Day Time Cleaning – auch eine Frage der Unternehmenskultur

Johannes Bungart

Johannes Bungart

Vor Jahrzehnten war es eine Selbstverständlichkeit, dass Reinigungskräfte als Teil der Gesamtbelegschaft auch während der Kernarbeitszeiten ihren Teil zum Erfolg des Unternehmens beigetragen haben. Einträchtig mit den Angestellten aus dem Bereich der Verwaltung und der Produktion wurde Hand in Hand gearbeitet.
Kostendruck und die Entwicklung neuer, modernerer Arbeitszeitmodelle, die häufig auch eine Erleichterung im Bereich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf gebracht haben, haben diese traditionelle gemeinschaftliche Wertschöpfung an den Rand gedrängt. Geringfügige Beschäftigungsverhältnisse, mit maximal zwei Stunden täglich, um Kundenwünsche „ungestört“ abarbeiten zu können, haben dazu geführt, dass Day Time Cleaning – Reinigung im laufenden Geschäftsbetrieb in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen ist.

Die Debatte, ob diese Entwicklungen richtig oder falsch sind, ist jetzt wieder aktuell und vielleicht auch wieder zeitgemäß. Reinigung ist eben keine Störung des Betriebsablaufes, sondern notwendige Voraussetzung für einen geordneten Betriebsablauf. Ich erlaube mir, mich kurz auf ein Erlebnis von John F. Kennedy zu beziehen, der, als er 1962 das NASA Space Center besuchte, auf einen Hausmeister mit einem Besen in der Hand traf. Er fragte ihn, was er hier tue. Der Mann antwortete: „Well, Mr. President. I’m helping to put a man on the moon.“ In diesem Sinne sollten auch wir und unsere Kunden unsere Arbeit verstehen.

Das setzt voraus, dass die Arbeit auch sichtbar ist, und hierbei ist Day Time Cleaning sicher äußerst hilfreich. Der Wert der Reinigung wird durch die Abschaffung der „Unsichtbarkeit“ der Reinigungskräfte erhöht, er führt zu mehr Respekt und Wertschätzung unserer Dienstleistung und insbesondere unserer Reinigungskräfte.
Tagesreinigung kann auch zu einer Optimierung des Reinigungsergebnisses führen, sie erleichtert Erfolgskontrollen und ermöglicht die unverzügliche Behebung von kleinen Beanstandungen, was automatisch zu einer höheren Kundenzufriedenheit und -bindung führt. Zusatzaufgaben, Reinigung on demand können leichter durchgeführt bzw. generiert werden, was auch betriebswirtschaftlich interessant sein kann.
Für den Kunden gibt es Kosteneinsparungen im Bereich der zusätzlichen Sicherheit und Energie, da die Arbeiten parallel zum laufenden Betrieb stattfinden.
Problematischer sind Krankheitsvertretungen, Urlaubsvertretungen und einige unvorhersehbare Personalengpässe, die bei Vollzeitbeschäftigten bzw. bei größeren Reinigungseinheiten schwerwiegender ausfallen.
Klar ist auch, dass leichte „Betriebsstörungen“ durch Staubsaugergeräusche oder unerwartetes Auftreten in Büroräumen von einigen Kundenmitarbeitern eher nicht gewünscht sind. Erstaunlich ist, dass gerade bei leitenden Führungskräften dieser Vorbehalt eher gering ist. Zumal nicht zu erwarten ist, dass eine Reinigungskraft während eines größeren Meetings die dezente Gesprächskulisse mit einem Staubsauger „aufwirbelt“. Das täte manchem Meeting vielleicht gut…
Day Time Cleaning ist auch eine Frage der Unternehmenskultur, sowohl auf Reinigungs- als auch auf Auftragsgeberseite. Echte belastbare betriebswirtschaftliche Vorteile liegen auf beiden Seiten und sind auftragsabhängig.
Lassen Sie uns mit Kunden sprechen, sie sind letztendlich der Boss in unseren Unternehmen.

 

Johannes Bungart ist Geschäftsführer des
Bundes­innungsverband des Gebäudereiniger-Handwerk
Deutschland

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