Das Image

Image (engl. Bild, Abbild, Darstellung) bedeutet laut Duden: Achtung, Wertschätzung, hohe Meinung. Genießt die Reinigung als Branche bzw. die Tätigkeit der Reinigung diese Achtung, diese Wertschätzung, hat man von der Reinigung eine hohe Meinung?

Christian Wolfsberg

Christian Wolfsberg

Ich habe letztes Jahr im Juli, in Abwandlung des 1. Briefs des Apostel Paulus an die Korinther, drei Worte für die Ziele und Wünsche der Reinigungsbranche formuliert: Können, Image und Auftreten. Für diese Ausgabe im Juli haben wir versucht, uns etwas mit dem Image dieser Branche zu beschäftigen, vor allem haben wir (vergeblich) versucht, Daten aufzutreiben, die einen Imagevergleich zu anderen Berufsgruppen bieten. Die Innungen haben in den letzten Jahren viel positive Öffentlichkeitsarbeit geleistet, um dieses Image zu heben. Sie wollen dieses Image auch in der Gesamtbevölkerung nachhaltig verändern und haben dazu den Weg der Ausbildung und der Professionalisierung gewählt. Der Ansatz stimmt und hat mit Sicherheit geholfen, aber er wird nicht daran rütteln, dass Reinigen nie auf ein Imageniveau von z. B. Ärzten oder Universitätsprofessoren kommen wird. Aber warum haben etwa die Bauwirtschaft und die Reinigung ein so schlechtes Image und was kann dagegen getan werden?

GEGENWART

Im Gespräch mit einem Marktforscher (Name der Redaktion bekannt) gab dieser zu Protokoll, dass seinen Untersuchungen zu Folge – die freilich vom Auftraggeber unter Verschluss gehalten werden – die positive Wahrnehmung einer Branche erstens vom Anteil an Ausländern und Frauen abhängt und zweitens mit dem Auftreten der Mitarbeiter zu tun hat. Zitat: „Am Bau sind vorwiegend Ausländer beschäftigt, die kein Deutsch können und nur Dreck machen.“ Analoges gilt für die Reinigungskräfte. Auch hier arbeiten vorwiegend Menschen mit Migrationshintergrund, die sich oft in Deutsch nicht artikulieren können und deren optisches Auftreten sowohl von der Bekleidung wie auch von der Haltung nicht dem Durchschnitt anderer Branchen entspricht. Dazu kommt, dass die Branche offensichtlich an einer Art eingebautem Minderwertigkeitskomplex leidet, der sich ja auch darin zeigt, dass sich die Betriebe ungern Gebäudereiniger nennen – zumindest Faciliy Services muss es sein. Solange die öffentliche Wahrnehmung mit den alten Klischees bedient wird (zuletzt in „Vorstadtweiber“), solange wird sich auch am Image der „Jugo-Putze“ nur punktuell etwas ändern. Jedes kleine Plus wird durch solche Negativstories sofort entwertet.

ZUKUNFT

Alle Öffentlichkeitsarbeit, die versucht, das Image dieser Branche zu verbessern, wird nur dann langfristigen also nachhaltigen Erfolg ernten, wenn es gelingt – Können und Professionalität vorausgesetzt –, das Auftreten der Reinigungskräfte in der Praxis zu verbessern. Wie im Theater ist eben das Auftreten alles. Solange die Realität dieser Branche aber ist, mit schmutziger unpassender Arbeitskleidung gebückt durch die Gegend zu schleichen und sich aus Angst, angesprochen zu werden, zu verstecken, so lange wird sich auch nichts gravierendes am Image ändern. Die Zukunft dieser „Cleaning & Maintenance“ Branche muss sein: knackige saubere Berufskleidung, ein aufrechter und selbstbewusster Gang, ein gutes Deutsch und die Bereitschaft, mit allen in der Umgebung auf Augenhöhe verkehren zu können. In amerikanischen Sitcoms gibt es kaum eine Episode ohne Janitor (Hausbesorger), der selbstverständlich ein vollwertiges Mitglied der Story ist. Fazit, meiner Meinung nach: das Selbstbewusstsein und das Auftreten der Fachkräfte auf Normalniveau heben.

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