„Die Einsparung ist enorm“

Eine Master-Thesis könnte großes Interesse für ein neues System in der Krankenhausreinigung wecken.

Text: Hansjörg Preims

Robert Kneißel

Robert Kneißel

Das Krankenanstalten-Gesetz regle in Österreich fast ausschließlich die Vorgehensweisen für die notwendigen Desinfektionstätigkeiten, nicht aber die Reinigung selbst. Für die Krankenhausreinigung gebe es derzeit nur grob definierte Vorgaben und Richtlinien, die meist durch die jeweiligen Hygieneteams in den Krankenhäusern nach den Grundprinzipien der Hygienevorgaben ausgearbeitet würden, beschreibt Robert Kneißel die Situation, die ihn zu seiner Master-Thesis an der Donau-Universität Krems inspiriert hatte: „Ökologische und ökonomische Reinigung im Krankenhaus unter Berücksichtigung der notwendigen Hygieneaspekte.“ Kneißel, bei buls in Brunn/Gebirge für Beratung und Verkauf zuständig, untersuchte in dieser Arbeit, ob eine hygienisch sichere Reinigung in den Patientenzimmern sowie auf den Gängen auch ohne bzw. mit geringem Chemieeinsatz möglich ist, sprich: Trockenreinigung im Patientenzimmer, in den Gängen mit Diamantpad ohne Chemie. Und in entsprechenden Feldtests im Landesklinikum Lilienfeld – von August 2017 bis Ende Februar 2018 – samt Auswertung der Reinigungsergebnisse durch ein akkreditiertes Labor bzw. zusätzlich mit Lumitester konnte die Eignung der neuen Reinigungsmethoden denn auch belegt beziehungsweise die Einhaltung der Hygienevorschriften und eine Keimreduktion samt optischem Reinigungserfolg nachgewiesen werden. Dies würde die neuen Methoden als für Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen tauglich ausweisen, so das Fazit. Oder mit anderen Worten des Autors: „Dies wäre für Betreiber von Gesundheitseinrichtungen sowie für Dienstleister ein sicherer Weg, eine genau definierte Richtlinie für die Reinigung zu erstellen.“

Reinigung aktuell: Herr Kneißel, welcher Grundgedanke inspirierte Sie zu Ihrer Master-Thesis?

Kneißel: In Deutschland wird derzeit eine DIN-Norm für die Krankenhausreinigung erarbeitet, und dadurch kam mir der Gedanke, inspiriert durch die Landeskliniken-Holding Niederösterreich, für die Reinigung zu versuchen festzulegen, ob es hygienisch sicher möglich ist, auch mit weniger Chemieeinsatz zu arbeiten. Wenn man – so wie in Lilienfeld – im Krankenhaus täglich bis zu 300 Mopp verwenden muss, die zum Waschen weg- und wieder hertransportiert werden müssen, dann ist das ein enormer Aufwand und für die Umwelt eine enorme Belastung. 

War es schwierig, die Verantwortlichen im Landesklinikum Lilienfeld von Ihren Feldtests für die neuen Reinigungsmethoden – Trockenreinigung im Patientenzimmer und Diamantpad ohne Chemie in den Gängen – zu überzeugen?

Am Anfang war es schwierig, die Feldtests genehmigt zu bekommen, weil natürlich das Hygieneteam zustimmen musste. Die Reinigungsleitung hatte ich schon überzeugt, aber die Hygienefachkraft war am Anfang eben skeptisch, denn sie muss natürlich auch die Haftung übernehmen, wenn etwas schief geht. Es gab aber schon eine Bachelor-Arbeit in Deutschland über Reinigung nur mit Wasser und Diamantpad, wo man bei der Verkehrsflächenreinigung pro Tag 20 bis 25 Abklatsche genommen hat, und das konnten wir, eben auf die Ergebnisse in Deutschland aufbauend, deutlich reduzieren. Wobei mein Argument auch war, dass die Verkehrsflächen und auch der Boden in den Patientenzimmern nicht unbedingt eine Gefährdung darstellen, auch wenn nicht sämtliche Bakterien abgetötet worden sind. Und auch Frau Prof. Miranda Suchomel von der MedUni Wien hat im Experten-Interview für meine Arbeit gesagt, dass diese Flächen eigentlich nicht keimfrei sein müssen und auch nie komplett keimfrei sein können, selbst wenn man10 mal hintereinander reinigen würde. Ja selbst mit der Desinfektion werden solche Flächen nie 100 Prozent keimfrei. Diese Argumente wurden dann doch so akzeptiert, und man war bereit, mein System auszutesten: in den Patientenzimmern an 6 Tagen Trockenreinigung und an einem Tag noch Nassreinigung sowie beim Reinigungsautomaten Diamantpads mit reinem Wasser anstatt Chemie.

Gab es auch bei der Durchführung der Tests die eine oder andere unerwartete Schwierigkeit?

Wir hatten Probleme mit der Reinigungsmaschine beziehungsweise mit deren Reinigung und Desinfektion. Der Frischwassertank der Maschine war so stark mit einem Biofilm verkeimt, dass wir sie nur mit einer starken Desinfektionslösung bei einer Einwirkzeit von einer halben Stunde so weit hingebracht haben, dass sie die Möglichkeit bietet, eine saubere Reinigung durchzuführen. Mit dieser Maschine hatten vorher Reinigungskräfte gearbeitet, die teilweise wohl nicht richtig eingeschult gewesen waren. 

Was bedeutete für die Reinigungskräfte die Umstellung auf Ihr System?

Ich habe die Reinigungskräfte entsprechend eingeschult und vorbereitet, und ich war dann auch im Durchschnitt alle 10 Tage vor Ort, um zu kontrollieren, wie gearbeitet wurde, bei Bedarf habe ich auch nachgeschult. Die größte Umstellung für das Reinigungspersonal, aber auch für das andere Krankenhauspersonal wie Ärzte und Pfleger war die Trockenreinigung in den Patientenzimmern. Da war man sehr skeptisch. Aber es hat sich herausgestellt, dass das wirklich gut funktioniert. Wir haben hier im Endeffekt nicht mehr oder weniger Keimbelastung als bei der Nassreinigung. 

Wie hoch beziffern Sie den ökonomischen Vorteil durch die zwei neuen Reinigungsmethoden?

Die Einsparung ist natürlich enorm, denn die Mopp, die täglich verwendet werden, sind das Kostenaufwändigste. Hier hat man fast 70.000 Euro Einsparungspotenzial pro Jahr durch die zwei neuen Reinigungsmethoden. Und das, obwohl das Landesklinikum Lilienfeld mit 150 Betten eines der kleineren in Niederösterreich ist. 

Wie haben Sie konkret nachgewiesen, dass es funktioniert?

Wir haben Abklatsche genommen,  jeweils vor und nach der Reinigung, und wir haben mit einem so genannten Lumitester, einem Bakterien-Schnelltestgerät, auch immer wieder vor und nach der Reinigung einen Abstrich gemacht. Wir hatten durch die zwei neuen Methoden auch keine nachteilige Beeinflussung im optischen Reinigungserfolg. Das war auch ganz wichtig, zumal für die Reinigungsleitung, denn anfangs gab es die Befürchtung, der Schmutz könnte nur verschmiert werden. Wir haben mit mehreren Befragungen von Patienten und auch Mitarbeitern des Krankenhauses sichergestellt, dass es auch optisch für das Personal und für die Patienten ein Reinigungserfolg ist.

Was machen Sie jetzt mit dem Ergebnis, dass das System, das Sie ausgetestet haben, funktioniert?

Ich werde das auch noch mit FIGR Deutschland bzw. mit Herrn Martin Lutz besprechen, der auch beim Experten-Interview in meiner Arbeit vorkommt. Und die NÖ Landeskliniken-Holding hat zum Teil schon ihren Häusern empfohlen, dieses System anzuwenden – Diamantpads sowieso, und die Trockenreinigung wird mittlerweile auch schon in zwei Krankenhäusern in Niederösterreich geprobt. Und sie können auch die Richtlinien intern jetzt besser aufstellen, sie können genau vorgeben, „6 Mal die Woche Trockenreinigung, einmal Nassreinigung“, weil sie die Sicherheit haben, dass es funktioniert.Die wichtigste Voraussetzung ist, wie ich in meiner Arbeit abschließend auch geschrieben habe, dass das Personal gut geschult und auch motiviert ist, denn sonst wird es nicht funktionieren.

Punktuell bzw. bei bestimmten Verschmutzungen, wo die Trockenreinigung überfordert wäre, muss man natürlich noch Mopp verwenden. Aber der Unterschied ist enorm: Allein in der Station, wo wir getestet haben, hatte man an die 35 Mopp täglich verwendet, und dann nur noch maximal 5 pro Tag. Das bedeutet, wie schon gesagt, eine enorme Einsparung bei den Wasch- und Transportkosten und natürlich beim Chemieverbrauch für die Mopp. Aber auch von der Arbeitszeit her, denn denn die Trockenreinigungstücher haben eine Arbeitsbreite von 63 und die Wischmopp 40 cm. Das heißt, man schafft 15 bis 20 Prozent mehr Fläche in der gleichen Zeit, und man kann auch zügiger fahren damit. In Lilienfeld war es ja nicht das Ziel, Personal abbauen zu können, sondern wichtig war, Zeit einzusparen, die woanders verwendet werden kann – für Grundreinigung, Fensterreinigung etc. So haben sie dort denn auch das tägliche Dienstmodell so umgestellt, dass sie weniger Stunden pro Tag für die normalen Unterhaltsreinigungen brauchen, dafür mehr Sonderreinigungsarbeiten machen können bzw. dafür nicht zusätzliches Personal brauchen. 

Sie sagten anfangs, in Deutschland werde derzeit eine DIN-Norm für die Krankenhausreinigung erarbeitet. Denken Sie an ein Einarbeiten Ihrer Master-Thesis-Ergebnisse in diese DIN-Norm?

Es wäre natürlich interessant, wenn es in die DIN-Norm, die in Deutschland gerade erstellt wird, eingearbeitet werden könnte. Denn vor meiner Arbeit hielten es selbst Experten wie Frau Prof. Suchomel für nicht möglich, dass Trockenreinigung in den Patientenzimmern im Krankenhaus funktioniert. Aber ich habe bewiesen, dass es funktioniert. Natürlich braucht man punktuell Nassreinigung dazu, aber der Grundbereich funktioniert. Und die Tücher haben wirklich eine so gute Haftung, dass sie mit dem Schmutz auch die Bakterien mit wegtransportieren. Das ist das Entscheidende.

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