Den One-Stop-Shop gibt es nicht

Anselm Bothe, Finanzchef der Eurest Österreich, im Gespräch zum Thema Multidienstleistung.

Text: Christian Wolfsberg

Eurest Österreich ist seit 1995 Tochter der Compass Group PLC, einer Britischen Catering und Services Gruppe mit einem weltweiten Jahresumsatz (2014) von etwa 23,3 Milliarden € und mehr als 500.000 Mitarbeitern in über 50 Ländern.

ReinigungAktuell: Was ist die Multidienstleistung und bei welchen Dienstleistungen beginnt sie?

Anselm Bothe: Wir unterscheiden zwischen einer Dienstleistung an einem Menschen und der Dienstleistung an einem Gebäude. Innerhalb der Dienstleistung an einem Gebäude kann dann noch zwischen Hochtechnologie und Personalintensivem unterschieden werden – dem technisches FM und der Reinigung etwa. Es gab einmal den Trend, die Services am Menschen auch dem Facility Manager zu übergeben. Unserer Meinung nach ist das aber längst wieder vorbei, denn es gibt einen enormen Wettbewerb um die besten und qualifiziertesten Mitarbeiter, und das ist nun einmal die zentrale Aufgabe der Personalabteilung (HR) und nicht des FM. Daher sorgt sich auch die Personalabteilung um die „fringe benefits“ (die freiwilligen betrieblichen Sachleistungen) wie etwa Dienstwagen, Catering, Betriebskindergärten, Einkaufsmöglichkeiten, Wäscheservice etc. Es sind also die Leute von HR, die sich um die Qualität des Restaurants und der Öffnungszeiten etc. kümmern, denn das trägt zum Bleiben der Mitarbeiter enorm stark bei. Die Reinigung, das technische FM usw. bleibt in der Verantwortung des Facility Managements. Diesen Trend haben nicht wir von Eurest erschaffen, sonder wir folgen lediglich unseren Kunden. Und unserer Meinung nach findet dieser Trend nicht nur im Sillicon Valley, sondern auch in Simmering statt; alle großen Unternehmen sind bestrebt, die besten und qualifiziertesten Mitarbeiter anzuwerben und zu halten. Daher kommt das.

Ist Eurest ein Multidienstleister? 

Bothe: Weltweit ja. Dort, wo es zugleich Bedarf an einer Dienstleistung an einem Menschen und einem Gebäude gibt. Ich finde aber die Definition ist zu alt. Nur weil Security ein bisschen anders ist als die Reinigung, ist das noch nicht gleich ein anderer Leistungsbereich. Ich sehe das so: Es gibt den Autohersteller und es gibt Unternehmen, die sich mit dem ganzen Transportwesen beschäftigen. Ich glaube, jene, die sich heute als Multidienstleister sehen, wird es morgen nicht mehr geben – die Single Dienstleister schon gar nicht. Morgen werden es die JLL (Jones Lang LaSalle), CBRE und 4 weitere große weltweit tätige Immobiliengesellschaften sein, die den Markt definieren. Diese Immobiliendeveloper finanzieren und errichten die Gebäude, bauen die Fabriken und verwalten sie. Ähnlich wie beim Operating Leasing oder dem Fuhrparkmanagement: Es wird das ganze Dienstleistungspackage Transport bezogen … Auto, Reparatur, Versicherung … alles ist inkludiert. Das werden die Auftraggeber der Zukunft – auch für uns – sein.

Wie groß ist dieses „CBRE“ Segment?

Bothe: In Österreich wahrscheinlich noch recht klein. Ich denke aber, alle die den CBRE’s zuarbeiten, bekommen es auf Dauer mit höchstprofessionellen Einkäufern zu tun. Dort in Zukunft noch gutes Geld zu verdienen, wird verdammt schwierig, denn die haben bereits ihre weltweiten Partner oder Rahmenverträge und/oder kennen sich extrem gut aus. Derzeit ist Österreich aber noch zu klein, um im Fokus zu sein. Wenn Österreich das 50 größte Land eines Konzern ist, dann kümmert sich der internationale Facility Manager derzeit wahrscheinlich nur um die 30 größten, und Österreich darf noch selbst entscheiden – oder es gibt den internationalen Partner hier gar nicht oder noch nicht. Die Insel gibt es also – noch.

Fällt der öffentliche Einkauf in diese Analyse?

Bothe: Nein, in der Regel bleibt der öffentliche Einkauf eine lokale, regionale oder nationale Nummer. Ob dieser Markt aber viel Spaß macht …?

Auf Österreich bezogen, wohin geht der Trend? Soll ein österreichischer Gebäudereiniger schauen, wo er einen Catering-Partner findet, oder soll er weitermachen wie bisher?

Bothe: Unbedingt bei dem bleiben, was er jetzt macht! Nur eben mit weniger Menschen und viel mehr Technologie. Denn dieser Trend wird bestimmt kommen. Für einfache Arbeiten wird man zukünftig sicher viel mehr Technologie – bis hin zu einfachen Robotern – verwenden.  Das wird aber nie die Menschen ganz ersetzen, die die Dienstleistung ausmachen. Also, der Trend wird sein: hochtechnisiert und -spezialisiert, entweder als Einzeldienstleister oder als Subdienstleister für große Internationale Reinigungsfirmen oder eben die erwähnten Immobilienkonzerne.

Den One-Stop-Shop gibt es also nicht?

Bothe: Noch einmal: ich glaube nicht an den One-Stop-Shop, sondern an die Unterteilung Dienste am Menschen, Dienste am Gebäude. Es ist einfach ein Unterschied, ob ich für Mitarbeiter koche und sie anlächle oder ob ich zwischen 4 und 6 Uhr hocheffizient ein Gebäude reinige. Es gibt auch den einzigen Einkäufer dafür nicht. Und ein zweiter Grund: Viele wollen den Wettbewerb im eignen Haus, vielleicht wollen sie auch eine Art Back-up. Andere wiederum vertreten die Philosophie einer Partnerschaft basierend auf Vertrauen und der besten Dienstleistung. Beide Ansätze sprechen gegen den One-Stop-Shop. Es dreht sich eben alles um die Segmentierung in Richtung Superprofis!

Spezialisierung ist also die Antwort?

Bothe: Schon das Catering ist nicht gleich Catering. Wir unterscheiden die einzelnen Segmente: Business und Industrie, Health Care Catering, Education, Elderly People … das sind alles sehr verschiedene Services. Entweder man hat die Größe für alle Bereiche oder man konzentriert sich. Es gilt, die spezifischen Bedürfnisse des jeweiligen Sektors zu verstehen. Spezialisierung ist also nur eine Antwort.

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