„Es macht einfach Spaß“

Unsere „Person des Jahres“: Mag. Georg Lintner, Geschäftsführer der Wiener Landesinnung der Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereiniger. Von der „Goldgräberstimmung“ Ende der 90erJahre bis zur heutigen extremen Konkurrenz-Situation ist im Bereich der Gebäudedienstleistung Bemerkenswertes weiterentwickelt worden. Und Lintner war über all die Jahre an führender Stelle mit dabei.

Text: Hansjörg Preims

Ein Sprung ins kalte Wasser hat sich häufig schon als durchaus gelungener Start in eine erfolgreiche und von Konstanz geprägte berufliche Karriere erwiesen. So auch für Mag. Georg Lintner, nunmehr seit fast 20 Jahren Geschäftsführer der Wiener Landesinnung der Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereiniger. Nach seinem Jus-Studium und dem anschließenden Gerichtsjahr heuerte er bei der Wirtschaftskammer an, die jemanden für das Projekt „Lehrstellen-Bewerbung“ suchte. Mit Erfolg. Dieses Projekt unter dem damaligen Bundeskanzler Klima, an dem sich auch die Wirtschaftskammer Wien beteiligte, war Ende 1998 Lintners beruflicher Einstieg. Und bereits ein Jahr später bekam er – weil sein Vorgänger in die Wirtschaftskammer Salzburg wechselte – mit 25 Jahren die Möglichkeit, die Geschäftsführung für neun Innungen – eine davon war die der Gebäudereiniger – zu übernehmen. „Ein Sprung ins kalte Wasser eben, aber ich habe es nie bereut“, sagt Lintner. Es habe ihm immer Spaß gemacht, für die Branche etwas weiterzuentwickeln – „umso mehr, als ich auch von meiner juristischen Ausbildung her einiges in die Arbeit einbringen konnte und kann, zum Beispiel wenn es um den Kollektivvertrag, das Verfassen von Texten oder um Rechtsauskünfte für die Mitgliedsbetriebe geht.“ Geprägt habe ihn auch das, was er von seinem ersten Vorgesetzten im Jahr 1998 mit auf den Weg bekommen habe, nämlich: „Dass wir eine Dienstleistungsorganisation sind.“

Der gebürtige Wiener Georg Lintner hat also, was die Gebäudereiniger betrifft, zwei Innungsmeister erlebt – KR Erich Fach von 1999 bis 2010 und ab 2010 KR Gerhard Komarek. Und über all diese Jahre ist im Bereich der Gebäudedienstleistung Bemerkenswertes weiterentwickelt worden, woran Lintner an führender Stelle mitgewirkt hat. Als erstes fällt ihm bezeichnenderweise dazu ein, „dass mit der Zeit ein Qualitätsmerkmal hinzugekommen ist.“ In den 90er Jahren hätte noch so etwas wie Goldgräberstimmung geherrscht, in den 2000er Jahren habe dann das Preisthema auch bei den Gebäudereinigern begonnen und sei dann sukzessive bestimmender geworden. „Und nach und nach hat man auch verstanden, wie wichtig das Thema Aus- und Weiterbildung ist – was mir aufgrund meiner Anfangszeit in der Lehrlingsstelle auch ein großes Anliegen in der Interessensvertretung war und ist, denn gerade der Gebäudereiniger-Branche bringt die Aus- und Weiterbildung sehr viel.“

2010 der große Schub

Wie war die Branche zu Beginn seiner Tätigkeit als Innungsgeschäftsführer, also 1999, aufgestellt? Lintner: „Es gab die Meisterprüfung, aber es war alles noch relativ neu. Viele haben damals ihr Glück versucht, aber es war noch ein viel eingeschränkterer Markt, es gab bis 1999 auch noch die Eintragungsgebühren in der Innung. Dann kam es sukzessive zu einem Boom der Betriebsanmeldungen – damals als freies Gewerbe der einfachen Reinigungstätigkeiten, was dann später, 2003, in Wien Hausbetreuung heißen sollte.“ Die Abschaffung des Hausbesorgergesetzes im Jahr 2000 und dessen Auslaufenlassen habe dann sukzessive zu mehr Aufklärungsarbeit und zu einem verstärkten Augenmerk auf das Thema Ausbildung geführt. „Wir haben dann anstatt wie früher nur alle zwei Jahre die Ausbildungen zum Meister in Wien jährlich durchgeführt, auch in Niederösterreich hat man mit Kursen begonnen sowie auch in anderen Bundesländern.“

So sei ein immer breiterer Markt entstanden, immer mehr Personen hätten die Meisterprüfung gemacht. Und das habe sukzessive dazu geführt, dass das Thema Qualität der Dienstleistung in der Branche immer wichtiger geworden sei. „Und zum anderen“, so Lintner, „sind auch die damals noch zurecht etwas skeptisch beäugten Aufträge der Bundesbeschaffungs GmbH zum Thema geworden. Nach deren Anfangsjahren kam es dann aber zu einer guten Zusammenarbeit.“ Der große Schub sei aber 2010 mit dem Generationswechsel an der Innungsspitze gekommen: „Da konnten wir dann Vieles umsetzen – mit zentraler Bedeutung der Gebäudereinigungsakademie der Wiener Gebäude­reiniger, die 2006 angekauft worden war und ab 2010 dann schrittweise zu der erfolgreichen Einrichtung ausgebaut wurde, als welche sie sich heute darstellt. Die Teilnehmerzahlen sind großartig.“ Es freue ihn auch, dass er hier seine Idee der Gründung einer Betriebs GmbH habe durchbringen können, um etwas unabhängiger von der klassischen Wirtschaftskammer-Organisation am Markt agieren zu können – „natürlich mit allen Auflagen, die öffentlich-rechtlich vorgegeben sind.“

Meilensteine

Der erste Meilenstein seiner Berufslaufbahn im Dienste der Interessensvertretung für die Wiener Gebäudereiniger war für Lintner, „dass ich der österreichische Verbandsvertreter im Europäischen Dachverband der Reinigungsbranche (EFCI) sein durfte, wo wir Anfang 2003 Mitglied geworden sind. Darauf bin ich sehr stolz, denn wir haben zum Beispiel die Bestbieter-Broschüre erarbeitet, und in weiterer Folge kamen gute Kontakte und Austauschmöglichkeiten vor allem mit den Schweizer und deutschen Kollegen zustande.“

Ein zweiter Meilenstein sei gewesen, „dass wir – sehr fortschrittlich – 2003 den Wortlaut ,Hausbetreuung‘ in Wien kreiert haben, der auch andere Nebentätigkeiten umfasst.“ Mit der Umfangsvereinbarung laut Gewerbeordnung habe man dann für die umfassende Betreuung eines Objektes nur mehr einen Gewerbeschein gebraucht und nicht, wie es vorher der Fall gewesen sei, mehrere, zum Beispiel für Grünflächenbetreuung, für kleine Kontrolltätigkeiten, für Schneeräumung etc. „Das“, bekräftigt Lintner, „war damals ein echter Meilenstein und wurde dann 2013 bundesweit vereinheitlicht, Stichwort ,Aufnahme in die Bundeseinheitliche Liste der freien Gewerbe‘.

Als weitere Meilensteine nennt Lintner den Ankauf der Gebäudereinigungsakademie im Jahr 2006 sowie den bereits angesprochenen Generationswechsel in der Innung im Jahr 2010. „Dadurch konnten wir wirklich mit zahlreichen Projekten durchstarten. Unter anderem kam der neue Kollektivvertrag 2013 zustande, die ÖNORM D 2050 bezüglich Quadratmeterleistungen und deren Verankerung im KV – und natürlich die Entwicklung der Gebäudereinigungsakademie von 2010 bis dato zu Europas modernstem Ausbildungszentrum für Gebäudereinigung.“

Die Herausforderungen der Zukunft

Wie sieht unsere „Person des Jahres“ das Befinden der Gebäudereiniger-Branche insgesamt sowie deren Zukunft? Lintner: „Die Gebäudereiniger-Branche befindet sich in einer sehr starken Konkurrenz-Situation. Und wie überall wird sich auch hier die Spreu vom Weizen trennen. Das heißt, man wird nur noch reüssieren können, wenn man wirklich eine gute Leistung anbietet, und das kann man nur mit gutem Personal.“ In diese Richtung werde es gehen. Mit gut ausgebildetem Personal tue man sich auch leichter, das Image der Branche weiter zu verbessern. Die Innung habe diesbezüglich schon viel getan, aber es müsse noch mehr getan werden. Und es gelte wachsam zu sein hinsichtlich des Hypes „Digitalisierung 4.0“ und sich zu fragen, was auch für die Branche der Gebäudereiniger zu einer Verbesserung führen könne, um auch gutes Personal zu bekommen. „Und nicht zuletzt müssen wir den Auftraggebern klarmachen, dass das Thema Werterhaltung, Hygiene und Sauberkeit der Objekte immer wichtiger wird und dass sie hier nicht an der falschen Stelle sparen sollten.“ Optimieren ja, aber nicht einfach nur kürzen, ohne nachzudenken, welche Konsequenzen das habe. „Hier werden wir bei den Auftraggebern noch viel Aufklärungsarbeit leisten müssen“, freut sich Lintner schon auf eine durchaus herausfordernde Zukunft.

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