Die optimale WC-Hygiene

Unabhängig von Covid-19 sollte in öffentlichen WCs, zumal in der Gastronomie und Hotellerie, so oft desinfiziert werden, wie es wirtschaftlich und organisatorisch möglich ist.

Text: Arno Sorger (*)

Grundsätzlich stellt sich immer die Frage, warum etwas besonders hygienisch gehalten werden muss. Von einer Parkbank beispielsweise erwartet man keine besondere Hygiene, weil hier, wenn man sich draufsetzt, die Kleidung als Barriere fungiert – also nicht nur als Wärmeschutz, sondern auch als Gesundheitsschutz bzw. Schutz vor Mikroorganismen. Im WC dagegen hat man diese Barriere-Funktion der Kleidung nicht. Und wir haben dort Fäkalien, die ein gewisses hygienisches Gefährdungspotenzial beinhalten – nicht für den gesunden Menschen, aber für den kranken. Und wo die unmittelbare Gefahr der Übertragung von Krankheiten besteht, versuchen wir aus hygienischer Sicht, eine Barriere-Funktion einzusetzen.

Deshalb ist in einem öffentlichen WC – wozu auch das WC in einem Restaurant zählt – eine regelmäßige Desinfektion geboten, um der Problematik, dass zwischen zwei Benutzern jeweils eine Kontamination bzw. eine Infektion erfolgen kann, entgegenzuwirken. Da aber ein Dienstleister nicht nach jedem WC-Benutzer eine Desinfektion durchführen kann, sollte auch der WC-Benutzer selbst eine Desinfektionsmöglichkeit zur Verfügung gestellt bekommen, um sich seine Hygiene selbst gestalten zu können. Unabhängig davon sollte aber so oft desinfiziert werden, wie es wirtschaftlich und organisatorisch möglich ist. Wobei ich als Hygieniker skeptisch bin, wenn in einem WC auf einer Liste die stündliche Kontrolle vermerkt wird. Denn nur mit einer Kontrolle verfehlt man den eigentlichen Zweck, schließlich geht es ja nicht darum, ob wirklich jeder WC-Benutzer die Spülung betätigt hat, sondern darum, dass der Reinigungsmitarbeiter, wenn er ohnehin zur Kontrolle im WC ist, auch gleich alle relevanten Stellen desinfiziert.

Die hygienisch kritischsten Punkte

Kurzum: Aus hygienischer Sicht soll die Reinigungskraft nicht nur kontrollieren und bei Verschmutzung reinigen, sondern auch desinfizieren – und zwar alles, wo ein mittelbarer oder unmittelbarer Kontakt mit Fäkalien erfolgen kann. Das ist zum einen die Klobrille, die aber nicht der kritischste aller Punkte ist. Wesentlich kritischer ist die Drückerplatte zum Spülen, die jeder Benutzer noch mit Fäkalien an der Hand – und sei es auch nur in geringer Menge – betätigt. Der nächste kritische Punkt, den jeder berühren muss, noch bevor er seine Hände gewaschen hat, ist die innere Türklinke. Ein gesondert zu betrachtender kritischer Punkt kann auch das erste Blatt des Klopapiers sein, wenn dort der Vorgänger mit seiner noch ungewaschenen Hand draufgegriffen hat. Denn zumindest bei vielen Toilettenpapier-Spendern ist es so, dass man beim Abreißen des Papiers auch auf das nächste Blatt greifen muss. Es ist also ratsam, das erste Blatt vom Klopapier nicht zu benützen. Der nächste hygienisch heikle Punkt nach der Sitzfläche, der Drückerplatte und der inneren Türschnalle ist der Griff der Waschbeckenarmatur, wenn es keine automatische Armatur gibt. Man betätigt die Armatur mit der ungewaschenen Hand, wäscht sich die Hände und macht dann mit den sauberen Händen den Wasserhahn, den man soeben kontaminiert hat, wieder zu – somit landet der Schmutz wieder an den Händen. Auch dieser Punkt gehört im gesamten Desinfektionsprogramm berücksichtigt. So wie auch, dass üblicherweise beim Hinausgehen noch die Türklinke berührt wird, die von den vielen, die sich die Hände nicht waschen, verschmutzt ist.

Viel mehr an Hygienemaßnahmen kann man in dem Zusammenhang nicht setzen. Vielleicht noch ein kleiner Aspekt: In Japan beispielsweise kann man neben der WC-Tür einen Handtuchspender finden – für ein Handtuch nicht zum Händetrocknen, sondern um damit die Tür zu öffnen, um nicht die Türklinke berühren zu müssen.  

Die optimale WC-Ausstattung

Für eine optimale Ausstattung eines WCs ist aus hygienischer Sicht also auf jeden Fall eine berührungslose Armatur sinnvoll – und neben dem Seifen- auch ein Desinfektionsmittelspender neben dem Waschbecken. Sehr angenehm für die eigene hygienische Sicherheit – einige Firmen bieten das mittlerweile an – ist auch ein Desinfektionsmittel-Spender im WC zum Anfeuchten des Klopapiers, mit dem der Benutzer selbst über die kritischen Teile drüberwischen kann. Das bietet auch insofern eine besondere persönliche Sicherheit, als man nicht unterschätzen darf, dass man sich auch über die Einbildung Krankheiten zuziehen kann. Wenn man ein WC als ekelig empfindet, kann dieser Ekel nämlich reichen, um tatsächlich zu erkranken. Beziehungsweise das Bewusstsein, die persönliche Hygiene umgesetzt zu haben, hilft auch gegen Krankheiten, die man sich allein dadurch zuziehen kann, dass man das Gefühl hat, keine persönlichen Hygienemaßnahmen getroffen zu haben. Man kann dann am nächsten Tag zum Beispiel eine Blasenentzündung, einen Ausfluss oder sonst etwas haben. Diesen psychologischen Aspekt darf man jedenfalls nicht unterschätzen.

Weiters sollte das Waschbecken so gestaltet sein, dass beim Händewaschen möglichst wenig Aerosol entsteht bzw. der Wasserstrahl nicht zu scharf ist. Ist der Wasserstrahl zu druckvoll eingestellt, verspritzt er, wenn man die Hände darunterhält, die Keime in die Raumluft. Es gibt genug Krankheiten, die auf diesem Weg durch Keime übertragen werden, das klassische Beispiel sind Noroviren. 

Händetrocknung: Papier-, Stoffhandtücher, Föhn?

Da man mit normalem Händewaschen den Schmutz von den Händen nur zum Teil wegbekommt, ist die Trocknung für die Entfernung des Schmutzes mindestens genauso wichtig. Optimal ist ein Einmal-Papierhandtuchspender oder ein Handtuchrollenspender. Papierhandtücher bieten eine gute Mechanik, weil man das Handtuch herausnehmen kann und man sich dadurch relativ leicht tut, die Hände gut abzuwischen. Ein Nachteil der Papierhandtücher ist aber, dass sie schnell durchfeuchtet sind und ihre mechanische Belastbarkeit dadurch nicht sehr hoch ist.

Auch die Stoffhandtuchrolle ist aus hygienischer Sicht eine gute Sache, sofern sie wirklich hygienisch einwandfrei aufbereitet wird. Ein Nachteil der Stoffhandtuchrolle: Man kann sie nicht so in die Hand nehmen, dass die Mechanik zu hundert Prozent zur Wirkung kommt.

Eher untergeordnet, sozusagen als Spezialanwendung zu sehen, sind Einzel-Stoffhandtücher. Diese findet man manchmal in der gehobenen Hotellerie – kleine Stoffhandtücher zum Herausnehmen, nach dem Trocknen wirft man sie in eine Tonne und sie werden wieder gewaschen. Das ist allerdings mit einem relativ großen Aufwand verbunden – nicht wegen des Waschens, sondern weil man diese kleinen Handtücher dann wieder zusammenlegen muss.

Thema Föhn: Der klassische berührungslos zu aktivierende Handföhn bietet den Vorteil, dass man mit den Händen nichts mehr kontaminiert. Allerdings fehlt hier zur Gänze die Mechanik, ohne die Schmutz an den Händen bleibt. Außerdem – wirklich trocken werden die Hände davon bei den Wenigsten, weil ja kaum jemand so lange die Hände darunterhält. Man geht also mit feuchten Händen raus, und wo es feucht ist, halten sich die Keime gerne auf. Sehr viel effektiver bzw. rascher trocknet der so genannte Jet-Föhn. Nachteil: Es ist kein einziges Gerät am Markt, das nicht auch gleichzeitig ein Aerosol bildet, das sich im Raum verteilt. Und beim Jet-Föhn ist natürlich auch die Mechanik bei der Trocknung eingeschränkt.

SARS-CoV 2: Im WC kein erhöhtes Risiko

In Covid-19-Zeiten fragt sich der eine und andere auch, ob es am WC zusätzliche hygienische Anforderungen gibt. Nun: Bei Covid-19 ist nach derzeitiger Lehrmeinung der Hauptübertragungsweg ein über die Atemwege ausgestoßenes virenhältiges Aerosol. Dieses Aerosol kann zwar theoretisch noch vom Vornutzer im WC stehen bleiben, in der Praxis sind aber heute so gut wie alle WC-Anlagen zwangsbelüftet und mit diesen Lüftungen werden diese Aerosole schnell abgezogen. Es besteht also keine Gefährdung über die Atemwege.

Neben der Übertragung über Aerosole wird auch eine Infektion über Oberflächen genannt. Durch Niesen oder Husten gelangen Viruspartikel auf Oberflächen und werden von Händen, die diese Oberfläche angreifen, aufgenommen und beim nächsten Nasenreiben oder Mundwischen auf Mund- und Nasenschleimhaut übertragen. Gegen diesen Infektionsweg helfen die oben angeführten Hygienemaßnahmen. 

Es sind somit keine zusätzlichen Hygienemaßnahmen erforderlich bzw. besteht kein erhöhtes Risiko durch Übertragung von SARS-CoV 2. 

Richtig Händewaschen

In Zeiten der Covid19-Pandemie wird Händewaschen propagiert. Richtiges Händewaschen besteht aus einem Anfeuchten der Hände mit Wasser, dann ein Aufschäumen mit Seife und intensives Einreiben. Optimalerweise berücksichtigt man dabei auch das 6-stufige „Standard-Einreibeverfahren“, mit dem alle Teile der Hand ausreichend erreicht werden. Nach ca. 30 Sekunden spült man mit Wasser so gründlich ab, dass keine Seifenreste mehr auf der Haut verbleiben. Händewaschen ist zwar wichtig, sollte aber auch nicht übertrieben werden. Zu langes und zu intensives Händewaschen kann zu Hautreizungen führen. Da die Seife in sehr intensiven Kontakt mit den empfindlichen Händen kommt, sollte man sich auch Gedanken über die Qualität der Seife machen.

Dr. Arno Sorger ist Geschäftsführer der W.H.U. GmbH – Laboratorium für Wasseruntersuchungen und Hygiene, Bischofshofen, und DER Hygiene-Experte in Österreich.

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