerhalter-Branche“ Reinigung auf der Insel der Seeligen. Natürlich fallen Aufträge weg, insbesondere Handelsflächen und Büros und Betriebe aus den oben angeführten Branchen. Auf der anderen Seite konnte Blitz Blank neue Kunden im Bereich Desinfektion und Dekontamination dazugewinnen. So werden bei uns bereits seit Anfang der Woche 1 der Quarantäne die Wischdesinfektion und Kaltvernebelung von unseren Kunden dankend angenommen.

Was wir in unserem kleineren Rahmen bei Blitz Blank sicher mitnehmen, ist, wie effizient, schneller und kostengünstiger manche Arbeitsabläufe, wie interne Meetings, über Videokonferenz stattfinden können und natürlich auch, dass Home office bei uns in der Administration Mitarbeiter zu Höchstleistungen und natürlich auch, dass Home office bei uns in der Administration Mitarbeiter zu Höchstleistungen motivieren kann.

Was ich als Riesengewinn für unsere Branche betrachte, ist unser Standing und unsere Reputation in der Gesellschaft. Vor Corona waren wir „nur“ Reinigungskräfte, eine hoffentlich unsichtbare Notwendigkeit, um Sauberkeit herbeizuführen. Heute bedanken sich fremde Menschen bei unseren Reinigungsmitarbeitern für ihren Einsatz und das anschließend sichere Gefühl, das man bei Sauberkeit empfinden darf!“

Peter Eldemayer: Unsere Branche ist mehr denn je unentbehrlich, dies wird sichtbar wie nie zuvor.

Peter Eldemayer: Unsere Branche ist mehr denn je unentbehrlich, dies wird sichtbar wie nie zuvor.

Mag. Edelmayer, Geschäftsführer Dussmann Service Österreich: „Die Corona-Virus-Pandemie hält die Welt in Atem und stellt alle Unternehmen vor nie dagewesene Herausforderungen. Eine Situation, die wir in dieser Form nicht kennen und die mehr denn je verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln, Gemeinschaftssinn, Flexibilität und verstärkte Kommunikation erfordert. Wir erleben jetzt wahrscheinlich stärker als in normalen Zeiten die Vorteile dieser Werte.

Eine Branche wie unsere, die in „normalen“ Zeiten viel zu wenig wertgeschätzt wird, erlebt nun, dass nicht nur die Leistungen einen weitaus gewichtigeren Stellenwert bekommt, sondern auch unsere Mitarbeiter/innen eine Anerkennung erfahren, die ihre teilweise unglaublichen Leistungen in einem mehr als schwierigem Umfeld wertschätzen. Diese Entwicklung sehr ich sehr positiv und nachhaltig.

Nun wird auch deutlich, wie wichtig ein verlässlicher Partner für Reinigung und Desinfektion ist, der auch neue und hochwirksame Methoden wie die Kaltverneblung aufgreift – eine Zusammenarbeit, die sich auch nachher auf regelmäßiger Basis oder für den erneuten Bedarfsfall etablieren wird. Auch das Billigstbieter-Prinzip sollte als Folge der Krise weniger angewendet werden. Denn gerade jetzt wird sichtbar, dass nicht nur unsere Dienstleistungen an sich, sondern insbesondere deren Qualität und Professionalität unerlässlich und notwendig für die Aufrechterhaltung des Systems sind. 

Es eröffnen sich auch neue Chancen für die Zeit nach der Krise: Gerade jetzt unterstützt unsere Branche Unternehmen noch mehr als bisher in Bereichen, die nicht deren Kernkompetenz sind. Somit können diese Unternehmen ihre – aktuell möglicherweise verknappten – Ressourcen bündeln und noch mehr auf die Bedürfnisse ihrer Kunden konzentrieren. Die Vorteile dieser Auslagerung werden auch nach der Krise von unseren Kunden genutzt werden, mehr denn je. Die rasche Handlungsfähigkeit und Flexibilität wird die Spreu vom Weizen trennen. 

Alle Unternehmen, auch jene unserer Branche, werden mehr Augenmerk auf Krisenprävention und Krisenkommunikation legen. Die Krisenkommunikation wird sich professionalisieren, um in herausfordernden Situationen rasch und umfassend agieren zu können: gegenüber Kunden und Mitarbeiter/innen, Lieferanten und der gesamten Öffentlichkeit. Wir müssen uns nicht mit unseren Leistungen „verstecken“. Unsere Mitarbeiter/innen werden gesehen und wertgeschätzt. Unsere Branche ist mehr denn je unentbehrlich, dies wird sichtbar wie nie zuvor. Wir wissen das schon lange, aber vielen Kunden wird das gerade erst bewusst vor Augen geführt. Nützen wir die Chance, um die außerordentlichen Leistungen unsere Branche und MitarbeiterInnen nachhaltig zu verankern. Dussmann wird seinen Teil dazu beitragen!“

Thomas Schiefer: Schaffen wir es, im Rahmen dieses Umfeldes endlich die sichtbare = Tagesreinigung bei den Kunden stärker zu etablieren?

Thomas Schiefer: Schaffen wir es, im Rahmen dieses Umfeldes endlich die sichtbare = Tagesreinigung bei den Kunden stärker zu etablieren?

Thomas Schiefer, Geschäftsführung HECTAS Österreich: „Die Coronakrise wird Ende April nicht vorbei sein, sondern uns sicherlich noch das ganze Jahr beschäftigen. Einen Vorteil hat die Krise für unser Gewerbe: Alle mussten sich mit Reinigung und Desinfektion auseinandersetzten. Nie stand Reinigung und Desinfektion mehr im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Es wird darauf ankommen, was wir jetzt daraus machen. In jeder Krise steckt auch eine Chance. Schaffen wir es, im Rahmen dieses Umfeldes endlich die sichtbare = Tagesreinigung bei den Kunden stärker zu etablieren und das Image der Reinigung zu verbessern?

Führt der verstärkte Home-office-Betrieb mittelfristig vielleicht dazu, dass sich der private Bereich für professionelle Gebäudereinigung öffnet? Ergeben sich neue Betätigungsfelder durch das Zurückführen vieler ausgelagerter Produktionsschritte nach Österreich? 

Eines ist aber ganz sicher: In der Krise zeigt sich, wie belastbar die Partnerschaft zwischen Kunde und Dienstleister wirklich ist und wie professionell damit umgegangen wurde. Hier werden einige punkten, andere mittelfristig verlieren.“

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