„Das Wichtigste ist der Schutz unserer Bewohner“

Reinigung und Hygiene im adcura Seniorenwohnhaus „Stadtresidenz Graz“. Dazu im Interview: Gerlinde Sollhart, Geschäftsführerin, und Errol Reichel, adcura Beteiligungsverwaltung GmbH.

Text: Hansjörg Preims

Welche Dienstleistungen er­bringt das Rein­i­gungs­­team im adcura-Haus „Stadtresidenz Graz“? 

Gerlinde Sollhart: Das Team ist für sämtliche Reinigungsleistungen verantwortlich, das inkludiert Unterhalts-/Grund- und Sonderreinigung sowie die Abwicklung der Wäscheversorgung – das schließt die Einholung der Schmutzwäsche, die Verteilung der Flachwäsche, die Dienstkleidung und Bewohnerwäsche, das Waschen der Decken/Poster/Vorhänge, die Aufbereitung der Mikrofasertücher und Mopp-Bezüge ein.

Unterscheidet sich die Reinigung von Pflegeheimen von der Unterhaltsreinigung bzw. von der Reinigung von Bleibezimmern in Hotels? Wenn ja, in welchen Bereichen? (Bewohnerzimmer, Sanitärräume, Gemeinschaftsräume, Speisezimmer, Küche)

Errol Reichel: In unseren adcura Häusern kommt bei den Bewohnerzimmern die Vollreinigung zur Anwendung, bei Bleiberzimmern in der Hotellerie nur die Sichtreinigung oder die Teilreinigung. Aufgrund des hohen Altersdurchschnitts und der damit einhergehenden schwächeren Immunsystemene unserer Bewohner besteht im gesamten Pflegeheim ein höherer Hygienestandard als in einem Hotel. Unsere wichtigste Mission ist der Schutz unserer Bewohner. Deshalb werden alle bewohnernahen Bereiche von Montag bis Freitag einer Vollreinigung unterzogen. An den Wochenenden findet eine Teilreinigung statt. Küche, Sanitärräume und Speisezimmer werden natürlich 7 Tage die Woche vollgereinigt. Wobei die Küche in der Verantwortung unseres Küchenbetreibers, der Firma „Gaumenglück“, liegt.

Nachdem wir 2012 die damaligen „Humanitas“ Pflegeheime übernommen und in adcura umbenannt hatten, haben wir nach und nach alle Unternehmensbereiche durchleuchtet und hinterfragt. Gleich zu Beginn haben wir die Gebäudehygiene unter die Lupe genommen. Der damalige vorherrschende Qualitätsstandard war in allen Häusern zufriedenstellend. Nachdem Blitz Blank dann aber die Reinigungsabläufe in den einzelnen Häusern genau analysiert hatte, ist es uns gelungen, die Reinigungsqualität noch weiter zu steigern und gleichzeitig die Kosten leicht zu senken.

Und worin liegen neben der höheren Reinigungsdauer und -frequenz die Unterschiede bezüglich Produkte, Reinigungstechnik und Ausbildung des Reinigungspersonals?

Errol Reichel: Die Reinigungstechnik unterscheidet sich im Wesentlichen vor allem darin, dass auch schon vor Corona mehr desinfiziert wurde, als es in Hotels üblich war. Die Schulung der Mitarbeiter ist komplexer und auch genauer dokumentiert. Die Reinigungsqualität in einem Pflegeheim kann schnell einmal über Leben und Tod entscheiden. Weshalb das Qualitätsmanagement und die Dokumentation der Reinigungsleistung nicht nur für den Schutz der Bewohner, sondern auch aufgrund der rechtlichen Relevanz enorm wichtig ist.

Was sind die größten Herausforderungen für die Reinigung in Alten- und Pflegeheimen im Allgemeinen und in der adcura Stadtresidenz Graz im Besonderen?

Gerlinde Sollhart: Alle MitarbeiterInnen sind mit den erhöhten Hygieneanforderungen vertraut und erfüllen diese einschließlich Empathie und Einfühlungsvermögen gegenüber den BewohnerInnen, da die Zimmer höchstpersönlicher Raum unserer BewohnerInnen sind. Die adcura Stadtresidenz Graz verfügt in einem eigenen Stockwerk über einen Demenzbereich, in dem aufgrund des Krankheitsbildes besondere Anforderungen an die Reinigung in puncto Sauberkeit und Hygiene gestellt werden.

Gereinigt wird vermutlich nach einem vorgegebenen Reinigungs- und Hygieneplan. Erstellt diesen Plan ein adcura-Hygieneteam? Wenn ja, wie spielt sich die Zusammenarbeit Hygieneteam – Reinigungsteam ab?

Gerlinde Sollhart: Die Reinigungs- und Desinfektionspläne werden durch die Führungskräfte und das Hygiene­team mittels Beiziehung einer Hygienefachkraft (nach §70 GuKG) erstellt. Diese Pläne werden jährlich evaluiert und bei Korrektheit durch die Hygiene­fachkraft freigegeben. Das Hygieneteam setzt sich aus allen Berufsgruppen zusammen. Die Reinigung wird durch die Heimleitung und eine Reinigungskraft vertreten, hierzu finden monatliche Sitzungen statt.

Wie viele Reinigungskräfte sind in der adcura Stadtresidenz Graz tätig und wie ist die Reinigungsarbeit eingeteilt?

Gerlinde Sollhart: Unser Team besteht aus 10 Reinigungskräften. Die Tätigkeiten werden nach Stockwerken und Besonderheiten wie Intervallreinigung & Desinfektion, Sonderreinigung, Wäscheverteilung aufgeteilt. Die reguläre Abdeckung findet täglich von 06.00 – 18.30 Uhr in gestaffelten Diensten statt.

Haben sich die Anforderungen an Reinigung und Hygiene und der Ablauf der Reinigung in diesem Haus seit Corona verändert (abgesehen vom Tragen von Mund- und Nasenschutz)? Wenn ja, inwiefern?

Gerlinde Sollhart: Für die Dauer der verschärften Maßnahmen wurden Dienstblöcke geschaffen, in denen die Reinigungskräfte zu je 3 Tagen Dienst im gleichen Bereich eingeteilt wurden und in immer gleichen Teams zum Einsatz gekommen sind. Somit konnte eine weitgehende Ausfallsicherheit und Kontaktminimierung erzielt werden. Zu den regulären Reinigungs- & Desinfektionstätigkeiten wurden weitere Verstärkungen eingeführt, beispielsweise die Erhöhung der Desinfektionsintervalle und der Desinfektionsmittelkonzentration sowie besondere Maßnahmen und Arbeitsanweisungen in bewohnernahen Bereichen bzw. in den Isolationszimmern. Alle Reinigungskräfte inklusive aller unserer Mitarbeiter im Haus wurden durch die Hygienefachkraft und den Produktausstatter speziell geschult und unterwiesen.

Welche allfälligen Veränderungen könnte Covid-19 für die Reinigung in Pflegeeinrichtungen bewirken?

Errol Reichel: Solange es keinen Impfstoff und keine wirklich zufriedenstellenden Medikamente gibt, ist allerhöchste Vorsicht geboten. Somit sind professionell organisierte Reinigung, deren Überwachung und die Dokumentation zur Zeit wichtiger denn je. Nur so ist ein sicherer Pflegebetrieb möglich. Und somit hoffen wir, dass das Ansehen der gesamten Reinigungsbranche weiter steigt und die Wichtigkeit von Hygienedienstleistungen von immer mehr Menschen wahrgenommen und anerkannt wird.

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