Scheu vor Outsourcing

Ob Klimawandel, autofreie City oder Kostenverursacher im Unternehmen – das Thema Fuhrpark berührt viele Bereiche. Mobilitätsexperten betonen nicht nur in diesen Zusammenhängen, dass professionelles Fuhrparkmanagement auch für Kleinbetriebe durchaus rentabel sein kann.

Text: Erika Hofbauer

Von Fuhrparkmanagement-Experten hört man immer wieder, dass sich Outsourcing schon ab einem Fahrzeug rentiert. Da stecke weniger der Wunsch nach mehr Beratungsaufträgen, sondern mehr der Rechenstift hinter dieser Argumentation, betonen Experten wie Henning Heise, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Fleetconsulting: „Der Fuhrpark gehört nicht zum Kerngeschäft und somit ist das Wissen auch nicht in der Form vorhanden, dass die besten Lösungen gefunden werden können.“ Wenn sich in einem kleinen Betrieb der Eigentümer mit dem Fuhrpark befasse, seien 100 Prozent der ‚Managementkapazitäten‘ gebunden, erläutert Heise – dies könne nicht wirtschaftlich sein: „Wenn ich alle 5 Jahre ein Zimmer in meinem Haus ausmale, werde ich das wohl auch nicht besser oder günstiger machen können als ein gelernter Malermeister.“ Es sei denn, man ziehe eine falsche Kostenrechnung heran, wie beispielsweise das „Argument“: „Meine Freizeit kostet nichts“. Auch Martin Kössler, Geschäftsführer von ALD Automotive, streicht die Vorzüge des Outsourcings anhand von Beispielen heraus: „Für kleinere Unternehmen bietet Outsourcing großes Einsparungspotential, da sie zum einen die direkten Kosten durch die Weitergabe von Kostenvorteilen für beispielsweise Fahrzeugeinkauf oder Treibstoffausgaben senken können. Zum anderen lassen sich auch indirekte Kosten wie z.B. Wegzeiten, Belegabwicklung und Rechnungsprüfung durch professionelles Management und erfahrenes Fachpersonal des Fuhrparkspezialisten reduzieren.“ Detaillierte Reportings sorgten darüber hinaus für Übersicht und hohe Transparenz und ermöglichten damit eine (kosten)effizientere Fuhrparksteuerung, erklärt Kössler: „Im klassischen Sinne des Outsourcing, sprich beim Operating Leasing, besteht für das Unternehmen zudem kein Preis-, Verwertungs- oder Restwertrisiko, und gleichbleibende Raten bieten Budget- und Planungssicherheit. Dies kommt gerade kleineren Unternehmen zu Gute.“

Teures Belegwesen

Norbert Streicher, Commercial Director von LeasePlan Österreich, sieht die Situation ähnlich: „Wenn es um Mobilität geht, stehen sowohl Einzelunternehmer als auch Inhaber eines Großbetriebs immer vor derselben Herausforderung: Wie kommt man kosteneffizient zu einem fahrbaren Untersatz? Jedes Fahrzeug bedeutet internen Aufwand.“ Plakatives Beispiel sei in diesem Zusammenhang das leidige Thema Belegwesen: „Ab dem Kauf müssen Belege gesammelt werden, für Versicherung, Tanken, Service und Reparatur, Reifenwechsel und ähnliches. Pro Jahr und Fahrzeug fallen daher unzählige Belege an“, so Streicher. Damit sei es aber noch nicht getan, denn diese Belege müssten auch bearbeitet werden: „Ob durch eine spezielle Software oder eine externe Buchhaltung, das benötigt Ressourcen, erzeugt Aufwand und Kosten.“ Weshalb man als Spezialunternehmen interessierten Kunden schon ab einem Fahrzeug ein Rundum-Sorglos Paket anbieten könne.

Scheu vor Entscheidung

So überzeugend die Consulter auch auftreten – offensichtlich herrscht noch immer eine gewisse Scheu, den Schritt zum Fuhrpark-Outsourcing zu wagen. Die Experten versuchen sich in Erklärungen für diese Zurückhaltung. Fleetconsulting-Chef Heise: „Es liegt oft an der Unkenntnis der Materie, da viele landläufige Gerüchte und Halbwahrheiten die Runde machen. Es fehlen die Möglichkeiten der seriösen und unabhängigen Informationseinholung bzw. der Austausch mit anderen.“ Henning Heise weiß aus seiner Praxis, dass oft die Bedeutung und Kosten des Fuhrparks unterschätzt werden: „Oft sind nicht alle Kosten bewusst und werden daher auch nicht richtig bewertet“, sagt der Experte und rät zum Besuch des Fuhrparkverbandes (www.fuhrparkverband.at): „Hier gibt es bereits für Kleinunternehmer die Möglichkeit, sich gut zu informieren und Tipps und Erfahrungen von anderen Fuhrparkbetreibern einzuholen.“

Mangelndes Kostenbewusstsein ortet auch ALD-Geschäftsführer Martin Kössler als Ursache für die Zurückhaltung gerade bei Kleinunternehmen bzw. kleinen Fuhrparks: „Unsere Erfahrung zeigt, dass oft mangelndes Kostenbewusstsein und Know-how in Kombination mit fehlenden IT-Lösungen eine Hürde darstellen, den Fuhrpark effizient zu verwalten. Genau hier setzen externe Fuhrparkexperten an.“ Er glaubt überhaupt, „dass sich reines Outsourcing zum umfassenden Mobilitätsmanagement weiterentwickelt, wo die individuelle Beratung und der jeweilige Mitarbeiter samt Dienstfahrzeug im Mittelpunkt stehen.“

LeasePlan-Manager Norbert Streicher vermutet als Grund für die Zurückhaltung die Scheu vor langfristigen Leasingverträgen und dem finanziellen Aufwand: „Viele Unternehmen haben die Sorge, dass die Auslagerung des Fuhrparkmanagements mehr kostet als sie letztlich an Einsparungen bringt. Doch genau hier können wir vom Gegenteil überzeugen: Wir schauen uns die Kostenstruktur im Unternehmen genau an und können so das Kostenoptimierungspotenzial auf die Kommastelle genau bestimmen. Damit kann sich jede und jeder zusätzlich auch ein eigenes Bild davon machen, welche Vorteile sich durch Outsourcing bieten.“ Für diejenigen, die vielleicht zögern, einen langfristigen Leasingvertrag abzuschließen, biete man beispielsweise mit „FlexiPlan“ eine eigene Flotte von Mietwagen an, die die Mobilitätsbedürfnisse zwischen 1 und 24 Monaten flexibel abdecke, so Streicher.

Aktuelle Themen

Ständig neue rechtliche Bestimmungen, aber auch technische Neuerungen oder politische Entscheidung (Stichwort autofreie City) belasten die Argumentationslinie. Welche Themen kommen laut den Experten auf die Fuhrparkmanager zu? Fleetconsulting-Chef Heise: „Was sind die Antriebe der Zukunft? Welche finanziellen Änderungen – Steuern, Abgaben, etc. – wird es zukünftig geben?“ Beim Thema autofreie City kommt Heise in Fahrt: „Das ist wieder so eine populistische Aussage einer Politikerin in Wahlzeiten, die bereits in mehreren Punkten revidiert werden musste, da sie falsch war. Mit heute zumindest 27 Ausnahmen kann nicht von einer autofreien Stadt die Rede sein. Es wird nur ein noch größeres Wirrwarr an Regelungen geben, die zu mehr administrativem Aufwand führen wird.“ Am Ende würden solche Maßnahmen wenig Erfolg bringen, aber die Möglichkeit für neue Abgaben und Einkünfte für die Kommunen vorbereiten: „Die Benützung von Straßen ist heute mit der motorbezogenen Versicherungssteuer, Parkpickerl, Kurparkzonen, Autobahnvignette, separate Mautstraßen etc. schon ohnehin x-fach besteuert!“

ALD Automotive-Geschäftsführer Martin Kössler ortet einen großen Trend in der wachsenden Nachfrage der E-Mobilität: „Aufgrund der umweltfreundlichen Fortbewegungsart sowie gesetzlichen und steuerlichen Änderungen setzen immer mehr Unternehmen auf alternative Antriebe. Im Rahmen der Neuregelungen des Sachbezugs, der Normverbrauchsabgabe und der motorbezogenen Versicherungssteuer erleben wir seitens unserer Kunden ein zunehmendes Interesse an Elektro- und Hybrid-Fahrzeugen sowie die Überarbeitung vieler Dienstwagenrichtlinien.“

Adaptierung der Car Policy

Für Norbert Streicher, Commercial Director LeasePlan Österreich, hat die Coronakrise vielfach auch eine Kostenkrise ausgelöst: „Das betrifft natürlich auch Flotten – egal, wie groß oder klein der Fuhrpark ist.“ Kurzfristig könnten bestehende Verträge verlängert werden. Auch die Überprüfung oder Adaptierung der Car Policy könne Kosten senken, denn mehr als 75 Prozent der Ausgaben würden direkt von der Fahrzeugauswahl beeinflusst, erläutert Streicher. Zudem kann auch die Anzahl der Fahrzeuge innerhalb der Firmenflotte an den Bedarf angepasst werden. Er sieht bei technischen Neuerungen und Innovationen wie der Elektromobilität besonders großes Interesse: „Viele Kunden fahren bereits Plug-in-Hybride oder E-Fahrzeuge. 2020 wurde als das Jahr der Elektromobilität bezeichnet; viele neue Modelle kommen heuer auf den Markt oder sind schon auf unseren Straßen unterwegs. Das betrifft neben PKW ebenso den wachsenden E-Transporter-Bereich, mit vielen neuen E-LCV Modellen wie beispielsweise dem Fiat Ducato.“ Unternehmen könnten dabei besonders von umfangreichen staatlichen Förderungen profitieren: „Ganz aktuell hat die Regierung eine deutliche Erhöhung der finanziellen Anreize für die E-Mobilität angekündigt. Das ist nur einer der Schritte in der Entwicklung zu einer nachhaltigeren Mobilität.“

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