Freier Fall

Hohe Häuser mit Glasfassaden benötigen naturgemäß eine Reinigung, die von eigens ausgebildeten Spezialisten, den Seilkletterern, durchgeführt werden muss. Kein leichtes Unterfangen, denn Wind und Wetter können der Mannschaft ganz schön zusetzen. Anbei ein Bericht über die Arbeiten am Arbeiterkammergebäude im 4. Wiener Bezirk.

Text: Peter deCillia

Ab 7 Uhr in der Früh geht es los, einmal im Jahr immer im selben Monat: Ort des Geschehens – die Arbeiterkammer Wien im 4. Wiener Gemeindebezirk, die seit einigen Jahren vor der alten Gebäudehülle, architektonisch als „eye-cather“ eine neue Fassade gänzlich aus Glas anbrachte. Und aus diesem Grund werden nicht die wie üblich einzusetzenden Reinigungsmannschaften zur Arbeit herangezogen, sondern Spezialisten. In diesem Fall sind es die Männer des Unternehmens„Seilkletterarbeiten“. Hinter der Firma stehen Spezialisten, die sich auf das Seilklettern spezialisiert haben. Miteigentümer Rene Terp: „Bei diesen Arbeiten muss  sich das gesamte Team auf jeden Einzelnen verlassen können. Alle müssen gleich gut ausgebildet sein. Ist einer im Team nicht so sicher am Seil, hält er die Arbeit des gesamten Teams auf und das kostet wiederrum Zeit und naturgemäß Geld“. In für Normalbürger schwindelnden Höhen bewegen sich bis zu 8 Mann gleichzeitig von Stockwerk zu Stockwerk. Regelmäßig ziehen sie Ihre Bahnen und versuchen im wahrsten Sinne des Wortes „gleichzeitig“ mit einer Fensterreihe  fertig zu werden und das nächste Stockwerk in Angriff zu nehmen.

Glas wohin das Auge reicht

Die zu bewältigende Fläche ist enorm, müssen doch immerhin an die 7.100 m² Glasfläche geputzt werden. Die Mannschaft rund um Rene Terp und Rafael Turzyniecki, die seit vier Jahren gemeinsam die Firma führen, besteht aus eigens ausgebildeten Männern. „Wir machen eine genaue Einschulung von ca. 40 intensiven Stunden, in denen sich auch die Spreu vom Weizen sehr schnell trennt, denn wer glaubt, gerne privat und als Hobby ein bissl zu klettern und schon deshalb für diese Arbeiten geeignet zu sein, irrt sich gewaltig“, so Rafael Turzyniecki. Schwindelfrei alleine und ein wenig Abendteuerlust genügen nämlich nicht, um in luftiger Höhe, bei fast jedem Wind und Wetter hart zu arbeiten. „Unser Team muss gleichmäßig putzen und alle müssen am Seil eine Einheit bilden“, so die Firmeneigentümer. Zur genaueren Erklärung: Ist einer im Team mit einer Fensterfront schon fertig, der andere aber noch lange nicht, wird die Gesamtarbeit aufgehalten, denn die Wasserspritzer des Langsameren können dann die schon sauberen Fenster wieder beschmutzen. Speziell in den Vormittagstunden muss zügig und schnell gearbeitet werden, noch bevor die wirklich intensiven Sonnenstrahlen aufkommen und die Reinigungsarbeiten erheblich erschweren.

Die Innenfläche wird seit Anbeginn an von der Partnerfirma „zele gmbh“ durchgeführt. Die Aufteilung macht Sinn, denn beide Firmen sind genau auf ihrem Gebiet Profis und arbeiten schon seit einigen Jahren bei verschiedenen Projekten partnerschaftlich zusammen. Roland Zelezic, Eigentümer der Firma Zele GmbH, die in einigen Bezirken Wiens auch Schulen und Kindergärten im Innenbreich reinigt: „Wir machen das, was wir optimal können, unsere Geschäftspartner übernehmen die Industriekletterarbeiten. Bei jeden Auftrag sollte man das machen, was man am besten kann, nur so ist eine optimale Kundenzufriedenheit gegeben, und wir betreuen unsere Kunden im Regelfall über viele Jahre hindurch.“
Die Firma  Seilkletterarbeiten wurde im Juli 2009 durch Rene Terp und Rafael Turzyniecki gegründet und schaffte es durch ihre Spezialisierung mit  8–10 Mitarbeitern  auf einen Umsatz von ca. EUR 500.000 im vorigen Jahr.

Kunden sind zum größten Teil Immobilienverwaltungen und Gebäude­reiniger, aber auch Lüftungsspengler, Baumeister, Fenstermonteure, Sonnenschutzfirmen, Elektriker, usw.
Im November 2012 eröffnete zudem ein  Shop  in der Ocwirkgasse 5, der Artikel aus den Bereichen Höhensicherung, Arbeitsschutz, Industrieklettern usw. präsentiert und sich an Industriekletterer, Montage-, Bau-, Gerüstbauunternehmen, Baumpfleger, Höhen/Bergrettung, Feuerwehr, Hobbykletterer richtet.

Zurück zum Ort des Geschehens der Arbeiterkammer in Wien. 7.100 m² Glasfläche – bei Regen, zu viel Wind oder sogar Sturm oder bei zu viel Hitze wäre es fast unmöglich, gefahrenfrei zu arbeiten und vor allem ein optimales Putzergebnis abzuliefern. Bei den Putzarbeiten rund um das AK-Gebäude wenden die Mitarbeiter langjährig bewährte Verfahren an. Der größte Unterschied zum Alpinsport ist die Arbeit mit einem zweiten Arbeitsseil (Redundanz). Außer der doppelten Sicherheit bietet das Redundanzseil die Möglichkeit, sich an jedem beliebigen Ort punktgenau zu positionieren.

Durch die Ersparnis des zeit- und kostenaufwendigen Auf- und Abbaues eines Gerüstes oder der Miete eines Steigers entsteht für den Kunden ein klarer Kostenvorteil.

Das Konzept der Seilzugangstechnik wurde in den späten 70er Jahren auf britischen Bohrinseln entwickelt, um Wartungsarbeiten an schwer zugänglichen Stellen durchzuführen. „Rope Access“, umgangssprachlich auch „Industrieklettern, Höhenarbeit, Gewerbeklettern, Fassadenklettern, Industriebergsteigen, …“ hat sich mittlerweile weltweit verbreitet, und ist als attraktive Alternative zu konventionellen Zugangsverfahren wie Gerüste, Steiger usw. anzusehen.

Seilkletterarbeiten OG  Unternehmen f. gerüstfreie Höhenarbeit
Ocwirkgasse 5/L2a, 1210 Wien • www.seilkletterarbeiten.at

zele GmbHB  Neu: Babenbergergasse 24-26 in 3400 Klosterneuburg

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