Fuhrpark der Zukunft

Digitalisierung, alternative Antriebe, Car-Sharing und jetzt auch noch die neue Ladungssicherungs-Richtlinie der EU. Fuhrpark-Verantwortlichen gehen die Themen nicht aus.

Text Erika Hofbauer

Die Beratungsleistungen im Fuhrparkmanagement müssen so vielschichtig sein wie es die Kunden auch sind. Rainer Pflügler, Managing Director von Sixt Mobility Consulting Österreich, erzählt von den Wünschen der Unternehmenskunden: „Besonders wichtig erscheint die Optimierung im Beschaffungsprozess von Pkw und Transportern. Aktuell sind auch der Aufbau und die effiziente Nutzung einer E-Flotte inklusive Ladeinfrastruktur stark nachgefragt.“ Im Fokus stehe auch der Fahrzeug-Konfigurator, der herstellerübergreifend funktioniere und zudem das Hinterlegen von Inhalten der Car-Policy, zum Beispiel den maximal erlaubten CO2-Ausstoß, ermögliche, so Pflügler.

Henning Heise

Henning Heise

Henning Heise, Geschäftsführer des Fuhrpark-Beraters Fleetconsulting, ortet noch weiter reichende Themen. Vor allem die Digitalisierung stehe im Fokus: „Elektronische Fahrtenbücher oder GPS Tracker – dieser großen Themen würden sich viele Firmen gerne annehmen, aber die Betriebsräte sind dagegen. Die Implementierung einer guten Fuhrparkmanagement-Software wäre der erste Schritt zur Digitalisierung, da der Fahrzeugakt dann elektronisch sein kann und die Belege über Schnittstellen eingespielt werden. Hierdurch ist eine fast beleglose und effiziente Verwaltung des Fuhrparks möglich.“ Die Thematik „Alternative Antriebe“ findet auch Heise wichtig, aber: Da gebe es derzeit noch eine große Verunsicherung, wie sich alles dazuRe: Schlagbohrer entwickeln werde – Elektroautos, Brennstoffzelle, Wasserstoff, Hybrid – „zur Zeit dominieren im B2B Bereich noch Verbrenner und hier nach wie vor stark der Diesel.“ Da Firmen oft alle vier bis sechs Jahre die Fahrzeuge tauschten, seien noch zu viele Fahrzeuge „mit alter Technik“ im Einsatz, so Heise, der dem Diesel auch in Zukunft noch eine große Rolle geben will. „Hybride werden auch öfters gewählt, aber immer noch auf niedrigem Niveau, um sich ein ‚grünes‘ Image zu verpassen bzw. aus steuerlichen Gründen“, glaubt der Fuhrpark-Experte. Car Sharing spielt seiner Ansicht nach bei Firmen keine Rolle, da die Planbarkeit fehle, aber: „Die Ladungssicherung ist ein noch stark unterschätztes Thema, hat aber durch die neue gesetzliche Regelung der Unterwegskontrolle an Dynamik gewonnen.“

Heißes Thema Emission

Für Hessel Kaastra, Geschäftsführer von LeasePlan Österreich, sind Emissionen derzeit das am häufigsten diskutierte Thema bei Flottenmanagern und -betreibern: „Mit Einführung der im September 2018 in Kraft getretenen Fahrzeugprüfverfahren WLTP (Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedure) wurde das Verfahren zur Messung der CO2-Emissionen von Fahrzeugen stark verbessert. Ein neues Laborprüfverfahren misst nun die Schadstoffemissionen eines Fahrzeugs im realen Betrieb. Dies führt natürlich zu höheren ,realen‘ Emissionswerten.“ Der nächste Schritt sei eine neue Gesetzgebung namens Clean Air For Europe (CAFE), die strenge Grenzwerte für die durchschnittlich zulässigen Emissionen pro Automobilhersteller für alle neuen Verkäufe in Europa vorschreibe, so Kaastra. CAFE in Kombination mit WLTP werde erhebliche Auswirkungen auf das Fahrzeugangebot am Markt haben. Die Emissionsproblematik sei jedoch nicht nur für die Fertigungsindustrie, sondern auch für die Flottenbetreiber von Belang: „Viele Unternehmen entwickeln derzeit eigene Emissionsziele und -richtlinien. Es ist davon auszugehen, dass das Thema die gesamte Branche noch einige Zeit beschäftigen und langfristig verändern wird.“

Goran Maric

Goran Maric

Für Goran Maric, Sales Director ALD Automotive Fuhrparkmanagement und Leasing, kristallisieren sich die „Alternativen Antriebe“ als Thema der Stunde heraus: „Viele Unternehmen beschäftigen sich mit dem Thema E-Mobilität, und wir sehen einen Trend, dass Elektroautos sowie Hybrid-Modelle vermehrt in Car-Policies verankert werden.“ Die größte Herausforderung dabei stelle der sinnvolle Einsatz in der Flotte dar, „denn E-Autos sollten dort eingesetzt werden, wo sie ihre Stärken ausspielen können“, so Maric. Auch für ihn ist das Thema WLTP und Sachbezug gerade sehr aktuell, da ab 2020 die CO2-Werte nach dem neuen WLTP-Messverfahren berechnet werden: „Der CO2-Wert ist ja die Grundlage für die Berechnung des Sachbezugs sowie der NoVa. Trotz der Ankündigung der Bundesregierung, die CO2-Werte aufgrund der WLTP-Umstellung zu erhöhen, wird es für Unternehmen schwieriger, Modelle unter dem Grenzwert zu finden.“ Generell werden die Aufgaben für Fuhrparkverantwortliche daher komplexer.

Optimale Fuhrpark-Struktur

Kaufen oder Leasen? Da scheiden sich die Geister – je nachdem, wer Auskunft gibt. Sixt Mobility Consulting Österreich-Chef Pflügler plädiert natürlich für Leasing: „Das hat einfach steuerliche Vorteile gegenüber Barkauf.“ Für Fleetconsulting-Geschäftsführer Heise ist diese Wahl eine reine Bilanzangelegenheit: „Wenn ich Geld habe, wozu soll ich mir welches ausborgen, wenn ich keines habe, werde ich wohl auch keinen Leasingvertrag bekommen.“ Er möchte lieber Kauf und interne Verwaltung des Fuhrparks gegenüber Leasing und Outsourcing der gesamten Verwaltung kontrastieren: „Hier wird nicht nur der aufwändige Prozess der Fuhrparkverwaltung ausgelagert, sondern es können auch die Risiken für den Restwert und die Instandhaltungskosten übertragen werden. Hier lässt ich viel Geld einsparen durch die richtige Auswahl von Fahrzeugen und die Wahl der Kostenrechnung – wenn z.B. nach Vollkosten und nicht nach vermeintlich günstigen Kosten aufgrund eines niedrigen Anschaffungswertes gerechnet wird.“ Dazu kämen noch die optimale Laufzeit, die Rechnungskontrolle vom Profi und die optimierten Verwertungsprozesse. Heise: „Outsourcing ist eigentlich für alle Firmen geeignet, es sei denn, es handelt sich um extreme
Spezialfahrzeuge oder die Tätigkeit der Firma ist sehr außergewöhnlich.“

Steuerliche Vorteile

LeasePlan Österreich-Chef Kaastra hat natürlich ebenfalls eine eindeutige Präferenz: „Für Unternehmen ist Leasing in Kombination mit professionellem Flottenmanagement eindeutig zu bevorzugen, da es zahlreiche Vorteile bringt wie z.B. zentrale Anlaufstelle, spezielle Lieferantenvereinbarungen oder auch spezifische Management-Berichtssysteme, die den vollen Einblick in die Leistung der Flotte gewähren.“ Bilanzargumente sieht auch ALD-Sales Director Maric als Pluspunkt: „Mittels Leasing wird ja ein Nutzungsrecht am Fahrzeug erworben, damit sind in der Bilanz keine hohen Anschaffungskosten sichtbar. Die Leasingraten werden als Aufwand verbucht und schonen daher die Liquidität.“ Auch steuerliche Vorteile und die Auslagerung des Restwertrisikos sprächen für Operating Leasing.

Auslastungs-Optimierung

Rainer Pflügler

Rainer Pflügler

Ein effizienter Fuhrpark ist immer auch ein auslastungsoptimierter. Welche Herausforderungen lauern hier? Wichtig ist für Sixt-Manager Pflügler die Unabhängigkeit von Leasinggebern oder Herstellern: „Wir arbeiten mit allen Providern zusammen und nutzen die volle Kompetenz sowie die Werkstatt- und Assistance Kapazität der Sixt Gruppe. Wir arbeiten international und bieten ein voll digitalisiertes Fuhrparkmanagement.“ Für Fleetconsulting-Chef Heise steht und fällt so ziemlich alles mit einer eindeutigen und klaren Car Policy: „Diese vermeidet mühsame und langwierige Diskussionen mit den Fahrern.“ Aber auch eine gute Software zur Verwaltung von Fuhrparks sei unabdingbar, so Heise: „Hier gibt es auch Cloud-Lösungen, die besonders für KMU geeignet sind, reduziert auf die wichtigsten Funktionen, mit pay per use. Größere Unternehmen benötigen natürlich umfangreichere Lösungen, oft mit individualisierten Anpassungen.“ Auch für die Auslastungsoptimierungen gebe es inzwischen gute Softwarelösungen, mit denen man hier deutliche Einsparungen erzielen bzw. die Anzahl der vorgehaltenen Fahrzeuge reduzieren könne: „Es bieten diverse Unternehmen Dienstleistungen in verschiedenen Bereichen wie Schadenssteuerung oder Gebrauchtwagenvermarktung an. Die Grundvoraussetzung zur Optimierung sind gute Berichte und Auswertungen zur Ist-Situation, die zeitnah erstellt werden – und dass dann auch auf die Erkenntnisse daraus schnell und richtig reagiert wird.“

Kurzfrist-Lösungen

Hessel Kaastra

Hessel Kaastra

Ähnlich sieht dies auch LeasePlan Österreich-Chef Kaastra: „Eine Flotte ist teuer, wenn die Fahrzeuge nicht genutzt werden. Deshalb ist der Einsatz von Poolfahrzeugen und kurzfristigen Leasinglösungen eine effektive Möglichkeit, eine Überdimensionierung der Flotte zu vermeiden“, bewirbt er das hauseigene Produkt „FlexiPlan“. Wenn beispielsweise ein bestimmtes Kundenprojekt ein Auto erfordere, ein internationaler Repräsentant aus dem Unternehmen das Land besuche oder wenn gelegentlich Fahrten außerhalb der Stadt mit schlechter Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr unternommen würden, dann zahle sich das kurzfristige Leasing aus und helfe, die Auslastung einer Flotte nachhaltig zu optimieren.

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