Reinigung ohne Zeitdruck, aber mit viel Herz

Die Schweizer Stiftung Pigna bietet Menschen mit einer Behinderung ein breitgefächertes Wohn- und Arbeitsangebot im Zürcher Unterland. Ein Reporter-Team von Wetrok durfte die Hausdienst-Crew am Standort Kloten Müliwies einen Tag lang bei den Reinigungsarbeiten begleiten.

Text: Hansjörg Preims

Reinigen ohne Hektik und Zeitdruck? Ja, das gibt es noch, und zwar in der Stiftung Pigna in Kloten. Die Institution sorgt an mehreren Standorten dafür, dass fast 200 Menschen mit einer geistigen, psychischen oder körperlichen Behinderung einen Arbeitsplatz, vor allem aber eine Aufgabe erhalten. Zum Beispiel die junge Frau Alessia, die fünf Tage die Woche in der Werkstatt Müliwies im Klotener Industriegebiet arbeitet.

Arbeitszuteilung in täglicher Teamsitzung

Alessia gehört zum 11-köpfigen Hausdienst-Team, das Reinigungs- und Reparaturarbeiten erledigt. Dabei sind einige Mitarbeitende täglich im Einsatz, andere nur einen Halbtag pro Woche – je nach persönlicher Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit. Jeden Morgen werden im Team die anfallenden Arbeiten besprochen und aufgeteilt. „Das Scheuersaugen mit der Mambo möchte ich heute übernehmen“, meldet sich Alessia zu Wort. Und Gruppenleiterin Salome Brönnimann ist einverstanden, sie schätzt die Eigeninitiative des Teams: „Wir sorgen dafür, dass alle eine Aufgabe erhalten, die ihren Fähigkeiten und Interessen entspricht.“ Das Teilhaben am Arbeitsleben und die Zugehörigkeit zu einem Team seien entscheidend – „Bedürfnisse, die sich eigentlich gar nicht wesentlich vom regulären Arbeitsmarkt unterscheiden“, so Salome Brönnimann. Im Team helfe man sich gegenseitig, gehe es einer Person nicht gut, übernehme eine andere ganz selbstverständlich deren Arbeit. Um bei Fragen sofort zur Stelle zu sein, würden auch Gruppenleitende immer aktiv mitarbeiten.

Rücksichtnahme auf Rollstuhlfahrer

Rasch sind alle Aufgaben vergeben. Bevor es losgeht, muss noch der Reinigungswagen bestückt werden – auch dafür ist Alessia heute zuständig. Sie weiß genau, welche Reinigungsmittel, Mikrofasertücher und Schutzmaterialien aus dem Schrank mit dem Reinigungsmaterial benötigt werden, und übergibt den entsprechend ausgestatteten Reinigungswagen an Sabrina, die heute für die Sanitärreinigung zuständig ist. Alessia selbst kümmert sich um das Vorbereiten der Wetrok Scheuersaugmaschine Discomatic Mambo. Sie hat die Dosierung des Bodenreinigungsmittels im Griff, und im Nu ist die Maschine bereit für den Einsatz. Alle Mitarbeitenden üben die Dosierung vorgängig mehrmals mit der Gruppenleitung, ehe sie diese allein ausführen, denn Sicherheit wird bei der Pigna großgeschrieben – die eigene und die der Kollegen. Auch Alessia hat das verinnerlicht. Gewissenhaft platziert sie die Warnschilder am Anfang und Ende des Flurs und erklärt: „Der Flur ist der Durchgangsweg zur Kantine, daher müssen dort viele Leute vorbeilaufen. Einige von meinen Arbeitskollegen in der Werkstatt sitzen im Rollstuhl, deshalb müssen wir besonders vorsichtig sein, um Unfälle zu vermeiden.“ Dann führt sie die Reinigungsmaschine gekonnt Bahn für Bahn durch den Flur. 

Zwei Schwestern vom Fach

Währenddessen reinigt ihre Kollegin Sabrina im Bad das Waschbecken und die behindertengerechte Toilette. Dazu benötigt sie nur ein Mikrofasertuch und eine kleine Schaumflasche, die sie vorgängig mit Wasser und Reinigungsmittel (Wetrok Reocid) befüllt hat. Mit etwas Schaum auf dem Reinigungstuch und vorbildlicher Gründlichkeit befreit sie die Armaturen des Waschbeckens von Schmutz und Kalk. Die Schaummethode ist äußerst anwendungssicher und prädestiniert für eine solche Einrichtung. Der Schaum bietet im Vergleich zur Arbeit mit einem Spray oder Wassereimer nämlich zwei wesentliche Vorteile für die Gesundheit: Die Mitarbeitenden atmen keine Sprühpartikel ein und müssen weder Tücher auswringen noch schwere Eimer schleppen.

Vor dem Badezimmer taucht Sabrinas Schwester Nadja mit dem Staubsauger auf. Auch sie arbeitet in der Pigna – normalerweise am Standort Bülach. Durch die Corona-Krise wurden die Teams nun jedoch etwas anders zusammengesetzt. Nadja hat den direkten Vergleich in puncto Reinigungsmethoden, da in Bülach (noch) mit Eimer und Wasser gearbeitet wird: „Mit dem Putzeimer wird das Mikrofasertuch zwar zwischen den Räumen ausgewaschen, aber es bleibt halt immer etwas Schmutz am Tuch dran. Ganz anders mit dem Schaum: Dort verwenden wir immer wieder eine frische Tuchseite oder gar ein komplett neues Tuch, wenn wir den Raum wechseln. Die Arbeit mit der Schaummethode ist somit deutlich hygienischer“, begründet sie ihre Präferenzen und lässt bereits an der Wortwahl erkennen, dass sie keine Putzhilfe, sondern eine geschulte Reinigungsfachperson ist.

Staubsauger darf nicht stören

Nadja macht sich mit dem Staubsauger auf den Weg zum Empfangsbereich. Sie mag Staubsaugen, diese Tätigkeit habe etwas Entspannendes, sie mache das auch zu Hause gerne, denn anschließend fühle sich die Wohnung so schön sauber an, erzählt die junge Frau, die sich mit ihrer Schwester Sabrina eine Wohnung in der Region teilt und viermal die Woche mit dem Bus zur Arbeit in die Pigna kommt.

Sorgfältig saugt Nadja den Teppich mit dem Trockensauger Monovac Comfort ab, der ideal für diese Umgebung ist, da sich der Lärmpegel dank speziellem Silent-Modus auf ein Minimum reduzieren lässt. Das ist insofern wichtig, als in den angrenzenden Werkstätten Arbeiten stattfinden, die höchste Konzentration erfordern, unter anderem die Konfektionierung von Kopfhörern für die Fluggesellschaft Swiss. „Wir haben den Auftrag, die Kopfhörer der Passagiere nach Gebrauch zu desinfizieren, die Kabel aufzurollen und diese neu zu verpacken. Normalerweise sind das rund 10.000 Stück pro Woche. Durch die Lahmlegung des Flugverkehrs im Zuge von Corona ist dieser Auftrag momentan leider auf Eis gelegt“, berichtet Standortleiter Eckhard Schmidt. Solche Konfektionierungsarbeiten werden von Personen aus den Pigna-Werkstätten in Bülach und Kloten ausgeführt.

Für Nadja geht es vom Eingangsbereich weiter ins Treppenhaus, wo der Wetrok Rückentragsauger zum Einsatz kommt. Eine Arbeit, die im fünfstöckigen Gebäude einige Zeit in Anspruch nimmt.

Service und Sicherheit stimmen

Dann ist Mittagspause, das Hausdienst-Team macht sich auf den Weg in die haus­eigene Kantine – für das Reporter-Team die Gelegenheit, mit Standortleiter Eckhard Schmidt zu sprechen und etwas mehr über die Arbeitsphilosophie von Pigna zu erfahren. Die Stiftung kooperiert vorzugsweise mit Partnern und Lieferanten, die ihrerseits wiederum Aufträge an die Pigna-Werkstätten vergeben. So funktioniert auch die Zusammenarbeit mit Wetrok: „Einerseits sind wir Wetrok Kunden, indem wir das Reinigungsmaterial bei Wetrok beziehen, andererseits ist die Wetrok Pigna-Kundin, indem sie Hilfsarbeiten in der Maschinenproduktion an unsere Werkstatt-Mitarbeitenden auslagert. Eine Win-win-Situation“, erklärt der Standortleiter das Konzept. In der Tat unterstützen Pigna-Mitarbeitende die Wetrok regelmäßig beim Zusammensetzen von Motorteilchen und bei der Konfektionierung von Warenmustern. Es gibt für den Standortleiter aber noch einen weiteren Grund, weshalb für ihn kein anderer Reinigungsmateriallieferant in Frage kommt: „Die einfach bedienbaren Maschinen, die hohe Anwendersicherheit der Reinigungsmethoden und -mittel sowie das ergänzende Schulungsangebot. Bei Wetrok kann ich darauf zählen, dass wir in guten Händen sind und jederzeit die bestmögliche fachliche Beratung erhalten.“ Die preisgünstigste Reinigungsmaschine nütze schließlich nichts, wenn Service und Bedienerfreundlichkeit nicht stimmten. Und: „Kürzlich durften wir einen Reinigungskurs bei der Wetrok besuchen und anschließend mit den Aufsitz-Scheuersaugmaschinen durchs Gebäude fahren. Unsere Leute kamen sich vor wie in einem Ferrari – das war ein absolutes Highlight für alle.“

Abwechslung durch Rotationssystem

In einigen Punkten unterscheidet sich die Pigna freilich von herkömmlichen Unternehmen. Die Mitarbeitenden brauchen eine Bezugsperson, zu der sie eine Beziehung aufbauen können, die sich Zeit für sie nimmt und ihnen die Abläufe – wenn nötig mehrmals – demonstriert. „Kündigen diese Personen, stellt uns das nicht selten vor große Herausforderungen“, so Eckhard Schmidt. Positiv unterscheide sich dafür die Reinigungsqualität: „Unsere Mitarbeitenden brauchen für gewisse Aufgaben zwar etwas länger, aber gerade weil dieser Zeit- und Kostendruck entfällt, reinigen unsere Leute sauberer als viele regulär angestellte Gebäudereiniger.“

Die Mitarbeitenden sind aber nicht nur gewissenhaft, sondern auch flexibel. So unterstützt das Hausdienst-Team regelmäßig in der Wäscherei, in der Küche oder in den Werkstätten. Heute beispielsweise bleibt Sabrina nach dem Mittagessen in der Küche, während Nadja sich um die Reinigung der Oberflächen in den Büros kümmert. Normalerweise bleibt nachmittags oft Zeit, um externe Reinigungsaufträge zu erfüllen. Ein wiederkehrender Auftrag ist jener des Flughafens Zürich: Die Pigna reinigt und desinfiziert die Boxen, in welche die Passagiere bei der Sicherheitskontrolle ihre Wertsachen legen. Pro Jahr sind das rund 12.000 Boxen – durch Corona ist jedoch auch dieser Auftrag weggebrochen. 

Um 16.00 Uhr endet der Arbeitstag für das Hausdienst-Team. Zum Abschied überraschen Alessia und die Bastelstunde-Teilnehmerin Arlinda das Reporter-Team mit einem sehr berührenden Geschenk: mit selbstgeflochtenen Armbändern in den schönsten Farben des Regenbogens. Ein Andenken, das noch lange an diesen außergewöhnlichen Tag erinnern sollte.

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