„Frauenarbeit hat per se keinen hohen Stellenwert“

Dr. Helene Karmasin vom Institut „Helene Karmasin Marktanalysen“ zum Image der Reinigungsbranche.

Text: Hansjörg Preims

Reinigung Aktuell: Frau Karmasin, die Reinigungsdienstleistung genießt kein besonders gutes Image, obwohl professionelle bzw. fachgerechte Reinigung nicht nur genauso gelernt sein will wie andere Berufe, sondern auch ganz wesentlich zur Gesundheit, Werterhaltung und überhaupt zum Funktionieren von Abläufen in fast allen Bereichen beiträgt. Wie erklärt sich das?

Helene Karmasin: Reinigungsvorgänge werden im Allgemeinen von Frauen getätigt, und was von Frauen vorgenommen wird, sind eigentlich immer die Tätigkeiten, die nicht sonderlich hoch bewertet werden, die also per se keinen hohen Stellenwert haben. Das ist meiner Meinung nach das zentrale Problem für das Image der Reinigungsbranche. Das ist das eine. Zum anderen ist es so, dass man Reinigungstätigkeiten landläufig nicht mit etwas Professionellem verknüpft, sondern es heißt, das würden Frauen machen, und die könnten das gewissermaßen von Natur aus, man brauche dazu nichts Besonderes können. Es ist sehr oft bei solchen typisch weiblichen Tätigkeiten, dass man sie weit entfernt von etwas Professionellem sieht, und das ist eine sehr schwierige Vorgabe.

Ein weiterer Punkt ist meinen Erfahrungen nach, dass es sehr viele schlechte Beispiele gibt, es muss in dieser Branche offensichtlich sehr viele Schwarze Schafe geben, die Reinigungstrupps ausschicken, die aber ganz schlecht reinigen. Es gibt sehr viele Beispiele, wo gesagt wird, es sei ein Glücksspiel, für die Reinigung jemanden zu bekommen, der es wirklich gut mache. Das mag auch mit dem extremen Preisdumping zu tun haben, aber das beschädigt natürlich das Image der ganzen Branche. Durch diese beiden Gegebenheiten, meine ich, hat diese Branche große Probleme mit ihrem Image.

Welche Möglichkeiten sehen Sie für die Branche, ihr Image zu verbessern?

Ich glaube, in der Kommunikation müsste die Branche als erstes einmal viel klarer machen, was der Unterschied ist zwischen häuslichen Reinigungsvorgängen, die quasi jeder kann, sobald sie von Frauen gemacht werden, und dem, was Professionisten leisten. Wie kann es ein Profi schneller oder besser machen, sprich: worin liegt der Unterschied, wenn ein Profi an die Sache herangeht und zeigt, wie man es wirklich professionell macht? – das müsste klar dargestellt und erläutert werden.

Wäre vermehrte Tagreinigung ein Ansatz zur Verbesserung des Images?

Das wäre – sofern es vom Auftraggeber akzeptiert wird – sicher ein sehr guter Ansatz, weil man dann auch sieht, was die Reinigungskräfte leisten, und es auch mehr Kommunikation mit den Reinigungskräften gibt.

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