OUTSOURCING IN GEMEINDEN

Ganz vorsichtig kommt etwas Bewegung in die bislang träge Auslagerungskultur

Die Erste Titelgeschichte über das Outsourcing in Gemeinden veröffentlichten wir 2006, und seitdem haben wir nicht locker gelassen, da wir überzeugt sind, dass ein Auslagern von IFM-Leistungen (infrastrukturelle FM-Dienste wie Reinigung, Catering, Security usw.) die eher angespannten Budgets der österreichischen Kommunen deutlich entlasten könnten.

Ausgangslage

Gemäß der zuletzt verfügbaren Statistik des Gemeindebundes (2016) verzeichnen 38 % aller österreichischen Gemeinen einen Abgang. Das heisst, das Ergebnis des ordentlichen Haushalts ist negativ – vulgo, sie machen Verluste, wie immer das auch durch Investitionen oder anderen kreativen Argumenten begründet sein mag. Die laufende Gebarung ist eines, die Schulden ein zweites. Diese gehen zwar etwas zurück, sind aber immer noch in Summe gewaltig. Wer Interesse hat, kann den Gemeindefinanzbericht unter www.gemeindebund.at gerne nachstudieren.

Ausreden

Über die Jahre wurden wir immer – inoffiziell versteht sich – mit den selben Gründen konfrontiert, warum ein Auslagern nicht gehe. Zur Wiederholung: An erster Stelle war und ist immer die Angst, bei einem Outsourcing von Dienstleistungen an externe Firmen lokale Arbeitsplätze zu vernichten und dafür vom Wähler abgestraft zu werden. Am etwas abgeschlagenen zweiten und dritten Platz landen der Ärger, verursacht durch Oppositionsparteien bei im Gemeinderat bei einer Vergabe und der Druck lokaler Granden/Lobbyisten.

Vorteile

Eine umfangreiche Studie des BIV (Bundesinnungsverband der deutschen Gebäudereiniger) 2014 hat eindeutig ergeben, dass ein Outsourcing (in diesem Fall der Reinigung) einen Kostenvorteil von durchschnittlich 34 % bringt. Neben einer höheren Kostentransparenz, mehr Planungssicherheit, leichteren Sanktionsmöglichkeiten, höherer Effizienz und Qualität durch den nun vorhandenen Wettbewerb bei – wohlgemerkt – gleicher sozialer Absicherung. Es gibt keinen Grund, dass diese Daten für Österreich nicht genauso gelten. (Die Studie versenden wir gerne auf Anfrage: office@reinigung-aktuell.at

Tendenz

Tamensi movetur! (Und sie bewegt sich doch!) soll Galileo Galilei beim Verlassen des Inquisitionsgerichts gemurmelt haben. Vielleicht bewegt sich nicht nur die Erde, sondern vielleicht bewegen sich auch die österreichischen Kommunen. Zarte Anzeichen dafür haben wir jetzt gemerkt, auch wenn „nur“ in den entferntesten Bereichen der Gemeindedienstleistungen outgesourct wird. Möglicherweise ist das aber ein sinnvoller Beginn, wenn zuerst das Freibad und dann der Bauhof vergeben werden. Denn die nächste Entwicklung folgt dem zarten Outsourcing-Trend schon dicht auf den Fersen: der Roboter, der weder Licht noch Heizung braucht, um zwischen Mitternacht und 6 Uhr Früh die Mehrzweckhalle zu reinigen!

Kommentare: wolfsberg@reinigung-aktuell.at
Meinungen unter Leserforum auf www.reinigung-aktuell.at

 

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