Vom Norden her …

Über Norwegens Vorreiterrolle in Sachen Tagreinigung hat Reinigung aktuell schon wiederholt berichtet. Doch mittlerweile gibt es – wenn auch nur ganz vereinzelt – auch in Deutschland Initiativen für die Einführung der Tagreinigung und für eine breitere Akzeptanz derselben. Beispielhaft gelingen soll das vor allem in Schulen.

Auf Einladung des Berliner Bezirksstadtrat Andy Hehmke trafen sich am 20. Februar dieses Jahres Vertreter aus allen Berliner Bezirksämtern, der Berliner Gebäudereiniger-Innung, der IG BAU und der Berliner Handwerkskammer zu einem Fachaustausch zum Thema Tagreinigung. Grund der Einladung war für Hehmke „die üblicherweise wenig attraktiven Arbeitszeiten für Reinigungskräfte, denn die regelmäßige Unterhaltsreinigung in öffentlichen Gebäuden, in Schulen, Kitas oder Büros erfolgt in aller Regel an den Tagesrändern.“ Diese „geteilten Dienste“ frühmorgens oder nachmittags bis abends bzw. nachts seien verbreitet, und es werde überwiegend in Teilzeit oder auch sehr häufig im Minijob gearbeitet. Hinzu komme, dass die tägliche Kontrolle der Reinigungsleistung dadurch erschwert werde, dass Nutzer und Hausmeister die Reinigungskräfte mit ihren „Randarbeitszeiten“ selten anträfen. Tagreinigung dagegen erleichtere die Steuerung und Kontrolle der Reinigungsleistung, so Hehmke: „Sind Reinigungskräfte z.B. während des Schulbetriebs vor Ort, so erleichtert dies die Kommunikation erheblich, beispielsweise können Spontanverschmutzungen unkompliziert und sofort beseitigt werden.“ Tagreinigung ermögliche auch auskömmliche Stundenkontingente für Reinigungskräfte und familienfreundlichere Arbeitszeiten. Und: „Tagreinigung steigert die Wertschätzung für die täglich notwendige Reinigungsleistung und für die Beschäftigten der Gebäudereinigung. In einigen Berliner Schulen wird die Tagreinigung bereits umgesetzt.

Bereits 2018 war in vier Dienstgebäuden in Adlershof (Berliner Ortsteil in Treptow-Köpenick) die tageszeitliche Reinigung eingeführt worden. Die Resonanz aller Beteiligten zur Qualität der Reinigung am Tag war und ist laut Heike Schneidereit, Serviceeinheit Facility Management im Bezirk Treptow-Köpenick, „durchweg positiv“. Nach einer Testphase in den vier Dienstgebäuden in Adlershof wurde die Tagreinigung erstmals auch in Schulen eingeführt, und zwar als zusätzliche Tagreinigung nach Absprache mit den Schulen: Beginn im Zeitfenster 7-10 Uhr, Ende im Zeitfenster 13-16 Uhr. Die bisherige Unterhaltsreinigung am Nachmittag und Abend blieb unverändert. Die Mehrkosten pro Schule und Monat belaufen sich auf 1.000 bis 1.500 Euro. Sukzessive soll nun an allen Schulen auf zusätzliche tageszeitliche Reinigung umgestellt werden.

Zusätzlicher Impuls durch Corona

In Hamburg wiederum hat die Leitstelle Gebäudereinigung der Finanzbehörde Hamburg 2018 über eine Ausschreibung die Kampagne „Sauberes Miteinander“ an eine Werbeagentur in Auftrag gegeben. Die Kampagne, die im September 2019 startete, hat sich zum Ziel gesetzt, „den respektvollen Umgang mit den Reinigungskräften der Stadt zu fördern.“ Deshalb will man zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Reinigungskräfte die Tagreinigung in so vielen öffentlichen Gebäuden wie möglich einführen. Tagreinigung zum Beispiel zwischen 8 und 18 Uhr, wie es in anderen Ländern bereits gang und gäbe sei, heißt es. Dadurch will man mehr Akzeptanz und Wertschätzung für die Reinigungskräfte schaffen und der Person hinter der Reinigung ein Gesicht geben.
Wobei just die Corona-Krise diesem Ansinnen einen zusätzlichen Impuls geben soll: „Gerade aktuell in Verbindung mit Corona hat sich die Intention herauskristallisiert, die so genannte Tagreinigung flächendeckend in allen Schulen Hamburgs auszurollen“, sagt Bettina Bärfacker von der Finanzbehörde Hamburg, Leitstelle Gebäudereinigung (die Leitstelle Gebäudereinigung der Finanzbehörde Hamburg ist zuständig für die gesamten Hamburger Schulen und alle Dienstgebäude des Hamburger Gebiets, ausgenommen die Kitas). Aufgrund der Corona-Bedingungen werde derzeit nämlich auch über den Tag verteilt gereinigt, es müssten viele Zusatz-/Zwischenreinigungen durchgeführt werden, wodurch der Betreiber, der Hamburgs Schulen bewirtschaftet – der „SBH Schulbau Hamburg“ –, sehe, dass das ein gutes System sei, das sich bewährt habe, und es fortführen möchte.

Sehr viel Abstimmung erforderlich

„Das heißt, es ist geplant, dass die Zusatz-/Zwischenreinigungen, die derzeit in unseren Schulen stattfinden, weiterhin durchgeführt werden“, so Bärfacker – „womit wir letztendlich dann auch ein gutes Argument dafür haben, die Tagreinigung einzuführen.“ Aber diesbezüglich bedürfe es noch einiger Überzeugungsarbeit in den Schulen, vor allem gegen den oft vorgebrachten Einwand, Tagreinigung würde den Schulbetrieb stören. In vier Schulen sei die Tagreinigung schon als Pilotprojekt gelaufen, und dort sei man nach anfänglicher Skepsis teilweise zu Verfechtern der Tagreinigung geworden. Zwei Schulen seien bei der Tagreinigung geblieben, da hier die Umsetzung optimal funktioniere und eine gute Kommunikation und Zusammenarbeit stattgefunden habe. „Zwei Schulen wollten das dann doch nicht einführen, da sie die Tagreinigung für ihre Schulen als nicht umsetzbar und akzeptabel beurteilt haben“, berichtet Frau Bärfacker. Aber darüber hinaus habe man bei Neuausschreibungen immer auch darauf hingewiesen, man möge die Schulen fragen, ob sie sich Tagreinigung vorstellen könnten und sich darauf einlassen möchten. Es könne aber nur funktionieren, wenn es vor Ort mit dem Hausmeister, der Schulleitung und den Lehrerinnen und Lehrern gut akkordiert sei, wenn entsprechende Kommunikation stattfinde: „Tagreinigung bedarf sehr viel Abstimmung, und das kann nur funktionieren, wenn alle gut zusammenarbeiten.“

Vorsorgen können statt minijobben müssen

Und was halten die Dienstleister davon? Bettina Bärfacker: „Die finden es gut und begrüßen es, weil sie dadurch ihren Reinigungskräften unter Umständen auch andere Verträge mit größeren Stundenkontingenten anbieten können, sodass diese eventuell auch fürs Alter vorsorgen können – was sie mit Minijobs, die leider den Hauptanteil der Beschäftigungen in diesem Bereich ausmachen, natürlich nicht können. Darüber hinaus werden durch das erweiterte Zeitfenster für die Gebäudereinigung auch familienfreundlichere Arbeitszeiten ermöglicht.“ Es werde sicherlich weiterhin diese Minijobs geben, aber sie würden im Zuge der Tagreinigung vielleicht etwas weniger werden. Und es habe sich eben auch gezeigt, „dass es gut ist, wenn Reinigungskräfte auch untertags vor Ort sind, dass sie wahrgenommen werden.“ Die Person hinter der Reinigung bekomme ein Gesicht. Es fehle nur noch an einer breiteren Akzeptanz, viele wollten mit den Reinigungskräften gar keinen Kontakt haben. „Und daraus“, so Frau Bärfacker, „ist dann eben unsere Kampagne ,Sauberes Miteinander‘ entstanden. Wobei wir als denkbares Zeitfenster für Tagreinigung eben die Zeit zwischen 8 und 18 Uhr sehen. Oder auch zwischen 7 und 19 Uhr.“ 

Die Tagreinigung biete jedenfalls für alle Beteiligten viele Vorteile.

Vorteile für die Schule 

  • Erhöhtes Qualitätsempfinden
  • Schmutzvermeidung
  • Flexiblere Reaktionen bei Reinigungsmängeln
  • Direkte Kommunikationsmöglichkeiten

Vorteile für Reinigungskräfte

  • Familienfreundliche Arbeitszeiten
  • Vollbeschäftigung – weg vom Mini-Job
  • Stärkere Identifikation mit dem Arbeitsplatz
  • Erhöhte Zufriedenheit und Motivation

www.sauberesmiteinander.de

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