Das richtige Outfit finden

Die Produzenten der Schutzkleidung strengen sich mächtig an, um ihren Kunden nicht nur das am besten schützende, sondern auch das am besten passende Outfit für den Arbeitsplatz anzubieten.

Text Erika Hofbauer

Ditha Götzl-Guthrie,  Prokuristin Ötscher

Ditha Götzl-Guthrie,
Prokuristin Ötscher

Beim Berufskleidungshersteller Ötscher wird aktuell an neuen Multi-Norm-Stoffen gearbeitet, wie Prokuristin Ditha Götzl-Guthrie erzählt: „Wir haben vor kurzem unsere neue Schnittschutzlinie ,strongoflex_ultra‘ auf den Markt gebracht. Die Hose erfüllt bei geringem Gewicht sogar die Schnittschutzklasse 2 der EN 381-5.“ Das absolut Neue an diesem Modell sei jedoch, dass an besonders strapazierten Stellen abriebfestes Material durch eine innovative Sonderbeschichtung habe verbessert werden können. „Die neuen TENCEL™ Produkte – aus dem Rohstoff Holz gewonnen – sind nicht nur in der Faserherstellung umweltfreundlich, sondern erzeugen beim Tragen ein angenehmes, geradezu beruhigend kühles Gefühl auf der Haut“, so Götzl-Guthrie. Die Unisex Servicehose „performance” sei ein echter Allrounder: „Die Hose mit Dehnbund ist in allen Serviceberufen ein guter Gefährte – ob für das Küchenpersonal oder für den Busfahrer. Für die Küche wird eine dazu passende Kochjacke mit Belüftung durch Netzstoff im Rückenbereich sowie Ösen im Achselbereich angeboten.“
Götzl-Guthrie ortet generell einen Trend zu Individualisierung: „Seit 2003 liefern wir die original lizenzierte Mazda-Corporatewear in siebzehn Länder. Seit 1999 wird die Original-VW-Werkstättenkleidung für den internationalen Markt produziert. In Japan werden unter dem Qualitätsmanagementsystem von Ötscher eigens an den Markt angepasste Produkte produziert, um so die Marke VW noch intensiver im japanischen Markt zu verankern.“ Corporate Fashion strahle Professionalität aus, stärke das Team und könne – wenn gut umgesetzt – zusätzlich eine fantastische Werbung für jedes Unternehmen sein.

Stuntmen-tauglich

Beim deutschen Hersteller Engelbert Strauss bemerkt man ebenfalls die gestiegenen Anforderungen an die Arbeitskleidung. Zu den beliebtesten Produkten für Mitarbeiter der Instandhaltung, Reinigung, Catering oder Security zählen etwa Jacken und Hosen der „e.s. workwear“-Kollektionen mit unterschiedlichen Schutz- sowie Komforteigenschaften. Neu im Programm ist die so genannte Black Label-Kollektion „Stunt’n’Media“, die mit der Stuntmen´s Association in Los Angeles entwickelt wurde: „Flammhemmende Jacken und Hosen, die durch neueste Technologie dennoch elastisch und bequem zu tragen sind – diese Kollektion ist echte textile Ingenieurskunst“, freut sich Engelbert-Strauss-Geschäftsführer Henning Strauss. Die flammhemmende Regenjacke sei die ideale Schutzkleidung gegen Hitze und Flammen, gegen Gefahren eines elektrischen Lichtbogen, gegen flüssige Chemikalien und Regen sowie auch geeignet für Schweiß-Arbeiten, so Strauss. Die innovative Laminattechnologie GORE® PYRAD® verbinde den Schutz vor Verbrennung durch Hitze- oder Flammeneinwirkungen mit den Vorteilen von GORE-TEX® Regenschutzkleidung: „Bei Kontakt mit Flammen wird eine selbstverlöschende Barriere gebildet, und diese schützt den Träger.“ Neu im Programm von Engelbert-Strauss sind Berufs- und Sicherheitsschuhe mit Vibram®-Sohle, die über einen extremen Grip vor allem auf glatten, nassen und rutschigen Böden verfügen.

Straßentauglichkeit

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Günther Reindl, Geschäftsführer Reindl

Der ebenfalls österreichische Spezialist für Arbeitsschutzkleidung, die Reindl GmbH, setzt bei der Produktion seiner Bekleidung auf bis zu 9 verschiedene Schutzkleidungs-Normen. Geprüft werden Stoffe sowie die fertige Kleidung für Anforderungen z. B. bei jeder Witterung, beim Schweißen oder im Straßenverkehr, heißt es. Der Trend zur Straßentauglichkeit der Arbeitskleidung nehme auf alle Fälle zu: Die Kombination aus reflektierenden Streifen und fluoreszierenden Materialien, die der Norm EN ISO 20471 entsprechen, erfreue sich bei den Kunden, die im Straßenverkehr arbeiten, großer Beliebtheit. Auch gehe der Trend eindeutig in Richtung Design. Die Mitarbeiter sollen als Aushängeschild einer Firma nicht nur gut geschützt sein, sondern auch gut aussehen.
Petra Gerl, für Berufskleidung zuständige Marketingmanagerin bei CWS-boco Österreich, differenziert die Kleidungsbedürfnisse ihrer Klientel: „In der Facility Branche tragen Mitarbeiter wie Hausmeister oder Betriebstechniker gerne eine klassische Arbeiterkleidung, bestehend aus Bund- oder Latzhose und Arbeitsjacke. Wir haben hierfür eine eigene Kollektion, boco Compact Line, entwickelt.“ Der Name weise schon darauf hin, dass diese Kollektion genau das biete, was für eine zeitgemäße Arbeitsbekleidung wesentlich sei: „Der Stoff besteht aus einem robusten Mix aus Baumwolle und Polyester, und dank der hohen Luftdurchlässigkeit und optimaler Feuchtigkeitsverdunstung sorgt das Gewebe zudem für einen sehr angenehmen Tragekomfort.“

Petra Gerl

Petra Gerl,
Marketingmanagerin CWS-boco Österreich

Modisches und zugleich praktisches Design spielten auch im Bereich Catering und Gemeinschaftsverpflegung eine besonders wichtige Rolle, weiß Gerl: „Farben werden gerne auf den Unternehmensauftritt abgestimmt, Unternehmenslogo und Mitarbeiternamen werden sehr häufig auf der Arbeitskleidung angebracht, um so Gästen eine gewisse Nähe zu vermitteln. Ob Chinohosen, Kochhosen, Schürzen, Polohemden, Blusen und Hemden, Kochmützen oder Kochjacken – der Trend geht zu mehr Farbe und einem individuellen Look.“ Aktuell seien insbesondere Blusen und Hemden mit Vichykaros sehr angesagt, diese seien vielseitig einsetzbar und wirkten elegant und leger zugleich. Ein einheitliches Auftreten wirke auch im Bereich Gebäude-reinigung überzeugend und professionell: „Hier punkten Stoffhosen, T-Shirts, Polohemden und Kasacks, da sie praktisch, angenehm zu tragen und einfach in der Handhabung sind“, erläutert die CWS boco-Arbeitskleidungs-Expertin. Seit einigen Jahren ortet sie ebenfalls einen Trend zur „Casualisierung“, das heißt: Berufsbekleidung müsse so gut aussehen und leger sein wie Freizeitkleidung, sie müsse gleichzeitig zweckmäßig und robust sein, „daher spielen hoher Tragekomfort und hochwertige Materialien eine immer entscheidendere Rolle.“

Schutzfunktion

Befinden sich die Hersteller von Schutzkleidung auf dem richtigen Weg (ihrer Kunden)? Rainer Barath, Technischer Direktor beim Schädlingsbekämpfer Anticimex, benötigt jedenfalls unterschiedlichste Ausrüstungen: „Einerseits schützt sich der Techniker z.B. vor mikrobakteriellen Gefahren, andererseits muss sich ein Betrieb vor Kontamination durch den Schädlingsbekämpfer selbst schützen, z.B. mit Hygienebekleidung in Lebensmittelproduktionen.“ Beim Arbeiten mit gefährlichen Stoffen und Giften stehe der Eigenschutz mit Schutzanzügen, Staubmasken, Schutzbrillen – im Vordergrund. Dazu kämen manchmal auch vielfache Anforderungen vor Ort dazu: „Wird z.B. eine Sprühbehandlung in einer bestimmten Lagerhalle durchgeführt, sind Sicherheitsschuhe gefordert. Führt er dieselbe Behandlung am Betriebsgelände einer Raffinerie durch, sind brandsichere Schutzanzüge zusätzlich notwendig.“ Schutzbekleidung fange aber nicht erst bei der Ausführung der Tätigkeiten beim Kunden an. Gerade für das Abmischen von Gefahrenstoffen benötige der Techniker immer die geeignete Schutzausrüstung, z.B. säurebeständige Handschuhe bei Flüssigkeiten und Staubschutzmasken bei Stäubemitteln, so Barath.
Beim Hausbetreuer und Gebäudereiniger Attensam gelten ebensolche Anforderungen. Geschäftsführer Peter Schrattenholzer: „Wir achten bei der Auswahl der Arbeitskleidung besonders darauf, dass diese robust, qualitativ hochwertig, bequem zu tragen und leicht zu reinigen ist. Das alles natürlich am besten zu einem vernünftigen Preis, was die Suche manchmal erschwert.“ Wichtig sei natürlich auch, dass die Bekleidung mit dem Firmenlogo veredelt versehen werden könne und farblich zum Unternehmen passe. „So weit wie möglich sollte sie auch chic sein. Unsere bevorzugten Farben sind rot, weiß und grau und schwarz.“

Funktionalität

Michael Lederer, Geschäftsführer der LDS Lederer Gebäudereinigungs GmbH, trifft die Wahl der Arbeitskleidung nach einem Funktional-, einem Wohlfühl- und einem Werbeaspekt: „Funktionell ist uns wichtig, unseren Reinigungsmitarbeitern für jede Jahreszeit die passende Arbeitskleidung zur Verfügung zu stellen. Es gibt vom Hochsommer-Outfit bis zum Winter-Outfit eine breite Palette. Da unsere Mitarbeiter täglich schwere körperliche Arbeit leisten, achten wir bei der Wahl der Arbeitskleidung auch besonders darauf, dass sie in ihrer Bewegungsfreiheit nicht eingeschränkt werden und die Kleidung einen höchstmöglichen Komfort bietet. Stellen Sie sich vor, Sie müssten 5 Tage die Woche Kleidung tragen, die sie nicht mögen!“ Der sogenannte Wohlfühlaspekt sei äußerst wichtig, betont Lederer: „Daher bieten wir verschiedene Schnitte und Modelle, die sich der Mitarbeiter selbst zusammenstellen kann.“ Ebenso sei es eine unangenehme Vorstellung, den ganzen Tag mit schmutzigem Gewand arbeiten zu müssen, daher habe jeder Mitarbeiter mehrere Garnituren, wobei  immer ein zweites Set an Arbeitskleidung im Fahrzeug bereit liege. „Bei Verunreinigungen oder nach schwerer Arbeit und verschwitzter Kleidung kann der Mitarbeiter schnell wieder in frische Kleidung hüpfen. Das freut nicht nur den Mitarbeiter, sondern auch den Kunden“, sagt Lederer und ergänzt: „Der Werbeaspekt darf natürlich ebenfalls nicht unterschätzt werden. Wir wissen, wie wichtig der erste Eindruck ist. Wenn die Kleidung sitzt, gut gebügelt, sauber und das Firmenlogo sichtbar ist sowie alle Teile auf die Firmenfarben abgestimmt sind, dann haben wir bereits einen ersten Eindruck hinterlassen – noch bevor wir den Kunden am Gang begrüßen können.“

Passendes Outfit

Zum Thema „passendes Outfit“ gehe es der Branche der Schädlingsbekämpfer
sicher nicht anders als anderen Branchen, in denen Arbeitssicherheit eine große Rolle spiele, glaubt Anticimex-Direktor Barath: „Irgendwo muss die Mitte gefunden werden zwischen der Erfüllung der gesetzlichen Vorschriften zum Thema Arbeitsschutz und persönlichem Wohlbefinden des Mitarbeiters. Grundsätzlich steht aber die Sicherheit an oberster Stelle.“ Eine Atemschutzmaske bei Heißnebel-aktionen sei „nun mal keine Gaudimaske vom Karneval“. Hier gehe Gesundheit eindeutig vor. „Wichtig ist uns dabei aber immer, dass die Schutzbekleidung zusätzlich zum Schutzfaktor gut sitzt und die Ausführung der Arbeiten ermöglicht.“ Ein Säureschutzanzug solle keinesfalls die Bewegungsfreiheit eines Astronauten bieten, sprich: „Wenn ich mehr Gefahrenstoffe verschütte als ans Ziel bringe, weil ich mich einfach nicht mehr bücken kann, dann rennt etwas falsch.“ Die Suche nach dem passenden Outfit, das den Faktoren Sicherheit und Komfort gleichermaßen Rechnung trägt, ähnelt für Barath ein wenig der Quadratur des Kreises: „Für viele bleibt z.B. ein Sicherheitsschuh der Klasse S3 ein Klotz am Bein. Selbst dann noch, wenn er optisch in eine Skaterhalle passen würde. Und damit 8 Stunden lang über ein Betriebsgelände zu stolzieren, ist für niemanden ein Honiglecken. Vielfach muss man sich damit abfinden, dass es die eierlegende Wollmilchsau nicht gibt.“ Grundsätzlich gebe es dennoch eine gute Auswahl am Markt, auch wenn die Suche nach dem Besten aus zwei Welten doch etwas Zeit erfordere.

Ausprobieren

Peter-Schrattenholzer

Peter Schrattenholzer,
Geschäftsführer Attensam

„Geht es um die Auswahl eines neuen Kleidungstückes, ist Probetragen durch unsere Mitarbeiter Pflicht, da man nur so die Alltagstauglichkeit beurteilen kann“, beschreibt Attensam-Geschäftsführer Schrattenholzer das Procedere. Natürlich spiele auch das Thema Sicherheit eine wichtige Rolle: „Besonders unsere Winterjacken sind mit zahlreichen reflektierenden Streifen ausgestattet, um die Sichtbarkeit unserer Mitarbeiter bei Nacht und in der Dämmerung zu gewährleisten.“ Spezielle Schutzhosen schützen die Mitarbeiter aus der Grünflächenbetreuung vor schweren Verletzungen beim Hecken- und Baumschnitt. Geht es an besonders gesundheitsgefährdende Tätigkeiten wir die Schimmelbekämpfung, die Entfernung von Taubenkot oder die Schädlingsbekämpfung mittels Vernebelung, sind Ganzkörper-Schutzanzüge und Atemschutzmasken gefragt. „Oft bedeutet diese zusätzliche Sicherheit eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit“, so Schrattenholzer.
LDS-Geschäftsführer Lederer findet das Angebot für Arbeitskleidung in der Zwischenzeit enorm: „Während früher lediglich wenige Schnitte und Kollektionen zur Auswahl standen, gibt es nun Kataloge mit Hunderten von Seiten. Viele dieser Produkte lassen sich auch personalisieren in Firmenfarben und aufgedrucktem oder eingesticktem Firmenlogo. Wir haben uns zu eigens für uns angefertigte  Basisuniformen entschlossen.“ Den Rest der Arbeitskleidung wie z.B. Jacken, Hauben, T-Shirts habe man der Corporate Identity angepasst. Soweit möglich, stelle man Arbeitskleidung mit zusätzlich flexiblen Einstellungen zur Verfügung: „Je nach Einsatzgebiet sind unsere Mitarbeiter natürlich auch mit PSA ausgestattet, dies geht von rutschfesten Schuhen mit oder ohne Stahlkappen bis hin zu Schutzbrillen und Gehörschutz.“

Individualisierung

Bei Engelbert Strauss weiß man um die unzähligen Wünsche der Unternehmen, die Schutzkleidung für ihre Mitarbeiter benötigen. Um die Auswahl zu erleichtern, können neben der Suche im Print-Katalog auch via Online-Eingabe bei den verschiedenen
Produktgruppen Punkt für Punkt die unterschiedlichen Anforderungen angeklickt werden.
Ötscher-Prokuristin Götzl-Guthrie versteht, dass man als Einkäufer für die passende Berufskleidung oft vor einer schwierigen Aufgabe steht: „Das Angebot ist unübersichtlich und die Produktvorteile oft nicht auf den ersten Blick zu sehen.“ Deshalb setze man bei Ötscher seit mittlerweile 70 Jahren nicht nur auf robuste und langlebige Kleidung, sondern auch auf persönliche Beratung: „Gemeinsam mit unserem Verkaufsteam kommt der Einkäufer zu einer Entscheidung, die sich vor allem auch langfristig bewährt.
Einen ähnlichen Fokus legt man auch bei Reindl an: „Große und mittlere Unternehmen finden das passende Outfit in der Beratung mit unserem Verkaufsaußendienst. Wir sind in jedem Bundesland für ein persönliches Beratungsgespräch vor Ort.“ Kleine Unternehmen finden in den Verkaufskatalogen oder im Onlineshop ein umfangreiches Sortiment. Apropos Online: Seit kurzem gibt es auf der Reindl-Webseite einen eigenen Produktkonfigurator.

Persönliche Beratung

CWS boco-Spezialistin Gerl hilft zunächst Unternehmen, die genauen Ansprüche an die Berufskleidung zu definieren: „Mit dem Kunden wird für den einzelnen Mitarbeiter und das jeweilige Bekleidungsteil die richtige Ausstattungsmenge ermittelt. Daran zeigt sich, dass die Auswahl der richtigen Bekleidung in der richtigen Menge weit über die erste Optik hinausgeht.“ Nachdem der Kunde gemeinsam mit dem Berater die passende Arbeitskleidung ausgewählt habe, komme im zweiten Schritt der Kundenbetreuer vor Ort und ermittle die richtigen Größen für jeden Mitarbeiter: „So können auch, wenn nötig, Hosenbeine oder Ärmel gekürzt werden, denn ein guter Sitz der Berufskleidung ist wichtig, damit sich der Mitarbeiter wohlfühlt und so seine Arbeit gerne und erfolgreich erledigt.“

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