The Arcora Story

Ein Gespräch mit Sami Memili, CEO Arcora International.

Interview: Christian Wolfsberg

Ich persönlich habe Arcora immer mit Mopps assoziiert. Aber wenn ich mich hier im Besprechungszimmer so umsehe, das stimmt ja gar nicht. Was ist Arcora?

Sami Memili: Wir kommen ursprünglich aus der Chemie … und sind da immer noch stark vertreten. Seit 1992 produzieren und vertreiben wir Chemie für den gesamten Floorcare Bereich. Ursprünglich waren wir auf ganz spezifische Fußbodenbeschichtungen spezialisiert. Von 1992-1999 waren wir in vielen europäischen Ländern der exklusive Vertriebspartner von Butchers Chemicals (Anmerkung: US Chemie Hersteller, der 1999 von damals Johnson Wax, jetzt SealedAir Diversey Care, übernommen wurde). Nachdem die Käufer von Butchers selbst eigene Distributionswege fanden und uns nicht mehr brauchten, haben wir uns mit den amerikanischen Rohstoffherstellern der Butchers Polymere zusammengetan und eine gemeinsame Marke gegründet: Die Archem Chemicals. Die Arcora Gruppe hält daran 60 %, die Firma Essential (Hersteller der Butchers Polymere) 40 %. Archem Chemicals stellt seit 2000 ausschließlich Bodenpflege-Chemie her, also Beschichtungen für Sportböden, Holzböden, PU, aber auch Desinfektionsbeschichtungen. Von 2000 bis 2005 war das unser Kerngeschäft. Die Bodenpflegeprodukte haben dann im Laufe der Zeit immer mehr Anfragen betreffend der Textilien ausgelöst. Anfragen wie zum Beispiel, ob zur Bodenpflege Mikrofaser oder Baumwolle besser geeignet sei oder mit welchen Textilien Beschichtungen aufzutragen sind und vieles mehr. Um unseren Kundenservice zu verbessern, haben wir dann begonnen, Textilien hier und da einzukaufen. Unser US-Partner war an diesem beginnenden Textilgeschäft extrem interessiert und hat uns dann gefragt, ob wir nicht Kontakte in unserem Herkunftsland – dem Textilland Türkei – hätten. Wir haben dann einen Hersteller von Plüschbezügen für Maler-Rollen gefunden, der sehr unter den Billigpreisen aus Fernost litt, und von ihm die ersten Textilien bezogen. Nach einem sehr erfolgreichen ersten Jahr gründeten wir dann mit ihm ein gemeinsames Textilien produzierendes Unternehmen, an dem Arcora 51 % hält. 2007-2009 ist dann östlich von Istanbul eine Halle mit 7.000 m² errichtet worden, in der wir alle unsere Textilien selbst anfertigen – also nur Produktion, kein Vertrieb. Den Vertrieb übernimmt dann die Arcora-Group aus unseren Lagern: für die USA aus New Jersey, für Middle East aus Istanbul, für den Balkan aus Zagreb und für Westeuropa aus München.

Wo wird Ihre Chemie hergestellt?

Sami Memili: Immer noch in den USA. Aber damit wir nicht Wasser aus den USA exportieren – das wäre ja wohl Umweltwahnsinn – holen wir uns Superbase Produkte, etwa fünf verschiedene Zusammensetzungen, die dann hier lokal gemischt werden und aus denen dann das Polymer hergestellt wird. Wir importieren also Rohstoffe. Das ist umweltverträglicher und reduziert auch das Volumen. Wir haben letztes Jahr 7 Container Superbase importiert, was als fertige Produkte 28 Containern gleichkommen würde!

Von der Chemie zu den Textilien. Kam dann noch mehr dazu?

Sami Memili: Mittlerweile decken wir alles im Bodenbereich ab. Wenn Kunden von uns die Beschichtung, die Pads und die Moppbezüge kaufen, dann wollen sie bald auch die Mopphalterungen. So war es dann auch. 2011 haben wir eine Kunststoffgießerei und eine Schlosserei in unserer Halle nahe Istanbul eröffnet, wo wir nun auch die Halterungen selbst herstellen.

Sie stellen nur für sich oder auch für andere her?

Sami Memili: Beides. Bei den Chemieprodukten war das Verhältnis früher etwa 60 % privates Labeling, 40 % für uns. Jetzt ist es genau umgekehrt: die Arcora Labels beanspruchen etwa 60 % der Produktion. Bei den Textilien ist es in Europa etwa 70 % für unsere Eigenmarken, 30 % für das private Labeling.“

Wie groß ist der Anteil an Chemie bzw. Floorcare?

Sami Memili:„Vom Arcora Gesamtvolumen macht der Textilanteil etwa 40 % aus, 60 % sind immer noch Floorcare Produkte. Dazu muss ich sagen, dass für uns Floorcare etwas anderes ist als die restliche Chemie. Natürlich finden Sie in unserer Produktpalette auch Glasreiniger, Sanitärreiniger oder Oberflächenreiniger. Das sind Pflichtprodukte, die gehören heutzutage einfach dazu, denn nur Floorcare alleine reicht den Abnehmern nicht. Da müssen Sie schon auch gleich die volle Palette bieten können. Aber wir sehen uns immer noch als Bodenspezialist. Aber auch die Textilen sind recht stark. Letztes Jahr haben wir 4,2 Millionen Moppbezüge exportiert, in 173 verschiedenen Modellen. Nicht schlecht für eine Sparte, mit der wir erst 2007 begonnen haben!

Sind Sie auch im Gesundheitswesen?

Sami Memili: Ursprünglich waren unsere Schwerpunkte in der Industrie und bei den Gebäudereinigern. Wir waren also nur dann im Gesundheitswesen vertreten, wenn ein Gebäudereiniger dort – meist in der Form von Servicegesellschaften – tätig war. Seit etwa 5 Jahren sind diese Servicegesellschaften rückläufig und wir haben gemerkt, dass unsere Händler direkt im Gesundheitswesen keine Rolle spielen. Daher haben wir vor drei Jahren nun eine eigene Vertriebsorganisation gegründet – die Firma Orca – die dieses Segment bedient und schon einige renommierte Kunden hat, die Charité oder die Helios Gruppe etwa. Mit der Orca bieten wir alles an „was sich auf dem Boden bewegt, aber eben speziell für das Krankenhaus.

Was hat Arcora in Österreich vor?

Sami Memili: Sehr interessant! Wir haben natürlich mit Deutschland begonnen und uns dann durch die Messen weiterentwickelt. Wir sind grundsätzlich bei allen ISSA Messen (Amsterdam, Warschau, Istanbul und USA) dabei, aber auch bei der CMS oder der Pulire in Madrid. Bei Messen können wir Neukunden gewinnen, aber auch Distributoren finden – insofern ist es sehr schade, dass es die EuroClean in Wien nicht mehr gibt. In Österreich haben wir natürlich schon den einen oder anderen Kunden, den wir beliefern, sowohl als Marke als auch als private Label, aber wir sind noch nicht dort, wo wir sein wollen. Ursprünglich haben wir in Österreich Distributoren gesucht, die unser Gesamtsortiment übernehmen, wie wir es in Polen, Finnland oder Slowenien machen. Aber wir sind uns derzeit noch nicht ganz sicher, ob wir nun auf Distributoren, Fachhändler oder Direktvertrieb setzen sollen. Wir haben festgestellt, dass jeder Produzent nach Deutschland will, egal wo er herstellt, egal wer er ist. Für Österreich gilt das nicht, aber der Markt ist dennoch sehr interessant für uns. Es gibt einige Großhändler, wo wir vielleicht das eine oder andere Produkt platzieren könnten. Aber von mehr als 1.300 Produkten nur 2 oder 3 im Vertrieb zu haben, ist uns einfach zu schade. Wir wissen, dass wir sehr gute Produkte haben, in der Bodenreinigung, bei den Textilien, in der Mikrofaser, dem Kunststoff – wir sagen immer: Wir sind gut, bei allem, was sich auf dem Boden bewegt! Daher ist es schade nur einen Partner für einige wenige Produkte zu haben – wir sind gut für den gesamten Boden, vom Pad über die Beschichtung bis zum Mopp. Wahrscheinlich ist der Direktvertrieb am besten. Wir sind nicht so gut als Auftragsproduzenten, wir sind stark in der Eigeninnovation – für alles, was den Boden betrifft. Und ich verspreche: Man wird auch in Österreich noch von uns hören!

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