Mindestsicherung als Teilzeit-Demotivation

Gebäudereiniger und Hausbetreuer leisten einen enormen Beitrag zur Wertschöpfung und Beschäftigung Österreichs. Der Spielraum für Unternehmen bei Angebots- und Lohngestaltung werde aber immer kleiner, gab die Interessensvertretung anlässlich einer Pressekonferenz am 24.Juni zu Bedenken. Ein großes Problem sei auch, Teilzeit-Arbeitskräfte zu bekommen, was vor allem an der Mindestsicherung liege.

Eine aktuelle Studie der Johannes-Kepler-Universität Linz zeigt, welch enormen Beitrag die Branche der Gebäudereiniger und Hausbetreuer zur Wertschöpfung unseres Landes beiträgt. Demnach werden durch die Tätigkeit und die finanziellen Rückflüsse in die Wertschöpfungskette durch die Beschäftigten der Branche über 45.000 Arbeitsplätze geschaffen bzw. erhalten. Das auf diese Weise zusätzlich generierte österreichische Masseneinkommen betrug im Zeitraum 2010 bis 2014 in Summe etwas über 2.4 Milliarden Euro. „In unserer Studie haben wir untersucht, welche österreichweiten, volkswirtschaftlichen Wertschöpfungs- und Beschäftigungseffekte durch die Tätigkeiten der Branche Denkmal-, Fassaden-, Gebäudereiniger und Hausbetreuer in den Jahren 2010 bis 2014 entstanden sind. Die Aktivität der Unternehmen dieser Branche stellt aus volkswirtschaftlicher und wirtschaftspolitischer Sicht eine signifikante Größe dar“, fasst Prof. Dr. Schneider von der Johannes Kepler Universität Linz zusammen.
Doch nicht nur in harten Zahlen lasse sich der Wert der Branche verdeutlichen: „Führend in der Unterstützung von Teilzeitbeschäftigung, bieten die Unternehmen der Gebäudereiniger und Hausbetreuer Tausende wichtige Arbeitsplätze vor allem für Menschen, die aufgrund ihrer Familiensituation (Kindererziehungspflicht, Pflege von Angehörigen, etc.) nicht in Vollzeitbeschäftigung arbeiten können.“

Wesentlicher Beitrag zu Integration

Einen großen Beitrag leisten die DFG und Hausbetreuer auch hinsichtlich Integration von Menschen mit Migrationshintergrund. Prof. Schneider: „Am österreichischen Arbeitsmarkt ist die Branche die Nummer eins für die Eingliederung von Migrantinnen und Migranten. Diese Mitarbeiter werden von den Firmen in vorbildlicher Weise in das Berufsleben und auch das Leben in Österreich eingeführt. Die Arbeitstätigkeit bedeute aktive, gelebte Integration für viele Menschen.“ Dieser wichtige Punkt sei zwar volkswirtschaftlich nicht ohne weiteres zu beziffern, jedoch ein enorm wichtiger Faktor für ein erfolgreiches Miteinander in einer Gesellschaft. Insgesamt würden die Ergebnisse der Studie die eindeutig positiven und beträchtlichen ökonomischen Auswirkungen der Branche auf die Wirtschaft Österreichs bedeuten, so Schneider.

Die Sozialgesetz-Tücke

Der Spielraum, in dem sich die Unternehmer bei Angebots- und Lohngestaltung bewegen können, wurde in den letzten Jahren mehr und mehr eingeschränkt. Während die Anzahl der Beschäftigten in den durchschnittlich 8.100 Firmen nahezu konstant geblieben ist, haben sich die Lohn und Lohnnebenkosten jedoch jährlich um mindestens 4,5 Prozent gesteigert. „Dies zeigt deutlich, dass die Branche der Gebäudereinigung und Hausbetreuer hauptsächlich kostenintensiv und -sensitiv im Bereich der Lohnkosten ist“, sagt Schneider. Die oftmals diskutierte Mindestsicherung in Österreich wirke sich fatal auf diese Branche aus. Aufgrund der schon jetzt sehr geringen Gewinnspanne in der Branche könnten die Löhne der Arbeitnehmer kaum noch weiter angehoben werden, da die Belastung durch die immer weiter steigenden Lohnnebenkosten oftmals den Gewinn der einzelnen Unternehmen unter die Existenzgrenze minimiere. „Viele Menschen, die in der Branche arbeiten könnten, stellen ihre Arbeitskraft nicht zur Verfügung, weil die Spanne zwischen gebotenem Lohn in Teilzeit und Mindestsicherung/Arbeitslosengeld zu wenig Anreiz bietet“, gibt Schneider weiters zu bedenken. Und: „Menschen, die gerne eine berufliche Tätigkeit in Österreich ausüben würden, zum Beispiel Asylwerber, dürfen aufgrund der Gesetzeslage diesen Beitrag zur Wertschöpfung des Landes nicht leisten.“

Vorbildliches Handeln darf nicht bestraft werden

Die momentane Situation für die Mitglieder der Branche ist für Schneider „nicht weiter tragbar“. Dass soziale Absicherung sei zwar ein wichtiger Standard für jede moderne Gesellschaft und werde nicht in Frage gestellt, aber: „Das Ausmaß und die Auswirkungen auf die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt sollten genau durchdacht werden, denn wenn bei international hohen Arbeitslosenquoten wichtige Jobplätze unbesetzt bleiben, wenn stellenschaffende Unternehmen seitens der Regierung Steine in den Weg gelegt bekommen, dann muss Veränderung eingefordert werden.“ Es gehe darum, „ein Sozialnetz mit Vernunft zu schaffen, bei dem immer noch der Anreiz gegeben ist, selbst für sein Auskommen sorgen zu wollen“, so Schneider.
In die gleiche Kerbe schlägt Ursula Krepp, Chefin der Firma Service Team und WKÖ-Branchensprecherin in Oberösterreich: „Das große Problem ist, Teilzeit-Arbeitskräfte zu bekommen, was vor allem an der Mindestsicherung liegt – 814 Euro netto für Alleinerziehende.“ Manche Bewerber, die nur Teilzeit arbeiten wollen oder können, bekämen weniger heraus als die Sozial-Transferleistungen ausmachten, so Krepp. Viele Menschen könnten es sich daher gar nicht leisten, Arbeit anzunehmen.
Professor Schneider schlägt eine Lösung dafür vor: „Man könnte das System umdrehen, indem man Arbeitswillige nicht bestraft, sondern belohnt, indem es zu keinen Abzügen bei manchen Transferleistungen kommt. Einkommen bis zu 1.000 Euro sollten abzugsfrei bleiben.“ Das würde die Lage entschärfen. Krepp kritisiert aber auch die „überbordende Bürokratie“ in ihrer Branche: „Es kennt sich keiner mehr in dem Gesetzesdschungel aus. Wenn es um neue Gesetze geht, werden wir nie einbezogen.“

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