Die Herausforderung

Oder: Was tun mit den 100.0001?

Christian Wolfsberg

Christian Wolfsberg

Ob es nun richtig war, den Flüchtlingsstrom von 2015 ungehindert kommen zu lassen, ist letztlich egal. 100.000 sind nun einmal da, und es ist in unser aller Interesse, möglichst viele schnellstens zu integrieren. Eine von respACT organisierte Paneldiskussion bei chanchen:reich, Österreichs erster Jobmesse für geflüchtete Menschen, ergab einige Ansatzpunkte sowohl der Probleme als auch der Lösung.

 

Sprache

Ohne Deutschkenntnisse geht gar nichts. Darin waren sich alle Diskutanten einig – Margit Kreuzhuber/WKO, Winfried Göschl/AMS Wien, Johannes Zimmerl/REWE, Gottfried Struckl/Dussmann, Helmut Maukner/Ernst & Young und vermutlich auch die Moderatorin, Ursula Simacek. Das Problem beim Sprachunterricht laut Winfried Göschl vom AMS ist eher ein logistisches: Wie können die verschiedenen Nationalitäten und unterschiedlichen Sprachniveaus auf sinnvolle Gruppen aufgeteilt werden?

Arbeit

„Gesundheit ist die Fähigkeit, lieben und arbeiten zu können“, sagte schon ein gewisser Sigmund Freud. Beide Fähigkeiten sollten wir den Flüchtlingen zu unser aller Nutzen gönnen. Umso mehr, da AMS-Schätzungen zufolge etwa 3/4 der Flüchtlinge junge Männer sind. Von den insgesamt genannten mehr als 100.000 gibt es laut Göschl aktuell etwa 25.000 Asylberechtigte oder subsidiär Schutzberechtigte, die schon arbeiten dürfen. 2/3 davon befinden sich in Wien – Tendenz steigend –, denn alle wollen dort sein, wo ihre jeweilige Community am größten ist. REWE und Dussmann z.B. haben Nachwuchsprobleme vor allem dadurch, dass echte Einheimische in diesen Billiglohnbereichen gar nicht tätig werden wollen. Auch im Westen Österreichs gibt es mehr Angebot als Nachfrage, allerdings sind die besagten geflüchteten jungen Männer für Dienstleistungsjobs generell und im Tourismus im Speziellen nicht geeignet. Aus deren Sozialisation heraus ist Service für Männer sehr schwierig, wie auch die Akzeptanz von Frauen als Führungskraft (z. B. die Wirtin).

Bildung

Der Hilfsarbeiter ist generell eine sterbende Spezies. Auch die vermeintlichen Billiglohnbranchen bestehen nicht mehr aus reinen Hilfsarbeitern. Wir alle wissen, dass Putzen nicht mehr reicht. Neben den Sprachkenntnissen auf Dienstleistungsniveau ist EDV und eine Fachausbildung nötig. Die ursprüngliche Ausbildung von Syrern und Irakern ist laut AMS OK, Afghanen hingegen sind weitestgehend Analphabeten. Das größte Problem ist der Druck am Arbeitsmarkt, die diversen Verdrängungsängste in den untersten Bildungsschichten. Die inländischen Arbeitskräfte weigern sich, manche Tätigkeiten anzunehmen, die Gastarbeitergeneration wird von den besser gebildeten und aktiveren Kräften aus Osteuropa ersetzt, und nun drängen noch mehr ohne nennenswerte Bildung nach.
Laut AMS sind etwa 60 % der Arbeitslosen Menschen mit Migrationshintergrund. Die Gefahr ist, dass diese noch nicht integrierten Gruppen in Kombination mit den bereits vorhandenen sozialen Untersichten, bestehend aus Inländern und den Generationen der ursprünglichen Gastarbeiter, das Fass zum Überlaufen bringen. Nur die finanzielle und gesellschaftliche Investition in Bildung kann dieses Problem lösen. Man muss weder Gutmensch noch Sozialutopist sein, um das zu realisieren. Nur Bildung ist die Antwort auf alle Fragen.

1    Laut Statista sind 2015 und 2016 (bis Februar) kumuliert 99.134 Asylanträge gestellt worden.

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