Die stillen Heldinnen des (Hotel-)Alltags

Michaela Reitterer

Michaela Reitterer

Es gibt Tätigkeiten, die fallen erst auf, wenn sie nicht gut oder gar nicht gemacht sind. Undankbar: ja, meistens sogar. Unnötig: alles andere als das! Housekeeping teilt dieses Schicksal, zumindest auf einer oberflächlichen Ebene. Ist das Zimmer unordentlich oder schlecht aufgeräumt, greift der Gast schnell zum Hörer. Ist es blitzblank, ist das eher selten der Fall. Makellosigkeit ist Standard, alles andere nicht die Norm. Die Handgriffe müssen sitzen, das Wissen um die neuesten Entwicklungen auf dem aktuellsten Stand sein. Genau deshalb ist ein eingespieltes Team auf der Etage Goldes wert – und das weiß jeder!

Herausfordervung Mitarbeitermangel

So wichtig diese Teams sind, so schwierig sind sie oft zusammenzustellen und zu halten. Wie auch in der in diesem Heft wiedergegebenen Podiumsdiskussion (siehe Seite 22) angeklungen, ist der Mitarbeitermangel eine der größten, wenn nicht die größte Herausforderung der Branche. Das zeigen auch die nackten Zahlen: Zu Saisonbeginn suchen noch aktuelle 80 % der Top-Hotels in Österreich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Mehr als jedes dritte davon Fachkräfte im Housekeeping. Die Ausgliederung und die externe Vergabe an Reinigungsfirmen ist für viele nicht die erste Wahl. Hotellerie ist people‘s business, mit Aufgaben, die aufeinander aufbauen, ineinander verzweigt und in den seltensten Fällen losgelöst betrachtet werden können. Teamwork is king im Hotel. Damit es rundläuft, braucht man Leute, die sich sicher im Ökosystem bewegen können, sich auskennen und um dessen Eigenheiten wissen. Das ultimative HR-Ziel im Hotel ist, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter so lange wie möglich zu halten. Jeder externe Faktor ist in der Regel nur zweite Wahl. Oft aber geht es mittlerweile nicht anders.

Eigenverantwortung

Ohne jetzt die Diskussion über Scheinfirmen und Billigstanbieter neu aufwärmen zu wollen, muss ich dennoch sagen, dass ich hierbei – wie auch sonst – eine große Freundin der Eigenverantwortung bin. Bevor man der anderen Seite vorschnell die Schuld zuschiebt, sollte man in der Regel vor der eigenen Tür kehren. Denn: Schwarze Schafe gibt es überall – in der Hotellerie wie auch in der Reinigungsbranche. Glücklicherweise sind wir mittlerweile so weit, dass genau das passiert. Sei es intern beim DFG oder bei uns in der Branche. Probleme wie dieses lassen sich in der Regel nur gemeinsam lösen und hier haben wir den richtigen Weg eingeschlagen. Im Zuge dessen wird man auch Modelle der Sharing Economy genauer unter die Lupe nehmen müssen. Was einst als unschuldiges couch-surfing begann, ist mittlerweile ein veritables business in der Grauzone. Das im Übrigen auch vor der Reinigungsbranche nicht Halt macht. Hotelnahe Dienstleistungen werden regelmäßig über die verschiedensten Plattformen munter an Sozialversicherung und Finanz vorbeiverkauft.

Geiz ist geil? Never ever!

Geiz war nie geil und wird es niemals sein. Davon bin ich fest überzeugt. Ansonsten hätte ich niemals den Schritt gewagt, mein Hotel in ein Null-Energie-Haus umzubauen. Glücklicherweise, wie auch in der Diskussion richtig angemerkt, erkennen das immer mehr Leute. Qualität hat ihren Preis und das ist gut so. Meine Gäste kaufen nicht nur ein Bett für ein paar Nächte. Das bekommen sie, wenn sie wollen, mehr als 66.000-mal woanders in Wien. Meine Gäste kaufen eine Idee und eine Lebenseinstellung, die zu ihrer passt. Und das kann nicht falsch sein.

Michaela Reitterer
ist Eigentümerin des Boutiquehotel Stadthalle und
Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung

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