Noch großes Potenzial in Österreich

Herbert Bartsch, Niederlassungsleiter des WISAG-Geschäftszweiges „Produktionsservice“ in Bayern, und Gerhard Wildner, Geschäftsführer der WISAG Gebäudereinigung GmbH, im Gespräch über Möglichkeiten und Spezifika des Dienstleistungsbereichs Technische Reinigung.

Text Hansjörg Preims

Gefragt, wo im privaten Bereich in Österreich das größte noch zu nutzende Potenzial für Outsourcing der Reinigung steckt, nennt Gerhard Wildner ohne zu zögern die Technische Reinigung in der Industrie – zumal er als Geschäftsführer der WISAG Gebäudereinigung GmbH auch den direkten Vergleichsdraht nach Deutschland hat, wo sich die WISAG Produktionsservice GmbH, ein Geschäftsbereich der WISAG Facility Service Holding, eben mit dieser Dienstleistung etabliert hat. Sie umfasst die Reinigung und Wartung von produktionstechnischen Anlagen der Industrie, einschließlich der Reinigung von Rückständen und Ablagerungen im Produktionsumfeld.

Reinigung aktuell: Herr Wildner, wie stellt sich für Sie der Dienstleistungsbereich Technische Reinigung vergleichsweise in Österreich und in Deutschland dar?

Gerhard Wildner

Gerhard Wildner

Wildner: In Österreich bietet nicht einmal eine Handvoll von Dienstleistern Technische Reinigung an. Wobei auch die Frage ist, was Technische Reinigung beinhaltet: Wir, die WISAG Gebäudereinigung, bieten auch Technische Reinigung an, zum Beispiel in Malls und bei der Post, für die wir Verteileranlagen reinigen. Diese Arbeit kann aber eine normale Reinigungskraft durchführen. Nur dieses Know how, das die WISAG Produktionsservice-Gesellschaft in Deutschland hat, mit Höchstdruckreinigungen, Spezialreinigungen und speziellen Großgeräten, das gibt es in Österreich nicht. Zum größten Teil wird diese Arbeit in Österreich noch in Eigenregie von der jeweiligen Produktionsfirma gemacht. Die Auslagerungsquote in diesem Bereich gibt es bei uns noch nicht so wie in Deutschland.
Herr Bartsch, wie qualifiziert muss das Personal für diese Dienstleistung sein? Sind das speziell ausgebildete Fachkräfte für die Reinigung und Wartung von produktionstechnischen Anlagen, aber auch normale Reinigungskräfte für die Umfeldreinigung?
Bartsch: Ja, wir haben auch normales Reinigungspersonal in unseren Einsatzteams dabei – zum Beispiel für das Wegräumen von Reststoffen –, aber für die Reinigung der Maschinen und den Einsatz bestimmter Reinigungsstoffe setzen wir entsprechend gelernte Kräfte ein, üblicherweise mit mechanischer Ausbildung. Dafür ist Spezialwissen erforderlich, beispielsweise für die Wasserhöchstdruckreinigung mit ihrer sehr großen Bandbreite bis zu 2.500 bar: Hier muss der Maschinist wissen, mit welchem Druck und mit welchen Düsen er welche technischen Anlagen reinigt und welche Anbaugeräte er dazu braucht. Allein zum Fahren von Einsatzgeräten wie den großen Höchstdruckanlagen mit einer Leistung bis zu 350 kW, die auf LKWs aufgebaut sind, braucht es den LKW-Führerschein. Wir haben also üblicherweise Teams im Einsatz, die sich sowohl aus Helfern als auch aus Fachkräften mit Wissen über die Technologie und ihren Einsatz zusammensetzen. Als weiteres Beispiel sei hier die Trockeneisreinigung für filigranere Arbeiten wie die Reinigung von Getrieben und Motoren, die wir auch anbieten, genannt: Hier ist der Einsatz sehr genau abzuwägen, zumal die Trockeneisreinigung mit einem sehr hohen Geräuschpegel verbunden ist, sodass sie unter Umständen nicht bei laufendem Betrieb durchgeführt werden kann.

Wie hoch sind die Stundensätze für diese Spezialdienstleistung im Vergleich zur  normalen Reinigungstätigkeiten?
Bartsch: Mit entsprechendem Equipment und dafür ausgebildetem Bedienpersonal sprechen wir in der Technischen Reinigung vom Eineinhalbfachen eines Stundensatzes für die normale Unterhaltsreinigung.

Welche Kosteneinsparung bringt es dem Auftraggeber, wenn er diese Dienstleistung auslagert?
Bartsch: Dazu müsste man die Kostenrechnungen in der Industrie alle genau kennen. Wenn man aber die Kollektivverträge in der Metall-, in der Chemischen oder in der Elektroindustrie einer Vergleichsrechnung zugrunde legt, dann liegen deren Stundensätze schon erheblich über dem, was wir verrechnen, schätzungsweise um ein Drittel höher.

Auf welche Gegenargumente stoßen Sie bei der Kundenakquise auf Seiten der Unternehmen? Was sind deren Hauptbedenken, diese Dienstleistung auszulagern?

Herbert Bartsch

Herbert Bartsch © WISAG

Bartsch: Bei der Technischen Reinigung sind die Hauptbedenken des Anlagenbetreibers in der Regel die, seine Produktionsanlagen mehr oder weniger in fremde bzw. externe Hände geben zu müssen. Unsere Teams werden häufig am Wochenende eingesetzt, und wenn sich die Zusammenarbeit einmal eingeschliffen hat, ist es dann so, dass vom Auftraggeber niemand im Haus ist, nur unsere Leute, die die Reinigungs- und Wartungsarbeiten durchführen. Und beispielsweise am Sonntag um 22 Uhr werden die Anlagen dann wieder an die Produktion übergeben bzw. nimmt sie der Ansprechpartner beim Kunden von unserem Teamleiter wieder ab, um sie wieder anzufahren. Dieses Vertrauen von Seiten des Auftraggebers, dass man die Produktionsanlagen auch entsprechend sorgsam behandelt und nicht beschädigt – dieses Vertrauen muss man sich erst erarbeiten. Etwa die Roboter in der Autoindustrie mit all ihren feinjustierten Endschaltern und sonstigen hochempfindlichen technischen Einrichtungen: Das muss am Sonntagabend – gereinigt – wieder genauso funktionieren wie vorher. Um diese Vorbehalte abzubauen, muss man als externer Dienstleister üblicherweise am Anfang immer viel Überzeugungsarbeit leisten.

Mangelt es in Österreich einfach am Angebot dieser Dienstleistung?
Wildner: Unter den 50 größten Gebäudereinigungsfirmen in Österreich sind nur an die drei, die Technische Reinigung anbieten, aber auch die nicht mit den maschinentechnischen Kapazitäten eines WISAG Produktionsservices, um es in solchen Dimensionen durchzuführen. Was natürlich auch eine Frage der Investitionskosten ist, zumal dann, wenn die Maschinen nicht immer im Einsatz sind und entsprechend nur weitere Kosten verursachen.  Nur ein Beispiel: Wir, die WISAG Gebäudereinigung, haben zwei Maschinen für ganz normale Rolltreppenreinigung angeschafft – Anschaffungspreis 50.000 Euro – weil wir sie für unsere Einsätze brauchen. Und sehr namhafte größere Firmen fragen bei uns an, ob sie die Maschinen ausleihen dürfen oder ob wir für sie tätig werden könnten. So ist es auch in der Technischen Reinigung, denn wenn der Anschaffungswert des Equipments, wie es die WISAG Produktionsservice hat, in die Millionen geht, müssen die Maschinen auch volle Einsatzzeiten haben.

Wie ist die Akzeptanz auf seiten der Kunden, wenn sie sich für das Outsourcing der Technischen Reinigung entschieden haben?
Bartsch: Es ist so, dass viele Kunden erst nachdem sie uns beauftragt hatten, gesehen haben, was an Anlagenreinigung überhaupt nötig ist – mitunter auch, in welcher Zeit das möglich ist. Und je schneller der Kunde seine Anlagen wieder anlaufen lassen kann, desto vorteilhafter ist es für ihn. Speziell in der Chemischen Industrie mit fünf- bis siebenstelligen Tagessätzen ihrer Anlagen kann man sich ausrechnen, was der Betreiber verliert, wenn eine Anlage nicht läuft. Wenn man sich dort durch den Einsatz entsprechender Reinigungstechnologie den einen oder anderen Tag Stillstand sparen kann, zahlt sich das für den Anlagenbetreiber in barer Münze aus. Aber auch in den anderen Industriebereichen ist es im Prinzip so. Auch unser Equipment muss laufende Einsätze haben, damit sich die Investitionskosten refinanzieren.

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