„Für jeden Schweregrad der Kontaminierung gerüstet“

Corona hat Politik, Wirtschaft und Gesellschaft fest im Griff. Manche Branchen sind besonders vom Ausnahmezustand betroffen und müssen spezielle Abläufe zur Sicherheit aller einhalten, wie Gerald Maier-Sauerzapf, Bereichsleiter für Hygiene-Management und Desinfektion beim Facility-Dienstleister Simacek, vom „neuen Alltag“ erzählt.

Text: Erika Hofbauer

Mund-Nasenschutz, Handschuhe, Desinfektionssprays wohin man blickt. Die Menschen kommen sich auch merklich nicht mehr sehr nahe. Das ist gerade für die Reinigungsbranche eine besondere Herausforderung, wenn die Mitarbeiter ihre Aufgaben erfüllen wollen. Wie muss man sich in diesem Zusammenhang den Arbeitsalltag eines Desinfektionsteams vorstellen? „Wir haben tägliche Einsätze“, erzählt Gerald Maier-Sauerzapf, Bereichsleiter Hygiene-Management beim Facility-Dienstleister Simacek und derzeit besonders gefordert. Die Einsätze erforderten entweder akut im Falle einer Kontaminierung eine Raumdesinfektion oder es fänden auch im Präventionsfall vorbeugend Desinfektionen statt. Die Mitarbeiter dürften aus Sicherheitsgründen nur zu zweit ihren Einsatz durchführen. Zur Einsatzvorbereitung führe man ein Koordinationsgespräch mit dem Kunden und evaluiere das Umfeld. „Bevor wir die vermeintlich kontaminierten Bereiche betreten, bringen wir Absperrungen an und beschildern Zutrittsverbote“, so der Hygiene-Manager – „mit Schutzbekleidung und geeignetem Atemschutz mit Filter der Kategorie FFP3 werden die Desinfektionen und Dekontaminierungen ausgeführt.“ Desinfektion der Mitarbeiter nach dem Einsatz und die fachgerechte Entsorgung der Arbeitsmittel seien selbstverständlich, bevor man die Bereiche für die Kunden wieder freigebe: „Das ist für unsere Teams Routine, machen wir doch auch in ‚normalen Zeiten‘ mikrobiologische Dekontaminierungen, Begasungen im Holzschutz und Containern zur Schädlingsprävention, Siloreinigungen und dergleichen.“ Herausfordernd am jetzigen Alltag sei, dass man den Kunden verspreche, innerhalb von 24 Stunden jeden Einsatz in ganz Österreich durchführen zu können. Man wolle dazu beitragen, den Stillstand so kurz als möglich zu halten.

Rascher Einsatz

Wie konnte man im Unternehmen auf die aktuellen Herausforderungen so rasch reagieren? Mussten zum Beispiel interne Abläufe, Personaleinteilungen oder dergleichen umstrukturiert werden? „Seit vielen Jahrzehnten sind wir Experten auf dem Gebiet der Hygiene und Desinfektion. Gerade jetzt können wir verstärkt unsere Erfahrungen in erhöhtem Ausmaß an Personal und Ressourcen allen Unternehmen zur Verfügung stellen, die uns brauchen“, verweist Simacek-Bereichsleiter Maier-Sauerzapf auf die vorhandene Expertise, denn: „Wir wissen, wo welche Maßnahmen notwendig sind, und können binnen kürzester Zeit an Ort und Stelle sein. Als Experten sind wir für jeden Schweregrad der Kontaminierung gerüstet, und auch in der Prävention nützt unser Know-how in der Raum- und Flächendesinfektion oder in Form eines Desinfektionskonzeptes unseren Kunden.“ Hygiene, Desinfektion, Reinraumreinigung, Silo- und Kesselreinigung, Schimmelbekämpfung, Holzschutz-Begasungen – das habe bei Simacek schon immer zum Kerngeschäft gehört, deshalb habe personell auch nicht viel geändert werden müssen, außer, dass man das Team aufgestockt und ausgebildet habe, so Maier-Sauerzapf weiter. Hier seien auch Kollegen aus anderen Abteilungen zum Zug gekommen, in deren Bereichen es weniger zu tun gegeben habe, weil zum Beispiel das Objekt gesperrt gewesen sei.

Innovative Lösungen

Dennoch ist ein „neues Zusammenarbeiten“ notwendig geworden. Maier-Sauerzapf: „Unsere Abteilung für Hygiene-Management hat in enger Abstimmung mit Desinfektionsmittelherstellern und wissenschaftlicher Begleitung effiziente und innovative Lösungen zur präventiven und akuten Raum- und Flächendesinfektion oder Dekontaminierung entwickelt. Auf Basis von Wasserstoffperoxid H2O2 oder alternativer Produkte wie Hydroxiessigsäure, NaDCC oder photokatalytischer Verfahren aerosolieren wir unter Einhaltung aller Schutzmaßnahmen wie Atemschutz oder Schutzbekleidung unter anderem Verkehrsmittel, LKW-Fahrerkabinen, öffentliche Räume, Schulklassen, Sportanlagen, Industriehallen und Büros, Sozial- und Pflegeeinrichtungen oder auch Spitalsbereiche.“ Man entferne durch Wischdesinfektion der Oberflächen auch mikrobiologische Verunreinigungen. Sofort nach dem Einsatz könne man die Räumlichkeiten und Fahrzeuge wieder zur Verwendung freigeben. „So fühlen sich – rückkehrende – Mitarbeiter unserer Kunden rundum sicher“, betont der Simacek-Experte. In Wien umfasse das Desinfektoren-Team rund 300 Mitarbeiter, in den Bundesländern seien nochmal so viele im Einsatz.

Unterschiedliche Verfahren

Die Mitarbeiter haben bei dieser Spezialreinigung strenge Verfahren einzuhalten, wie Maier-Sauerzapf anhand eines Procederes beschreibt: „Bei der Raumdesinfektion wird in Schutzausrüstung durch Kaltvernebelung von Trockenaerosolen – zum Beispiel auf der Basis von Wasserstoffperoxid – gearbeitet. Bei diesem Vorgang zerfällt das Wasserstoffperoxid H2O2 rückstandslos in seine Bestandteile – Wasser und Sauerstoff – und desinfiziert somit sehr umweltschonend Oberflächen und Raumluft.“ Das Verfahren eigne sich sowohl für sensible Bereiche wie Isolierstationen mit Akutfällen, aber auch zur Hygieneprävention in Räumlichkeiten mit hoher oder stark wechselnder Nutzerfrequenz. Damit werde praktisch eine vollständige, mikrobiologische Dekontaminierung erreicht, und eine hygienisch saubere Luft und Oberfläche seien das Ergebnis.“

Wie unterscheiden sich die aktuellen Desinfektions-Aufgaben von den bisherigen? „Die Maßnahmen unterscheiden sich gegenüber anderen mikrobiologischen Gefährdungen gar nicht“, so Maier-Sauerzapf. Man mache diese Tätigkeiten ja auch im laufenden Geschäftsbetrieb und sei daher sehr gut ausgebildet. Die Mitarbeiter würden entsprechende Ganzkörper-Schutzanzüge und Atemschutzmasken mit den passenden Filtern tragen. Man habe ausreichend Schutzausrüstungen und Desinfektionsmittel zur Verfügung, dazu sei man in ständiger Abstimmung mit den über Jahre bewährten Hersteller-Partnern.

Nachgefragt

Die Nachfrage nach diesen Arbeiten ist derzeit natürlich enorm. Was wollen Kunden im Moment ganz besonders erledigt haben? Maier-Sauerzapf: „Unseren Kunden ist es wichtig, eine gute Beratung zu bekommen. Wir wissen, was in welchem Bereich Sinn macht und was nicht. Unser jahrzehntelang aufgebautes und umfangreiches Know-how unterscheidet uns ganz wesentlich von vor allem selbsternannten Desinfektionsexperten, die es derzeit ja zuhauf gibt. Wir wollen vor allem unsere Kunden unterstützen – partnerschaftlich, ehrlich und ohne Abzocke – für das rasche Comeback ihrer Mitarbeiter nach dem Shut-Down.“

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