Industriereinigung: „Ständig neue Aufgaben und Herausforderungen“

Die Änderungen in industriellen Prozessen haben auch die Industriereinigungs-Dienstleister vor neue Herausforderungen gestellt. Mit Manfred Belik, Geschäftsführer der B & M Industrie- und Gebäudereinigung GmbH, sprach Reinigung aktuell über neueste Trends in Technik & Methoden, Wünsche der Kunden und den optimalen Stundensatz.

Text: Erika Hofbauer

Reinigung aktuell: Was waren in den vergangenen Jahren die größten Veränderungen in der Industrieanlagenreinigung aufgrund der Veränderung der Produktionstechniken Ihrer Kunden (Stichwort Industrie 4.0)?

Manfred Belik

Manfred Belik

Manfred Belik: Wir beobachten in allen Branchen und Industriezweigen einen klaren Trend weg von der Eigenreinigung hin zum professionellen Industriereinigungsunternehmen. Das eigene Personal soll produzieren, die Reinigung überlässt man einem Profi. Speziell in der Lebensmittelindustrie bzw. deren Zulieferbetrieben ist eine Flut an externen und internen Qualitätskontrollen dazu gekommen. Das Ergebnis davon ist, dass die Begriffe Hygiene, Ordnung und Sauberkeit immer mehr Bedeutung gewinnen und daher auch der Anspruch an den Dienstleister entlang den Vorgaben und Richtlinien steigt. Aber auch in allen anderen Branchen wie Schwerindustrie, Kunststoffindustrie, KFZ-Industrie oder Metallverarbeitende Industrie hat es unter dem Sichtwort WCM – World Class Manufacturing – eine Entwicklung hin zu anhaltender Sauberkeit in den Produktionsstätten gegeben. 

Reinigung aktuell: Welche Entwicklung hat das hervorgebracht?

Belik: Wir haben den Eindruck, dass in den meisten Betrieben auch schon in großen Teilen der Belegschaft das Bewusstsein herrscht, dass Sauberkeit nicht nur der Werterhaltung dient, sondern auch ein großer Beitrag zur Arbeitssicherheit und zum reibungslosen Betrieb der Anlagen ist. Die Industriereinigung ist bei vielen sehr erfolgreichen Industrie­betrieben schon Teil der Produktion bzw. des Produktionsprozesses und als solcher gar nicht mehr wegzudenken. Mittlerweile liegt auch die Verantwortung für die Industriereinigung in vielen Betrieben beim Produktionsverantwortlichen, auch das ist neu!

Reinigung aktuell: Welche neuen Techniken und Reinigungsmethoden haben sich aufgrund der Veränderungen in der Industrie herausentwickelt? 

Belik: Die letzten großen technologischen Meilensteine in der Reinigungsbranche sind leider schon einige Jahre her. Stichworte Microfasertücher, Melaminharzpads oder auch Niederdruckstrahlgeräte. Das alles ist heutzutage nicht mehr wegzudenken. Die Entwicklung bleibt aber dennoch nicht stehen. Entscheidend für die Industriereinigung ist, dass es eine laufende Weiterentwicklung und Verbesserung der Maschinen und Geräte gibt. Egal, ob es sich um Bodenwaschautomaten, Ein- bzw. Mehrscheibenmaschinen, aber auch Strahlgeräte handelt. Gott sei Dank sind wir aber immer noch eine Branche, in der der Mensch im Zentrum des Handelns steht. Auch langfristig wird es nicht möglich sein, Industriereinigungsarbeiten vollständig zu automatisieren. Es wird immer eine Mischung aus Technik und manueller Arbeit sein. Das Interessante an der Industriereinigung ist die Fülle an ständig neuen Aufgaben und Herausforderungen. Die Problemlösung für den Kunden ist immer ein Zusammenspiel von verschiedenen Technologien und der manuellen Arbeit eines erfahrenen Mitarbeiters. So liefert zum Beispiel der Einsatz von verschiedenen Strahltechniken wie Trockeneis, Granulat, Dampf oder Wasser immer nur in Kombination mit anderen Arbeiten das gewünschte Ergebnis. Einen professionellen Industriereiniger erkennt man in erster Linie daran, dass am Ende immer eine maßgeschneiderte Gesamtlösung für ein spezielles Problem steht.

Reinigung aktuell: Was wünschen sich Ihre Kunden heute von Ihnen als Dienstleister? 

Belik: Das reicht von einmaligen anlassbezogenen Grundreinigungen von Maschinen und Anlagenteilen bis hin zu laufenden Reinigungsarbeiten während des Produktionsprozesses. Was aber alle Industriekunden, egal in welcher Branche, erwarten, ist ein hohes Maß an Flexibilität. Gerade wenn es um unvorhersehbare Unterbrechungen in der Produktion geht und kurzfristig eine Revision oder Reparatur notwendig ist, muss auch mit der Reinigung schnell reagiert werden. Der Industriereiniger ist dann mit seinem kurzfristigen und professionellen Einsatz mitverantwortlich dafür, dass die Produktion schnell wieder aufgenommen werden kann. Ein zweiter, ganz wichtiger Punkt für den Industriekunden ist die Kontinuität. Er muss sich verlassen können, dass immer die gleichen Mitarbeiter eingesetzt werden, egal ob bei Einmal- oder Daueraufträgen. Es gibt so viele individuelle Sicherheitsvorgaben und Verhaltensregeln, dass ein ständiger Personalwechsel in vielen Bereichen ein enormes Risiko darstellt. Ganz allgemein hat sich aber die Nachfrage nur insofern verändert, als einfach immer mehr Industriebetriebe glücklicherweise von der Eigenreinigung zur Fremdreinigung wechseln. Mit steigender Auslastung der Betriebe steigt auch diese Nachfrage.

Reinigung aktuell: Gibt es einen starken Preiskampf? 

Belik: Einen Preiskampf gibt es immer! Es gibt leider nach wie vor schwarze Schafe in der Branche, die entweder wirklich nicht rechnen können oder bewusst Gesetze umgehen, um dann Preise abzugeben, die völlig an der Realität vorbeigehen. Anders ist es nicht erklärbar, dass in der Industriereinigung noch immer Stundensätze von unter 20 Euro angeboten werden. Obwohl offensichtlich ist, dass sich das nicht einmal für die Unterhaltsreinigung ausgeht. 

Reinigung aktuell: Ist aber dennoch genug für alle da? Wie würden Sie den Markt in Österreich beschreiben?

Belik: Was wir trotz der Preissituation erkennen, ist das Phänomen, dass immer weniger – auch namhafte und große – Dienstleister die Industriereinigung anbieten. Eine erfolgreiche Industriereinigung braucht sehr viel Arbeit in der Vorbereitung und in der Organisation. Das wird oft unterschätzt. Ich glaube, dass genau deswegen, also wegen des notwendigen fachlichen Know-hows, der Personalplanung und der damit verbundenen hohen Flexibilität, viele Gebäudereinigungsunternehmen von der Industriereinigung die Finger lassen und damit aufhören. Viele sehen zwar noch immer das vorhandene Potential und den großen Markt, haben aber einfach nicht die passende Organisation und vor allem auch nicht die passenden Führungskräfte dafür. Wir fahren mittlerweile in ganz Österreich zu unseren Kunden, nur weil es scheinbar noch immer Regionen gibt, die nicht entsprechend bearbeitet werden. Der Markt der Industriereinigung ist jedenfalls ein wachsender.

Reinigung aktuell: Wie sieht Ihr Ausblick in die Zukunft aus? Was erwarten Sie noch für 2020?

Belik: Grundsätzlich bin ich davon überzeugt, dass es auch nach der Zeit von Corona große namhafte und vor allem erfolgreiche Industriebetriebe in Österreich geben wird, die eine professionelle Industrie­reinigung zukaufen. Wir haben bei B&M für dieses Jahr zwar hohe Ziele in der Sparte Industriereinigung gesetzt, nur gelten diese seit dem 16. März nicht mehr. Auch wir hatten in diesem Bereich sehr kurzfristig einen ziemlichen Einbruch. Und natürlich wird 2020 insgesamt ein sehr schwieriges Jahr. Es ist in erster Linie die Ungewissheit, die den fehlenden Optimismus erklärt und viele Unternehmen veranlasst, vorsichtig zu agieren. Keiner weiß heute, wann die Produktion und vor allem die internationale Nachfrage wieder auf dem notwendigen Niveau sein wird. 2020 wird daher keinesfalls repräsentativ sein für eine generelle Aussage über die Marktsituation. 

Reinigung aktuell: Aber ein realistischer Blick…?

Belik: Realistisch muss man davon ausgehen, dass nicht alle Industriebetriebe und auch nicht alle Gebäudereinigungsunternehmen diese Corona-Krise unbeschadet überstehen. Das heißt, es kann kurz- und mittelfristig zu großen Verschiebungen kommen. Ich bleibe aber bei meiner grundsätzlichen Meinung, dass der Markt der Industriereinigung auch in den nächsten Jahren ein stark wachsender Markt sein wird. 

Reinigung aktuell: Was wird in Zukunft noch wichtiger werden?

Belik: Welches Thema in den nächsten Jahren wichtig sein wird und womöglich immer mehr Stellenwert bei B&M haben wird, ist jedenfalls die Ausbildung der Mitarbeiter. Vor allem wenn es um die Arbeitssicherheit und einschlägiges Fachwissen geht. Gute Ausbildungen garantieren nicht nur optimale Problemlösungskompetenz auf allen Ebenen, sondern geben den Mitarbeitern Sicherheit und fördern die Motivation ungemein. Gerade in der Industrie­reinigung brauchen wir Mitarbeiter, die auf Erfahrung und ein fundiertes Fachwissen zurückgreifen können. Das ist auch unverzichtbar, wenn es darum geht, neue Entwicklungen der Industrie für unsere Branche auszutesten und zu beurteilen.

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