„Eines greift ins andere“

Die A.S.S.-Geschäftsführer Christian Grubmüller und Hermann Furtner sind unsere „Männer des Jahres“. Weil sie es in beeindruckender Weise verstanden haben, mit dem Anspruch des umfassenden Dienstleisters im und rund ums Gebäude auch in Nischenmärkte der höherwertigen Dienstleistung vorzudringen, die sie vom preislichen „Würgegriff“ der klassischen Reinigungsbranche unabhängiger machen.

Text: Hansjörg Preims

Die Erfolgsstory begann 1995 in einer Erdgeschosswohnung in der Schwaigergasse in Wien-Floridsdorf – mit zwei Tischen von der Caritas, einem 10-Quadratmeter-Lager, zwei Reinigungsmaschinen, einem Bus um 5.000 Schilling und einem Startkapital von 200.000 Schilling. Das viel größere Startkapital aber war Christian Grubmüllers 10-jährige Erfahrung in der Dienstleistungsbranche, mit der er 1995 in der Schwaigergasse ein Stiegenhaus-Service gründete und damit das Fundament für die heutige A.S.S. legte. Innerhalb von drei Jahren stieg die Umsatzsäule auf fast 6 Millionen Schilling. Dann kam Hermann Furtner dazu, ebenfalls mit langjähriger Dienstleistungserfahrung. Man kannte sich schon seit vielen Jahren durch eine verwandtschaftliche Beziehung, war zusammen in der Sauna und philosophierte. Bis es Furtner in dem Dienstleistungsunternehmen, wo er als Regionalleiter für Hygiene beschäftigt war, zu unruhig wurde und er 1998 sich entschloss, gemeinsam mit Grubmüller dessen Firma weiter aufzubauen. Zunächst als Führungskraft, dann, nach einem Jahr, mit einer 5-Prozent-Beteiligung. Im Erdgeschoss in der Schwaigergasse wurden aus zwei Tischen vier, und es wurde das erste richtige, 50 Quadratmeter große Büro gebaut. „Wir haben kontinuierlich und fleißig gearbeitet und uns mächtig bemüht“, sagt Grubmüller. Die Firma wuchs, man zog einen Stock höher und richtete dort auch ein Besprechungszimmer ein. 2001 dann die Umbenennung der Firma in A.S.S. Anlagen Service System GesmbH.

2003 gingen Grubmüller und Furtner – karenzzeitbedingt – vorübergehend getrennte Wege, bis Furtner 2005 wieder zurückkam und man beschloss, die Firmenanteile 51 zu 49 Prozent aufzuteilen. Auch weil damals Grubmüllers Leistungsfähigkeit infolge einer schweren Erkrankung eingeschränkt war und er nüchtern überlegte: „Besser 51 Prozent von etwas Gutem als 100 Prozent von etwas Schlechtem.“ Und das sei auch die richtige Überlegung gewesen, so ein längst wieder rundum gesunder Grubmüller im Rückblick.

2008 übersiedelte die A.S.S. dann in die neue Firmenzentrale in Wien 21, Moritz-Dreger-Gasse 25, um mehrere Standorte an einem Punkt zu konzentrieren. Dort stehen heute 280 Quadratmeter Büro sowie 1.188 Quadratmeter Halle mit Hochlagerregal und 250 Garagenplätze zur Verfügung. Für die hochwertigen Dienstleistungen sind 162 Service- und Kontrollfahrzeuge, mehrere große LKWs und 50 Schneeräumtraktoren im Einsatz.

Hochspezialisierte Mitarbeiter

2008 war aber auch das Jahr, in dem die A.S.S. mit dem Zukauf der ASTRA Services einen entscheidenden Meilenstein setzte. Dieses klassische Facility-Services-Unternehmen war von der Struktur her zwar klein, passte aber mit seiner Leistungspalette – Gebäudereinigung, Hausbetreuung, Haus- und Gartenservice, Winterdienst und Facility Management – optimal zum Anspruch der A.S.S., umfassender Dienstleister im und ums Gebäude zu sein. In der Folge holten Grubmüller und Furtner aus der ASTRA alles heraus, was den Bereich Facility Services betraf, integrierten es in die A.S.S. und formten die ASTRA zu einem reinen Technik-Dienstleistungsbetrieb, der heute auf Brand- und Wasserschadensanierung sowie auf Tatort- und Leichenfundortreinigung spezialisiert ist. Bereichsleiterin ist Frau Rosalia Zelenka.

Hinter dieser Strategie steckte auch die Überlegung, sich vom preislichen „Würgegriff“ der Reinigungsbranche etwas unabhängiger zu machen. Furtner: „Der Reinigungsmarkt ist extrem umkämpft, die Preise gehen eher nach unten, die Lohnkosten nach oben, die Schere wird also immer größer und der Verdrängungswettbewerb immer aggressiver. Deshalb haben wir uns damals entschieden, in Märkte einzudringen, wo der Mitbewerb und der Preisverfall nicht so stark sind wie in der Reinigung. Daher der Bereich Brand- und Wasserschadensanierung, zumal das ebenfalls eine Dienstleistung ist, die am Gebäude zu erbringen ist.“ Und daher auch Grubmüllers Idee der Tatort- und Leichenfundortreinigung: „Probiert haben das viele, aber wir sind die einzigen in Österreich, die es wirklich können und auch durchführen. Wir fahren bis nach Innsbruck“, so Grubmüller, die Tatortreinigung verlange eine ganz andere Flexibilität. Und auch speziell dafür ausgebildete Mitarbeiter, die imstande sind, diese sehr diffizile Tätigkeit durchzuführen. Denn da geht es nicht nur darum, anonym zu reinigen, sondern man hat es auch mit Angehörigen und deren Schicksal zu tun, die es neben der Dienstleistung an sich entsprechend pietätvoll und menschlich zu begleiten gilt. „Womit die Mitarbeiter dort konfrontiert sind, das erfordert also auch eine entsprechende mentale Stärke und hohe soziale Kompetenz“, erklärt Furtner – „etwa wenn die Tochter das Gehirn vom Papa in einem Silberschüsserl bringt, weil es der Bestatter vergessen hat.“

Da versteht es sich von selbst, dass die für diese Tätigkeit qualifizierten Mitarbeiter auch nicht in das Schema eines Kollektivvertrages passen beziehungsweise weit über Kollektivvertrag entlohnt werden müssen, um diese Arbeit durchzuführen. Der Preis ist für den Besteller, für den diese Situation in der Regel einen Ausnahmezustand darstellt, denn auch nicht das Entscheidende, denn es ist eine absolut notwendige Dienstleistung ist. Eine Wohnung MUSS wieder vermietbar oder bewohnbar gemacht werden. Schließlich ist nicht selten auch eine Geruchsneutralisierung durch Ozonisierung damit verbunden – oder eine Sanierung, etwa des durch Körperflüssigkeit kontaminierten Bodens. „Man muss sich vorstellen“, so Grubmüller, „eine Messi-Wohnung, der verstorbene Bewohner liegt längere Zeit dort – das kann in den Unterboden übergehen. Das heißt, man muss den Estrich herausfräsen, und damit kommt auch die Sanierung zum Tragen. Es greift eines ins andere.“ Wobei bei der A.S.S. das eine meistens auch den Anstoß für einen nächsten Schritt gibt. Derzeit zum Beispiel – im Rahmen der Mauertrocknung – in Richtung einer Schimmelbehandlung, die durch spezielle Aufbereitung und Vorbehandlung des Untergrundes die Schimmelsporen abtötet und damit gewährleistet, dass nach der Sanierung keine Gefährdung der Gesundheit mehr gegeben ist.

„Viel Haus, wenig Geld“

Auf das Umsatzverhältnis von A.S.S. und ASTRA Services angesprochen, sagt Grubmüller, ihn interessiere weniger der Umsatz als vielmehr die Deckung. Von daher könne man die zwei Bereiche auch nicht vergleichen, denn: auf der einen Seite „viel Haus für wenig Geld“, auf der anderen Seite ein Stundenlohn für Tatortreinigung, wo man mit fünf Leuten – „und das sind echte Fachleute“ – mehr Deckung habe als mit 100 in der Gebäudereinigung. „Die ASTRA macht heute mit fünf Mitarbeitern etwa 800.000 bis zu einer Million Umsatz, die A.S.S. mit 150 bis 200 Mitarbeitern fünf bis sechs Millionen, bei der A.S.S. stehen 160 Autos bereit, bei der ASTRA sechs – das ist der Unterschied“, so Grubmüller. Aber auch im Bereich Brand- und Wasserschadensanierung habe man aufgrund der speziellen Technik ganz andere Zuschläge als in der Dienstleistung. Wobei hier aber beides mitspiele, sprich: Man müsse die Dienstleistung verkaufen, und die Technik laufe mit.

Um den Preis nicht mehr die große Rolle spielen zu lassen, hat die A.S.S. im letzten Jahr auch die Gartenbau-Abteilung stark ausgebaut. Furtner: „Wir wollen nicht nur Rasenmähen und Hecken schneiden, sondern Landschaftsgestaltung anbieten.“ Ein Gartenbau-Ingenieur und ein Gärtnermeister sollen das professionell vorantreiben und Spielplätze oder Grünanlagen komplett anlegen, um so auch hier höherwertige Dienstleistung anbieten zu können. „Der Kunde ist dankbar, wenn er das professionell und qualitativ hochwertig aus einer Hand bekommt“, so Furtner.

Melanie Furtner

Melanie Furtner

Weitere Ideen und Geschäftspläne sind für Grubmüller und Furtner „eine Frage des Bedarfes“. Jedenfalls aber haben sie, obwohl beide noch im besten Schaffensalter sind, auch schon den Generationswechsel auf dem Stufenplan: Melanie Furtner, die sich auf die Übernahme der Geschäftsführung vorbereitet und heuer die Leitung des Qualitäts- und Kundenmanagements übernommen hat, soll die A.S.S. in die nächste Generation führen. Die 25-Jährige Juniorchefin ist nicht nur ausgebildete Bürokauffrau und Verwaltungsassistentin, sondern hat 2009 auch die Ausbildung zum staatlich geprüften Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereinigungsmeister erfolgreich abgeschlossen. Im Anschluss machte sie noch die Ausbildung zum Facility Manager sowie zum staatlich geprüften Gebäudedesinfektor. Das Augenmerk auf Kontinuität ist bei der A.S.S. also auch in der Nachfolgefrage schon gegeben.

Kurzbiographien der beiden A.S.S.-Geschäftsführer

Hermann Furtner

1963: geboren in Wien

1978-81: Ausbildung zum Industriekaufmann

1982-86: Leitende Funktion in einem Verkehrsbetriebsunternehmen

1986-98: Einstieg in die Dienstleistungsbranche

1998-2003: Aufbau und Mitgesellschafter der A.S.S.-Dienstleistungsgruppe, Einzelprokurist

2003-2005: Prokurist und Geschäftsbereichsleiter der DIW Instandhaltung Österreich (verantwortlich für ca. 17,5 Mio Euro und 750 Mitarbeiter)

Seit 2005: Geschäftsführender Gesellschafter der A.S.S. Anlagen Service System GesmbH

Seit 2008: ASTRA-Services Facility-Services-Management GmbH

Christian Grubmüller

1959: geboren in Wien

1974-78: Ausbildung Elektromechanik und Maschinenbau

1979-95: Mitarbeit Vertriebsaufbau von Industriebodenreinigungsmaschinen (CIMEX)

1985-87: Tätigkeitsbeginn Dienstleistungen

1988-94: Gründung und Leitung des ersten eigenen Betriebes – Umsatz 36 Millionen ATS und 240 Mitarbeiter

1994: Gründung und Leitung des ersten eigenen Betriebes – Umsatz 36 Millionen ATS und 240 Mitarbeiter

1995: Gründung und Leitung des ersten eigenen Betriebes – Umsatz 36 Millionen ATS und 240 Mitarbeiter

2001: Gründung und Leitung des ersten eigenen Betriebes – Umsatz 36 Millionen ATS und 240 Mitarbeiter

Seit 2004: Geschäftsführender Gesellschafter der A.S.S. Anlagen Service System GesmbH

Seit 2008: ASTRA-Services Facility-Services-Management GmbH

Portfolio der A.S.S. Anlagen Service System GesmbH

Gebäudedienste:Bauendreinigung

Büroreinigung

Einkaufscenterreinigung

Hartboden Grundreinigung

Industriereinigung

Jalousienreinigung

Polstermöbelreinigung

Teppichreinigung (trocken / nass)

Werksanlagenreinigung

Stiegenhausreinigung

Fensterreinigung

Fassadenreinigung

Grundreinigung

Haftungsgarantie nach STVO

Hausbesorgerersatz (bzw. Vertretung)

Winterdienst

Bauendreinigung nach Handwerkerarbeit

Dachbodenreinigung

Entrümpelungen

Gründienst und Anlagenpflege

Garagenreinigung mit Hochdruckreiniger

Hof- und Freiflächenreinigung

Schwimmbad- und Saunareinigung

Spiel- und Sportplatzbetreuung

Facility Service:Räumungen von Keller, Dachböden und Wohnungen

Betriebsumzugservice

Gas- und Wasserinstallateure

Maler- und Anstreicher

Elektrotechniker, Schlosser

Schildermacher

Handwerkerkontrolle

Güterbeförderung mit Kraftfahrzeugen

Rohrreiniger, Kanalräumer

Bodenmarkierungen

24 Stunden Alarmzentrale

Aufzugsnotdienst

Aufzugswart

Beleuchtungsservice

Reparaturdienst

Technischer Dienst

Entfeuchtungsgeräteverleih

Brand- und Wasserschadensanierung

Tatortreinigung

 

Mobiles Service:

Fuhrparkbetreuung (Aufbereitung)

written by

The author didn‘t add any Information to his profile yet.

Leave a Reply

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.