Mit Technologie Schmutz verhindern

Das Jahr 2018 hat einige Innovationen bei Schmutzfangmatten hervorgebracht. Treiber am Markt sind nach wie vor Optimierung von Sauberkeitsansprüchen und Kostenreduktion.

Text Erika Hofbauer

Ein Blick auf die Statistik lohnt sich: Durchschnittlich gelangen 80 Prozent des Schmutzes über den Eingang in das Gebäude. Und durchschnittlich 40 Prozent aller Reinigungskosten werden für die Bodenreinigung aufgewendet. Da ist noch viel Luft nach oben, meinen Branchenexperten. „Kaum ein Besucher streift sich beim Betreten eines Geschäftsgebäudes die Füße ab“, beobachtet Joachim Heymann, Sales Manager bei Hersteller Kleen-Tex Industries, den Alltag: Je mehr Schritte also auf einer Matten landen, desto weniger Schmutz gelangt in das Gebäude, so seine Schlussfolgerung: „Laut Berechnungen wäre eine 5 Meter lange durchgehende Matte erforderlich, um das Eindringen von Schmutz und Feuchtigkeit in ein Gebäude komplett zu verhindern“. Dass es auch anders geht, zeigte Kleen Tex anhand „der größten Innovation des heurigen Jahres“, wie Heymann das 3-Matten-System erläutert: „Ein ultimatives Eingangssystem mit intelligenter Technologie.“ Um nämlich die Schmutz- und Feuchtigkeitsaufnahme in jedem Eingangsbereich zu optimieren, sollten dort drei unterschiedliche Mattentypen eingesetzt werden: ein primärer Sauberlauf, der zuverlässig Grobschmutz aufnimmt, ein sekundärer Sauberlauf für die Aufnahme von Schmutz und Feuchtigkeit und schließlich der tertiäre Sauberlauf, der für Feinschmutz und Feuchtigkeit zuständig ist. „Jeder Mattentyp ist im Aufbau und in der Materialauswahl so konzipiert, dass er bestimmte Funktionen abdeckt. Zusammen verwendet, erzielen diese Mattenkombination eine optimale Wirkung“, so Heymann weiter. Neben dem 3-Matten-System lag der Fokus bei Kleen Tex in den vergangenen Jahren auch auf dem Ausbau des so genannten Anti-Ermüdungsmatten-Sortiments: „Stress und Belastung am Arbeitsplatz bleiben oft nicht ohne Konsequenzen“, weiß Heymann. Laut einschlägiger Umfragen waren 31 Prozent der Meinung, dass ihr Arbeitsplatz ihre Gesundheit beeinträchtigt, 7 Prozent davon erheblich: „Dabei wurden als häufigste Beschwerden Rücken- und Kreuzschmerzen sowie Nacken- und Schulterschmerzen genannt“, zitiert der Kleen Tex-Manager die Erkenntnisse: „Unsere Anti-Ermüdungsmatten sind speziell an die verschiedenen Bedürfnisse angepasste Matten für alle Arbeitsplatzbereiche. Neben der Steigerung des Wohlbefindens am Arbeitsplatz erhöhen diese Matten auch die Sicherheit“, erläutert Heymann.

Neue Trends

Auf den Trend „Anti-Ermüdung“ setzt man auch bei Salesianer Miettex. Mit verschiedenen Ausführungen für Steharbeitsplätze sollen positive ergonomische Effekte durch Entlastung von Muskeln und Gelenken, Beinen und Rücken erzielt werden. Die Folge, heißt es bei Dienstleister Salesianer Miettex weiter: Weniger Krankenstände, erhöhte Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter durch gesteigertes Wohlbefinden und mehr Produktivität. Die Matten gibt es mit erhöhten Noppen für spezielle Innenbereiche wie Produktionshallen, Bars oder Großküchen. Sie gleichen Bodenunebenheiten aus, sorgen für rutschfesten Stand und schützen vor Bodenkälte. Für den Nassbereich (Küchen, Bars, Produktionsbetriebe) gibt es ebenfalls eigene Matten-Varianten, deren geprägte Oberflächen mit Löchern zum Abfließen der Nässe ausgestattet sind, die zudem noch durch anti-mikrobiologische Eigenschaften der Entwicklung von Gerüchen, Bakterien und Pilzen entgegenwirken. Eine robuste Allzweck-Gummimatte sowohl für den Außen- als auch den Innenbereich (Back-Office-Bereiche, aber auch Eingangsbereiche mit Öl-, Fett- und Lösungsmittelresistenz) runden das Portfolio ab.
Bei der Scheybal GmbH legt man den Fokus ebenfalls auf Materialinnovationen, wie Geschäftsführerin Cornelia Wilcek-Scheybal sagt: „Die offene Struktur ist der Schlingenstruktur von Textilmatten im Innenbereich überlegen. Schmutz kann gespeichert werden und lässt sich durch Absaugen leicht entfernen“. Aber nicht nur diese Eigenschaften weisen Profi-Matten aus: „Hochwertige Polyamid Fasern haben im Gegensatz zu Polypropylen die Fähigkeit, bis zu 7 Liter Nässe pro m2 zu absorbieren, die dann durch Verdunsten wieder langsam entweicht.“

Innovationen

Christoph Göschl, Regionalmanager CWS boco

Christoph Göschl, Regionalmanager CWS boco

Bei CWS-boco Österreich setzt man auf Materialverbesserungen. Christoph Göschl, Regional Manager: „Die Materialmischung des Gummirückens unserer Schmutzfangmatten wurde weiter verbessert. Ziel war dabei, die Langlebigkeit der Matten weiter zu erhöhen, was zu einem nachhaltigeren Umgang mit den eingesetzten Ressourcen führt. Darüber hinaus liegt die Matte durch eine auch etwas weichere Mischung noch exakter am Untergrund auf.“
Wolfgang Kogler, Geschäftsführer von Mattenspezialist Fuma, erkennt den Trend zu großflächigen Eingangsbereichen, deren Böden umfassend geschützt werden müssen. „Der Einsatz von Kratzleisten, wie sie in unserem Sortiment zu finden sind, kann die Lebensdauer des Ripsbelages schon deutlich verlängern.“
Der deutsche Hersteller emco Bau setzt ebenfalls auf hauseigene Entwicklungen in Sachen gestaltbare Sauberlaufsysteme: So lassen sich die Systeme des Spezialherstellers sowohl in Bezug auf die Reinigungswirkung als auch hinsichtlich ihrer Form- und Farbgebung auf die jeweiligen Gebäuderahmenbedingungen abstimmen. Der Fokus liegt dabei auf der so genannten 3-Zonen-Reinigung, einer Systemkombination aus Eingangsmatten und Sauberlaufbelägen, die im Boden eingelassen werden. Die Systeme sollen eine wirksame Aufnahme von Grob-, Fein- und Feuchtschmutz sicherstellen. In den ersten beiden Zonen kommen Eingangsmatten zum Einsatz, die zunächst Grob- und Feinschmutz von den Schuhsohlen abreiben. Die abgeriebenen Schmutzpartikel setzen sich nicht in der Einlage fest, sondern fallen nach dem Prinzip der offenen Reinigung in die Zwischenräume der Aluminium-Profile, wo sie bis zur nächsten Säuberung verbleiben. Auf diese Weise soll das Weitertragen des Schmutzes durch nachfolgende Personen vermieden werden. In der dritten Zone bestehen die Materialien aus speziellen Fasern, die Restschmutz und Feuchtigkeit besonders gut aufnehmen und von der Oberfläche ins Innere leiten. Hierdurch wird neben der Schmutzweitertragung auch die Entstehung unästhetischer Laufspuren unterbunden. Die eingefangenen Schmutzpartikel lassen sich bei der nächsten Reinigung – beispielsweise mit einem Staubsauger – wieder aus dem Sauberlaufbelag entfernen, heißt es bei emco Bau. Neben der üblichen Farbauswahlmöglichkeit sind der Gestaltungsfreiheit mit Produktabbildungen, Firmenlogos und dergleichen keine Grenzen gesetzt.

Markteinschätzung

Der Markt für Schmutzfangmatten ist in Kauf- und Mietvarianten geteilt. „Der Großteil unserer Matten ist im Mietservice“, erklärt CWS boco-Regionalmanager Christoph Göschl. Er ist davon überzeugt, dass nur durch die regelmäßige Reinigung via professioneller Waschanlagen die Matte überhaupt ihre volle Leistung entfalten kann: „Wenn Sie eine Matte mit dem Kärcher bearbeiten, zerstören sie die Florbündel. Und wenn Sie die Matte einfach nur absaugen, können Sie vielleicht lediglich ein Drittel des darin gebundenen Schmutzes entfernen. Die Matte wird ohne Service auch recht bald unhygienisch und ist einfach keine Visitenkarte des Unternehmens mehr.“ Der Trend, so Göschl weiter, gehe daher „ganz klar“ in Richtung perfekt arbeitende Matte, die einen positiven, ersten Eindruck für alle Mitarbeiter und Kunden liefert: „Also die Matte, die im Mietservice auch entsprechend gepflegt wird.“
Joachim Heymann, Sales Manager bei Kleen-Tex, argumentiert aus Kundensicht: „Kunden suchen gerne nach preiswerten Lösungen, um Schmutz und Nässe in ihren Räumlichkeiten Herr zu werden. Wir als Produzent können beide Seiten mit Schmutzfangmatten bedienen, da wir Matten zum direkten Kauf, aber auch Matten für Textilen Service Unternehmen anbieten.“ Bei den Kaufmatten müssen die Kunden eine geregelte Pflege selber übernehmen, denn ohne eine fachgerechte Pflege verliert jede Matte mit der Zeit ihre Wirkung, bestätigt Heymann: „Allerdings fallen für eine fachgerechte, selbst durchgeführte Reinigung einer Matte wesentlich mehr Kosten an, als bei einem professionellen Serviceanbieter zu entrichten wären. Die Pflege der Kaufmatten kann in keinem Fall so durchgeführt werden, wie es die Textilservicebetriebe in Industriewaschmaschinen ausführen können.“ Allgegenwärtige „Meterware aus dem Baumarkt“ wären seiner Ansicht nach für professionelles industrielles Waschen „absolut nicht geeignet“. Diese Meterware-Anbieter sieht Heymann jedenfalls nicht als Konkurrenz: „Solche Matten sind im Umlauf. Aber wer nach Produkten auf höchstem Wäscherei-Qualitätsstandard oder nach Produkten, die den Brandvorschriften standhalten, sucht, geht jedenfalls zu einem professionellen Anbieter. Gute Qualität hat ihren Preis, deshalb lassen sich unsere Preise sehr gut argumentieren.“

Konkurrenzlos

Ähnlich sieht dies auch Christoph Göschl, Regional Manager CWS-boco Österreich: „Matten in Meterware sind für uns keine Konkurrenz. Es ist ein völlig unterschiedliches Produkt, welches zumeist ohne jede Funktion ist. Ein roter 30 m Läufer ist sicher geeignet für eine Hochzeit. Bei so einem Einsatz muss der Läufer keinen Schmutz aufnehmen und wird zumeist nach einem Einsatz entsorgt.“ Derartige Produkte wären in der geforderten und angestrebten Qualität nicht einmal handhabbar – weder in der Waschtrommel noch könnte ein Servicefahrer diese ausliefern ob des Gewichts, erläutert Göschl: „Sonstige Meterware, die man dort und da entdecken kann, macht einfach kein gutes Bild. Die Matten, die eigentlich Teppiche sind, belasten die Umwelt durch die kurze Einsatzzeit bis zu ihrer Entsorgung und lösen das eigentliche Problem nicht. Es bleibt dabei: Entweder man fängt den Schmutz beim Eingang ab, oder man läuft ihm später im ganzen Haus hinterher.“

Mehrwert

Cornelia Wilcek-Scheybal, Scheybal

Cornelia Wilcek-Scheybal, Scheybal

Bei Salesianer Miettex wird der Nutzen der Miete zunehmend registriert, zählt Mietservice doch zum Hauptbetätigungsfeld des Dienstleisters: „Wir stellen die Matten zur Verfügung und reinigen diese fachgerecht und hygienisch einwandfrei und tauschen diese – Zug um Zug.“ Denn Matten „funktionieren“ nur, wenn sie regelmäßig fachgerecht gereinigt werden, heißt es. Die Nachfrage nach dieser Art Mattenservice hält laut Salesianer Miettex unvermindert an: „Kunden wissen, dass Matten einen wichtigen Beitrag zur Sauberkeit und somit zum Image des Unternehmens leisten.“ Gerade zum letzten Punkt tragen vor allem die immer beliebter werdenden Werbe- oder Grafikmatten bei: Die Matten sollten waschbar sein, um stetig einen sauberen Werbeträger zu haben, heißt es bei Salesianer Miettex: „Bei unserem System hat der Kunde zwei Werbematten bzw. Liegeplätze – eine Matte liegt beim Kunden, eine ist in der Wäscherei.“ Diesen Trend bestätigt auch CWS boco-Regional Manager Göschl: „Der Anteil an Logomatten nimmt stetig zu. Immer mehr Unternehmen haben eine eigene CI entwickelt und möchten diese auch an so neuralgischen Punkten wie den Eingangsbereichen umgesetzt wissen. Gerade hierfür bietet eine Logomatte das perfekte Medium.“
Ganz andere Entwicklungen ortet Scheybal-Chefin Cornelia Wilcek-Scheybal: „Wir sehen weiterhin einen großen Bedarf an Textilmatten in der Variante ‚Kauf‘. Das Preis-Leistungsverhältnis zeigt deutlich, dass ‚Kauf‘ preiswerter ist als ‚Miete‘. Auch stören viele Kunden die langfristigen Knebelverträge bei der Variante ‚Miete‘“, begründet Wilcek-Scheybal ihre Eindrücke.

Ausblick

Wolfgang Kogler, Wolfgang Kogler, Geschäftsführer Fuma

 Wolfgang Kogler, Geschäftsführer Fuma

Prinzipiell zeigen sich Dienstleister und Hersteller mit dem laufenden Geschäftsjahr zufrieden, wie CWS boco-Verantwortlicher Göschl erzählt: „Im Bereich Mietmatten konnten wir unser Geschäft auch 2018 ausbauen. Wir arbeiten ständig daran, die Servicekette weiter zu optimieren. Insbesondere der sorgsame Umgang mit Ressourcen – Wasser, Energie, Detergentien, Transport – ist uns ein großes Anliegen. Unser aktueller Nachhaltigkeitsbericht weist hier sehr Erfreuliches aus, worauf wir sehr stolz sind.“
Joachim Heymann, Sales Manager bei Kleen-Tex, ist ebenfalls – nach vielen Umstrukturierungen in den vergangenen Jahren – optimistisch: „Durch unsere Aufrüstung im Außendienst und die laufenden Innovationen in den verschiedensten Produktbereichen konnten wir einiges bewegen.“ Im Jahr 2019 warten zwei spannende Themen, berichtet Heymann weiter: „Zum einem industriell waschbare Standard- und Logomatten für den Außenbereich, zum anderen noch mehr waschbare Alternativen bei den Anti-Ermüdungs- bzw. Arbeitsplatzmatten.“ Und Fuma-Geschäftsführer Kogler bringt es auf den Punkt: „Der Aufwärts­trend nach der Finanzkrise ist merkbar, es wird mehr gebaut, das wird sich auch im Jahr 2019 fortsetzen.“
Ähnlich bestätigt auch Cornelia Scheybal-Wilcek den aktuellen Matten-Trend am Markt: „Das Jahr 2018 ist bisher sehr gut gelaufen. Eine große Herausforderung ist meist die gewünschte, kurze Lieferzeit von Matten in Sondermaßen – darauf sind wir eingestellt.“ Blindenleitsysteme integriert in alle Arten von Eingangsmatten und am Boden im Eingangsbereich werden ebenfalls zunehmend gefragt, sieht sich Wilcek-Scheybal schon länger am richtigen Weg: „Wir haben bereits mehr als 5 Jahre Erfahrung für das komplette TACT Sortiment nachzuweisen. Ich denke, das wird sich auch 2019 nicht ändern.“

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