Outsourcing-Trend hält an

Moderates Wachstum von für externe Facility Services in Österreich.

Text: Hansjörg Preims

Adreas Erdpresser

Studienautor Adreas Erdpresser, Interconnection Consulting: „Für Green-FM wie energieeffiziente und nachhaltige Dienstleistungen gibt es noch großes Verbesserungspotential, da ist das Angebot noch überschaubar.“

Die extern erbrachten Dienste rund um die Immobilie legten im Jahr 2014 in Österreich wertmäßig um 3,2 Prozent auf insgesamt fast 5 Milliarden Euro zu (2012 lag der Wert noch bei 4,6 Mrd. Euro). Vor allem Technische Services werden derzeit immer öfter extern vergeben. Das zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Studie von Interconnection Consulting.

Diese Wachstumskurve zeigt quer durch alle Bundesländer kontinuierlich nach oben, wobei Niederösterreich mit 3,8 Prozent das größte Wachstum im Vergleich zu 2013 erzielte. Bis 2018 soll dieses Bundesland einen Umsatz von über 1 Milliarde erreichen. Die Salzburger und Kärntner greifen am häufigsten noch eigenhändig zum Besenstiel – diese beiden Bundesländer erreichten mit 1,5 Prozent und 1,9 Prozent das geringste Wachstum. Wien hält den größten Anteil am Facility-Markt-Kuchen mit einem Gesamtvolumen von ca. 1,8 Milliarden Euro im Jahr 2014. Entwicklungspotential besteht noch im Burgenland, hier lag der Umsatz 2014 bei 45 Millionen Euro.

Technische Services mit größtem Wachstum

Der maßgebliche Motor für die anhaltend positive Entwicklung liefert der anhaltende Outsourcing-Trend von Facility Services, da diese Dienstleistungen häufig kostengünstiger und professioneller vom Spezialisten, als unternehmensintern erbracht werden können. So stieg von 2009 bis 2014 der Anteil von extern vergeben Facility Services von 44,5 auf 51,6 Prozent. Der Markt insgesamt (intern und extern) steigt derzeit mit 0,3 Prozent in etwa in Höhe des BIP. Intern erbrachte Facility Services verlieren 2014 (-2,6 Prozent) gegenüber dem Vorjahr.

Waren es 2012 noch Kaufmännische Services, die das größte Wachstum erreichten, sind es 2014 wieder Technische Dienstleistungen, die den Markt wertmäßig mit 3,7 Prozent am stärksten vorantreiben. Dazu zählen zum Beispiel die Gebäudewartung, das Störungsmanagement, Inspektionen sowie Um- und Zubauarbeiten. Obwohl es nur das zweitgrößte Segment ist, wird sich dieser Wachstumstrend laut Interconnection auch bis 2018 weiter fortsetzen, wobei ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 6,1 √ erwartet wird. Ein Grund für das starke Wachstum stellt die zunehmende Technisierung von Gebäuden und Anlagen dar. Das größte Segment mit einem Gesamtwert von über 3 Milliarden Euro im Jahr 2014 bleibt auch in Zukunft das Infrastrukturelle Service, das zum Beispiel Gebäudereinigung, Außenanlagen oder Sicherheitsdienste beinhaltet.

Krisenfestes Wachstum

2015 wird aufgrund des moderaten Wirtschaftswachstums, lediglich ein Zuwachs von 4,1 Prozent bei den externen Facility Services erwartet. Wachstumsraten über dem BIP-Wachstum sind aus mehreren Gründen möglich: Zum einen nutzen Unternehmen gerade wirtschaftlich schwierige Zeiten, um sich auf das Kerngeschäft zu fokussieren und somit Facility Services auszulagern, zum anderen sind Basisdienstleistungen wie Sicherheit, Reinigung und technische Wartung nur gering von der wirtschaftlichen Aktivität abhängig. Die Branche ist somit krisenfest, wenn auch die Margen leiden. Allerdings klagen Facility Service Anbieter über immer kürzere Vertragszeiträume und oftmaliges Nachverhandeln der Preise. Selbst renommierte Anbieter schaffen es kaum, sich derartig zu differenzieren, dass die Preise eine untergeordnete Rolle spielen würden. Noch immer gibt es viele Unternehmen, die generell skeptisch sind und Facility Services lieber in Eigenleistung erbringen oder lediglich kleinere Bereiche auslagern.

Verbesserungspotential Nachhaltigkeit

Der globale Ruf nach Nachhaltigkeit scheint noch immer nicht so ganz bei den FM-Dienstleistern angekommen zu sein. „Für Green-FM, wie energieeffiziente und nachhaltige Dienstleistungen, gibt es noch großes Verbesserungspotential, da ist das Angebot noch überschaubar“, so Studienautor Andreas Erdpresser. Aber auch die Vereinheitlichung von Begriffen und Leistungen innerhalb der EU könnte zu einem besseren Überblick der angebotenen Leistungen für Kunden beitragen. Der internationale Blick zählt ebenfalls noch nicht zum Alltag vieler kleinerer FM-Anbieter, so stehen länderübergreifende Managementkonzepte noch nicht an der Tagesordnung.

Der Markt wächst weiter

Der österreichische Markt für Facility Services entwickelt sich auch in den nächsten Jahren weiter positiv. Internes und externes Facility-Management zusammengerechnet soll bis 2018 ein Gesamtvolumen von über 10,3 Milliarden Euro erreichen. Dies entspricht einem Wachstum von durchschnittlich 1,6 Prozent. Vor allem technische Services treiben den Markt an. Der Trend zum Outsourcen von Facility Services und integrierte Nachhaltigkeitskonzepte bieten den Unternehmen in den nächsten Jahren weiter viel Potenzial, ihren Umsatz zu steigern.

Die Fakten des österreichischen FM-Marktes auf einen Blick

Marktkonzentration steigt

Die Marktkonzentration unter den Top 60 Unternehmen am extern vergebenen Markt steigt weiter an und liegt derzeit bei knapp über 40%. Es gibt zwar einige größere Marktplayer, insgesamt ist der Markt mit Tausenden Klein- und Kleinstunternehmen aber stark zersplittert.

Übernahmen und Zukäufe

Vor allem größere Unternehmen versuchen über Zukäufe und Übernahmen ihre Kompetenzen weiter in Richtung Full-Service-Provider auszubauen, wobei Anbieter von technischen Serviceleistungen gerade besonders gefragt sind. Prominentestes jüngstes Beispiel ist der Baukonzern Strabag, welcher Ende letzten Jahres den Industriedienstleister DIW (bzw. dessen FM-Sparte) übernommen hat, wodurch sich nun auch die österreichischen Niederlassungen von DIW unter dem Dach des Strabag-Konzerns befinden.

Kampf um KMU

Langsam, aber sicher beginnt auch der Kampf um KMUs als Kunden, denen bislang von großen Anbietern noch nicht so viel Beachtung geschenkt wurde.

Immer mehr Full-Service Provider

Immer mehr Anbieter treten als Full-Service Provider auf, aber auch Nischen werden immer besser von den Marktteilnehmern besetzt. So wollen Full-Service-Provider dem Kunden alles aus einer Hand bieten. Die Übernahme von Gesamtverträgen drängt wiederum Mitbewerber vom Markt.

Strategische Partnerschaften

Strategische Partnerschaften und Nischenmärkte werden vor allem von mittelgroßen und etwas kleineren Unternehmen genutzt, um sich weiter am Markt behaupten zu können. Dadurch können etwa regionalübergreifende Aufträge leichter erbracht werden. Dieser Trend ist allerdings im benachbarten Deutschland aufgrund der geografischen Ausdehnung noch deutlich stärker ausgeprägt.

Internationale Player halten Einzug

Internationale Player haben neben rein lokalen Anbietern längst am Markt Fuß gefasst.

Outsourcing-Trend

Der weiterhin starke Outsourcing-Trend schafft neues Potential im heiß umkämpften Markt. Neben einem überzeugenden Leistungsangebot ist auch die Vertriebsstärke wichtiger denn je. Gleichzeitig gilt es, bestehende Kunden vor der Abwerbung der Konkurrenz zu bewahren.

Preiskampf

Zwar werden immer noch Kosten und damit Margen gesenkt, um Verträge zu gewinnen. Viele Unternehmen versuchen aber, sich auch mit anderen Mitteln zu behaupten und verzichten bewusst darauf, sich Marktanteile praktisch zu „kaufen“. 2014 zeichnete sich sogar ein Trend ab, dass einige der größeren Anbieter margenschwache oder nicht kostendeckende Aufträge abgestoßen haben. j

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