„Finger weg von Wunderwuzzis“

Industriekletterer werden überall dort benötigt, wo herkömmliche Zugänge mittels Hebebühnen, Leitern, Gerüsten oder Kränen nicht mehr möglich sind. Der Markt in Österreich ist überschaubar, die Unternehmer sind zufrieden. Dennoch muss auf Haftungsfragen und Dumping-Konkurrenz ein aufmerksames Auge geworfen werden.

Text: Erika Hofbauer

In der Branche ist man optimistisch: Die rund 11.000 österreichweit tätigen Betriebe der Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereiniger können sich über mangelndes Geschäft nicht beklagen. Laut Konjunkturbeobachtung der KMU Forschung Austria für das 1. Quartal 2015 rechnen 79 Prozent der Betriebe mit gleichbleibenden Aufträgen, 13 Prozent gehen sogar noch von verstärkter Nachfrage aus (verglichen mit dem Vorjahres­quartal). Das hilft noch einer ganz anderen Branche: den Industriekletterern.

Dieses (freie) Gewerbe ist in Österreich schon durchaus etabliert. Die Industriealpinisten, wie sie auch genannt werden, werden dort tätig, wo es schwierig und/oder gefährlich wird:

  • wo technische Arbeitshöhen der Gerätschaften überschritten werden,
  • wo die Tragfähigkeit der Böden oder Tiefgaragen zu gering ist,
  • dort, wo in der Planung bewusst auf teure Befahranlagen verzichtet wird,
  • bei seilunterstützter Reinigung bis zu Bauwerksinspektionen auf Bauwerken wie Windkraftanlagen oder  Befahrungen von Schächten – je nachdem, was ein Unternehmen kann und wofür es die Gewerbeberechtigungen besitzt.

Auf Qualifikation achten

Gewerbeberechtigung ist auch gleich ein wichtiges Stichwort für die heimischen Dienstleister in Sachen Höhenarbeit. Denn Qualifikation ist nicht gleich Qualifikation. Zunächst ist Industrieklettern ein freies Gewerbe, das die heimischen Anbieter mit zusätzlich fachlichen Gewerbeberechtigungen ergänzen, und die Industriekletterer selbst haben meist einen erlernten Beruf wie Schlosser, Maurer oder Elektriker. Keine Angst vor großen Höhen zählt ebenfalls zu den wichtigen Eigenschaften eines Industriekletterers, meist wird dies durch einen Ausbildungsnachweis als Berg- oder Schiführer bestätigt. Besonders praktisch sind freilich international anerkannte Standards wie z.B. jener der IRATA (Industrial Rope Access Trade Association). Nach diesem arbeitet Andreas Geisler, Geschäftsführer der Innsbrucker offground solutions. Zu seinen Geschäftsbereichen zählen zunächst „Rope access“, also der Einsatz von Seilzugangstechniken, um handwerkliche Arbeiten durchzuführen, unter anderem für seilunterstützte Reinigung, aber auch Planung und Montage von Anschlageinrichtungen gegen Absturz. Schulungen seiner Auftraggeber in Sachen richtiger Anwendung der Persönlichen Schutzausrüstung (PSA) und zur richtigen Anwendung von Anschlageinrichtungen gegen Absturz ergänzen sein Portfolio. Für Geisler ist wichtig, dass die Seilzugangstechniken nur das „Mittel zum Zweck“ sind, um die Örtlichkeit zu erreichen: „Die Arbeiten, die vor Ort durchzuführen sind, erfordern entsprechende Fähigkeiten und Qualifikationen. Das heißt, wir kombinieren Handwerk mit industriellen Seilzugangstechniken.“

Ähnlich läuft es auch bei Höhenarbeits-Anbieter Philipp Knab, Geschäftsführer der Höhenarbeit GmbH in St. Veit in Pongau (Salzburg): Auch er wird gebucht, wenn man mittels Hebebühne keine Möglichkeit mehr hat, zum Einsatzort zu gelangen, wie z.B. am Gipfelrestaurant des Kitzsteinhorn auf über 3000 Meter Höhe. Knab bildet seine Mitarbeiter selbst aus, „da wir so sicherstellen, dass sie am höchsten Level sind.“ Die wichtigsten Voraussetzungen für einen Höhenarbeiter sind seiner Meinung nach die „absolute Höhentauglichkeit, optimal auch in Verbindung mit einem technischen Lehrberuf und Teamfähigkeit.“ Denn: „Unsere Arbeiter müssen einander blind vertrauen können. Sicherheit steht für uns in Vordergrund – ständige Weiterbildung ist in unserer Tätigkeit lebensnotwendig.“ Die von ihm verwendeten Sicherungstechniken zum Erreichen der Baustellen kommen aus dem alpinen Bereich wie z.B. Bergführen und Canyoning, erzählt Knab, nur mit dem Unterschied, „dass wir immer redundant mittels Zweiseiltechnik arbeiten.“

Fast so etwas wie ein Pionier in Sachen Höhenarbeit ist Gottfried Marischka. Er ist mit seinem Unternehmen marischka industrieklettern in Niederösterreich bereits seit 2001 am Markt. Er hat sich in den vergangenen Jahren eher auf Spezialarbeiten konzentriert: „Unsere Auftraggeber sind Baufirmen, Spengler, Elektriker, Installateure, Kraftwerke, Müllverbrennungen, Reinigungsfirmen, Stahlbaufirmen. Immer mehr Glastechnikfirmen kommen aufgrund der wachsenden Glas­towers dazu – man kann sagen: Die Auftraggeber kommen quer aus diversen Handwerksberufen.“

Qualifikation ist für alle Anbieter ein wichtiges Thema, erklären die Firmen unisono, schon allein deshalb, weil es um die Sicherheit der Mitarbeiter gehe. Hier orten alle – ebenso unisono – großen Handlungsbedarf. offground solutions-Geschäftsführer Andreas Geisler führt vor allem zwei Aspekte ins Treffen. Zunächst der gewerbliche Aspekt: „Viele Unternehmen arbeiten hier mit dem freien Gewerbe des Industriekletterers, das eben „frei“ ist und man keinerlei Fachkenntnisse nachweisen muss. Weder im handwerklichen Bereich noch im Bereich der Arbeitssicherheit. Aus meiner Sicht ist das sehr bedenklich.“ Hier wäre seitens der Innungen dringender Handlungsbedarf gegeben, um seriöse Zugangsvoraussetzungen im Sinne der Qualität des Handwerks und im Sinne der Arbeitssicherheit zu schaffen. Apropos Arbeitssicherheit, erläutert Geisler die zweite Blickrichtung: „Alpinismus, also Bergsteigen oder Bergführen, und Arbeitssicherheit sind zwei Paar Schuhe.“ Zwar würden die Ausrüstungen ähnlich aussehen, allerdings entsprächen sie jedoch unterschiedlichen Normen und Prüfverfahren und müssten anderen Anforderungen gerecht werden: „Bei der professionellen industriellen Anwendung von Seilzugangstechniken wird die Situation im Vorfeld schriftlich z.B. auf Gefährdungen oder Risiken evaluiert und bewertet. In einem weiteren Schritt werden Maßnahmen zur Eliminierung bzw. Reduktion der Risiken durchgeführt. Man versucht also, die Situation möglichst zu kontrollieren.“ In den verschiedenen Normen, Verordnungen und Gesetzen finden sich diese Maßnahmen wieder. Leider, kritisiert Geisler, werden diese Aspekte der Arbeitssicherheit selten konsequent umgesetzt und gelebt.

Achtsamkeit auch bei Auftraggebern

Aber auch Auftraggeber sind gefordert, ihren Blick zu schärfen, wenn sie Höhenarbeiter beschäftigen wollen. Denn freilich untergraben Anbieter mit Dumpingpreisen (vornehmlich aus Osteuropa) den Markt. Welche Prognose stellt die Branche für 2015 – auch unter dem Gesichtspunkt der Billiganbieter? Der Markt ist durchaus gesättigt, viel Spielraum und Platz für neue Unternehmen wird nicht mehr gesehen. Daher heißt es für die bestehenden Dienstleister, noch mehr auf Qualität zu achten. „Billiganbieter aus Osteuropa sind ein Thema, und hier kann man Auftraggeber nur zur Vorsicht raten, um nicht mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten“, erklärt etwa Richard Stora, bei der Simacek Facility Management Group für den Bereich der Industriekletterer verantwortlich: „Wir können die erforderlichen Qualifikationen nachweisen und belegen diese auch transparent. Wir arbeiten nur mit eigenen Mitarbeitern, und von allen Personen, die den Einsatz durchführen, erhält unser Auftraggeber alle erforderlichen Ausbildungen bzw. Versicherungen und Anmeldungen.“

„Finger weg von ‚Wunderwuzzis‘ und ‚Alleskönnern‘“, warnt etwa offground solutions-Geschäftsführer Geisler: „Beim professionellen Industrieklettern werden gesellschaftlich akzeptierte  Risiken nicht überschritten. Wenn Auftragnehmer auf Aufträge verzichten, weil sie zu gefährlich sind, sind sie seriös“, weiß Geisler, wiewohl sich die meisten Gefährdungen wie z.B. nicht fachgerecht montierte oder nicht regelmäßig überprüfte Anschlageinrichtungen zum Abseilen durch entsprechende Maßnahmen eliminieren lassen.

Qualität hat natürlich seinen Preis, erklärt der Innsbrucker Höhenspezialist weiter. „Wer billig kauft, kauft teuer“, ist für ihn ein Sprichwort, das sich in der Praxis häufig widerfindet: „Der Kunde kann bei der Durchführung nur schwer beurteilen, ob der Auftragnehmer fachgerecht arbeitet. Verschiedene Schadensereignisse an Objekten und Personen von angeblichen „Spezialisten“ bestätigen diese Tatsache leider. Vor diesem Hintergrund erscheinen mir Zugangsvoraussetzungen in dieser Branche als besonders wichtig. Meiner Erfahrung nach suchen Auftraggeber in dieser Branche einen langfristigen, verlässlichen und besonders greifbaren Partner.“ Wer Billiganbietern aus Osteuropa den Vorzug gegenüber heimischem Qualitätshandwerk und internationalen Sicherheitsstandards gebe, solle das tun: „Spätestens nach dem ersten Schadensfall, wenn der Auftragnehmer nur mehr mittels Internationalem Privatrecht klagbar bzw. greifbar ist und die Anwaltskosten astronomische Ausmaße annehmen, wird man sich lokal umorientieren“, ist Geisler vom beginnenden Umdenkprozess seitens der Auftraggeber überzeugt.

Simacek-Manager Richard Stora macht sich keine Sorgen: „Jeder seriöse Dienstleister von Industriekletterservices wird trotz Preisdrucks und Wettbewerbs nicht an der Qualität sparen: hier sind Investitionen  in die erforderlichen Schulungen und laufenden Trainings der Höhenkletterer, der persönlichen Schutzausrüstungen und in die pro geplanten Einsatz erforderlichen Evaluierungszeiten unumgänglich.“

Regulierung und Kontrollen notwendig

Ähnlich sieht dies auch Höhenarbeit GmbH-Chef Philipp Knab: „Wir sind sehr flexibel und passen uns dem Markt an – das ist in der heutigen Zeit sehr wichtig. Wir sind keine Billiganbieter, sondern setzen auf Qualität und österreichisches Know-how. Auch unsere Auftraggeber wissen dies zu schätzen. Handschlagqualität ist uns sehr wichtig.“ In den Bereichen, wo er tätig ist, sei eine hohe Haftpflichtversicherung unerlässlich. Schon allein wegen der naturgemäß schlechten Erreichens einer etwaigen Unfallstelle. Knab wird daher von seinen Auftraggebern auf die Höhe der Haftpflichtversicherung angesprochen. Einen Tipp für Auftraggeber hat er jedenfalls auch parat: Welche Referenzen hat das Unternehmen, und gibt es das nötige Know-how? Knab: „Industriekletterer kann man in wenigen Wochen werden. Zum Vergleich: Ich bin staatlich geprüfter Berg- und Schiführer sowie Canyoningführer und ausgebildet zum Aufbau mobiler Hochseilgärten. Das bedarf einer mehrjährigen Ausbildung.“

Gottfried Marischka wiederum wäre für klare Fronten: „Es sollte eine Regulierung geschaffen und strengere Kontrollen angestrebt werden, sodass nicht ein jeder so genannte Industriekletter Arbeiten durchführen kann. Es wird hier zum Teil nicht nach westlichen Standards gearbeitet.“ Er ist davon überzeugt, dass vor allem in Bezug auf die Haftung Billigstanbieter oft gar nicht wissen, in welcher Haftungslage sie sich befinden: „Da wird auf Evaluierungen des Arbeitsplatzes, Rettungsmaßnahmen, Sicherheits- und Gesundheitsschutz-(SIGE)Pläne nicht eingegangen, Absperrungen, Arbeitnehmer/innenschutzgesetz, PSA-Verordnung sind Fremdwörter. Dass diese Vorbereitungsmaßnahmen eigentlich Pflicht sind und auch Geld kosten, ist für uns klar, für den Mitbewerb aus dem Osten jedoch gar nicht verständlich.“ Speziell in der Reinigungsbranche werde viel zu wenig auf diese Dinge geachtet, ist Marischka überzeugt: „Ich behaupte, dass 90% dieser „Schwarzen Schafe“ in der Reinigungsbranche tätig sind, hier sollten die Auftraggeber mehr auf die Qualität und auf das Wissen der Industriekletterer achten.“ Sein Ziel sei es auch, Führungskräfte der Reinigungsbranche mit der Thematik vertraut zu machen und auch diesen die Risiken in Schulungen näher zu bringen. Und auch Simacek-Manager Stora hat Tipps für Auftraggeber parat: „Der jeweilige Einsatz wird geplant und nur von laufend geschulten, mit persönlicher Schutzausrüstung nach Stand der Technik ausgestatteten Mitarbeitern durchgeführt. Jeder Auftraggeber sollte sich aus Haftungsgründen diese Unterlagen vor Durchführung der Arbeiten übermitteln lassen.“

Was wünschen sich die Höhenarbeits-Anbieter für die Zukunft? offground solutions-Chef Geisler: „Ich wünsche mir für seilunterstützte Arbeiten im Sinne der größtmöglichen Prävention eindeutige Zugangsvoraussetzungen.  Und von Auftraggebern und der Öffentlichkeit eine differenziertere Wahrnehmung zwischen Alpinismus (=Sport) und „Rope Access“ bzw. Industrieklettern (=Arbeitssicherheit).“ Höhenarbeit GmbH-Geschäftsführer Philipp Knab ergänzt: „Die Anschlagpunkte müssen nach ÖNORM EN 795 zertifiziert sein bzw. müssen regelmäßig überprüft werden. Oft kommt es vor, dass keine Einzelanschlagpunkte, sondern Rückhaltesysteme montiert sind, die nicht für unsere Arbeiten geeignet sind. Hier wäre es wünschenswert, dass Architekten auf diese feinen, jedoch wesentlichen Unterschiede geschult werden.“

Wenig Unfälle

Das Konzept der Anbieter – auf Sicherheit und Qualität Wert zu legen – scheint offensichtlich aufzugehen, zumindest was die Unfallstatistik betrifft. So zeigt beispielsweise die aktuelle Unfallstatistik der AUVA der Jahre 2010 bis 2013 für den Bereich der Reinigungsbranche bzw. –berufe eine weitgehend gleichbleibende Tendenz. Und zwar sowohl, was die Arbeitsunfälle insgesamt anbelangt als auch für die Unfälle durch Stürze (auf der Ebene) und Abstürze (aus der Höhe). In der Wirtschaftsklasse „Gebäudebetreuung“ und „Sonstige spezialisierte Bautätigkeiten“, worunter vor allem auch die Fassadenreiniger fallen, gibt es jedes Jahr insgesamt ca. 2.800 anerkannte Arbeitsunfälle, davon endeten jedes Jahr zwei bis drei tödlich.

Zwar ist das Berufsbild des Industriekletterers oder sonstigen spezialisierten Höhenarbeiters aus der österreichischen Unfallstatistik nicht direkt auswertbar, man kann sich jedoch über die Tätigkeiten und die sogenannten „Abweichungen“ doch recht nah an die Fragestellung herantasten. Demnach ereigneten sich etwas mehr als 40 % der Unfälle beim Reinigen, der Rest entfällt auf andere Tätigkeiten wie Wartung, Reparatur, Bau- und Instandhaltungstätigkeiten, Hausarbeit, Lagerung etc. Davon entfallen immerhin noch rund 8 % auf Fortbewegungsarten wie Gehen, Fahren und Mitfahren (Tendenz fallend). Genau 25 % der Unfälle sind Stürze auf der Ebene und nur rund 13 % sind Abstürze von erhöhten Arbeitsbereichen. Der Rest der Unfälle hat Abweichungen wie unkoordinierte Bewegungen, Zusammenstoßen, Verlust der Kontrolle über Gegenstände und Werkzeuge, herabfallende Gegenstände etc. als Ausgangspunkte.

Bei den Abstürzen ereignen sich etwas mehr als die Hälfte (56 %) auf Treppen, und 37 % mit Leitern und nur etwas weniger als 1 % von einem „sonstigen Arbeitsbereich, in der Höhe“. Der Rest der Verunfallten stürzte von Dächern, Terrassen und sonstigen baulichen Einrichtungen.

Unter diesem Aspekt zeige sich laut AUVA, dass Abstürze von Industriekletterern, z.B. beim Fassadenreinigen, ein untergeordnetes, statistisch kaum fassbares Problem darstellen. Der Großteil der Stürze ereignet sich auf der Ebene, oft beim ganz normalen Gehen, also in Alltagssituationen. Erfahrungsgemäß bildet hier oft eine Kombination der Faktoren Unachtsamkeit, feuchter, rutschiger Boden sowie ungeeignetes Schuhwerk die „Abflugbasis“. Auch bei den Abstürzen aus der Höhe, die meist schwerere Verletzungen zur Folge haben, sind fast immer die alltäglichen Ursachen wie Treppen und Leitern am gefährlichsten.

Gute Schulung zahlt sich aus

Spezialisierte Höhenarbeiter hingegen sind rein zahlenmäßig selten und sie sind gut geschult, haben ein hohes Risikobewusstsein sowie die nötigen Skills, mit den Risiken auch richtig umzugehen. Dementsprechend gering sind die Unfallzahlen bei den entsprechenden Tätigkeiten. Ramona Bauer-Miksch vom AUVA-Unfallverhütungsdienst Wien berichtet: „Ich habe gerade wieder einen Unfall vor mir vom Dezember 2014, wo ein gelernter Industriekletterer von der Leiter gefallen ist, von der Sorte gibt es einige. Jedoch an einen Unfall, der im kausalen Zusammenhang mit der Höhenarbeitstätigkeit steht, kann ich mich über all die Jahre zumindest im Landesstellenbereich nicht erinnern – dazu ist die Qualifikation der Mitarbeiter viel zu gut. Wie wir alle wissen, sind die meisten Unfallursachen trivial.“ Astrid Antes von der zentralen Präventionsabteilung der AUVA meint dazu: „Die Industriekletterer sind keine potenziellen Selbstmörder – oft haben sie schon sportliche Vorerfahrung als Alpin- oder Sportkletterer, sind gut ausgebildet und verwenden geprüfte PSAs.“

Ernest Stühlinger, Baufachkundiger der zentralen AUVA-Präventionsabteilung, zeigt auf, dass nicht nur die Gebäudereiniger Verantwortung tragen, sondern auch die Bauherren: „Ich erinnere an die Forderungen aus dem Bauarbeitenkoordinationsgesetz, wie den SIGE-Plan und vor allem die Unterlage für spätere Arbeiten. Darin müssen Vorkehrungen und besondere Hinweise für Reparatur-, Wartungs- und Reinigungsarbeiten enthalten sein. Leider setzt sich das bei Altbauten nur schwer durch, bei Neubauvorhaben gibt es aber immerhin eine positive Tendenz.“

Tradition & neue Regeln

Johannes Lux

DI Johannes Lux,
Mitgründer und GF der Industrial
Alpinists Vienna

B1300, Erlass des Arbeitsinspektorates vom 27.05.2011, Bau V, ASchG etc. Die stetig wachsende und diversifizierende Branche der Arbeiten in absturzgefährdeten Bereichen kann langfristig nur bestehen, wenn Sicherheitsstandards laufend überprüft und angepasst werden. Rasche und zuverlässige Erbringung von Dienstleistungen auf qualitativ hohem Niveau setzt einen Pool an ausgebildeten Fachkräften voraus. Daneben braucht es aber auch permanentes Monitoring der rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen. Der heutige Stand der Technik kann morgen schon geradezu fahrlässig sein – eine Herausforderung. Die Einhaltung rechtlicher Aspekte, Evaluierungen Prüf- und Dokumentationspflichten gewinnt für Verantwortliche und Entscheidungsträger rasant an Bedeutung. Professionelle Arbeit in absturzgefährdeten Bereichen beginnt bereits lange, bevor das erste Glas gereinigt werden kann. Das Ausbildungszentrum an unserem Firmenstandort nutzen sowohl namhafte Betriebe aus verschiedensten Industriezweigen als auch eine Vielzahl unserer Kunden zur sicherheitstechnischen Beratung bei ihren Projekten.

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One Response to "„Finger weg von Wunderwuzzis“"

  1. Safiya Osswald says:

    Mein Mann hat mich gebeten über das Thema Industriekletterer etwas mehr Informationen zu sammeln. Ich habe nun diesen Blogbeitrag gefunden und finde ihn super! Ich finde es immer klasse mich über neue Dinge zu informieren und mich weiterzubilden.

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