Kein Geld zu verschleudern

Gerade in Zeiten äußerst knapper kommunaler Mittel werden auch bei Winterdienstmaschinen Kriterien wie Nutzungsdauer, Betriebskosten, Effektivität und Einsatzeffizienz intensiver abgefragt.

Text: Hansjörg Preims

Je weniger Geld die Kommunen haben, umso mehr gilt, nicht auch noch das buchstäblich zu verschleudern. Für den Winterdienst in den Kommunen sollte das bedeuten: Besser, für den Investitions-, Nachrüstungs- und Erneuerungsbedarf doch etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen, als anhand einer 10-Jahresrechnung erst die wahren Kosten präsentiert zu bekommen, die Billigprodukte verursachen. Billigprodukte, bei denen es sich für Hannes Reiter, Export Sales Manager bei Springer Kommunaltechnik, meist um „Salzverschleuderer“ handelt. Er vergleicht es mit dem Gebrauchtwagenmarkt: „Die Spritfresser sind meist sehr günstig zu haben, und über die Folgekosten wird im Moment des Kaufes oft nicht nachgedacht wird.

Ökologiebewusstsein und Leistungsfähigkeit

Auf Seiten der Anbieter von Winterdienstfahrzeugen und -geräten ist man jedenfalls gerüstet für vernünftige und nachhaltige kommunale Kosten-Nutzen-Rechnungen. Effektivität ist dabei das Um und Auf. So hat Springer erst im letzten Jahr in Zusammenarbeit mit der Stadt Wien das patentierte „Springer Nachräumklavier“ entwickelt, eine spezielle Nachräumvariante für Stadtschneepflüge mit bis zu 30 einzeln aufgehängten Schar­elementen, die den von der Hauptpflugschar nicht erfassten Schnee bei Spurrillen und unebenen Straßen besonders effektiv beseitigt und somit laut Reiter „den Salzbedarf enorm reduziert.“ Die Markteinführung sei äußerst erfolgreich verlaufen.
Und schon heuer legte Springer nach: mit dem innovativen Streuautomatenkonzept ecobull. Dabei handelt es sich laut Reiter „um einen richtungsweisenden Kombinationsstreuer, der die Möglichkeit schafft, einerseits Ökologiebewusstsein und andererseits eine enorme Leistungsfähigkeit zu vereinen.“ Diese Innovation basiere auf wissenschaftlichen Versuchen, die zur fundierten Erkenntnis geführt hätten, „dass viele Informationen am Sektor der reinen Flüssigkeitsstreuer schlichtweg unrichtig sind.“ Einfach nur Sole statt Salz oder Splitt streuen, könne für keine Kommune einen nachhaltig zufriedenstellenden Weg darstellen. „Wir sind zwar der festen Überzeugung, dass mit zunehmendem Einsatz von reiner Sole langfristig Kosten gespart werden können, nur sollte das auf keinem Fall zulasten der Streuqualität gehen“, betont Reiter. Und: „Es sollte bei aller Euphorie bedacht werden, dass es sich bei Salzsole um nichts anderes als ein Wasser-Salz-Gemisch handelt, das bei zunehmender Verdünnung durch Schnee, Eis oder Regen sehr schnell sein Taupotenzial verliert. Daher ist es speziell in unseren Breitengraden keinesfalls ratsam, die Sicherheit auf den Straßen und Gehwegen ausschließlich an die Flüssigkeitsstreuung zu knüpfen, da sehr viele Wetterszenarien zu unserem Alltag zählen, in denen die reine Sole sehr rasch ihre physikalischen Grenzen erreicht.“ Das Konzept SPRINGER ecobull habe genau aus diesem Grund die bisherigen Gegebenheiten auf den Kopf gestellt. Durch zwei sehr große Soletanks und eine hochpräzise Soledosierung mittels Sprühbalken könne, so Reiter, bei der Präventivstreuung eine sehr große Reichweite erzielt werden – ganz nach dem Motto: „So viel wie nötig“, jedoch nur so lange es die Gegebenheiten zulassen.
Für die Streuung im Räumeinsatz und bei extremen Bedingungen durch enorme Schnee-, Eis- oder Regeneinflüsse auf der Fahrbahn kann durch einen integrierten Trockenstoffbehälter über einen Teller zusätzlich noch ein rieselfähiges Streumedium ausgebracht werden. Dieses wirkt dann der Verdünnung des Salz-Wasser-Gemisches auf der Straße entgegen und hebt das Taupotenzial, um auch in diesen Situationen die notwendige Streuqualität und Sicherheit zu gewährleisten.
Weiters sieht das Konzept ecobull auch den Ganzjahreseinsatz vor, indem die Solebehälter auch für den Gießeinsatz in den Sommermonaten geeignet sind. Für die professionelle Feinstaubbekämpfung, kann auch beim ecobull der bewährte SPRINGER CMA-Modus (Ausbringung des Feinstaubklebers CMA – Calcium-Magnesium-Acetat) adaptiert werden.

Alles unter Kontrolle

Auch bei Aebi Schmidt ist die immer bessere und effizientere Glättebekämpfung Gegenstand von Forschung und innovativer Entwicklung. „Stratos“ heißt dort die neue Streutechnologie für den Winterdienst. Eine gute Querverteilung des Streustoffes, auch bei höheren Geschwindigkeiten, ist die Voraussetzung für einen erfolgreichen Winterdiensteinsatz. Und: Für ein gutes Streubild sind eine optimale Befeuchtung des Salzes und die richtige Streustoffmenge wichtige Grundlagen. Die Stratos-Technologie – Premiumplus Streuteller mit Mischkammer – vereint diese Kriterien. Das Salz gelangt über eine Edelstahlschütte zur Mischkammer mit der Mischscheibe. Über die Soleleitung wird Sole zum Befeuchten der Salzkörner zugeführt. In der Mischkammer entsteht dann die optimale Mischung von Salzkörnern und Flüssigkeit. Die optimale Befeuchtung des Salzes ist Voraussetzung für eine gute Haftfähigkeit auf der Straßen­oberfläche. Die Wirksamkeit des gestreuten Materials wird dadurch erhöht, und der Streumittelverlust wird reduziert.
Das neue Wiegesystem von Schmidt sorgt dabei dafür, dass die Streumaschine nicht überladen wird und dass der Fahrer den Streumittelverbrauch unter Kontrolle hat. Schon während des Ladens wird die Streustoffmenge durch Wiegesensoren gemessen. In den Tanks ermöglichen dann unterschiedliche Sensoren das getrennte Wiegen von Trockenstoff und Flüssigkeit. Somit wird die maximale Ladekapazität der Streumaschine nicht überschritten sowie Verschleiß und Bruch durch Überladen verhindert. Auch führt das Wiegesystem während jeder Streuaktion kontinuierlich Soll-Ist-Vergleiche durch und warnt im Falle von Abweichungen. Alle Informationen werden übersichtlich auf dem Bedienpult gezeigt. Auch die Restmenge und den Aktionsradius kann der Fahrer direkt ablesen. Im Anschluss an die Streuaktion lassen sich alle Daten zum Salzverbrauch auslesen und analysieren.
Intensiv getüftelt hat man bei Schmidt auch über effiziente Kombinationsmöglichkeiten. Das Ergebnis sind die Kombinationsmaschinen der Baureihe Stratos Combi Soliq, womit sich feste und flüssige Streumittel getrennt und kombiniert in einem Arbeitsgang ausbringen lassen. Speziell die Kombinationsmaschine Stratos Combi Soliq Plus bietet laut Hersteller „ein sehr effizientes Verfahren, bei dem durch den Einsatz von Sole der Salzverbrauch entscheidend gesenkt und gleichzeitig die Effektivität des Einsatzes deutlich erhöht wird.

Wirtschaftlicher Ganzjahreseinsatz

Auch räumtechnisch will man dem bevorstehenden Winter das eine und andere innovative Schnippchen schlagen. So bringt die AZ-Tech heuer als Optimierung bzw. Innovation der ISEKI-Traktorensysteme exklusiv Schneeschilder mit Wespentaille. Damit kann extrem nahe an Bauwerke – Hausmauern, Zäune, etc. –  herangefahren werden, ohne diese zu beschädigen. „Die Nachfrage ist erwartet hoch“, sagt Geschäftsführer Siegwald Töfferl und glaubt, dass dieses System zum Standard erhoben wird.
Die Maschinen von HOLDER – „die Topklasse unter den Winterdienstgeräten“ – werden von AZ-TECH als „Pflugstreuräumer“ verkauft. „Dies dokumentiert den wirtschaftlichen Ganzjahreseinsatz mit einem optimierten Winterdienstpaket“, so Töfferl. Und: „Diese HOLDER-Knicklenker sind technisch und wirtschaftlich Marktführer. Die Zwei-Mann-Komfortkabine bietet im Winterdienst unglaubliche Übersicht und Ergonomie.“ LADOG – mit ebenfalls optimierter Alu-Kabine – und MAN werden von AZ-TECH mit Top-Winterdienstpaketen meist österreichischen Ursprungs ausgerüstet.
Die Nachfrage für Winterdienstgeräte sei bei AZ-Tech aufgrund der Marken ISEKI, HOLDER, LADOG und MAN jedenfalls sehr hoch, sagt Töfferl. „Und es wird vermutet, dass in dieser Saison viele Geräte durch neue hochqualitative, wirtschaftlich effiziente Maschinensysteme ersetzt werden.“ Die Kosten pro Einsatzstunde über die Gesamtlaufzeit würden von Kunden als Kaufkriterium gesehen, und AZ-Tech unterstütze hier auch beratend mit Analysetools. „Auch die Wettbewerber bringen Innovationen in deren Kernkompetenzen“, so Töfferl weiter, „unterschiedlichste Technologien sind am Markt, und die User der Geräte entscheiden sich für das für sie optimale System.“ Grundsätzlich erwarte AZ-Tech eine hohe Investitionsbereitschaft, „wobei alternative Finanzierungsinstrumente eine große Rolle spielen werden.“

Leistungskräftiger und flächendeckender Service

Auch Harald Vogl, Leiter der Stangl Kommunaltechnik, geht von einer guten Nachfrage für qualitativ hochwertige und wirtschaftlich effiziente Maschinen aus, denn: „Durch die rechtlichen Rahmenbedingungen der Verpflichtungen im Winterdienst ist die permanente Neubeschaffung von Maschinen und Technik vorgegeben. Wobei Kriterien wie Nutzungsdauer, Betriebskosten, Effektivität und Einsatzeffizienz sicherlich intensiver abgefragt werden.“ Aber auch ein leistungskräftiger und flächendeckender Service sei auch in der Kommunaltechnik für eine dauerhaft erfolgreiche Strategie unerlässlich. Stangl investiere in diesem Bereich viel in die Infrastruktur und in die Ausbildung seiner Mitarbeiter. „Und die starke Einbindung unserer Kunden und der permanente Kontakt mit den Anwendern unserer Fahrzeuge und Geräte gibt uns ständige Anregungen zur Weiterentwicklung“, so Vogl. „Die Nutzung dieses Anwenderwissens spiegelt sich positiv in unseren Produkten. Umwelt, Sicherheit und vor allem (Kosten-)Effizienz sind die ständigen Thema bei uns und unseren Kunden.“

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