„Miteinander geht es leichter“

Dr. Matthias Thaler, Bundesgeschäftsführer Maschinenring Österreich, im Gespräch über eine Organisation, die fast jeder in Österreich zu kennen glaubt.

Herr Thaler, der Maschinenring ist zwar den meisten vom Begriff her bekannt, was dieser genau ist und macht, wissen aber viele nicht. Häufig verbindet man diese Organisation mit „Maschinenverleih für die Landwirtschaft“. Was ist der Maschinenring? 

Der Maschinenring ist eine vorwiegend genossenschaftlich organisierte Unternehmung, in der heute österreichweit rund 77.000 Landwirte organisiert sind, denen letztlich der Maschinenring gehört. Das sind fast zwei Drittel aller österreichischen Landwirtschaftsbetriebe. Der Maschinenring bedient aber nicht nur den Agrarbereich. Bis vor einigen Jahren war es noch so, dass der Agrarbereich stärker war als der gewerbliche Bereich, aber seit 2005 hat sich das geändert. Im Jahr 2012 entfielen von einem Gesamtumsatzvolumen von 315 Millionen Euro noch 111 Millionen auf den Agrarbereich, alles andere schon auf den gewerblichen Bereich, sprich: 150 Millionen auf  infrastrukturelle Servicedienstleistungen und 54 Millionen auf unsere Sparte Zeitarbeit.

Agrar, gewerblich – bitte erklären Sie uns das differenzierter und überhaupt, wie sich der Maschinenring entwickelt hat…

Die Idee des Maschinenrings kommt ursprünglich aus Bayern, und zwar von Erich Geiersberger, Agrarwissenschafter und Redakteur beim Bayerischen Rundfunk, der im vergangenen Jahr verstorben ist. Er hat sich Mitte der 1950er Jahre angesichts der damaligen europäischen Bestrebungen, Landwirtschaftsbetriebe weltmarktfähig zu machen, mit der Frage auseinandergesetzt, wie die kleinstrukturierten landwirtschaftlichen Familienbetriebe in Bayern es schaffen könnten, ohne politische Unterstützungsmaßnahmen am Weltmarkt agieren zu können. Es müsse doch eine Alternative geben zum Trend „Wachsen und Weichen“.  Und seine Idee war, eine Organisation zu gründen, die das, was die Landwirte Jahrhunderte hindurch gemacht hatten, nämlich Nachbarschaftshilfe bzw. sich gegenseitig auszuhelfen, professionell organisieren soll. Die Gründung vom Maschinenring fußt also auf der Idee, dass Landwirtschaftsbetriebe in organisierter Form sich gegenseitig mit Arbeitskräften und Maschinendienstleistungen aushelfen, und zwar um zweierlei zu erreichen: zum einen eine geringere Kostenbelastung der Betriebe, wenn Maschinen statt zeitweise stillzustehen auch im Nachbarbetrieb eingesetzt werden können, und zum anderen eine Steigerung der Lebensqualität, wenn man zu Arbeitsspitzenzeiten Unterstützung von einem anderen Betrieb bekommt. 1961 wurde dann der erste Maschinenring in Österreich gegründet, in Oberösterreich nahe der bayerischen Grenze, und so hat man von 1961 bis zum EU-Beitritt Österreichs im Jahr 1995 in der Landwirtschaft Maschinendienstleistungen und  bäuerliche Betriebshelfer über den Maschinenring ausgetauscht.

1995 bedeutete dann für die Landwirtschaft eine große Veränderung, weil praktisch über Nacht die Preise massiv gesunken sind. Vorher war Österreich, auch was die Landwirtschaftspreise betraf, quasi eine Insel der Seligen gewesen. Der EU-Beitritt am 1. Jänner 1995 hatte über Nacht eine Preisanpassung auf EU-Niveau nach sich gezogen.  Das bedeutete für österreichische Landwirtschaftsprodukte eine Preisabsenkung von fast einem Drittel. Daher mussten sich die Betriebe natürlich überlegen, wie sie ein alternatives Einkommen generieren könnten. Und das war nach der rein agrarischen Entwicklungsphase des Maschinenrings die Geburtsstunde des gewerblichen Bereiches, nämlich mit der Überlegung, dass man die vorhandenen Personal- und Maschinenressourcen ja auch zum Einsatz außerhalb der Landwirtschaft nutzen könnte. Den Anfang machte man mit Servicedienstleistungen. Bereits im ersten Jahr nach dem EU-Beitritt wurde die erste Servicegenossenschaft in Oberösterreich mit der Idee gegründet,  die Arbeitkraft bzw. die Gerätschaft der Bauern für den Winterdienst zu nutzen. Wobei es das schon viel länger als den Maschinenring gegeben hatte, aber alles nicht wirklich systematisch organisiert. Der Maschinenring nahm das in die Hand und hat es zum einen organisatorisch und gewerberechtlich neu abgebildet und zum anderen die Disposition übernommen. Ab 1995 sind dann in allen Bundesländern solche Dienstleistungsgenossenschaften entstanden. 1998 wurde die Zeitarbeitssparte gegründet, das Personalleasing. Dieses ist aber nicht auf Länderebene, sondern in einer Bundesgenossenschaft abgebildet. Und seit 2008 sind wir auch im benachbarten Ausland aktiv.

Schafft der Maschinenring für den Einsatz im gewerblichen Bereich auch selbst Maschinen an?

Es gilt für den Maschinenring bis heute der Grundsatz, dass die Maschinen im Besitz der Landwirte sind. Unsere Priorität ist es nicht, selbst Maschinen anzuschaffen beziehungsweise wir tun das nur dort, wo sich kein Landwirt bereit erklärt, die entsprechende Investition zu tragen.  Die Regel ist, dass Landwirte Maschinen anschaffen und der Maschinenring für die entsprechende Auslastung sorgt. Wir verstehen uns in erster Linie als Dienstleister für die Landwirte.

Wem allem bieten Sie Ihre diese Dienstleistung an?

Die Kommunen sind ein großer Kundenbereich, schwerpunktmäßig im ländlichen Raum, im ländlichen Wegenetz, im Gemeindewegenetz. Ein großer Vorteil von uns ist auch, dass wir österreichweit flächendeckend organisiert sind, das heißt, wir können für eine Bundesbahn, eine Post und eine Telekom Tausende Objekte in ganz Österreich betreuen. Wir können hier mehr oder weniger mit jeweils einer einzigen Vertragsgestaltung sicherstellen, dass wir von Vorarlberg bis ins Südburgenland alles betreuen können.

Betreuen mit welchen Dienstleistungen?

Unser Hauptschwerpunkt ist nach wie vor der Winterdienst, da sind wir am stärksten organisiert. Was auch naheliegend ist, denn im Winter haben die Landwirte freie Kapazitäten. Mit der Zeit kam dann auch die Grünraumbetreuung hinzu, in den Gemeinden die Pflege der öffentlichen Parks, der Böschungen, Baumschnitte usw. Ein Landwirt muss heute ja umfassend ausgebildet sein, und das hilft hier natürlich sehr. Wir sorgen dafür, dass die gewerberechtliche sowie die steuer- und sozialversicherungsrechtliche Komponente stimmt, und nutzen die vorhandenen Ressourcen, welche die Landwirtschaft in Österreich personell, know-how-mäßig und maschinell hat.

Gibt es neben dem Winterdienst und der Grünraumbetreuung weitere Schnittmengen des Maschinenrings mit klassischen Reinigungsunternehmen?

Wir sind grundsätzlich Spezialisten für den Außenbereich, im Inneren der Gebäude sind wir kaum präsent. Wir haben zwar mittlerweile auch Reinigungsfirmen gekauft, eine in Salzburg und eine vor kurzem in Oberösterreich, aber unsere Kernkompetenz ist der Außenbereich. Was uns dazu noch gefehlt hat und wo wir jetzt dabei sind, das sukzessive am Markt einzuführen, sind Hausbesorger- und Reinigungsdienste, um in dem Bereich, wo wir keine Partnerschaften mit klassischen Reinigungsfirmen haben, die Lücken mit Eigenaktivitäten zu schließen. Aber wir suchen auch in vielen Regionen Partnerschaften mit gewerblichen Reinigungsunternehmen, um letztlich ein Gesamtpaket „Innen und außen“ anbieten zu können.

Reinigungsunternehmen stoßen bei Kommunen noch oft auf große Vorbehalte gegenüber einer Auslagerung von Dienstleistungen. Wie erleben Sie das?   

Wir erleben das im Grunde genauso. Wir sind sehr intensiv und in vielfältigster Art und Weise in den Gemeinden tätig, sei es mit Bereitstellung von Personal sowie mit Bereitstellung von Maschinendienstleistung. Und wir sehen, dass der Trend des Auslagerns sich auch in Zukunft verstärkt fortsetzen wird, zumal die Gemeinden wie die gesamte öffentliche Hand sparen müssen und so gezwungen sind, zunehmend Dienstleistungen auszulagern. Wobei wir aber eben auch die Vorbehalte sehen, die es in vielen Gemeinden gegenüber einer Auslagerung noch gibt. Wir als Maschinenring finden aber trotzdem eine gute Zusammenarbeit, weil wir in der Leistungserbringung nur mit Personen vor Ort arbeiten. Es ist für die Gemeinden wichtig zu wissen: wenn sie mit uns zusammenarbeiten, können wir Personal aus dieser Gemeinde – oder auch mal aus der Nachbargemeinde – bereitstellen und müssen nicht Personen von außerhalb bringen. Damit hat die Gemeindeverwaltung auch die Sicherheit, dass die Wertschöpfung in der Region bleibt. Und auch die Identifikation der Arbeitskräfte ist eine höhere, wenn sie in der Gemeinde, für die sie eine Dienstleistung erbringen, auch wohnen. Einer, der für „seine“ Gemeinde etwas tut, ist natürlich ganz anders interessiert und motiviert, die Arbeit auch gut zu machen, als einer, der in der Früh von weiter herkommt und am Abend wieder heim fährt in seine Bezirksstadt. Deshalb punkten wir relativ gut bei den Gemeinden – eben dadurch, dass diese wissen, beim Maschinenring bekommen sie örtliches Personal, das in dieser Region lebt und so die örtlichen Gegebenheiten kennt, und dass letztlich auch das Einkommen in der Region bleibt.

Hat der Maschinenring in den Kommunen auch vom Image und vom Vertrauensaspekt her einen Vorteil gegenüber klassischen Dienstleistungsanbietern?

Ja – was auch verständlich ist, denn wir sind vor Ort als Vereine organisiert. Und Maschinenring-Vereine gibt es seit 60 Jahren. Unser Vereinsobmann in einer Gemeinde sitzt dort vielleicht sogar im Gemeinderat. Oder ein Maschinenring-Funktionär ist zum Beispiel auch Funktionär beim Sportverein. Der Maschinenring ist eine Struktur, die seit Jahrzehnten zum ländlichen Leben dazugehört. Er wird in einer Gemeinde nicht als großes Unternehmen wahrgenommen, sondern über die Funktionäre des örtlichen Vereins. Da gibt es einen Obmann, mit dem der Bürgermeister reden kann, einen Geschäftsführer, den er vielleicht seit Jahren kennt – das ist natürlich eine ganz andere Basis für eine Zusammenarbeit als etwa mit einem rein kommerziellen Unternehmen. Und das hat uns in den letzten Jahren auch sehr dabei geholfen, dass es uns gegenüber wenig Vorbehalte gab. Wir bringen ja enorm viel Personal zum Einsatz, übers Jahr gesehen haben wir im gewerblichen Bereich an die 20.000 Personen im Einsatz, in jeder ländlichen Gemeinde. Wir sind am Land präsent, wo  unsere Kunden auch leben. Wir sind flächendeckend bekannt und arbeiten bereits heute schon mit über 80 Prozent der Gemeinden zusammen, in unterschiedlichen Intensitäten. In manchen Gemeinden übernehmen wir  sehr viele kommunale Dienstleistungen, in anderen führen wir Einzelaufträge durch, in über 2.000 Gemeinden Österreichs ist der Maschinenring heute Teil der öffentlichen Dienstleistungserbringungspalette. Und hier wird sich auch in den nächsten Jahren noch viel tun. Es wäre aber ein falsches Bild, dass wir nur für Kommunen tätig sind. Wir sind bei fast allen großen Unternehmungen, die in Österreich viel Infrastruktur haben, in der einen oder anderen Form präsent, ob Telekommunikation, Post, Logistik oder Energieversorger. Diese schätzen es, einen zentralen Ansprechpartner für das gesamte Bundesgebiet zu haben.

Welche Branchen bedient der Maschinenring mit dem Bereich Arbeitskräfteüberlassung?

Wir haben 1998 damit begonnen und sind heute im Bereich Zeitarbeit unter den 10 größten Unternehmen in Österreich. Und wir punkten hier ebenfalls mit der Qualität des Personals, das wir bereitstellen. Die Bauern sind ja bekannt dafür, dass sie zupacken können und verlässlich sind. Wir punkten sicher nicht mit dem billigsten Preis, sondern wir sehen uns als Qualitätsführer, mit dem besten Personal, das am Markt zur Verfügung steht, und das hat natürlich auch seinen Preis. Mit unseren rund 5.100 Mitarbeitern in der Zeitarbeit sind wir in allen Branchen tätig, wobei wir aber vornehmlich ein Anbieter für kleine und mittlere Gewerbebetriebe im ländlichen Raum sind. Nicht zuhause sind wir in der großen Industrie, dafür würde uns auch die Masse an Personal fehlen. Unsere Mitarbeiter sind handverlesene Arbeitskräfte, die wir kennen, zum Großteil sind es unsere eigenen Mitglieder. Wir haben insgesamt 2.500 Kunden im Bereich Zeitarbeit, das heißt, bei rund 5.100 Mitarbeitern sind das zwei Mitarbeiter pro Kunden. Hier sieht man schon, dass es sich um eine relativ kleinstrukturierte Kundenstruktur handelt. Ein Drittel von diesem Geschäft machen wir am Bau, das ist unsere Kernkompetenz im Bereich Arbeitskräfteüberlassung. Am Bau muss man flexibel sein, man muss vielseitig einsetzbar sein, von Schal- und Betonierarbeiten bis hin zum Einhalten von Sicherheitsvorschriften. Und hier können wir punkten, denn unsere Mitarbeiter haben oft auch schon von daher entsprechende Kompetenzen, dass sie als Landwirte auch zu Hause viel selber bauen.

Sie sagten, seit 2008 ist der Maschinenring auch außerhalb der österreichischen Grenzen aktiv. Wo und wie?

2008 haben wir zwei Tochterfirmen gegründet, eine in Bayern, wo wir mit Zeitarbeit begonnen haben, und eine in Ungarn mit klassischen infrastrukturellen Dienstleistungen, schwerpunktmäßig in der Industrie – Automobil- und Auto-Zulieferindustrie, Logistik, Einkaufszentren und Handelsketten –, primär wieder mit Winterdienst und Grünraumgestaltung. In der Automobilindustrie in Ungarn sind wir aber auch mit klassischer Reinigungsdienstleistung vertreten. Ein Jahr später expandierten wir auch in die Slowakei, wo wir den Handel, Logistik und Einkaufszentren bedienen, ebenfalls primär mit Winterdienst und Grünraumpflege. Genauso in Slowenien. Die Auslandsexpansion hatten wir nicht am Reißbrett geplant, sondern die hat sich dadurch ergeben, dass große österreichische Kunden von uns zum Teil mit ihren Dienstleistungen in diesen Ländern nicht zufrieden waren und eine große Handelskette letztlich wollte, dass wir sie dorthin begleiten.

Bayern ist wieder eine andere Geschichte. Die Maschinenorganisation ist in Bayern zwar noch größer als in Österreich, aber überwiegend agrarisch. Gewerblich war man dort nur im Service-Bereich tätig. Und gemeinsam mit unserer bayerischen Schwesterorganisation haben wir 2008 ein bayernweites Zeitarbeit-Unternehmen gegründet, das sich mittlerweile auf einem guten Weg befindet. Wir haben das miteinander gemacht, weil die komplette Verwaltung für die bayerische Schwesterfirma ebenfalls von Linz aus erfolgt, wo der Sitz unserer Zeitarbeit­unternehmens ist. So kann alles, was wir hier an Strukturen aufgebaut haben, auch in Bayern genutzt werden. „Miteinander geht es leichter“ – das entspricht schließlich auch der Grundphilosophie der Organisation.

Welche Ziele für die Zukunft hat der Maschinenring?

Im Winterdienst sind wir heute schon Marktführer in Österreich und diese Marktposition wollen wir natürlich behaupten.  Auslagerungen von Dienstleistungen durch die öffentliche Hand wollen wir auch künftig verstärkt begleiten. Zum Teil sind wir schwerpunktmäßig auch im Bereich der Forstwirtschaft tätig, wir sind mittlerweile auch sehr große Energielieferanten – Hackschnitzellieferanten für die klassischen Fernwärmeheizwerke, was sicher weiter ein Schwerpunkt sein wird. Weiters sind wir zur Zeit dabei, den Bereich Baummonitoring und Baumpflege massiv anzukurbeln, denn auch hier sehen wir im öffentlichen Bereich großes Bedarfspotenzial. Die Gemeinden haben heute alle einen großen Baumbestand, haben aber aufgrund der gesetzlichen Lage auch mögliche Haftungskonsequenzen bei Sturmschäden zu tragen. Hier übernehmen wir für viele Gemeinden das komplette Management der Bäume, wir legen ein Baumkataster der Gemeinde an, arbeiten das über die Jahre ab und übernehmen damit von der Gemeinde das Haftungsrisiko. Das ist zur Zeit auch einer unserer Schwerpunkte. Ansonsten geht es darum, dass auch wir uns als Gesamtdienstleister positionieren müssen. In den letzten Jahren haben wir uns mit dem Winterdienst als Zugpferd gut behaupten können, aber unser Ziel ist es, eine komplette Palette in allen Regionen vorhalten zu können. Dazu schauen wir uns zur Zeit genau an, wo wir Partnerschaften finden, speziell mit klassischen Reinigungsunternehmungen. Wo wir diese nicht finden, werden wir eben eigene Ressourcen vorhalten müssen. Aber primär gilt auch hier unsere Philosophie, Kooperationen zu suchen. Wir haben auch schon mit größeren Unternehmungen der Reinigungsbranche Partnerschaften.

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